Auch die Reeder verlassen Griechenland

6. April 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 5.428

Die Reeder in Griechenland zeigen sich bereit, ins Ausland abzuwandern, und charakterisieren eventuelle Änderungen bei ihrer Besteuerung als Casus Belli.

Top-Namen der Welt der Reeder erklären sich bereit, aus Griechenland „abzulegen“ und ins Ausland abzuwandern. Sicheren Informationen zufolge sollen bereits zwei von diesen den Beschluss gefasst haben, ihre Geschäftsräume und den Sitz ihrer Schifffahrtsgesellschaften in ein fremdes Land zu verlegen, wo das unternehmerische und steuerliche Umfeld sehr viel konkurrenzfähiger und hauptsächlich sehr viel stabiler ist.

Die heftige Verschlechterung des wirtschaftlichen Klimas und hauptsächlich die herrschende Angst vor einen „plötzlichen Tod“ der griechischen Wirtschaft zwingen sogar auch die vermutlich stärkste Unternehmergruppe, ernsthaft die Möglichkeit der Abwanderung zu untersuchen um das Schlimmste zu vermeiden. Das Unvermögen der Regierung, eine Finanzierungsvereinbarung mit den Gläubigern „festzumachen“, verstärkt die Ungewissheit und vervielfacht die Möglichkeiten eines „Unfalls“, von dem sicher ist, dass er das Land irreparabel treffen wird.

Casus Belli: Änderung bei der Besteuerung der Reeder

Die „nicht katografierten Gewässer“, in denen sich plötzlich die Gesamtheit der Unternehmerwelt im Fall eines Grexit befinden wird, gibt den Reedern heftig zu denken, die nicht aufhören, sich über die Folgen zu sorgen, die er für ihre Geschäfte haben wird, obwohl ihre Aktivität nicht unmittelbar von dem Verlauf der nationalen Wirtschaft beeinflusst wird. Es ist kein Zufall, dass in der Periode der Krise und trotz des Rückgangs des griechischen BIP die griechischen Reeder ihre Präsenz im Bereich der internationalen Seefahrt ausweiteten und ihre Flotten mit neuen Schiffen verstärkten.

Ein als Casus Belli charakterisiertes großes Thema für die Branche stellt die Besteuerung dar. Nicht wenige Reeder erklären sogar offen, dass sie drastische Maßnahmen ergreifen werden, falls sich das Steuersystem für die Schifffahrtsgesellschaften ändern sollte. „Wenn sich das Steuersystem ändert, werden wir entweder unsere Aktivität einschränken oder unsere Schiffe nehmen und sie an Sitze mit einem günstigeren Steuersystem verlegen„, äußern sie charakteristisch.

Die Einwände der Reeder-Welt gegen jegliche Änderung des institutionellen Rahmen brachte neulich auch Th. Veniamis zum Ausdruck und betonte die Notwendigkeit, dass dieser von der neuen Regierung vollumfänglich respektiert wird, damit – wie er erklärte – „(die Reederschaft) darin fortfährt, mit den aufgewiesenen bewundernswerten Ergebnissen aktiv zu sein und Griechenland das höchste Privileg zu bieten, die internationale erste Schifffahrt zu haben„.

Es wäre außerhalb der Logik, aber auch der rechtlichen Ordnung, einen institutionellen Rahmen zu verraten, von dem selbiger Staat es seit 1975 für notwendig und zulässig hielt, für die Schifffahrt zu adoptieren und im weiteren Verlauf beizubehalten, um sie zurück in vaterländische Gefilde anzuziehen und die erforderliche politische Stabilität und Rechtssicherheit zu bieten„, merkte er an und betonte, „analoge Regimes genießen alle großen Schifffahrten von ihren Regierungen, um dem internationalen harten Wettbewerb zu entsprechen„.

Der Beitrag der Hochsee-Schifffahrt zur griechischen Wirtschaft …

  • ihr Beitrag zum BIP überstieg in den beiden letzten Jahren 7%
  • potentiell kann sie über 26 Mrd. Dollar im Terms inländischen Mehrwerts einbringen
  • sie bietet zusammen mit den seefahrtsrelevanten Subaktivitäten über 192.000 Arbeitsplätze

… und die Stärke der griechischen Flotte:

  • sie liegt an der Spitze der internationalen Rangliste und repräsentiert 16% des internationalen Volumens
  • sie kontrolliert 23,32% der weltweiten Tankerflotte für den Rohöltransport in DWT
  • sie besitzt 13,81% der weltweiten Flotte für den Transport von Chemikalien / Mineralölprodukten

(Quelle: Imerisia, Autor: Giorgos Manettas)

  1. Sven
    6. April 2015, 02:09 | #1

    Ok, dann sollen sie gehen. Aber Syriza sollte umgehend allen Wirtschaftsflüchtigen, die sich in den letzten Jahrzehnten am Staat und Volk bereichert haben, sofort alle Besitztümer enteignen und Ermittlungsverfahren wegen Korruption, Vetternwirtschaft und Steuerhinterziehung einleiten. So können die Reeder den Rest ihres Luxuslebens im Exil verbringen, schuldig ihr Land an den Abrund getrieben zu haben, viel Spaß dabei!

  2. jörg
    6. April 2015, 10:03 | #2

    einfach nur peinlich. Was machen eigentlich die ganzen anderen Reeder die in Ländern beheimatet sind, die mehr Steurn verlangangen? Was sagt der Griechische Bürger dazu? Jahrelang zahlt man so gut wie keine Steuern und schöpft quasi die Sahne ab und dann diese Aussagen?

  3. Rudi
    6. April 2015, 14:37 | #3

    Man kann es auch anders herum sehen. Griechenland ist ein Steuerparadies für Reeder, wie es Luxemburg, City London und viele weitere für Unternehmen wie Amazon etc. sind. Solange diesem Treiben kein Riegel vorgeschoben wird, geht es mit der Sozialisierung der Lasten und der Häufung des Vermögens in immer weniger Hände weiter bis es richtig kracht. Weil das aber internationales Einvernehmen voraussetzt, sehe ich schwarz.

  4. rote_pille
    6. April 2015, 17:36 | #4

    es widerspricht jedem rechtstaatlichen prinzip, rückwirkend irgendwelche steuern einzuführen und zu enteignen. das ist pure willkür, denn die Reeder haben sich nicht an „staat und volk bereichert“, sondern hatten nur die gelegenheit, ihren ertrag auch zu behalten. und siehe da – dieser wirtschaftszweig ist konkurrenzfähig, weil er nicht ausgeplündert wurde. aber zu der sonstigen linken politik, die nur dem raub- und neidprinzip folgt, würden rufe nach enteignungen usw. hervorragend passen.

  5. herbert
    6. April 2015, 18:04 | #5

    Die Reeder verlassen das sinkende Schiff. Diejenigen die jahrelang Steuerprivilegien noch zuletzt vom bankrotten Staat erhielten und durchaus von derselben gehätschelt und subventioniert wurden versetzen dem ganzen griechischen Volk sprichwörtlich einen Tritt in den Hinter. Hier zeigt sich an dem Beispiel – es gibt mehrere – wie abartig dieses Modell „Bereicherung“ auf Kosten aller Bürger installiert war. Wenn man für das Allgemeinwohl die nötigen Steuer bezahlen soll und muss wie jeder anderer Steuerpflichtige, macht man in diesem Land den Laden dicht um ihm an anderer Stelle aber mit der gleichen Arroganz neu zu eröffnen. Die Karawane zieht weiter.

  6. Alter Knacker
    6. April 2015, 22:03 | #6

    Ich habe mal alle hier veröffentlichten Kommentare zu dem Thema gelesen und komme zu dem Schluss, soziales Verhalten funktioniert eben nur in einem geschlossenen Benutzerkreis. Und der größte geschlossene Benutzerkreis ist die Nation, oder der Staat, den diese Nation, eine Gemeinschaft mit den etwa gleichen Erfahrungen und Zielvorstellungen, geschaffen hat. Und dann gehören Gesetze dazu, die das Verhalten der Menschen dieses Benutzerkreises für alle gleich und – sehr wichtig – verständlich regeln. Weiterhin hat der Staat die Verpflichtung, das eingenommene Steuergeld zum Wohle aller ohne Bevorzugung einer wie auch immer gearteten Interessengruppe zu verwenden. Wohltaten nur für wenige müssen dann auch von diesen wenigen bezahlt werden, eben über Nutzungsgebühren. wenn das nicht passiert, führt es letztendlich zur Revolution. Und auch die sogenannte BRD steht kurz vor diesen unabwendbaren Ereignis.

  7. The Road To Serfdom
    6. April 2015, 22:37 | #7

    Dank der Personsenfreizügigkeit innerhalb der EU können nicht nur die griechischen Unternehmer, sondern alle Griechen auswandern. Und genau das tun auch die jungen, gut Ausgebildeten mit einem Job, der international nachgefragt wird. Zurück bleiben die Transferempfänger und nicht konkurrenzfähigen Arbeitnehmer (insbesondere die Staatsbediensteten). Damit verliert das Land natürlich auch noch sukzessive seine Leistungsträger und somit zukünftige Steuereinnahmen.
    Den sozialistischen Umverteilungs-Utopisten bleibt daher letztendlich immer nur eine Möglichkeit, diesen Brain-Drain und die Abwanderung der Industrie zu verhindern: durch die Beendigung der Freizügkeit – sprich die Errichtung einer Mauer! Die hässliche Fratze des Sozialismus zeigt sich auch hier bereits in einigen Kommentaren, denn die ultimative Konsequenz lautet immer: Enteignung und Diktatur.

  8. Fred
    6. April 2015, 23:15 | #8

    Tja, es waren leider nunmal nicht die „Sozialisten“, die Griechenland in diese Situation getrieben haben, sondern die Kapitalisten. Die sozialistisch angehauchte Syriza kann jetzt lediglich noch Schadensbegrenzung betreiben. Für eine gerechte Alternative zum Kapitalismus fehlt aber der Syriza leider das Potenzial, wie man aktuell an den vielen Zugeständnissen sieht!

  9. Stipsi Fan
    7. April 2015, 11:11 | #9

    Zu diesem Sachverhalt habe ich vor einiger Zeit einen interessanten Artikel gelesen. Weltweit werden die Reeder nach Tonnage besteuert und nicht nach Unternehmensergebnissen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass diese Art der Besteuerung von Reedern in Deutschland durch Frau Merkel eingeführt wurde. Insgesamt entsteht in DE dadurch eine Mindereinnahme an Steuern von knapp 500 Mio €.

  10. jensen
    8. April 2015, 14:28 | #10

    Das ist ja genau das Problem. Besteuert man seine inländischen Unternehmen gerecht, sind sie international im Nachteil, oder legen die Kosten direkt auf die Löhne um. Dem Inhaber / Aktionär in die Tasche greifen ist kaum möglich. Schutzzölle oder Sonderregelungen werden von anderen Ländern mit Schutzzöllen und Sonderregelungen beantwortet. Schupflöcher werden ständig neue geschaffen. Die Tsipras Regierung interessiert mich insofern, ob sie eine Möglichkeit findet soziale Marktwirtschaft in der heutigen Zeit zu betreiben, ohne auf pump zu leben. Wenn die es nicht schaffen ist davon auszugehen, dass es keiner schafft.

  11. Toktok1969
    11. April 2015, 19:15 | #11

    Nun ist es mal wieder soweit … die Ratten verlassen das sinkende Schiff und verbreiten grosspurig, das Land nun doch zu verlassen, da das geschaeftliche Umfeld sich verschlechtert habe. Na dann, gute Reise … . Jetzt ist der gemeine Buerger einmal gespannt, ob jemand die Reisenden aufhaelt oder wieder nur tatenlos zusieht, wie die naechste Moeglichkeit versiegt, Steuern einzutreiben! Immer nur zu versprechen und nie zu Handeln vergrault nun auch die letzten Waehler … aber wie schon in einem vorherigen Artikel erwaehnt ist es wohl einfacher, das Taschengeld von Kinder zu besteuern als millionenschwere Reeder! Die koennen das Land ja mit dem bisschen Taschengeld nicht verlassen …

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