Warum sich Griechenland und Deutschland … todfeind sind

8. März 2015 / Aktualisiert: 03. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.767

Während die Deutschen sich für mustergültige Architekten wirtschaftlichen Erfolgs halten, sehen sich die Griechen als als geborene Opfer ausländischer Einmischungen.

Griechenland – Deutschland: Zwei verschiedene Welten. Stephen Fiedler, Redakteur des Wall Street Journals, versucht die Kollision der beiden Länder, die Konfrontation zu erklären, die in den letzten Jahren auch wegen der wirtschaftlichen Krise latent anhält.

Wie der Artikel berichtet, sehen die Deutschen sich selbst als „Architekten“ des wirtschaftlichen Erfolgs auf den Trümmern der 2. Weltkriegs mittels ihrer Selbstaufopferung, der harten Arbeit und ihrer persönlichen Verantwortung. Als ihre Wirtschaft in den 90er Jahren zu versinken begann, realisierten sie eine Reihe harter Reformen, die länger als ein Jahrzehnt anhielten und die Basis ihres heutigen wirtschaftlichen Wohlstands darstellten.

Das Volk bezahlt die Rettung deutscher und französischer Banken

Für viele Deutsche gibt es hier ein Element der Moral. Also dass ihre Tugend belohnt wurde, wie es auch mit den übrigen geschehen würde, die ihrem Beispiel folgen werden würden. Deutschlands Ansicht über Griechenland ist, dass es den entgegen gesetzten Weg der Zügellosigkeit, der Abhängigkeit von den Schulden und der Verantwortungslosigkeit befolgte, der es in die wirtschaftliche Katastrophe führte.

Auf der anderen Seite sehen die Griechischen sich selbst als Opfer ausländischer Faktoren seit der Epoche des Osmanischen Reichs. Kevin Featherstone, Professor für griechische Zeitgeschichte an der London School of Economics, merkt an, bei dem griechischen Volke bestehe ein stetiges Gefühl, von Geburt an zum Opfer gemacht zu werden.

Es sind nicht nur die Deutschen, welche die Griechen etwa so sehen, jedoch sind sie mit den harten Erinnerungen aus dem 2. Weltkrieg belastet. Herr Featherstone spricht von der brutalen Besatzung, welche die Griechen unter den Nazis erlebten. Auch noch heute bestehen lebendige Erinnerungen aus jenen Epochen. Das Gefühl des Opfers überkam die Griechen auch in der heutigen Epoche mit der in ihrem Land verursachten Schuldenkrise. Die Regeln wurden von den Ausländern zu dem Zweck auferlegt, dass die deutschen und französischen Banken bezahlt werden. Diese Darstellung wurde von Alexis Tsipras gelenkt.

Diese Darstellungen sind eine Provokation. Kein anderes Land kann wie Deutschland einen Primärüberschuss von 6% „am Laufen“ haben. Irgendwelche Länder müssen Produkte importieren. Zusätzlich ignorierte Deutschland, als es zu Reformen schritt, die Regeln der Eurozone, während nicht die Erleichterung vergessen werden darf, die dem Land 1953 mit dem Erlass eines Teils seiner Schulden gewährt wurde – und ein Land, das dem zustimmte, war auch Griechenland.

Ausländer mischen sich seit Gründung des griechischen Staates ein

Die Griechen haben von ihrer Seite zu sagen, dass seit der Revolution 1820 und der Gründung des modernen griechischen Staates bis heute, von König Otto und den Briten im Bürgerkrieg bis zum Eisernen Vorhang und den nachfolgenden Beitritt Griechenlands zu der damaligen EWG, die Ausländer nicht aufgehört haben, sich in ihre Interna einzumischen.

Wie der Artikel anführt, gestattet diese Schilderung den Griechen, sich selbst als schuldlos darzustellen. Dies tat laut Featherstone auch die SYRIZA. Es gab eine politische Elite, eine Handvoll Oligarchen, die zu einer geheimen Absprache schritten, während es auf der anderen Seite das Volk gab, das für die Banken litt. Dies ist die Schilderung der SYRIZA mit der Fußnote, die traditionelle Rechte gehöre der griechischen Elite und habe sich der ausländischen Vorherrschaft nicht widersetzte.

All dies annulliert natürlich nicht die Tatsache, dass viele einfache Griechen von dieser Situation profitierten, die sich auf die Klientel-Beziehungen und den Nepotismus stützte. „Es bedurfte keiner Krise, damit wir erfahren, dass Griechenland ein Korruptionsproblem hat„, führt Featherstone an und ergänzt, Auswirkungen gebe es auch mit langfristigem Horizont. Wie er sagt, geben uns die populären Darstellungen einen Teil der Wahrheit und verhindern sehr oft die Lösungen, da sie jede Seite davon befreien, Verantwortung zu übernehmen. Featherstone endet: „Europa repräsentierte für die Griechen die idealistische Vision des Fortschritts, der Modernisierung und der Verbesserung der Regierungsführung. Nun lieben die Griechen Europa nicht mehr und fürchten, was geschehen wird, wenn sie den Euro verlassen.

(Quelle: Imerisia, der originale Beitrag von Stephen Fidler kann auf Englisch hier nachgelesen werden: Greece vs. Germany: Two Competing National Narratives)

  1. Jorgo
    8. März 2015, 09:26 | #1

    Ja, der Euro war wie Heroin, das süße Träume erzeugte, jedenfalls solange wie es immer Nachschub (in steigernder Dosis) gab. Jetzt erlebt man den kalten Entzug. Wer das übersteht, dem geht es dann wirklich besser, der wird wieder gesund, solange er nicht in alte Verhaltensweisen zurückfällt

  2. Jörg
    8. März 2015, 09:50 | #2

    Ja aber warum sind sich Griechen und Deutsche „todfeind“? Kann es sein das in gerade in Griechenland (allerdings auch in Deutschland wenn nicht ganz so schlimm) sich viele Leute auf das geschriebene Wort in Zeitungen verlassen? Diese Zeitungen sind dann wieder in der Hand von wenigen Oligarchen die ihre Meinung mit Hilfe von Presse, Rundfunk und Fernsehen so dem Volk nahebringen, das es lediglich einem nütz, das wird aber nicht das Volk sein. Solche Leute kann man bald als Kriegsgewinnler bezeichnen, denn bestimmt werden Sie nichts an der Krise in Griechenland verlieren, das einfache Mann/Frau auf der Strasse wohl. Ich denke die jetzige Regierung tut nichts gutes daran wenn Sie jetzt ihre eigenen Wähler bespitzeln will, nur ein paar Euro Steuern zu erwirtschaften. Die richtigen Steuerneinnahmen sind wo ganz anders, doch selbst ein Herr Varoufakis ist wohl einfach zu feige, diese Massnahmen in Angriff zu nehmen. Einfacher ist es natürlich dem einfachen Bürger in die Tasche zu greifen.

  3. Bella
    8. März 2015, 13:04 | #3

    Ich glaube die Mehrheit der Deutschen mag Griechenland und die Griechen. Das Problem sind die Medien, die die Griechen als faul, verschwenderisch und korrupt diffamieren. Davon sollten sich beide Völker nicht beeinflussen lassen. Was die EU anbelangt so glaube ich, da machen sich viele Griechen noch Illussionen. Diese EU ist nicht mehr zu retten und sie wird Griechenland mit in den Abgrund ziehen. 2017 wird in Frankreich die rechtsradikale Madame Le Pen die Wahl gewinnen und dann wird Europa zerfallen. Deshalb wäre jetzt ein kontrollierter Ausstieg Griechenlands aus Euro und EU das beste für dieses Land … das zu vermitteln wäre die Aufgabe der neuen Regierung. Gelingt dies nicht, droht Bürgerkrieg.

  4. Murksel
    8. März 2015, 18:13 | #4

    Die Regeln wurden von den Ausländern zu dem Zweck auferlegt, dass die deutschen und französischen Banken bezahlt werden. Diese Darstellung wurde von Alexis Tsipras gelenkt.“ So, so ein Redakteur des Wall Street Journals hat dies geschrieben. Dann ist doch alles klar. Ein Systemling. Motto: Teile und herrsche! Wer glaubt denn heute noch , dass es nicht um Bankenrettung ging und geht? Der größte Teil der Rettungsmilliarden ging doch nur in den Schuldendienst. Die griechische Bevölkerung hat nicht einmal 10% davon erhalten.

  5. Marie Müller
    8. März 2015, 20:21 | #5

    Endlich wissen wir, wer die Schurken sind.

  6. george
    9. März 2015, 00:09 | #6

    Starke Worte – Todfeind?? Schwachsinn!! So hetzt man Geselschaften gegeneinander auf. War wohl nur ein Schreiberling, der dieses Wort aus der Abfallkiste des Militarismus gefischt hat. Meine Sympathie gilt nach wie vor den Griechen, die jetzt wirtschaftlich sehr schlecht stehen und dafür leiden, daß die vegangenen Regierungen sich Gelder erschlichen haben.
    Bei so viel Geld wie geflossen ist, müßte man doch herausfinden, wer es wie verschleudert hat. Sicherlich gibt es da noch Konten, bei denen Besitzer nicht erklären können, wie das Geld in ihren Besitz gekommen ist. Dann: Geld zurück an Staat, Besitzer ins Gefängnis. Sicherlich müßten dafür Gesetze geschaffen werden, ab wenn nicht jetzt, wann dann?

  7. Edgar Etz
    9. März 2015, 09:42 | #7

    Ja, auch wenn das manche nicht gerne hören: die Banken, bzw. deren Gläubiger, mussten gerettet werden, weil die Kredite vom griechischen Staat nicht zurück gezahlt werfen konnten. Das Geld ist ja nicht verschwunden, es haben nur andere. Zum Artikel: von „todfeind“ zu reden finde ich, ebenso wie die Verkürzung Deutschland-Griechenland, unmöglich. Der Konflikt besteht zwischen IWF, EZB und EZ-Ländern und Griechenland. Und dort auf der „Finanzebene“. Es wird ja wohl niemand behaupten, dass es wegen nicht zurück gezahlter Kredite zu militärischen Auseinandersetzungen kommen könnte.

  8. Ingrid
    9. März 2015, 16:34 | #8

    Wir haben ein Problem! Wir, damit meine ich Griechenland UND Deutschland – Das Volk in Europa hat ein Problem, das sich sehr wohl loesen laesst. Nur scheint es, dass die Kapitalelite keine Loesung will. Solange wir als Volk dies dulden, wird sich niemals was aendern. Suppenkuechen gibt es in Griechenland und auch in Deutschland. Genauso wie Obdachlose und Beduerftige, Kinder unter der Armutsgrenze., Altersarmut und Sozialschwache. Wir als Volk muessen zusammen was bewegen, zusammen Soditaritaet bezeugen, zusammen zu Loesungen beitragen. Da gehoert weit mehr als nur die finanzielle Seite dazu. Und man kann was bewegen, denn ZUSAMMEN ist man STARK.

  9. jensen
    9. März 2015, 20:44 | #9

    Die Milliarden aus den Rettungspaketen waren nie und sind nicht für den griechischen Bürger gedacht. Als griechsicher Bürger kann man sich Geld bei der Bank leihen, falls benötigt. Dieses Geld war und ist für den griechischen Staat gedacht, dem seinerzeit niemand Geld leihen wollte. Deshalb ist das Argument, dass die Millarden nicht beim griechischen Bürger ankommen hinfällig, da sie nicht für ihn gedacht sind. Das Großkapital an die Kette legen klingt immer gut, da sind sich denke ich alle Bürger der Welt einig, aber wie soll das gehen? Da habe ich auch von der neuen griechischen Regierung leider noch nichts von gehört. Auch den anderen Regierungen auf dem Planeten fällt dazu scheinbar nichts ein. Die Finanztransaktionssteuer wäre schon mal ein Anfang, aber Briten und Schweden haben die EU-weite Umsetzung verhindert.

    Gut darstehen tuen die Gesellschaften, die das Kapitalismus-Spiel gut mitspielen, die anderen müssen zusehen, dass sie als Selbstversorger durchkommen. Selbstversorger wird es zukünftig auch in Europa immer mehr geben, mit großem Garten, weil es sonst nicht reicht. Leider sind dann die Annehmlichkeiten der Konsumgesellschaft dahin.

    Also entweder tut man was nötig ist um genügend Wertschöpfung in seinem Land zu betreiben, oder man reitet wieder auf dem Esel durch die Gegend, wobei zweiteres evtl. mehr Lebensqualität bietet.

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