Die katastrophalen Folgen Griechenlands Rückkehr zur Drachme

2. April 2015 / Aufrufe: 6.651

Laut dem Wirtschaftanalytiker Dimitrios Gkiokas würde eine Rückkehr Griechenlands zur Drachme 12 katastrophale Folgen haben.

In letzter Zeit beobachten wir, dass von verschiedenen Kreisen geschickt das Klima zu Gunsten einer Rückkehr Griechenland zur Drachme kultiviert wird. Unter Ausnutzung der aus der 6jährigen Rezession herrührenden Unzufriedenheit der Menschen ist von unternehmerischen Zentren mit eigennützigen Zwecken und spekulativen Motiven eine konzertierte Propaganda zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung aufgebaut worden.

Dieses Klima wird auch durch den Umstand verstärkt, dass ein signifikanter Anteil von Funktionären der beiden Koalitionsparteien der griechischen Regierung sich offen für die Drachme und gegen jede beliebige Form einer Reform ausspricht, die sich im Rahmen einer entgegen gesetzten Philosophie bewegt.

12 katastrophale Folgen der Rückkehr Griechenlands zur Drachme

Obwohl die Mehrheit der Bürger stabil bei der europäischen Orientierung des Landes verbleibt und den Euro als Währung zu haben wünscht, ist der Anteil der Menschen gestiegen, die sich hinsichtlich eines möglichen Übergangs zur Drachme gleichgültig zeigen und glauben, ihr Lebensniveau werde sich nicht ändern.

Alle wirtschaftlichen Fakten einer solchen Entwicklung analysierend gelangen wir jedoch zu dem Schluss, dass die Auswirkung besonders hart und schmerzhaft sein werden. Konkreter werden die Folgen der Rückkehr zur Drachme folgende sein:

  1. Heftige Abwertung der Drachme gegenüber den anderen Währungen (der Kurs könnte auf über 1000 Dr. /1 € steigen). Ein eventueller Versuch der Anbindung der Drachme an den Euro und eine Verriegelung des Kurses ist wegen der riesigen Kapitalflucht und der Erschöpfung der Devisenreserven zum Scheitern verurteilt (wie dies auch im Fall Argentiniens scheiterte).
  2. Die Abwertung wird eine Explosion der Inflation auf Niveaus von 40% und mehr herbeiführen und auf diese Weise die Kaufkraft der Bürger schrumpfen lassen.
  3. Die Kapitalflucht und der steile Anstieg der nicht bedienten Kredite wird der Gnadenschuss für das schwache Finanzsystem des Landes sein, das zusammenbrechen und die Liquidität der realen Wirtschaft „austrocknen“ wird.
  4. In einem solchen Fall wird eine Zeit lang die Einfrierung der Zahlung von Löhnen und Gehältern bis zur teilweisen Wiederherstellung der Liquidität unvermeidlich sein. Ebenfalls sind die Folgen eines daraufhin sehr wahrscheinlich folgenden gesellschaftlichen Aufruhrs unvorhersehbar.
  5. Das Brutto-Inlandsprodukt wird auf ungefähr 2/3 des heutigen Niveaus schrumpfen.
  6. Die öffentliche Verschuldung Griechenlands in Höhe von 322 Mrd. Euro wird automatisch analog zu der Höhe der Abwertung der Drachme steigen und seine Kreditverpflichtungen vervielfachen.
  7. Sogar auch wenn nach dem Bankrott eine partielle Umstrukturierung der Verschuldung folgt, wird diese nicht unblutig sein: sie wird von einem neuen Rettungspaket (nunmehr nur von dem IWF) und sehr belastenden Maßnahmen zur fiskalischen Konsolidierung begleitet werden.
  8. Anstieg gleichermaßen auch der privaten Verschuldung mittels des Hochschnellens der Kredit- und Guthabenzinsen in einem Versuch, die galoppierende Inflation zu zähmen. Der Anstieg der Zinsen wird ebenfalls die Kapitalschöpfung seitens der Unternehmen unbezahlbar machen.
  9. Abwürgung der Importunternehmen wegen des Unvermögens zu Einkäufen infolge der Abwertung der Drachme und des offensichtlichen Mangels an Kreditwürdigkeit.
  10. Das Unvermögen zu Importen wird auf dem Markt ein einen Mangel an Basisgütern herbeiführen, da Griechenland – wie bekannt – bei Rohstoffen nicht autark ist und seine Bedürfnisse (z. B. bei Weizen, Milch, Fleisch) durch Importe aus dem Ausland deckt.
  11. Invasion ausländischer Investoren – Geier, die Unternehmen, Immobilien, Teile des öffentlichen Vermögens usw. zu Spottpreisen erwerben werden. Es wird also der Ausverkauf des Landes stattfinden, auf den sich derzeit die Anhänger der Drachme berufen.
  12. Diplomatische und wirtschaftliche Isolation Griechenlands, das – sich in einer sehr schwierigen Lage befindend – nicht vermögen wird, die geopolitischen Entwicklungen in der weiteren Region sowie eventuelle Provokationen von Seite unversöhnlicher Nachbarn zu verfolgen.

All das Obige macht klar, dass wir unsere Hoffnungen nicht auf nutzlose und gefährliche Lösungen stützen dürfen, wie es die Rückkehr zur Drachme ist. Lassen wir uns endlich einen langfristig angelegten Plan für den Tag danach ausarbeiten, der Griechenland zu einem modernen, gut regierten Land machen wird, mit einer schwungvollen und von den sie quälenden chronischen Pathogenesen befreiten Wirtschaft.

(Quelle: huffingtonpost.gr, Autor: Dimitrios Gkiokas, Wirtschaftsanalytiker)

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  1. Infoliner
    2. April 2015, 10:03 | #1

    Na das sehe ich anders. Ohne eigene Währung wird Griechenland ewig in Zinsknechtschaft und die Menschen in Geiselhaft sein, ohne Aussicht auf Verbesserung. Die Probleme sind ohnehin da und ich sehe nur in der Loslösung vom Euro die Chance auf Heilung. Nebenbei wäre Griechenland dann endlich wieder vorne, denn das Euro-Elend betrifft uns ja alle und wir hätten eine Chance mehr, über einen Zusammenbruch des Euro-Systems wieder Licht am Horizont zu sehen. Ob der Artikelschreiber als Wirtschaftsanalytiker vielleicht nur genau die Theorien gelernt hat, mit deren Hilfe Griechenland in seine Lage manövriert wurde?

  2. Willi Blersch
    2. April 2015, 11:11 | #2

    Was, sollen wir die Griechen bis zum St. Nimmerleinstag finanzieren. Das Gerede von sogenannten Experten ist doch eh nur dummes Geschwätz. Egal, was diese vorhersagen und vorher gesagt haben, einer hatte immer Recht, und viele andere lagen halt daneben.
    Siehe z.B. die jährlichen Prognosen der Finanzexperten. Morgen scheint die Sonne, der andere sagt, morgen regnet es, einer hat Recht. Toll, diese Experten. Eines weiß ich aus meiner Lebenserfahrung, es wird sich bei den Griechen nie etwas ändern, weil einfach die Voraussetzungen fehlen. In welchem Industriezweig sollen denn Arbeitsplätze entstehen, diese sind in den letzten 100 Jahren nicht entstanden. Die vielen Arbeitsplätze die vorhanden waren, waren doch nur Luftnummern. Ohne Produktivität oder sonst einem Nutzen für die Gesellschaft, außer Kosten, die durch Kredite finanziert wurden. Also Ihr Politiker, lasst Euch weiter veräppeln, für dumm verkaufen, schmeißt unser Geld weiter nach Griechenland solange, bis auch der letzte finanziell starke Pleite geht. Die Lösung ist doch ganz einfach. Erlasst Ihnen den größten Teil Ihrer Schulden, diese sind eh verloren, gebt Ihnen Ihre Drachme, und wir können uns endlich um wichtigere Dinge kümmern. Es gibt genug Baustellen in Deutschland.

  3. sensortimecom
    2. April 2015, 11:13 | #3

    Ein Grexit ist völlig ausgeschlossen. Weder das griech. Volk, noch die griech. Regierung, noch die griech. Zentralbank würden mit der EU bzw. der EZB kooperieren. Die neuen Drachmenscheine würden überhaupt nicht akzeptiert, die Leute würden weiterhin den Euro als Zahlungsmittel verwenden, und ein Zwangsumtausch ist völlig ausgeschlossen. Die EU kann schliesslich keine Besatzungsmacht dort installieren.
    Ausserdem haben die Griechen das Ganze gar nicht nötig. Die griech. Nationalbank kann theoretisch aus der ELA heraus Geld (nämlich Euro) schöpfen bis St. Nimmerlein, der EZB und den Mitgliedern der Eurozone bleibt nur die Muppet-Show. Handhabe dagegen gibt es nicht. Man hätte sich eben schon vor 20 Jahren besser überlegen sollen, ob man GR in die Eurozone lässt …

  4. hubi stendahl
    2. April 2015, 11:29 | #4

    Im aktuellen Geldsystem gibt es für Griechneland, das ja gar kein wirkliches Wirtschaftsmodell besitzt, keine andere Lösung, als zumindest mit einer Parallelwährung einen neuen Anfang zu versuchen. Dazu gehört selbstverständlich orientiert an der derzeitigen Wirtschaftskaraft des Landes ein Schuldenschnitt, denn den Ankauf von Staatsanleihen haben die internationalen Banken ja nicht unter Zwang getan. Im Gegenteil. Man muss auch konstatieren, dass GR seinerzeit in den Euro unter tatkräftiger Hilfe von Mario Draghi als Goldman Sachs Akteur gehievt wurde. Eine politische Entscheidung.
    Griechenland hat die geostrategische Lage und die Kohlenstoffreserven in die Waagschale zu werfen. Ein wenig Mut zur Zukunft, würde den selbsternannten griechischen Analysten gut zu Gesichte stehen, denn ein Anschluss an die Idee der Seidenstraße Chinas und der BRICS würden das Land schnell wieder in Verbindung mit einem Schuldenschnitt von 50% gesunden lassen. Haben sie den Mut?

  5. Peter
    2. April 2015, 16:27 | #5

    Die EZB kann die ELA Kredite kontrollieren. Und spätestens, wenn Griechenland auf Default gesetzt wird, darf die EZB auch keine ELA Kredite mehr vergeben. Dann ist die Party vorbei und Griechenland muß eine eigene Währung einführen.

  6. Adept
    2. April 2015, 16:34 | #6

    Heutzutage zeigt das Vorbild Amerika doch eines: Gelddrucken wird belohnt, Arbeit bestraft. Nachdem Geldbesitz durch die Null-Zins-Politik letztlich bestraft wird, werden reale Werte gewinnen. Den Griechen sollte man deshalb empfehlen: druckt Euros statt Drachmen, was Draghi macht kann jeder souveräne Staat im Euroland doch auch dürfen. Das ganze moderne Leben mutiert zur Fiktion und alle Armen dieser Welt träumen vom unermesslichen Reichtum für jedermann.

  7. Thomas
    2. April 2015, 18:39 | #7

    Das die Rückkehr zur Drachme nicht unproblematisch ist, sollte jedem klar sein. Schon aus Prinzip würden gewisse Kreise dafür sorgen, das alles noch schlimmer kommt. Nur mit dem Euro (verbrecherisches Schuldgeldsystem) wird es auf lange Sicht auch nicht besser. Man hätte sich eben nie auf diesen Euro oder dieser EU einlassen dürfen. Die jetzige EU ist ein faschistischer Haufen korrupter Politiker, deren erklärtes Ziel die Entmündigung und ständige Ausplünderung der europäischen Nationen darstellt. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

  8. Kleoni
    2. April 2015, 20:02 | #8

    Die Hedgefonds-Geier spekulieren doch schon wieder eifrig, damit sie die ersten sind, die den letzten Rest noch was in Griechenland noch zu holen sind, in ihren gierigen Rachen holen

  9. 2. April 2015, 21:21 | #9

    Dimitrios Gkiokas hat noch die biblischen Plagen, die vier apokalyptischen Reiter und Armagedon vergessen. Fakt ist, dass niemand weiß. was beim Grexit passieren wird. Mit dem Euro hat Griechenland keine Chance. dass weiß jeder, der die Realität nicht völlig ausblendet.
    Eine Rettung von Grichenland und Portugal und Zypern und Irland und Spanien und demnächst auch Frankreich würde den Euro sowieso kollabieren lassen was ein axit aller Euroländer nach sich ziehen würde. Island hat keine Banken gerettet und ist weder im Meer noch in Schulden versunken.

  10. LiFe
    2. April 2015, 22:54 | #10

    Man kann und darf souverän aussprechen wofür die EU steht. Sie, die EU wurde ausschließlich für Konzerne & Banken kreiert. Die Politiker dienen nach oben und ihr Auftrag lautet Bürger verwalten. Eigentlich sind Politiker Kaufleute. Kurzum: Wir werden von Kaufleuten regiert. Geht das so?

  11. guguk
    3. April 2015, 00:04 | #11

    Wir werden von meineidigen Halunken und verräterischen Taugenichtsen regiert!

  12. sensortimecom
    3. April 2015, 17:26 | #12

    Die griech. Nationalbank agiert ebenso wie alle übrigen ZBs der Eurozone völlig autonom, und „schöpft“ Euro aus Kreditvergaben und Sicherheiten, genau so wie jede andere ZB. Sie berichtet der EZB die fiskalischen Daten auf Basis von Treu und Glauben, und darauf beruhen dann die Weisungen aus Frankfurt. Wenn sie mit der EZB nicht mehr auf dieser Basis kooperieren will, hat NIEMAND die Möglichkeit das zu verhindern! Theoretisch kann die griech. Nationalbank mit der ELA-Notfazilität Euro drucken und unters Volk bringen (Noten oder Giralgeld) bis zum Abwinken. Die einzige Möglichkeit ein solches Unterfangen zu stoppen, wäre, alle Euro-Banknoten mit einem Y (f. GR) auszusondern und zu ächten …

  13. jensen
    3. April 2015, 23:08 | #13

    Griechenland kann ruhig eigene Euros drucken und verteilen, dagegen kann und will sich niemand wehren. Nur haben will die Dinger im Ausland sicher keiner bzw. gegen Werte von in original Euro eintauschen.

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