Szenarium einer Parallelwährung in Griechenland

1. April 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 1.594

Sollten Griechenland die Euro ausgehen, könnte Athen gezwungen sein, parallel zum Euro eine Art Zweitwährung einzuführen.

Es ist unwahrscheinlich, dass Griechenland – vorsätzlich oder infolge eines Unfalls – aus dem Euro ausscheidet. Etliche Amtsträger der Eurozone meinten jedoch, das Land könnte gezwungen sein, parallel zum Euro ein alternatives Zahlungsmittel zu präsentieren um diverse inländische Rechnungen zu bezahlen, wenn mit den Gläubigern nicht bald eine Vereinbarung „Reformen gegen Geld“ erzielt werden wird.

Athen hat den Zugang zu den Anleihenmärkten verloren und die internationalen Gläubiger sind nicht bereit, ihm mehr Geld zu leihen, bevor es nicht Reformen umzusetzen beginnt. Ein Amtsträger mit Kenntnis des Themas äußerte vergangene Woche, ohne neue Finanzierung werde der Regierung bis zum 20 April 2015 das Geld ausgehen.

Parallelwährung in Form von Zahlungsversprechen

Irgendwann, wenn die Regierung keine Euro mehr haben wird um Gehälter und Rechnungen zu bezahlen, könnte sie beginnen, Zahlungsversprechen auszustellen – ein Papier, das besagt, sein Inhaber werde irgendwann in der Zukunft einen Betrag in Euro erhalten„, meinte ein höherer Amtsträger der Eurozone. „Diese Schuldscheine werden bald in einem Sekundärkreislauf mit hohem Nachlass gegenüber dem realen Euro gehandelt zu werden beginnen und zu einer wie auch immer genannten ‚Währung‘ werden, die es parallel zu dem Euro geben würde.

Wenn der Regierung die Euro ausgehen, um Gehälter, Renten und Lieferanten zu bezahlen, wird es nötig sein, dass sie Kapitalkontrollen verhängt um dem massenhaften Abfluss von Euro aus dem Land zuvorzukommen. Dies könnte die Beträge beschränken, welche die Griechen über Bankautomaten abheben oder ins Ausland schicken können, wie es 2013 in Zypern geschah. Die Zahlungszusagen werden möglicherweise in Geschäften nicht akzeptiert und können zumindest anfänglich nur für Zahlungen verwendet werden, die mit dem Staat in Zusammenhang stehen, wie beispielsweise für Stromrechnungen. Gleichzeitig würde der Staat die Euro aus den Steuereinnahmen zurückhalten um den Schuldendienst zu decken und den Bankrott zu vermeiden.

Diese Regelung könnte vorläufig sein um die Regierung aufrecht zu halten, solange sie mit den Gläubigern zu verhandeln versucht, damit mehr Euro mit Krediten freigegeben werden„, meinte ein zweiter Amtsträger der Eurozone. Die Amtsträger äußerten, Griechenland habe in der Vergangenheit gezeigt, bereit zu sein, die Bezahlungen seiner Inlandsverpflichtungen zu verzögern um die für den Schuldendienst benötigten Euro zu sammeln. In letzter Zeit stützt sich die griechische Regierung sich zur Deckung des Liquiditätsmangels auf Rückkäufe – wobei sie sich Geld von staatlichen Trägern leiht. Dies kann jedoch nur noch für einige Wochen so weitergehen.

Die griechische Regierung weigerte sich, Fragen in Zusammenhang mit einer möglichen Parallelwährung zu beantworten, und erklärte, eine Einigung mit den Gläubigern in dem Rahmen zu erwarten, den Premierminister Alexis Tsipras bei den Begegnungen während der Gipfelkonferenz der EU in der vergangenen Woche erörterte. „Die griechische Regierung glaubt, dass es eine Einigung mit der Eurogruppe geben und die Finanzierung letztendlich freigegeben werden wird, wie es bei der ‚Begegnung der 7‘ vereinbart wurde„, meinte ein Amtsträger der griechischen Regierung.

Bankrott im Euro?

Griechische Amtsträger – einschließlich auch des Finanzministers Yanis Varoufakis – haben die Überlegung zurückgewiesen, dass Griechenland von allein den Euro verlässt, und es existiert kein rechtlicher Modus und zwischen den übrigen 18 Ländern der Währungsunion auch nicht der politische Wille, Griechenland hinauszuwerfen. „Es gibt kein Mittel, einen Staat zu zwingen, aus der Eurozone oder der Europäischen Union auszuscheiden, und Griechenland hat keinerlei Absicht, von allein zu gehen„, meinte der zweite Amtsträger der Eurozone.

Gewisse Wirtschaftswissenschaftler vertreten, Griechenland könnte die Initiative ergreifen um zur Drachme zurückzukehren, da es dann seine Währung erheblich abwerten könnte um seine Exporte konkurrenzfähiger zu machen und großes touristisches Interesse anzuziehen. Dies würde es jedoch Griechenland auch unmöglich machen, seine ungeheure öffentliche Verschuldung zu tilgen, und es in den Bankrott zwingen.

Sollten sie pleite gehen, wäre vorzuziehen, dass dies innerhalb der Eurozone geschieht und nicht außerhalb, weil es dann für alle an der Währungsunion beteiligten Länder ein Problem werden würde und nicht nur für Griechenland„, äußerte ein dritter Amtsträger. In einem Video aus dem Jahr 2013 sagte Yanis Varoufakis – als er noch Akademiker war – genau das. „Mein Vorschlag war, dass Griechenland im Januar 2010 einfach bekannt geben sollte, im Euro bankrott zu gehen, Deutschland den Finger zu zeigen und zu sagen: nun könnt ihr das Problem alleine lösen„, erklärte in der damaligen Videoaufzeichnung der zukünftige Minister.

Die große Frage wäre dann gewesen, ob die Europäische Zentralbank dem griechischen Banksystem weiterhin Liquidität mittels der ELA-Notfallfinanzierung gewährt hätte, die für überlebensfähige Banken mit einem Liquiditätsproblem geplant worden ist. Hätte die EZB die Hilfe eingestellt, wäre das griechische Banksystem höchstwahrscheinlich zusammengebrochen und hätte die Banken zu einer Rekapitalisierung in einer neuen „Währung“ gezwungen, oder – wenn die Folgen des Zusammenbruchs sehr ernst gewesen wären – der Euro hätte vereinbaren können, die Banken erneut zu rekapitalisieren, wahrscheinlich mittels des Rettungsfonds des europäischen Stabilitätsmechanismus. Die Amtsträger meinten jedoch, diese Optionen lägen dermaßen fern, dass sie nicht einmal inoffiziell erörtert wurden.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. Peter
    1. April 2015, 22:18 | #1

    Wenn Griechenland im Euro Bankrott geeht, dann wird es auf Default gesetzt und bekommt dann nicht einmal mehr die ELA Kredite. Es MUSS dann die Drachme einführen.

  2. GR-Block
    2. April 2015, 08:52 | #2

    Das mit der Parallelwährung ist gar keine so schlechte Idee. Kuba hatte als offizielle Zweitwährung jahrelang den Dollar und heute den „konvertierbaren“ Peso, der Devisen ins Land bringt. Als Übergang zur Drachme wäre das eine gute Idee.

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