Antwort aus Griechenland an die BILD

27. Juni 2015 / Aufrufe: 3.350

In einem Anflug ungewöhnlicher Sensibilität mokierte sich die deutsche BILD über eine in Griechenland in der Zeitung TO PONTIKI publizierte Karikatur.

Die deutsche Zeitung „BILD“, von der wir nicht gerade eine … Sensibilität gegenüber der Verarbeitung des Tagesgeschehens – und erst recht nicht bezüglich ihres ästhetischen Feingefühls gegenüber den griechischen Themen – gewöhnt sind, beschwert sich darüber, dass unsere Zeitung „TO PONTIKI“ (Die Maus) eine Karikatur publizierte, die Griechenland und die griechische Regierung darstellt, unter der Drohung der Waffe des Herrn Schäuble auf das Konzentrationslager Auschwitz zuzugehen, über dessen Eingangstor anstatt der Überschrift „Arbeit macht frei“ der Schriftzug „There is no alternative“ (Es gibt keine Alternative) prangt …

Arbeit macht frei – Es gibt keine Alternative

… Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand … !“ (Aus der deutschen Nationalhymne)

Schäuble schickt Griechen ins Auschwitz der Austerität

Wir werden nicht die extrem rassistischen journalistischen Darstellungen der BILD zu Lasten unseres Landes und seiner Bürger aufzählen, noch werden wir uns auf ihre ungerechtfertigten und gezielten Angriffe gegen unseren nationalen Hintergrund berufen. Wir berufen uns jedoch auf die elementare Freiheit der Presse, uns unsere eigenen Gedanken machen und unsere Überlegungen frei ohne die Furcht formulieren zu können, von der Bild ein weiteres Mal über gutes Verhalten belehrt zu werden … . Wir werden uns auch nicht auf das Beispiel der Charlie Hebdo berufen, die dermaßen ungerecht wegen ihrer Skizzen zum Ziel gemacht wurde. Gewalt wird nicht nur mit Kugeln und Austerität ausgeübt, sondern auch durch Belehrungen …

Deswegen mögen die deutschen Kollegen uns gestatten, unsere journalistischen Aufgaben in Einklang mit den Rechten der Pressefreiheit auszuüben, die sich aus der Europäischen Aufklärung ableiten. Wir haben ihnen in Erinnerung zu rufen, dass wir das – zu dem weltweiten historischen GEDÄCHTNIS gehörende – Auschwitz ehren und Opfer dieser Hölleneinrichtung betrauern – wie im übrigen auch das moderne Deutschland.

Ihr überraschender moralisierender Protestantismus, der uns untersagt, zu essen und zu trinken, soll uns jedoch nicht in Angst vor ihrer Zensur auch verbieten, zu denken oder auf die Weltgeschichte zurückzugreifen. Anstatt dass Deutschland der Pionier bei der Durchsetzung der Austerität in Europa ist, wäre es gut, wenn dieses große Land sich auf seine bedeutsamen Traditionen besinnt und der Fahnenträger eines Europas der sozialen Fürsorge, des Schutzes der Schwachen und der Solidarität wird.

Es sei in Erinnerung gerufen, dass die deutsche Zeitung anlässlich der strittigen Skizze die Zeitung „Pontiki“ der Agitation gegen Deutschland beschuldigte, mit Titeln wie: „Entgleisung in griechischer Zeitung bezüglich der Eurokrise“ und „Unerhörter Vergleich mit Auschwitz„.

Die Antwort des Karikaturisten „Soloup“

Der Karikaturist „Soloup“ der Zeitung „To Pontiki“ kommentiert:

Bei gewissen deutschen Zeitungen ist es üblich, die griechischen Karikaturen ‚umgekehrt‘ zu lesen. Die Karikaturisten sind offensichtlich nicht gegen die Opfer der Gewalt und der Vorurteile (damals die Juden – heute die Griechen), sondern gegen die Täter. Damals waren die Nazis die Täter, heute ist es die Austeritäts-Politik. Damals sagten die Nazis, ‚an allem sind die Juden schuld‘, heute sagen diverse Medien – wie die Bild – ‚alle Griechen sind Faulpelze‘.

Heutzutage werden in den Karikaturen vieler griechischer Karikaturisten (mittels der Überspitzung) Parallelen zu der schmerzhaften und qualvollen Vergangenheit aufgezeigt, weil sich sehr leicht die selben Fehler wiederholen können, wenn es kein Gedächtnis gibt und die Völker nicht aus der Geschichte lernen.

Viele griechische Rentner erlebten in ihrer Jugend die nazistische Besatzung und erleben heute wiederum die deutsche Austeritäts-Politik, die zu Rentnern an oder sogar auch unter der Armutsgrenze, ohne medizinische Versorgung, ohne Würde geführt hat. Der heutige Geburtenrückgang in Griechenland hat ein entsprechendes Pendant nur während der Jahre der nazistischen Besatzung. Was versteht die Bild nicht? Außer, sie will auch dem Humor ein Memorandum aufzwingen, auf dass wir in Griechenland gezwungen werden, uns auf die Weise wahrzunehmen, wie jene uns sehen.

(Quelle: To Pontiki)

  1. Zahlmichel
    27. Juni 2015, 13:36 | #1

    Die BLÖDzeitung ist keine Zeitung sondern ein Verlautbarungsinstrument deutscher Eliten. Sie ist eine verkommene Hetzschrift wie wir sie schon zu Zeiten Hitlers hatten. Diese Zeitung ist ein bösartiges Krebsgeschwür in der deutschen Medienlandschaft.

  2. 27. Juni 2015, 14:28 | #2

    Wundern Sie sich bitte nicht über die BILD-Zeitung. Sie wurde nach dem II. Weltkrieg vom amerikanischen Geheimdienst CIA mit sieben Mio. US-Dollar Aufwand gegründet. Und Kai Diekmann (BILD-Chef) ist u.a. Vorstandsmitglied der Atlantik-Brücke e.V. − eines elitären Vereins, der die politischen Geschicke in Deutschland beeinflusst.

  3. fio
    27. Juni 2015, 19:17 | #3

    Worüber regt sich ausgerechnet die „BILD“ auf? Was da in Brüssel abgeht ist eine absolute Schweinerei. Ich schäme mich Europäerin zu sein. Keine Hilfen für einen Monat. Die EU wird noch viel Geld für Griechenland hinlegen Ob das den EU-Staaten passt oder nicht. Weg mit dem Euro, zurück zur EG. Dann geht es den Menschen in Italien und anderen Südländern endlich wieder besser. Diese EU ist doch nur für Reiche und die Eliten gedacht. Gut so, Herr Tsipras und Herr Varoufakis. Endlich hat es mal eine Regierung den Herren Juncker, Djisselbloem etc. gezeigt. Am meisten freut es mich für Frau Merkel und Herrn Schäuble.

  4. Konstantin
    27. Juni 2015, 20:36 | #4

    Bild ist keine Antwort wert.

  5. windjob
    27. Juni 2015, 20:44 | #5

    Ausgerechnet die grösste Schmierenpresse regt sich nun auf. Diese Blatt ist doch das Papier nicht wert auf dem es gedruckt wird. Ich habe es immer abgelehnt die B… selbst geschenkt anzunehmen. Die würde ich nicht mal aufs Klo hängen. Für die, die dies nicht kennen zu meiner Kindheitszeit hat man Tageszeitungen genommen um sich den Hintern abzuwischen selbst dafür wäre mir mein A… zu schade.

  6. Ronald
    27. Juni 2015, 21:00 | #6

    Wenn ich die Karrikatur sehe gibt das einen Stich in meiner Seele. Aber: Was für Charlie gilt muss auch für das von mir ungeliebte Blatt „To Pontiki“ gelten. Karrikartur darf das …

  7. Mustermaus
    28. Juni 2015, 22:27 | #7

    Man muss sich ja nicht den schlechten Stil der BILD-Zeitung als Vorbild nehmen.

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