Explosion „roter“ Kredite in Griechenland

6. Juni 2015 / Aufrufe: 2.550

In Griechenland wird ein steiler Anstieg leistungsgestörter Kredite verzeichnet, während die Kriterien für den Versteigerungsschutz von Hauptwohnungen verschärft werden.

Die sogenannten „roten“ Kredite haben in Griechenland jeden Rekord gebrochen, während das Finanzministerium nach 1 bis 2 Mrd. Euro sucht, damit der zwischengeschaltete öffentliche Träger mit dem Aufkauf dieser Kredite beginnt, da die Gläubiger einem solchen Vorschlag positiv gegenüber stehen.

Das Problem der leistungsgestörten Kredite nimmt in letzter Zeit explosive Dimensionen an. So gelangten sie im Dezember 2008 bei 11,9 Mrd. Euro an. Zwei Jahre später hoben sie auf 28,6 Mrd. ab. Ende 2011 erreichten sie 41,6 Mrd. Euro. Und ein Jahr später kletterten sie auf 55,7 Mrd. Euro, Ende 2013 dagegen auf 72,5 Mrd. Euro. 2014 erreichten die nicht bedienten Kredite 80,5 Mrd. Euro, während sie sich Einschätzungen der Banken zufolge in den ersten Monaten des Jahres 2015 nahe bei 85 Mrd. Euro bewegen.

Über 50% der Verbraucherkredite sind leistungsgestört

Von diesen Krediten machen die Baukredite ungefähr 30 Mrd. Euro aus, die Verbraucherkredite und Kreditkartenschulden betragen ungefähr 15 Mrd. Euro und die nicht bedienten gewerblichen Kredite summieren sich auf über 40 Mrd. Euro. Die „Leistungsstörungen“ bei den Baukrediten betragen inzwischen 30%, bei den gewerblichen Krediten 35% und bei den Verbraucherkrediten über 50%. Charakteristisch ist, dass allein bei einer einzigen Bank eine Verzögerung von über 90 Tagen bei 391 Mio. Euro aus neuen Krediten verzeichnet wird, gegenüber 239 Mio. Euro im vorherigen Quartal.

Das Finanzministerium gab am 02 Juni 2015 die Bildung einer Arbeitsgruppe bekannt, welche die Ausarbeitung eines Plans für die Bewältigung des Problems der „roten“ Kredite zum Ziel hat. Für die gesamte Regulierung werden allerdings Monate nötig sein, während sich zur selben Stunde hunderttausende Kreditnehmer in Verzweiflung befinden. Es deutet jedoch alles darauf hin, dass wenigstens das Thema des Schutzes der Erst- / Hauptwohnung vor Zwangsversteigerungen gelöst wurde, der um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Die Kriterien, die gelten werden, sollen namentlich die selben mit denen der „Regelung Chatzidakis“ sein, nur dass es fortan mehr Stufen für die Berechnung der monatlich zu entrichtenden Rate und strengere Vermögenskriterien geben wird.

Schutz der Hauptwohnung vor Zwangsversteigerungen

Gemäß der alten Regelung war der Kreditnehmer verpflichtet, wenigstens 10% seines Einkommens (für die Bedienung seiner Schuld) zu entrichten, wenn dieses bis zu 15.000 Euro im Jahr betrug, und 20% des darüber hinausgehenden Einkommens. Die (festgesetzte Mindest-) Rate für jemanden, der ein Jahreseinkommen von 12.000 Euro hatte, betrug also 100 Euro im Monat, während für jemanden mit einem Jahreseinkommen von 30.000 die Rate 365 Euro erreichte. Mit den neuen Staffelungen soll die Rate in 5.000-Euro-Schritten berechnet werden, damit sie für die sehr niedrigeren Einkommen geringer und für größere Einkommen höher als bisher ausfällt.

Ergänzend sei angemerkt, dass für die Aufnahme unter die Regelung diverse weitere Kriterien und Voraussetzungen einhergehen müssen, deren (neue) Festlegung jedoch Teil der laufenden Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern bzw. den „Institutionen“ darstellt und anhängig ist. Der zuletzt von griechischer Seite unterbreitete Vorschlag für die Inanspruchnahme des Schutzes der Erst- / Hauptwohnung vor der Zwangsversteigerung sieht folgende Kriterien vor:

  • Der Einheitswert der (zu schützenden) Wohnung darf 200.000 nicht übersteigen.
  • Das deklarierte familiäre (!) Jahreseinkommen darf nicht über 35.000 Euro liegen.
  • Der Gesamtwert des mobilen und immobilen Vermögens des Schuldners darf nicht höher als 270.000 Euro liegen, wobei der Wert der Bankguthaben und sonstiger mobiler Vermögenswerte nicht mehr als 15.000 Euro betragen darf.

Die von dem Schuldner während des Zeitraums des gewährten Pfändungsschutzes jeden Monat zu entrichtende Tilgungsrate soll sich analog zu dem familiären Jahreseinkommen folgendermaßen gestalten:

Einkommensstufe Zu leistende Tilgung Monatsrate bis (gerundet)
bis 5.000 € 2% 8 €
5.001 – 10.000 € 10% 50 €
10.001 – 15.000 € 20% 133 €
15.001 – 20.000 € 30% 258 €
20.001 – 25.000 € 40% 425 €
25.001 – 30.000 € 50% 633 €
30.001 – 35.000 € 60% 883 €

 Als Berechnungsgrundlage gilt wie gesagt nicht allein das persönliche Einkommen des Schuldners, sondern die Summe der Einkommen aller (steuerlich) seiner Familie bzw. seinem Haushalt zugehörigen Personen. Für ein Jahreseinkommen von beispielsweise insgesamt 15.000 Euro ergibt sich demnach eine monatliche Mindestbelastung von [(5.000 € x 2%) + (5.000 € x 10%) + (5.000 € x 20%)] : 12 = 133 €.

Abschließend sei zum wiederholten Mal betont, dass der in Rede stehende Schutz der Erst- / Hauptwohnung vor einer Zwangsversteigerung (durch die Bank) sich nur auf (in der Regel per Hypothek bzw. Voreintragung besicherte) Bau- / Wohnungskredite bezieht.

(Quellen: dikaiologitika.gr, dikaiologitika.gr)

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