Soll Griechenland für seine linke Regierung bestraft werden?

26. April 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.803

Griechenlands Außenminister Nikos Kotzias fragt sich, ob die europäischen Partner dem Land helfen oder es exemplarisch bestrafen wollen, weil es eine linke Regierung hat.

Wollen sie uns unterstützen, damit wir ein Wachstum haben … oder beschließen sie, Griechenland in Schwierigkeiten zu bringen, um es zu bestrafen und ein Exempel zu statuieren, was einem Land passiert, das eine linke Regierung hat?“ Dieses Dilemma stellte der griechische Außenminister Nikos Kotzias in einem Interview an die Nachrichtenagentur Reuters aus New York am letzten Tag (24 April 2015) seines fünftägigen offiziellen Besuchs in den USA.

Herr Kotzias betonte, er respektiere Deutschland, jedoch nicht die deutsche Politik oder die Art und Weise, auf die Berlin der griechischen Wirtschaft begegnet, und betonte – wie Reuters berichtet – dabei, Athen und seine Partner in der Eurozone haben zu einem Kompromiss zur Ausarbeitung von Politiken zu gelangen, welche die Konjunktur wiederbeleben und dem Land gestatten, seine Schulden abzuzahlen.

Anstatt Griechenland eine Lösung zu geben, wird es unter Druck gesetzt

Auf die Frage, ob er von Europa einfach nur verlange, Griechenland zu vertrauen, antwortete der Außenminister „nein“ und erklärte, „Vertrauen ist eine sehr bedeutsame Sache, aber wir haben Realisten zu sein„. „Es ist wie das Feiglingsspiel (Chicken-Game), aber nicht die Art des Spiels, wie sie es kennen. Was unsere Freunde vergessen, ist, dass wir keinen Treibstoff haben um uns zu bewegen … . Wir wollen einen Vergleich erreichen, und zum Schluss werden wir es tun„, unterstrich Herr Kotzias. „Anstatt Griechenland eine Lösung zu geben, setzen sie es unter Druck? Welche könnte die Lösung sein?„, fragte er sich und unterstrich, „die Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) kommt. Das liegt in niemandes Interesse, deswegen werden wir eine Lösung finden„.

Sich auf die Zusammenarbeit mit Russland bezüglich des Baus einer Erdgas-Pipeline beziehend, welche die Türkei, Griechenland, die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Makedonien, Serbien und Ungarn durchqueren sowie möglicherweise auch Österreich umfassen wird, äußerte Nikos Kotzias, im Mai 2015 werde sich eine Gruppe treffen um technische und finanzielle Themen zu erörtern. Auf Basis der russischen Berechnungen könnte die Investition für den griechischen Abschnitt der Leitung 2 – 2,5 Mrd. Dollar erreichen, fuhr er fort und unterstrich, die Finanzierung könnte von westlichen Firmen und Banken anstatt von der russischen Regierung kommen.

Was das Geld betrifft, das Griechenland als Anzahlung auf die zukünftigen Gewinne aus dieser Erdgas-Leitung erhalten könnte, führte der Außenminister an, laut den Russen gehe es um einen ähnlichen Betrag, wie ihn Bulgarien aus der Pipeline South-Stream-Pipeline erhalten hätte. „Ich bin mir nicht sicher, aber es sind ungefähr 5 Mrd. Dollar„, merkte er an.

Schließlich erklärte Herr Kotzias noch, der Sonderbeauftragte der USA für Energiethemen, Amos Hochstein, werde sich in zwei Wochen in Athen befinden um einen alternativen und potentiell umfassenderen Plan für den Bau einer Erdgas-Pipeline präsentieren, die auch Albanien und Bosnien einbeziehen könnte.

(Quelle: Imerisia)

  1. os
    26. April 2015, 01:59 | #1

    Das Spiel heißt 18 gegen einen. Das Spiel kann Griechenland nicht gewinnen, denn es steht mit leeren Händen da und muss um Gaben betteln. Die Eu muss dem Gas-Projekt zustimmen. Warum soll Sie einem Projekt zustimmen, das Sie Bulgarien verwehrt hat. Spätestens in der Konkretisierung wird Bulgarien mit akler Macht Griechland in der Eu Knüpel zwischen die Beine werfen. Griechenland hat kein Geld den Bau der Pipeline zu finanzieren. In westruropa ist fie Pipeline unerwünsch. Wer gibt dann das Geld?

  2. N_K
    26. April 2015, 10:20 | #2

    Griechenland sei dringend angeraten, sich der isländischen Position anzunähern, auf die ganze EU und den (T)Euro à la NULAND draufzusch…. und sich Rußland zuzuwenden. Die Bevölkerung wurde schon derart vergewaltigt, daß ein Ende mit Schrecken zwar noch mal ein schmerzhaftes sein wird, aber – im Vergleich zum Schrecken ohne Ende, d.h. Dauerwürgegriff der EUS-Finanzratten – in relativ kurzer Zeit wieder Licht am Ende des Tunnels sieht.
    Wenn etwas Zukunft hat, dann EurAsien als Wirtschaftsmacht, dem sich über kurz oder lang Arfika anschließen wird. Der AMI wird zwar mit allen dreckigen Mitteln versuchen, dies zu verhindern, es wird ihm aber nicht gelingen

  3. grafiksammler
    26. April 2015, 10:24 | #3

    Auch bei einem „Spiel“ David gegen Goliath stand der Sieger nur scheinbar von vorne herein fest. Dem Gasprojekt muß die EU nicht zustimmen. Das entscheidet Griechenland. Und Knüppel hören dann auf, wirksam zu sein, wenn die Menschen in den süd-östlichen EU-Ländern im Winter frieren und die Firmen nicht genügend Gas haben, um arbeiten zu können. Alternativ-Lieferanten gibt es nicht. Gäbe es einen Grexit, hat die EU jede Einflußnahme in Griechenland verloren. Zudem steht sie und der Euro vor einem Scherbenhaufen unvorstellbaren Ausmasses. So kann Griechenlands Schwäche durchaus seine Stärke sein. Und die Deutsche und Europäische Hochnäsigkeit dazu führen, dass der nächste Regen in die Nase tropft.

  4. h.kuebler
    26. April 2015, 10:39 | #4

    Eine Bestrafung ist das nicht, sondern es wird einfach von dieser Regierung das gleiche verlangt wie von der vorherigen. Darin sind sich die 17 anderen Euro-Länder und die sog. Institutionen einig. Und hier beginnen die Schwierigkeiten. Denn Syriza hat im Wahlkampf versprochen, alles anders zu machen.

  5. falke
    26. April 2015, 11:13 | #5

    Das hat nicht viel mit der jetzigen Regierung zu tun. Warum ist sie wohl gewaehlt worden? Weil die „Hilfsprogramme“ geholfen haben? Weil Schulden abgebaut und Arbeitsplaetze geschaffen wurden? Meiner Meinung nach gab es nie ein „Hilfsprogramm!“ Was fuer ein „Hilfsprogramm“ verdoppelt Schulden und Arbeitslose, laest die Wirtschaft einbrechen? Wenn alle sparen, wo bitte soll denn Geld dann herkommen?
    Man hat Loehne und Renten gekuerzt, Stellen gestrichen , Krankenhaeuser geschlossen, Staatsbetriebe verhoekert. Wenn man Menschen Brot und Lohn nimmt, koennen die wohl kaum die Konjunktur ankurbeln, belasten aber wohl die Staatskasse. Wenn die wenigen gewinnbringenden Unternehmen an Privat verkauft werden, wo landet da wohl der Gewinn?

  6. Rainer Ziegler
    26. April 2015, 11:57 | #6

    Wozu eine Pipeline mit russischem Gas bauen, wenn man doch schon seit langer Zeit weiß, dass Griechenland über riesige Gas- und Erdölvorkommen vor seiner Haustür verfügt? Ich verstehe einfach nicht, warum es überhaupt keine Diskussion darüber gibt, dass diese Ressourcen endlich erschlossen werden und Griechenlands Schulden damit getilgt werden und das Land endlich wieder florieren kann!

  7. Griechenlandfreund
    26. April 2015, 12:11 | #7

    Die Antwort auf die Überschriftenfrage lautet „NEIN“, denn auch alle sozialdemokratischen EURO-Ministerpräsidenten, z.B. von Italien, Frankreich, Luxemburg, Tschechien, Luxemburg etc fordern energisch deutlich konkretere Maßnahme und Umsetzungserfolge, z.B. bei der Steuereintreibung, gegen Korruption, Novellierung des Justizwesens und Umsetzung der Katasterämter.

    • Dr. Schaefer
      26. April 2015, 22:58 | #8

      Richtig – so ist es. Genau all dies geht die neue Regierung an: siehe Parlament, griech. Medien. Leider steht bei uns darueber kein Wort. Da muss man auslaend. Medien – sogar US – lesen, Arte ist auch gut

  8. Rolf
    26. April 2015, 15:09 | #9

    Die europäischen Eliten werden nicht zulassen, dass die griechische Politik Erfolg hat. Die Gefahr, dass andere europäische Länder aus der Austerität ausbrechen wollen, ist viel zu groß. Mittlerweile sieht man, dass Griechenland offen gemobbt wird. In allen Medien wird verkündet, dass Griechland eine unfähige Regierung besitzt. Die nicht in der Lage ist vernünftige Reformen anzustoßen … . Nur, um welche Reformen es sich dort handelt, wird nirgendwo erwähnt.

  9. LiFe
    26. April 2015, 16:03 | #10

    Griechenland verfügt über Gas- und Erdölvorkommen. Ebenfalls befinden sich wertvolle Mineralien, Silber und Gold unter der Erde. Aber Griechenland kann sie nicht alleine fördern. Ausländische Investoren verfügen über technische Mittel und know-how. Somit würden sie den größten Anteil haben und Griechenland bliebe wenig übrig, um Schulden zu tilgen. In Zahlen dargestellt ergäbe sich eine Verteilung von 80 : 20.

  10. grafiksammler
    26. April 2015, 18:08 | #11

    heute wird die nächste „Sau durchs Dorf getrieben“ Varoufakis hätte seine Glaubwürdigkeit völlig verloren. Seit Monaten jagt eine Falschmeldung die nächste. So werden virtuelle Wirklichkeiten in die Realität übernommen. In Europa, von griechischen Zeitungen, von griechischen Banken, von Deutschen Politikeren. Cui bono muß man sich immer wieder fragen, bevor man an eine Meldung herangehen darf. Varoufakis ist für die europäischen Gläubiger ein rotes Tuch. Er kriecht niemandem in den Allerwertesten und ist nicht gewillt, das Spiel von Merkel / Schäuble, der EU, Draghi oder dem IWF mitzuspielen – also muß er weg.

  11. Roditisa
    27. April 2015, 10:54 | #12

    Die Türkei hat mit Krieg gedroht, falls Griechenland die Bodenschätze in der Ägeis erschliesst, ohne dass vorher mit der Türkei die Seegrenze genau definiert wird.

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