Besteuerung imaginärer Mieteinnahmen in Griechenland

1. April 2015 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 2.486

Eigentümer von Immobilien in Griechenland müssen fortan auch Mietzahlungen versteuern, die sie niemals erhalten haben beziehungsweise beitreiben können werden.

Zigtausende Eigentümer von Immobilien in Griechenland sind mit einer harschen Abzocke sogar auch für Einkommen konfrontiert, die sie nicht einnahmen und höchstwahrscheinlich auch niemals beitreiben können werden. Und dies, weil das Verfahren der Abtretung (an den Fiskus) nicht eingenommener Mietzahlungen seit Ende 2013 gleichzeitig mit der Außerkraftsetzung der vorherigen Einkommensteuerordnung (Gesetz 2238/94) abgeschafft wurde und seit dem 01 Januar 2015 die neue Einkommensteuerordnung gilt (Gesetz 4172/12).

Was für die nicht eingenommenen Mietzahlungen gelten würde, war für das Steuergesetz schon lange eine „Grauzone“. Mittels eines neulich von dem Generalsekretariat für öffentliche Einnahmen ergangenen Runderlasses wurde das Thema letztendlich auf eine für die Steuerpflichtigen negative Weise geklärt.

Steuergesetz zwingt Vermieter zu beschleunigten Zwangsräumungen

In dem in Rede stehenden Runderlass wird unter anderem bestimmt, „dieses Einkommen wird von natürlichen Personen oder Personenunternehmen unabhängig von seiner Einnahme – oder nicht – erzielt, sofern der Anspruch auf seine Einnahme und unter der Voraussetzung erworben worden ist, dass der Vermieter sich von der Nutzung der Immobilie entfremdet …„. Einfach gesagt gilt das Einkommen aus Mieteinnahmen unabhängig davon, ob es eingenommen worden ist, als (reales) Einkommen. Der Steuerpflichtige ist somit verpflichtet, nicht eingenommene Mieteinnahmen in seiner Steuererklärung zu deklarieren und regulär die den hypothetischen Mieteinnahmen entsprechende Einkommensteuer zu entrichten.

Dieser Beschluss des Finanzministeriums begünstigt zwar die Staatskasse hinsichtlich der Einnahmen, behandelt jedoch die Immobilieneigentümer ungerecht, die mit – sei es störrischen oder infolge ihres wirtschaftlichen Unvermögens – „faulen“ Mietern konfrontiert sind. Wegen der wirtschaftlichen Krise haben in den letzten Jahren die unbezahlten Mieten sogar die Form einer Lawine angenommen und viele um die Zahlung der Miete geprellte Eigentümer werden obendrein auch noch mit Ausgaben belastet, um zur (Zwangs-) Räumung der störrischen / in Verzug befindlichen Mieter zu schreiten.

Weil (bis Ende 2013) die Möglichkeit zur Abtretung der nicht eingenommenen Mieteinnahmen an den Fiskus bestand, zeigten sich viele Eigentümer hinsichtlich der Betreibung der Räumung sogar flexibel, da sie nicht verpflichtet waren, die Einkommensteuer zu entrichten. Nun, wo die Einkommensteuer für nicht eingenommen Mietzahlungen entrichtet werden muss, werden die Eigentümer – wie ihre Repräsentanten vertreten – praktisch unter Druck gesetzt, (Zwangs-) Räumungsverfahren schneller in Gang zu setzen.

(Quelle: capital.gr, Autor: Spyros Dimitrelis)

  1. LiFe
    1. April 2015, 08:41 | #1

    Hahaha … 1. April! 🙂

  2. Ronald
    1. April 2015, 12:43 | #2

    Ok, ich gebe zu, ich habe es geglaubt, die Augen verdreht und gedacht „ist ja wie unter Samaras“… Ist aber auch schwer Aprilscherze zum Thema Griechenland zu erkennen. Gerade im Bereich der Steuer kann ja gar nichts so bekloppt sein, dass es dort nicht möglich wäre 😉

  3. Team
    1. April 2015, 12:58 | #3

    Nein, das ist kein Aprilscherz, sondern die bittere Wahrheit, auch wenn manche Leute das – wie auch vieles andere – nicht in den Kopf bekommen! Und ebenfalls nein, es geht nicht (wie sich prompt einige Besserwisser zu ereifern sputeten) um irgend eine „Grundsteuer“, Besteuerung eines „Eigenmietwerts“ oder gar sogar „schwarzer“ Vermietungen, sondern ausschließlich und allein um die Besteuerung theoretischer, jedoch definitiv nicht resalisierter bzw. realisierbarer Mietforderungen, also explizit inexistenter Einkommen mit einem Steuersatz von 11% / 33%!

  4. Omorfos
    1. April 2015, 15:50 | #4

    Leute das ist kein Aprilscherz. Das Gesetz ist raus. Nach Scherzen ist und sollte keinem in dieser Situation sein. Viele Zahlen keine Miete weil sie sich die einfach nicht leisten können und nicht weil sie nicht wollen. Eine alleinstehende Mutter mit zwei Kindern wurde vielleicht von ihrem Vermieter geduldet, weil er sie nicht auf die Strasse setzen wollte, jetzt wird er dazu noch verpflichtet sein, dafür zu bezahlen. Alles das nur damit Geld zusammengekratzt werden kann, damit man das erste Hilfspaket abbezahlen kann.

  5. Rafael
    1. April 2015, 16:41 | #5

    eigentlich wollte ich mich nicht mehr ereifern über hanebüchene Gesetze meine Meinung zu schreiben, aber wenn es sich tatsächlich um keinen Aprilscherz handelt, so zeigt es mir, daß auch die jetzige Regierung keinen Durchblick hat, was machbar und nicht machbar ist, sowohl im ökonomischen wie auch sozialen Bereich, leider sind beide Bereiche nicht von einander zu trennen.Da diese gesetzgeberischen, unüberlegten Schnellschüße im sozialen und ökonomischen Bereich sich dahin gehend entwickeln schlage ich vor, den ganzen maroden, verfilzten, nicht funktionierenden Staatsapperat zusammen mit dem Hafen Piräus an die Chinesen zu verscherbeln, schlimmer kann ja eh nichts werden. Abschließend gesagt: mit solchen Gesetzen nimmt man mir den Glauben, daß sich alles zum besseren wendet. Das Wort ELPIDA taugt wahrscheinlich doch nur noch als Vorname…

  6. LiFe
    1. April 2015, 23:36 | #6

    Ich finde, eine Petition gegen irrsinnige Besteuerungen tut Not.

  7. Lydia
    2. April 2015, 06:24 | #7

    Das war doch schon immer so!Warum sollte die jetzige Regierung daran etwas verbessern? Vermieter gehoeren zur „gehobenen Klasse“. Kein Mensch interessiert es, dass diejenigen ihr Geld hart erarbeitet haben, viele im Ausland lebende Griechen haben statt Bier zu trinken oder Souvlaki zu essen, auf dieses verzichtet und ein spartanisches Leben geführt. Es gibt Vermieter, denen in den lezten Jahren, von den Mieteinnahmen, nicht einmal 50 Euro monatlich verblieben. Das waren dann die jenigen, die nicht verprassten, sondern Geld ins Land steckten, Sozialversicherungen für die Handwerker zahlten und Arbeit gaben. Das ist jetzt alles vorbei und den Vermietern geht es schlechter, denn die haben ja die Backsteine und das Beton, was sie auf den Herd stellen koennen, um zu essen. Für die gibt es keine Sozialhilfe, aber verkaufen koennen sie ihre Backsteine leider auch nicht. Das sind die groessten Verlierer der Krise und auf diejenigen werden sie noch weiter rumhacken indem sie die Vermoegenswertgrenze auf 200.00,00 EUR runtersetzen. Keiner interessiert sich dafür, dass diejenigen auch noch Darlehen abbezahlen muessen. Das sind die wahren Verlierer dieser Krise!

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