Griechenlands Finanzminister lastet Schäuble Fehler an

22. Mai 2015 / Aufrufe: 1.914

Yanis Varoufakis soll in einem Interview an Die Zeit vertreten haben, sein deutscher Amtskollege Wolfgang Schäuble substituiere reale Argumente durch relative Macht.

Nach seinem Interview mit dem griechischen Journalisten Nikos Chatzinikolaou in der TV-Sendung „Enikos“ (siehe Griechenland: keine Vereinbarung ohne Umschuldung!) sprach Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis zu der deutschen Zeitung „Die Zeit“ und kritisierte seinen deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble.

Konkret von dem Journalisten gefragt, ob der konservative deutsche Politiker Fehler begehe, soll Herr Varoufakis geantwortet haben, „Ja, macht er.„, und die Weise kommentierend, auf die Wolfgang Schäuble dem griechischen Thema begegnet, soll Varoufakis erklärt haben: „Schäuble substituiert die wirklichen Argumente durch politische Macht.

Varoufakis: Meine Erklärungen wurden wie erwartet verzerrt …

Es ist enttäuschend, dass wir nicht in der Lage sind, miteinander in einem Rahmen zu reden, in dem die Argumente mehr zählen werden als die relative Macht„, soll weiter der griechische Finanzminister gegenüber der Zeitung erklärt haben.

Wenige Stunden nach Veröffentlichung des Interviews sprach Yanis Varoufakis allerdings von einer Verfälschung seiner Antworten und zitierte auf seinem persönlichen Blog den vollständigen Text seines – auf Englisch gegebenen – Interviews an „Die Zeit“:

Fragen & Antworten über Dr. Wolfgang Schäuble in „Die Zeit“

Die gute qualitative deutsche Zeitung stellte mir drei Fragen in Bezug auf Dr. Schäuble. Ich gab ihnen die nachstehend folgenden Antworten. (Wie vorauszusehen war, sputeten sich einige Nachrichtenagenturen, diese auf ihre Weise zu verzerren. So ist das Leben in diesen Tagen …)

1. Wenn Sie einem Teenager, vielleicht Ihrer eigenen Tochter, erklären wollen würden, welche Ihre Beziehung zu dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble ist – was würden Sie ihr sagen?

Ich würde meiner Tochter sagen, dass es aus meiner Sicht eine vielschichtige Beziehung ist. Es besteht ein Gefühl der Ehrfurcht, das ich bei einer Begegnung mit einer legendären Figur empfinde, deren Arbeit ich jahrzehntelang kritisch verfolgte. Weiter besteht ein starker Drang, seinem übergreifenden Ansatz für sich auf Europa beziehende gemeinsame Probleme zu begegnen. Zusätzlich gibt es einen gewissen Frust darüber, nicht die Chance zu haben, in einer anderen Konstellation zu diskutieren; diese Treffen in einen richtigen föderativen, demokratischen Rahmen zu bringen, in dem Argumente eine wichtigere Rolle als relative Macht spielen würden.

2. Welche sind die europäischen Themen, in denen Sie sich mit Herrn Schäuble wahrscheinlich einig sein könnten?

Dass Europa eine politische Union braucht, ohne diese unsere Währungsunion problematisch ist.

3. Denken Sie, Herr Schäuble macht in seiner Analyse der Situation Griechenlands Fehler? Wenn ja, welche?

Ja, das denke ich (wie ich sicher bin, dass er denkt, ich irre in meiner Analyse). In erster Linie assoziiert er vergangene griechische Regierungen mit dem griechischen Volk; als ob erstere den Charakter des letzteren reflektieren. Und er weiß nicht zu schätzen, wie hilfreich es für die Mainstream-Nordeuropäer wäre, einen Modus Vivendi mit einer Bewegung (wie der SYRIZA in Griechenland) zu finden, die gegenüber den europäischen Institutionen sehr kritisch sein mag, jedoch zutiefst pro-europäisch und eifrig bemüht ist, dabei zu helfen, Europa näher zusammen zu bringen.

(Quellen: www.thepressproject.gr, Yanis Varoufakis)

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