Sittenwidrige Besteuerung Minderbemittelter in Griechenland

24. Mai 2015 / Aufrufe: 2.017

In Griechenland werden speziell Steuerpflichtige mit geringfügigen Einkommen aus Zinsen und Mieten mit absurden Steuerforderungen konfrontiert.

Die Einkommensteuererklärung 2015 (für Einkommen des Jahres 2014) versteckt eine böse Falle für alle Steuerpflichtigen (gleich ob sie Steuerinländer- oder Steuerausländer sind!), die innerhalb des Jahres 2014 geringfügige Einkommen aus Guthabenzinsen, kein sonstiges Einkommen deklariert und gleichzeitig eine (gleich ob Eigentums- oder Miet-) Wohnung haben oder einen Pkw besitzen.

Angeblich sollen die konkreten Steuerpflichtigen mittels einer neulich ratifizierten speziellen gesetzlichen Regelung vor den unsittlichen Einkommensindizien geschützt werden. Das Problem wurde jedoch nicht behoben, weil die konkrete Regelung sich in der Praxis als „löchrig“ erweist und die Steuerpflichtigen den sogenannten Einkommens- und  Lebenshaltungsindizien zum Opfer fallen.

Angebliche Schutzregelung greift in der Praxis nicht

Konkret wird mittels einer im März 2015 von dem Parlament ratifizierten Bestimmung vorgesehen, dass für all jene Steuerzahler, die 2014 geringe Einkommen nur aus Zinsen (oder Mieteinnahmen) hatten, nicht das minimale Lebenshaltungskostenindiz („Kopfpauschale“) gilt, das sich für jeden Ledigen auf 3.000 Euro und für jeden verheirateten Steuerpflichtigen auf 2.500 Euro beläuft. Trotzdem sind die Betroffenen  aufgefordert, überdimensionale Beträge zur Einkommensteuer zu entrichten, und zwar einzig und allein, weil sie eine (Miet- oder Eigentums-) Wohnung haben oder auch private Fahrzeuge besitzen.

In den meisten Fällen von Steuerpflichtigen mit sehr niedrigen Einkommen aus Zinsen oder auch Immobilien wird jedwede sich wegen der Anwendung der Einkommensindizien ergebende zusätzliche Einkommensdifferenz als „Einkommen aus einer unternehmerischen Tätigkeit“ mit einem Satz von 26% besteuert.

Einkommensteuer + Steuervorauszahlung

Danach wird die sich ergebende Steuer um weitere 55% erhöht, da auch eine Steuervorauszahlung für das kommende Jahr erhaben wird, was zur Folge hat, dass die Gesamtbelastung auf die zusätzliche Differenz des fiktiven Einkommen auf 40,3% hochschnellt.

Angenommen, ein Steuerpflichtiger hatte im Jahr 2014 ein Einkommen aus Zinsen in Höhe von 0,57 Euro. Dieser Steuerpflichtige wohnt in einer sich in seinem eigenen Besitz befindlichen Wohnung von 50 qm, die er von seinem Vater erbte, und hat auch einen – ebenfalls von seinem Vater geerbten – 10 Jahre alten Pkw mit einem Hubraum von 1.400 cm³. Bei der Abrechnung seiner Einkommensteuererklärung wird die GGDE ein fiktives Einkommen von 7.600 veranschlagen (unter Berücksichtigung der minimalen Kopfpauschale von 3.000 Euro + Einkommensindiz aus der Wohnung in Höhe von 2.000 Euro + Einkommensindiz wegen des Fahrzeugs in Höhe von 2.600 Euro). Die sich zusätzliche Differenz für das sich ergebende fiktive Einkommen beläuft sich auf 7.599,43 Euro (7.600,00 – 0,57 = 7.599,43).

Die zusätzliche fiktive Einkommensdifferenz von 7.599,43 Euro wird mit 26% besteuert werden, womit die entsprechende Steuer 1.975,85 Euro erreicht (7.599,43 x 26% = 1.975,85). Weiter wird auf den Steuerbetrag von 1.975,85 Euro auch eine Steuervorauszahlung für das kommende Jahr mit einem Satz von 55% erhoben, womit sich also eine zusätzliche Belastung in Höhe von 1.086,72 Euro ergibt (1.975,85 x 55% = 1.086,72). Der Gesamtbetrag der Einkommensteuer ergibt sich aus der Addition der 26%-igen Steuer auf die fiktive Einkommensdifferenz (1.975,85 Euro) und der 55%-igen Steuervorauszahlung (1.086,72 Euro), womit sie sich schließlich auf den absurden Betrag von 3.062,57 Euro summiert.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass vorstehendes sinngemäß ebenfalls für Auslandsansässige bzw. sogenannte Steuerausländer gilt (siehe auch Steuerausländer und Einkommensbesteuerung in Griechenland).

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Stelios Kraloglou)

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