So wurden in Griechenland die Armen ärmer

14. April 2015 / Aktualisiert: 17. Januar 2018 / Aufrufe: 3.562

Die Bürger in Griechenland verloren innerhalb weniger Jahre alles, was sie während der vergangenen Jahrzehnte hinzugewonnen hatten.

Das düstere Bild eines wegen der wirtschaftlichen Krise zusammenbrechenden Griechenlands gibt ein Artikel in der Washington Post wieder, die berichtet, der Fortschritt der letzten 28 Jahre sei innerhalb weniger Jahre verloren gegangen.

Wie es in dem Artikel lautet, gibt es viele Betrachtungsweisen, wie sehr historisch die Rezession Griechenlands war:

Einkommen der Ärmeren fielen auf das Niveau von 1980

Griechenlands Wirtschaft schrumpfte ungefähr so sehr wie die der USA während der Dauer der Großen Rezession. Der Index der Arbeitslosigkeit erreichte 28%. Und die Städte füllten sich in den Wintern mit Smog, weil die Bürger ihre Wohnungen nicht auf andere Weise zu beheizen vermochten als alles zu verbrennen, was ihnen in die Hände kam. „Stellen Sie sich dieses letztere vor. Höchstwahrscheinlich gibt es und das beste realistische Bild davon, wie es war, die Rezession Griechenlands zu erleben„, merkt der Redakteur der amerikanischen Zeitung an.

der Autor führt auch eine zweite Weise an, das wirkliche Ausmaß der Krise in Griechenland wahrzunehmen, indem er ein Diagramm präsentiert. Dieses zeigt, wie viel Geld in den letzten 40 Jahren die Griechen, von den reichsten bis hin zu den ärmsten 10%, nach Berücksichtigung der Steuern und der Inflation hatten. Es gab für alle einen großen Sprung nach der Militärdiktatur, eine große Stagnation ab Mitte der 80er bis Mitte der 90er Jahre, danach einen noch größeren Sprung – besonders für die Reichen – und dann den großen Absturz, der die Zugewinne der letzten 30 Jahre oder sogar mehr zunichte machte.

Den reichen Griechen erging es etwas besser als den übrigen, da ihr reales verfügbares Einkommen „nur“ auf das Niveau von 1985 zurückfällt. Die Armen sind dagegen laut der Washington Post noch mehr abgestürzt, unter das Niveau, auf dem sie sich 1980 befanden.

Verlauf der Einkommen in Griechenland 1974 - 2011
Verlauf der Einkommen in Griechenland 1974 – 2011
[Quelle: Max Roser (2015) – ‚Incomes across the income distribution‘]

Griechenland hat tatsächlich eine humanitäre Krise

Deswegen – betont der Artikel – ist es nicht übertrieben, zu sagen, das Griechenland tatsächlich eine humanitäre Krise hat. Die SYRIZA-Regierung hat dies zu ihrer Priorität gemacht: sie wollen Lebensmittelcoupons für die Hungernden, medizinische Versorgung für die Kranken und elektrischen Strom für jene, die ihn nicht zu bezahlen vermögen. Aber selbst auch im Fall eines eingeschränkten Siegs in der ersten Runde der Verhandlungen mit Europa ist nicht klar, woher diese Gelder kommen sollen, merkt die amerikanische Zeitung an. Oder ob die Regierung die Gelder haben wird, um ihre Gläubiger zu bezahlen.

Es war nicht hilfreich, dass diese ganze politische Ungewissheit den keimenden Aufschwung abtötete – was in diesem Fall eine sehr relative Bedeutung hat – und die Wirtschaft wieder auf die Talfahrt schickte. Der Artikel endet: „Es wird sehr, sehr viel Zeit benötigen, bevor Griechenland dahin zurückkehrt, wo es 2008 war. Aber irgendwann wird es das, richtig?

(Quellen: Imerisia, Greece’s poor are back to where they were in 1980)

Relevante Beiträge:

  1. jupp
    13. Juli 2015, 00:46 | #1

    Ich würde Griechenland empfehlen, sich als globaler Finanzplatz mit einer geringen Quellensteuer und einem wasserdichten Bankgeheimnis zu etablieren. Das Kapital würde Griechenland fluten, in einer Zeit, da global nach Steuersündern gefischt wird. Damit würde man den USA und deren Vasallen, der EU, eins auswischen.

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