Wie Griechenland aus Europa gedrängt wird

17. März 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 2.683

Die Entwicklungen und speziell die Beschleunigung der Quantitativen Lockerung lassen vermuten, dass Europa sich für einen Grexit beziehungsweise Graccident wappnet.

Griechenland wird mit langsamen, aber stetigen Schritten aus Europa hinausgeführt, da sein größter Widersacher inzwischen die Zeit ist. Das von dem griechischen Finanzminister – zugegebenermaßen mit großem Erfolg – betriebene Spiel der „konstruktiven“ Verzögerung ist an seinen Grenzen angelangt. Und vielleicht hat es sie etwas überschritten …

Es beginnt offensichtlich zu werden, dass man sich in Europa heftige Sorgen weniger über das Schicksal Griechenlands selbst, sondern über die Toxizität macht, welche die Krise im Land in der Eurozone zu verursachen vermag. Speziellere Beunruhigung riefen die letzten Erklärungen des EZB-Chefs Mario Draghi über eine Wappnung der Eurozone mittels des Programm der sogenannten Quantitativen Lockerung (Quantitative Easing / QE) gegen eine Weitergabe der griechischen Krise hervor.

Europa bereitet einen „chirurgischen Eingriff“ vor

Lassen wir uns also sehen, was Herr Draghi während der Dauer einer Konferenz in Frankfurt erklärte: „Wir stellen trotz der Erneuerung der griechischen Krise einen weiteren Rückgang der Renditen der Anleihen Portugals und anderer bisher in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befindlichen Länder fest. Dies Bedeutet, dass das Programm zum Aufkauf von Schuldtiteln die Länder der Eurozone gegenüber der Weitergabe wappnen kann.“ Bedarf es weiterer Worte, damit seine Position verständlich wird? Und welche die wirkliche Sorge ist, die zu einem großen Grad auch die Beschleunigung der QE-Politik diktierte?

Es ist nunmehr offensichtlich, dass Europa sich „unterirdisch“ darauf vorbereitet, Griechenland hinauszuwerfen und dabei die wie auch immer gearteten Auswirkungen zu reduzieren. Gleichzeitig verhandelt es mit Herrn Tsipras zur … Wahrung des Scheins der Demokratie, aber auch der europäischen Errungenschaft.

In der Tiefe bereitet es sich jedoch auf einen großen „chirurgischen Eingriff“ vor, da man auf keinen Fall glaubt, dass selbst, wenn Herr Tsipras einem neuen Memorandum zustimmen sollte, er es umsetzen können wird … . Gleichzeitig streben die beiden zentralen Mächte Europas, sprich Deutschland und Frankreich, jede aus unterschiedlichen Gründen das Ausscheiden Griechenlands an.

Deutschland verhärtet seine Haltung

Wolfgang Schäuble unterbreite Yanis Varoufakis bei einer persönlichen Begegnung der beiden Finanzminister in Berlin die Option des … Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone mittels einer einvernehmlichen Vereinbarung. Wie sein verbaler „Schlagabtausch“ mit seinem griechischen Amtskollegen enthüllt, bot in diesem Dialog der deutsche Finanzminister die Hilfe seines Landes an Griechenland an, damit ein Grexit realisiert wird.

Als Herr Varoufakis zu Herrn Schäuble sagte, die griechische Seite wünsche die schnelle Realisierung der Vereinbarung des 20 Februar, antworte ihm laut dem Dialog der deutsche Minister: „Wir glauben, dass die 5. Bewertung des Programms Griechenlands wie gehabt vollendet werden muss, ohne jegliche Veränderung und mit den geforderten Voraussetzungen, die vor den Wahlen festgesetzt worden waren, nebst Inspektionen vor Ort durch die Troika. Bis dahin darf es absolut keinerlei Auszahlung geben.“ Herr Varoufakis reagierte und entgegnete, „schauen sie mal, diese Dinge gehen nicht, bei der Eurogruppe haben wir gerade etwas anderes beschlossen„.

An diesem Punkt schlug Herr Schäuble das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone vor. „In diesem Fall gibt es Optionen. Beispielsweise könnt ihr vielleicht aus dem Euro ausscheiden, wann immer ihr wollt. In einem solchen Fall werden wir euch bei dem Prozedere helfen„, sagte er zu Varoufakis, woraufhin der griechische Minister ihm antwortet, „wie sie wissen, ist dies nicht unsere Wahl„.

Der Fall des französischen Bollwerks

Die zweijährige Verlängerung, die Frankreich zur Senkung seines Defizits erhielt, wurde in Athen anfänglich als ein weiteres „Zeichen“ der Stärkung der Tendenz zur Lockerung der Wirtschaftspolitik interpretiert, die folglich auch Griechenland Erleichterung verschaffen würde. Laut den selben Einschätzungen hat diese Tendenz sich in der Eurozone anlässlich des Beginns des Programms der „quantitativen Lockerung“ durch die EZB abzuzeichnen begonnen.

Diplomatische Kreise in Brüssel interpretieren allerdings auf Basis der … „byzantinischen“ Verständigungscodes der Kleriker der Eurozone, dass die zweijährige Nachfrist für die Senkung der Defizits Frankreichs in Bezug auf Griechenland in entgegen gesetzter Richtung auszulegen ist. Dass Herr Hollande zwei Jahre Verlängerung – bis 2017 – bekam um sein Defizit auf Niveaus unter 3% zu bringen, war ein sehr schwieriges Verhandlungsthema.

Laut den selben Kreisen war es dermaßen schwierig, dass – damit es mit der Gewährung einer Verlängerung um zusätzliche zwei Jahre gelöst wird – „man gewisse Gegenleistungen zu erwarten hat …„. Gemäß dieser Logik hat Paris sich nun in Berlin auf verschiedenen Ebenen … erkenntlich zu zeigen. Und eine – nicht die signifikanteste – von diesen bezieht sich auf die Haltung der Eurozone gegenüber Griechenland …

(Quelle: sofokleous10.gr)

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  1. happy
    17. März 2015, 01:34 | #1

    Wann begreifen die Eurokraten, dass man niemals Schulden mit neuen Schulden begleichen wird? Ist das denn so schwer? Die Verlogenheit der Eurokraten, in der das Rettungspaket als hübsch-geschmücktes Geschenk präsentiert wird mit der Selbstmordpille. Aber diesen Herren ging es nie um Schuldenabbau, es geht ihnen nur um die Umverteilung von vielen auf wenige.

  2. Christina
    17. März 2015, 02:33 | #2

    Wofür eigentlich hat Griechenland bis Ende April Zeit bekommen, wenn es fast zeitgleich aus Berlin schon wieder hieß, alle bisherigen Vorlagen reichten nicht aus? Weil sie so „weich“ formuliert waren, dass sie der Regierung in Athen auch nur ein klitzekleines bisschen Spielraum für eigene Entscheidungen gelassen hätten? Zumindest für zwei Monate? War das alles nicht so ganz ernst gemeint, weil Berlin ja eigentlich nur die 100 %ige Unterwerfung verlangte, das aber nicht ganz so deutlich sagen wollte? Gefallen sich deutsche Staatsbürger eigentlich im Gefolge ihres hartlippigen Finanzministers als europäische Zuchtmeister? Oder bleibt da noch ein Rest demokratischer Scham?

  3. GR-Block
    17. März 2015, 03:18 | #3

    Natürlich war der Schuldenaufbau Programm. Der Fall GR war DIE Gelegenheit, um Geld der Steuerzahler in die Privatwirtschaft zu pumpen. Dabei ist die EU lediglich der organisierte Lobbyismus und Papandreou und Samaras ein Teil davon. Am Ende wird Tsipras auch einlenken, wenn er mit GR nicht ganz unten anfangen will. Und schließlich hat er versprochen im EURO zu bleiben. Nur… die Gelder sind, bis auf ein kleines, drittes Paket von 30 Mrd., schon geflossen. Jetzt ist es egal, ob GR im EURO bleibt. Die Schulden werden sowieso nicht beglichen. Jetzt geht die Hatz auf Varoufakis los. Damit soll Tsipras gefügig gemacht werden. Die Krise gerät in die Krise. Das ist eine Chance. Mal sehen, ob die beiden Männer durchhalten.
    So oder so… bald ist die politische Krise der EU vorbei. Dann schaun mer mal.

  4. Bernhard
    17. März 2015, 08:42 | #4

    über solche Verschwörungstheorien kann ich mittlerweile nur noch müde lächeln. Zugegeben hatten solche theoretischen Szenarien vor wenigen Jahren noch einen gewissen Unterhaltungswert, inzwischen langweilen sie nur noch.

  5. Ronald
    17. März 2015, 10:08 | #5

    Die Schaffung des ESM nach 2010 dient ausdrücklich als Bollwerk gegen die Insolvenz von Staaten innerhalb der Eurozone. Das ist nicht geheim, das ist nicht unter der Decke und wurde von der EU (einschl. Griechenland) so beschlossen. Dass sich mit dem Austritt (beabsichtigt oder nicht) eines Mitgliedes der EU auch die Frage nach der EU-Mitgliedschaft stellt wie es die Überschrift schlagzeilt, kann ich nicht erkennen. Mir fallen da spontan einige Länder ein, die Mitglied in der EU sind, deren Bevölkerung gleichwohl in ihrer Landeswährung zahlt.

  6. Kleoni
    17. März 2015, 10:41 | #6

    ursprünglich war Europa als ein Zusammenschluss der Länder mit dem Ziel GEMEINSAM sind wir stark und können viel erreichen geschaffen worden. Seit aber die Märkte und nicht mehr die Politik Europa regieren, ist ein Hauen und Stechen um die Futterbrocken geworden, d.h. die Starken verdrängen die Schwachen bis sie entweder von den Schüsseln rüde davon gejagt werden oder immer schwächer werden.

  7. AltFryRhätien
    17. März 2015, 11:57 | #7

    Jedenfalls die Besetzung der (Günther) Jauchegrube liess – mit ausdrücklicher Ausnahme der dort anwesenden Dame – jegliche gesellschaftliche und politische Kinderstube gänzlich vermissen. Herr Varoufakis hat seine Contenance in bewundernswerter Weise gewahrt. Aber die Deutschen (Männer) sahen hundsmiserabel aus, allen voran der „Moderator“.

  8. Wolfgang
    17. März 2015, 13:58 | #8

    Die EU kann m.E. nur Vertrauen fassen, wenn Griechenland Maßnahmen einleitet, die Griechenland nach vorn bringen (z.B. Schaffung einer effizienten und ordnungsmäßigen Verwaltung, gleichmäßige Erhebung von Steuern). Doch ich habe bisher keine einzige Maßnahme der Regierung gesehen. Ihre Maßnahmen reduzieren sich auf den Schuldenschitt und Reparationszahlungen. Ganz gleich, ob Griechenland im Euro bleibt oder nicht. Wenn die Regierung nichts für Griechenland tut, ist Griechenland erledigt.

  9. Heidi Preiss
    17. März 2015, 21:53 | #9

    Alles, was die griechische Regierung bislang vorschlug, wurde kategorisch von Schäuble & Co. abgelehnt. Umgekehrt kam kein Vorschlag aus Berlin, wie die Not der Griechen gemindert und die med. Katastrophe aufgehalten werden soll. Es scheint doch nicht wirklich ums Geld zu gehen, ein Erfolg der linken Regierung wird gefürchtet. Er könnte ja Schule machen.
    Weiter fordert Schäuble, Tsipras soll zu den Verträgen der korrupten Vorgänger stehen. Er selber will aber keine Altschulden aus Nazi-Zeiten an Griechenland zahlen. Gerade Schäubles CDU steht doch in recht ungeklärter Nachfolge der Nazi-Faschisten. Warum soll Athen für Altschulden von gestern aufkommen, Berlin aber nicht für Altschulden von vorgestern?

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