Mythen blockieren Fortschritt der Verhandlungen Griechenlands

23. April 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.287

Der Ökonom, Journalist und Publizist Martin Wolf führt 7 Mythen über Griechenland an, die eine Einigung zwischen Athen und seinen Gläubigern blockieren.

Martin Wolf vertritt in einem Artikel in der Financial Times „Das griechische Epos“ geht weiter“ und unterstreicht, „es wird keinen erfreulichen Schluss haben, wenn die involvierten Mensch nicht erkennen, dass sie an Mythen kleben“.

Wolf analysiert diese Mythen, welche die Erzeilung einer Vereinbarung zwischen Athen und den Gläubigern blockieren:

1. Mythos: Ein Ausscheiden Griechenlands würde der Eurozone helfen

Ein unrühmliches Ende der Teilnahme des Landes am Euro könnte als Lehre für andere Länder dienen und die Kampagnen der Populisten abbremsen. Jedoch würde in einem solchen Fall (Grexit) die Teilnahme an der Eurozone aufhören, unwiderruflich zu sein, und jede Krise würde destabilisierende Spekulationen hervorrufen.

2. Mythos: Griechenland hat schuld

Niemand zwang irgend jemanden, Griechenland Geld zu leihen. Anfänglich gaben die Privatleute der griechischen Regierung freudig zu den mehr oder weniger selben Bedingungen Kredite wie der deutschen Regierung. Die griechische politische Situation war jedoch kein Geheimnis. 2010 wurde sogar klar, dass eine Tilgung der Kredite nicht möglich sein wird.

Anstatt des erforderlichen Schuldenschnitts beschlossen die Regierungen und der IWF jedoch, das Land zu retten, indem sie es refinanzierten. So begann das Spiel der „Ausweitung und Heuchelei“ („extend and pretend“). Idiotische Kreditgeber verlieren Geld. Das war schon immer so und bleibt auch heute so.

3. Mythos: Griechenland hat nichts getan

Griechenland machte eine große fiskalische Anpassung durch. Und genau dies ist das Problem, das in die Sackgasse für die Einigung bei den Bedingungen für die Hilfe geführt hat. Griechenland braucht keine zusätzliche Finanzierung.

4. Mythos: Ein Ausscheiden Griechenlands würde Griechenland helfen

Viele glauben, ein schwache neue Drachme werde einen schmerzlosen Übergang zum Wohlstand bieten. Dies gilt jedoch nur, wenn die Wirtschaft leicht die Produktion international konkurrenzfähiger Produkte und Dienstleistungen ausweiten kann. Und Griechenland kann dies nicht tun.

5. Mythos: Die Griechen werden die Schulden tilgen

Das wirkliche Thema ist, ob die Griechen die kommenden Jahrzehnte der Tilgung von Schulden widmen werden, die von Anfang an nicht hätten geschaffen werden dürfen.

6. Mythos: Griechenlands Bankrott impliziert „Grexit“

Ein sechster Mythos ist, Griechenland wäre im Fall eines Bankrotts gezwungen, eine neue Währung zu schaffen und aus der Eurozone auszuscheiden. Sollte die griechische Regierung den Bankrott erklären, ist wahrscheinlich, dass die griechischen Banken nicht mehr als geeignet betrachtet werden, Unterstützung aus der Notfall-Liquiditätshilfe (ELA) zu bekommen. Würde etwas solches geschehen, wären die Banken gezwungen, die Abhebung von Guthaben zu unterbinden. Ebenfalls könnte ein Zahlungsstopp verzeichnet werden.

Manche vertreten, die EZB würde nicht weniger berechtigt sein, als Notkreditgeber für die griechischen Banken zu fungieren aufzuhören, als es die FED gewesen wäre, den Banken Detroits kein Geld zu leihen, nachdem die Bundesstaatsverwaltung pleite ging. Es gibt aber einen Unterschied. Keine amerikanische Bank war dermaßen stark in Detroit engagiert, um durch dessen Bankrott zusammenzubrechen. In der Eurozone jedoch, die 19 verschiedene Bankmärkte – einen für jedes Mitgliedsland – hat und wo der Staat auf allen eine große Präsenz hat, würde der Bankrott einer nationalen Regierung die Banken in den Zusammenbruch führen.

Die EZB dürfte Banken, von denen klar ist, dass sie nicht liquide sind, keine Kredite gewähren. Die Frage ist, wie sie zu reagieren hätte. Vielleicht wäre es möglich, dass die griechische Wirtschaft mit einem eingeschränkten Betrieb ihrer Banken gehandhabt werden könnte. Die heutige unter Liquiditätsmangel leidende Regierung könnte Zahlungen mit Titeln über „Zahlungsversprechen“ (IOU) tätigen, die sie bei Bezahlungen von Verpflichtungen an sie akzeptieren könnte. Dies könnte – wenn auch unerwünscht, umgesetzt werden.

7. (und vielleicht gefährlichster) Mythos: Die unter Druck vereinbarten Reformen haben Ergebnisse

Dies ist selten der Fall. Wenn es keine Einigung gibt, wäre das am wenigsten schlechte Ergebnis, die Realität zu akzeptieren und Griechenland entscheiden zu lassen, was es tun wird. Das wäre sicher ein schlechtes Ergebnis. Wer vermag jedoch in dem gegenwärtigen Zeitpunkt eine bessere Entwicklung garantieren?

(Quelle: Imerisia, Originalbeitrag der FT: Mythology that blocks progress in Greece)

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