Beginn des Endes der Illusionen für Griechenland

15. Mai 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 2.715

Während Griechenlands Regierung immer noch mit den Gläubigern verhandelt, scheinen die Würfel längst gefallen und das Schicksal des Landes besiegelt zu sein.

Alles deutet darauf hin, dass wir in die Endphase unserer modernen griechischen Tragödie eingetreten sind. Die neue Regierung des Landes fährt im fünften aufeinanderfolgenden Monat fort, „mit den Gläubigern zu verhandeln“. Sogar auch die Naivsten und Gutgläubigsten haben Verdacht zu schöpfen begonnen, was tatsächlich geschieht … .

Gestern Abend trat der Vorstand des IWF zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen um die Lage zu untersuchen, da die letzte Rate (Griechenlands an den IWF) zwar gezahlt wurde, jedoch aus der Sonderrücklage, die als letztes Sicherheitsventil für Zahlungen an den IWF existierte. Und auf Basis der Regelungen müssen diese Gelder innerhalb eines Monats an ihren Platz zurückkehren. Zusammen mit den Renten und Gehältern (des öffentlichen Sektors), die Ende Mai zu zahlen sind.

Die Ratifizierung jedweder Vereinbarung erscheint fast unmöglich

Es besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der IWF sich völlig aus dem Hilfsprogramm für Griechenland zurückziehen wird, was unvermeidlich den Beginn des Endes der Illusionen bedeuten wird. Gleichzeitig wird am heutigen Tag Moody’s höchstwahrscheinlich eine neue Abwertung der griechischen Wirtschaft bekannt geben, was unter Umständen neue große unüberwindliche Hindernisse und Probleme schaffen könnte.

Die griechische Regierung jedoch setzt die „harte Verhandlung“ fort, mit Ziel eine „Vereinbarung“ innerhalb des Monats Mai. Die mögliche Vereinbarung werden einerseits die Parlamente der EU und der Eurozone und andererseits das griechische Parlament zu genehmigen haben. Jede wie auch immer geartete Vereinbarung wird für die kommenden Jahre eine Finanzierung in der Größenordnung von 30 – 50 Mrd. Euro benötigen. Diese Vereinbarung wird fast 28 Parlamente der EU und 19 Parlamente der Eurozone passieren müssen. Mit dem negativen Klima und der internationalen Isolierung, welche die Regierung Tsipras erreicht hat, erscheint dies sogar auch für eine zu Lasten Griechenlands sehr unausgeglichene Vereinbarung fast unmöglich.

Auf griechischer Seite ist es schwer, dass die parlamentarische Mehrheit SYRIZA – ANEL mit ihren 162 Abgeordneten geschlossen für jedwede möglicherweise von den insgesamt übrigen 18 Parlamenten ratifizierte Vereinbarung stimmen wird. Falls wiederum jede beliebige Vereinbarung das Parlament mit den Stimmen der Opposition passiert, werden politische Entwicklungen eingeleitet und die politische und wirtschaftliche Instabilität verlängert werden.

Bequem zurücklehnen und … den großen Knall genießen

Was wird das Resultat sein? Wie wird der „Laden“ laufen? Welche wird die wirtschaftliche Aktivität sein? Welche die Steuereinnahmen? Welche die Planung für die Zukunft? Die Antwort ist uns bekannt: Die Katastrophe ist bereits geschehen! Schwerlich werden wird dem Schicksal entgehen … . Der seit Oktober 2014 bis heute in der Wirtschaft angerichtete Schaden ist unermesslich. Sobald sichtbar wurde, dass das Land sich wegen der SYRIZA auf Wahlen zubewegt, fror der Markt ein. Im September hatte eine Welle des Konsumanstiegs begonnen. Die Menschen hatten Mut gefasst und das Klima hatte sich langsam zu verbessern begonnen.

Die Wirtschaft hatte natürlich auch damals ernsthafte Probleme, wobei das ernsteste von allen die Ermüdung der Menschen durch eine ausweglose Steuerbeitreibungspolitik war. Und genau das verurteilten die Wähler bei den Wahlen im Januar 2015. Was jedoch in Wirklichkeit geschah, ist dass die berühmte Unklarheit der SYRIZA und ihre unbeschreibliche Politik auf allen Ebenen den Wagen mit noch höherer Geschwindigkeit zur Wand hinschoben.

Das einzige, was uns jetzt noch bleibt, ist sich bequem zurückzulehnen und den … großen Knall zu genießen … .

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. GR-Block
    15. Mai 2015, 01:44 | #1

    Ah, ist Herr Samaras inzwischen Ghostwriter für die Presse geworden?

  2. EuroTanic
    15. Mai 2015, 09:09 | #2

    „Ja aber der Kaiser hat ja keine Kleider an.“ So der Ausruf des Kindes in dem Märchen. So wird es nun auch bald in Europa sein, nicht nur in Griechenland. Aber es wird kein „bequemes Zurücklehnen“ und kein „gegniessen“ geben. Ich erinnere daran, das alleine in der BRD zur Weltwirtschaftkriese 1929-1932 mehrere Millionen Menschen verhungert sind. Der Mensch ist heute mehr als je zuvor auf arbeitsteilige Wirtschaft und globale Infrastrukturen gewöhnt. Es wird ein bitteres Erwachen geben, und der Mensch zeigt sich in der totalen Krise immer von seiner schlechtesten Seite, da dann die Notfallprogramme im Kleinhirn abgerufen werden. Mord und Totschlag werden die Regel sein. Selbst die, die vorgesorgt haben werden dem nicht entfliehen können, weil der Mob sie immer und überall finden wird.

  3. rafael
    15. Mai 2015, 09:15 | #3

    Ja. Zurücklehnen und auf den großen Knall warten. Der Zug ist abgefahren, schon lange, er fuhr langsam in den Bahnhof ein hielt kurz an und bewegt sich nun mit erhöhtem Tempo ohne Griechenland auf die weitere Reise. Griechenland haderte, da es eigentlich wußte daß es in jedem Fall eine unbequeme Reise ohne konkretes Ziel antreten würde! Ist es vielleicht nicht besser zu Hause zu bleiben, seine Felder so gut wie irgend möglich zu bestellen und zu hoffen, daß die Erträge zumindest zum Überwintern reichen. Bis zum nächsten Jahr und dem darauf folgenden, eben mit Geduld in die eigene Kraft zu vertrauen und durch gewonnenes Selbstvertrauen den Bibelspruch positiv zu interpretieren: Nach sieben mageren Jahren folgen sieben fette Jahre.

  4. Catalina
    15. Mai 2015, 10:51 | #4

    Um die Wand ENDLICH zu durchbrechen, braucht man eine große, große, immer höher werdende Geschwindigkeit. Weiter so Syriza! Wir haben keine Angst! 😉

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