Deutschland ist für den Euro eine größere Bedrohung als Griechenland

8. Mai 2015 / Aufrufe: 2.747

Deutschland verletzt ungestraft kontinuierlich den EU-Vertrag und stellt für den Euro eine größere Bedrohung als Griechenland dar.

Der Handelsbilanzüberschuss Deutschlands verzeichnet weiterhin neue Rekorde und stellt für den Euro eine größere Bedrohung dar als Griechenland, führt ein Artikel von Ambrose Evans – Pritchard in der britischen Zeitung Daily Telegraph an.

Gemäß der jüngst bekannt gegebenen Frühjahrsprognose der Europäischen Kommission wird erwartet, dass der Überschuss der deutschen Handelsbilanz (sprich die Differenz zwischen den exportierten Produkten und Dienstleistungen und den Importen von Produkten und Dienstleistungen des Landes) in diesem Jahr alle vorherigen Rekorde brechen und 7,9% des BIP erreichen sowie sich auch 2016 auf 7,7% des BIP gestalten wird.

Die Großen spielen nach ihren eigenen Regeln

Die unbestimmten Versicherungen, der deutsche Überschuss würde im Lauf der Zeit gesenkt werden, erwiesen sich ein weiteres Mal ohne jeglichen Wert, merkt Pitchard an und ergänzt, Deutschland sei heute das Land, das die Regeln der Eurozone am meisten bricht.

Würde die Gesetzgebung des EU-Vertrags umgesetzt werden, würde Deutschland mit Sanktionen konfrontiert sein. Brüssel verlangte vor einem Jahr von Deutschland, ’seine Hausaufgaben‘ zu machen, vermied jedoch, Maßnahmen gegen Deutschland zu ergreifen. Wir werden sehen, ob die Kommission unter Jean-Claude Juncker das Thema dieses Mal besser handhaben wird. Falls nicht, werden die Zyniker berechtigt schlussfolgern können, dass die großen Länder in der EU nach ihren eigenen Regeln spielen und dass Deutschland alle Regeln ignorieren darf. Die Sanktionsmaschinerie der WWU ist auf jeden Fall besonders politisch„, merkt der Artikel an.

Das laufende Jahr ist das fünfte aufeinanderfolgende Jahr, in dem der deutsche Handelsüberschuss sich auf über 6% gestaltet. Das Prozedere des makroökonomischen Ungleichgewichts der EU sieht die Einleitung rechtlicher Sanktionen vor, sofern es für drei aufeinanderfolgende Jahre 6% des BIP übersteigt, außer wenn es einen klaren Grund gibt, dies nicht zu tun. „In diesem Fall existieren wenige entlastende Faktoren. Der deutsche Überschuss ergab sich nicht aus einem einzelnen Schock. Der Überschuss bleibt riesig, sogar auch wenn er wegen der niedrigeren Preise importierter Energie angeglichen wird. Es handelt sich um einen chronischen strukturellen Missbrauch, der die Währungsunion diachronisch nicht funktionsfähig macht, und er ist für die Einheit der Eurozone sicherlich gefährlicher als alles, was mit Griechenland geschieht„, merkt Pitchard an.

Deutschland muss bestraft werden

Deutschland muss bestraft werden„, erklärte Simon Tilford vom Zentrum für europäische Reformen und fügte an: „Deutschlands Überschuss muss auf die selbe Weise begegnet werden wie vorher den Defiziten der Länder des Südens begegnet wurde, nämlich als eine vergleichbare Gefahr für die Stabilität der Eurozone. Das sehr Beunruhigende ist, dass in dieser Phase des wirtschaftlichen Zyklus der Überschuss Deutschlands normalerweise mit schnellen Rhythmen hätte gesenkt werden müssen.

Deutschlands Arbeitslosenquote bewegt sich bei 4,7%, was die niedrigste nach seiner Wiedervereinigung ist. Folglich hätte es einen großen Anstieg des Konsums geben müssen. Dies erfolgt jedoch nicht, weil der Balancierungsmechanismus behindert wird. „Was sich ergibt, ist dass die WWU verurteilt ist, von Krise zu Krise zu schlittern, sogar auch wenn es einen Aufschwung der Wirtschaft geben wird. Jeder Aufschwung in Südeuropa wird zu der selben Kumulierung von Handelsungleichgewichten innerhalb der WWU und folglich zu entsprechenden ausgleichenden Kapitalflüssen, Finanzierung der Verschuldung durch die Bürger und Vermögensblasen führen, die anfänglich in die Krise der WWU führten„, betont der Redakteur.

(Quelle: To Pontiki)

  1. anonym
    8. Mai 2015, 07:36 | #1

    Früher hätte die DM aufgewertet. Dadurch wäre die Kaufkraft der Bevölkerung gestiegen, auch wenn die Löhne dem „Gürtel enger schnallen“ zum Opfer gefallen wären. Gleichzeitig hätte sich die Handelsbilanz zugunsten der (billigeren) Importe verschoben.

    Ansonsten: Hört auf, „die Deutschen“ bestrafen zu wollen, die leiden so wie die Griechen unter der aktuellen Politik. Bestraft die Verantwortlichen in Politik und Konzernen, die sollen dann aber bitte mit ihrem Privatvermögen haften und nicht wieder alles auf die Steuerzahler und Angestellten abwälzen.

  2. hope
    8. Mai 2015, 08:26 | #2

    Maastricht und der Euro sind für die Großen angelegt. Nun rösten die Starken die Schwachen wie einen Fisch am Spieß. Man muß geistig aus der Währungunsunion austreten, um sie in ihrem Ausmaß zu begreifen. Und wenn man sie begriffen hat, dann will man auch physisch austreten.

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