Griechenland fordert Entschuldigung von der FAZ

13. April 2015 / Aufrufe: 5.568

Harte Reaktion aus Athen auf einen Artikel der FAS, der einen griechischen Amtsträger als einen von der EURO Working Group Geld verlangenden Taxifahrer darstellte.

Auf heftige Weise reagierte das griechische Finanzministerium auf einen Artikel der deutschen Zeitung Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, in dem es lautete, die Amtsträger der Eurozone seien enttäuscht, weil „der griechische Repräsentant sich wie ein Taxifahrer benahm„. (Anmerkung: Gemeint ist der Generalsekretär im Finanzministerium, Nikos Theocharakis.)

Quellen des Wirtschaftsministeriums dementierten am (orthodoxen) Ostersonntag (12.04.2015) den strittigen Artikel und merkten an, wenn die Protokolle der EURO Working Group an die Öffentlichkeit gegeben werden, wird enthüllt werden, dass die Realität völlig anders als das ist, was die FAZ berichtet. Und indirekt forderten sie die deutsche Zeitung auf, sich wegen des Titels und des Inhalts des Artikels zu rechtfertigen.

Der FAZ wird es schwer fallen, den strittigen Artikel zu rechtfertigen

Indirekt forderten besagte Quellen die deutsche Zeitung auf, sich wegen des Titels und des Inhalts des Artikels zu rechtfertigen. „Falls und wenn die Leser der FAS die Protokolle der Sitzung der EURO Working Group lesen, wird es der Zeitung schwer fallen, den Titel und den Inhalt ihres Artikels zu rechtfertigen. Solche Publikationen untergraben die Verhandlung und Europa„, lautet es in der Bekanntmachung des griechischen Finanzministeriums.

Laut der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) äußerten Amtsträger der Eurozone, sie habe die Tatsache schockiert, dass die griechische Regierung bei den Gesprächen der vergangenen Woche keine Vorschläge zu strukturellen Reformen präsentierte, wobei einer dieser Amtsträger sogar behauptet haben soll, der griechische Repräsentant habe sich wie ein „Taxifahrer“ benommen.

Bei dem Treffen der Finanzminister am vergangenen Donnerstag (09 April 2014) wurde Athen eine Frist von sechs Tagen gesetzt, Vorschläge für strukturelle Reformen zu präsentieren (also vor der Konferenz der Finanzminister der Eurozone am 24 April 2015), damit die Gewährung einer außerordentlichen Finanzierung an Griechenland untersucht wird, damit es liquide bleibt.

Laut den Quellen, auf die sich die Frankfurter Allgemeine beruft, herrschten Enttäuschung und Schock über das Fehlen von Initiativen aus Athen hinsichtlich der Reformen und speziell wegen der Unwilligkeit der griechischen Regierung, die Renten der öffentlichen Bediensteten zu senken. Die selben Quellen sollen erklärten haben, die Gläubiger Griechenlands glauben nicht, dass die Lage so ist, wie sie beschrieben wird. Weiter urteilten sie, es würde ein internes politische Thema Griechenlands sein, wenn Athen nicht in der Lage wäre, Renten und Gehälter vollständig zu zahlen.

Die Zeitung betonte auch noch, der gegenüber Griechenland eine besonders harte Haltung beibehaltende deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble werde jede signifikante Modifizierung des griechischen Reformprogramms dem Bundestag zur Genehmigung vorzulegen haben.

(Quelle: thetoc.gr)

  1. Roland Wolf
    13. April 2015, 16:31 | #1

    Wenn ich den Artikel richtig gelesen habe dann hat nicht die FAZ den Generalsekretät als „Taxifahrer“ bezeichnet, sondern das Mitglied er Eurogruppe mit dem die Zeitung geredet hat hat dessen Verhalten so eingestuft. Ist wenig diplomatisch und nicht so schlau vom Mitglied der Eurogruppe, aber der Zeitung ist wenig Vorwurf zu machen.

    • Varvara
      13. April 2015, 23:27 | #2

      Doch,der FAS ist ein Vorwurf zu machen. Denn wenn dies eine Meinung der Zeitung, sondern ein Zitat ist, dann sollte die Zeitung die etwas auf ihren Ruf hält, richtig zitieren:“: die PersonX.Y hat Folgendes gesagt“. Und nicht Gerüchte weiterverbreiten von jemand, der etwas gesagt haben soll, wie die Boulvardblätter!

  2. Lara M
    13. April 2015, 19:48 | #3

    Die FAZ tut sich jetzt seit insbesondere 2012 durch eine äußerst einseitige Berichterstattung zu Griechenland hervor. Der hier angegriffene Artikel ist aus mehreren Gründen problematisch. Zitat: „In der Gruppe der Eurostaaten werden die bisherigen Gespräche mit Griechenland über Reformmaßnahmen als enttäuschend bewertet. Es gebe in der Frage von Strukturreformen keinerlei Bewegung auf griechischer Seite, erfuhr die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) von Vertretern der Eurogruppe. Athen sei nicht bereit, über eine Kürzung von Beamtenpensionen zu reden.
    Merken Sie etwas? Es wird eine Behauptung in die Welt gesetzt: Nämlich, dass die Eurogruppe die Reformmaßnahmen als enttäuschend bewertet. So eine Aussage nennt sich Tatsachenbehauptung. Anstatt nun aber die Behauptung zu beweisen, wechselt der Text fließend ins Tendenziöse – und damit ins Reich der Legendenbildung: Namentlich und hierarchisch nicht genannte Vertreter werden nicht nur indirekt, sondern auch im Konjunktiv zitiert: es gebe, Athen sei nicht bereit … . Sowas nennt sich dann Spekulation.
    Dann geht es nahtlos weiter mit den Finanzstaatssekretären, von denen – wiederum nicht genannte – Teilnehmer, erschüttert sein sollen. Wieder Wechsel zu den Gerüchten: die Griechen (allein schon der Sammelbegriff…) HÄTTEN, Theocharakis HABE gefragt und behauptet… Wieder: nichts genaues weiß man nicht, aber die Beleidigung der Person wird trotzdem mit gedruckt … . Was man aber weiß – jetzt wieder eine Tatsachenbehauptung: „Die Vertreter der Gläubigerstaaten teilen diese Einschätzung jedoch nicht.“ Welche Einschätzung? Die „er habe behauptet„? Und dann der eigentliche Hammersatz – natürlich wieder als Spekulation formuliert (würde man das als Tatsach schreiben, könnte (jetzt bin ICH im Konjunktiv) man nämlich im Zweifel eine Unterlassungsklage riskieren…):
    Athen könne seine internationalen Verpflichtungen noch erfüllen. Wenn es Gehälter und Renten nicht voll auszahlen könne, sei das ein innenpolitisches Problem, hieß es.
    u.s.w.
    Dieser Artikel ist nicht das Papier wert, auf dem er gedruckt wurde. Das Schlimme: er wird nicht als Kommentar gekennzeichnet! Das heißt, er muss eigentlich eine neutrale Berichterstattung liefern. Tut er aber nicht. Er ist ein einziges, tendenziöses und nicht bewiesenes Jammerlied auf angebliche Äußerungen des griechischen Vertreters. Der übrigens als einziger namentlich genannt wird. Und genau diesem Strickmuster entsprechen inzwischen 80-90% der Pressemeldungen zum Thema. Und wenn man sich auf der Zunge zergehen lässt, dass hier eigentlich nur spekuliert wird – über das Verhalten des griechischen Vertreters, der nebenbei noch gerüchteweise als bettelnder Taxifahrer hingestellt wird, dann hat das mit seriöser Presse nicht mehr das Geringste zu tun!

  3. reinhard
    13. April 2015, 20:20 | #4

    was sind das für typen, die da „verhandeln“ als abgesandte der „troika2“? kalte, gewissenlose bürokraten, die so tun als wüßten sie überhaupt etwas und von gar nichts eine ahnung haben außer davon : wie kann man alles weiter kürzen und ein volk in die armut treiben. vernünftige ideen, vorschläge gibt es doch gar nicht mehr.

  4. Manfred Hardt
    14. April 2015, 18:42 | #5

    Nach genau diesem Muster findet seit dem Ergebnis der letzten griechischen Wahlen nahezu die gesamte Berichterstattung zum Thema „Griechenland“ in Deutschland statt. Cui Bono? Es sieht gabz danach aus, daß auf diese Weise um jeden Preis verhindert werden soll, daß die völlig verfehlte insbesonders deutsche Austeritätspolitik das bestimmende Thema ist. Hätten zuerst die Spanier eine „Podemos-Regierung“ gewählt, so hätte es statt der Griechen die Spanier getroffen.

  5. Harald
    14. April 2015, 19:07 | #6

    Wie benimmt sich denn ein Taxifahrer? Also nach meiner Erfahrung bringen die mich immer von A nach B, dem gewünschten Ziel. Damit zähle ich Taxifahrer zu zielführenden Entscheidungsträgern. Ein solches Verhalten ist wohl bei EU-Technokraten unbekannt. Vielleicht sollte sich die FAS auch bei den Taxifahrern entschuldigen.

  6. HJM
    14. April 2015, 19:10 | #7

    FAZ und FAS sind ganz und gar nicht freundlich zu der neuen griechischen Regierung. Die „Taxifahrer-Anmerkung“ war -selbst wenn sie der Wahrheit entsprach- völlig unangebracht. Frage mich, welcher Ressortchef dies übersehen oder bewusst durchgelassen hat. Das hat zwar BILD-Niveau, ist aber nicht mehr als brodelnder Schaum. Bleibt die Frage: warum? Vielleicht liegt die Erklärung darin, dass nirgendwo auch nur im Ansatz ein schlüssiges Konzept der Tsipras-Regierung zu sehen ist, es sei denn, man wollte die vollmundige Ankündigung, „Europa umzubauen“ und die ständige Berufung auf „das Volk“ als solches betrachten. Das Dilemma von Tsipras ist selbstverschuldet. Wusste er v o r den Wahlen nicht, wovon er redete??

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