Krise in Griechenland bezahlen die Armen

26. März 2015 / Aufrufe: 1.143

Während sich seit Ausbruch der Krise in Griechenland die steuerliche Belastung ärmerer Haushalte vervielfachte, blieben wohlhabende Familien weitgehend unbehelligt.

Laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung weitete sich die Kluft zwischen Reichen und Armen im Griechenland der Krise dramatisch aus. Die Ärmeren wurden steuerlich um (statistisch) bis zu 337% mehr belastet, die Vermögenden dagegen nur um 9%.

Griechenland. Solidarität und Angleichung in den Jahren der Krise“ lautet der Titel einer umfangreichen Untersuchung, die Tasos Giannitsis, emeritierter Wirtschaftsprofessor der Kapodistria-Universität Athen und ehemaliger Minister, zusammen mit Stavros Zografakis, Assistenzprofessor für Agrarwirtschaft an der Agronomie-Universität Athen, für Rechnung der deutschen Hans-Böckler-Stiftung für Makroökonomie ausarbeiteten.

Austerität führte zu einem abruptem Anstieg der Armut

Ziel der Untersuchung war die Erforschung der Auswirkung der Krise und der Politiken zu ihrer Bewältigung auf das Sinken der Einkommen sowie ebenfalls auf die Zuspitzung der steuerlichen und allgemein wirtschaftlichen Ungleichheiten in Griechenland. Gemäß der Untersuchung waren die Differenzierungen hinsichtlich der während der Krise verhängten (neuen) steuerlichen Belastungen zwischen reicheren und ärmeren gesellschaftlichen Schichten signifikant.

Die dem am Rand des Bankrotts befindlichen Land aufgezwungenen harten Austeritäts-Maßnahmen hatten den abrupten Anstieg der Armut zum Ergebnis. Wie die Untersuchung anführt, sank des nominale Bruttoprodukt der durchschnittlichen griechischen Haushalte zwischen 2008 und 2012 insgesamt um bis zu einem Viertel, wobei diese großen Rückgänge zur Hälfte auf den Lohnkürzungen beruhen.

Die Last der Krise trugen die Ärmeren

Spezieller belastet zeigen sich gemäß der in Rede stehenden Untersuchung die mittlerem und niedrigen Einkommen, die gezwungen wurden, während der Periode der Krise die größte Steuerlast zu stemmen. Insbesondere die niedrigeren Schichten wurden gezwungen, steuerliche Belastungen hinzunehmen, die im Verhältnis zu der Vergangenheit um bis zu 337% stiegen. Die wirtschaftlich höheren Schichten erlitten dagegen Mehrbelastungen in einer Größenordnung von gerade einmal 9%. Wenn auch die steuerliche Belastung bei den nicht privilegierten Haushalten in absoluten Zahlen fallweise nur um einige Hundert Euro anstieg, wurde sie jedoch von den massenweisen Senkungen bei Löhnen, aber auch dem Anstieg der Arbeitslosigkeit begleitet.

Die Untersuchung geht allerdings noch einen Schritt weiter und unterstreicht, die durchgesetzten Kürzungen seien sehr viel weitreichender gewesen als in Wirklichkeit zur Stimulierung der Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft nötig war. Bezüglich der Lohnsenkungen merkt die Untersuchung an, diese seien auf dem privaten Sektor sehr viel schmerzhafter als auf dem öffentlichen Sektor gewesen. In vielen Fällen wurden die für Gehälter des öffentlichen Sektors beschlossenen Kürzungen sogar entweder niemals umgesetzt oder in der Praxis – zum Teil wegen gerichtlicher Urteile – zurückgenommen.

Die Untersuchung führt ebenfalls an, dass 2012 einer von drei griechischen Haushalten seinen wirtschaftlichen Verpflichtungen mit einem Jahreseinkommen bei 7.000 Euro entsprechen musste. Eindruck verursacht schließlich die Tatsache, dass die nicht privilegierten Haushalte in der Krise 86% ihres gesamten Einkommens verloren, die besser gestellten Familien dagegen nur 16% bis 20%.

Es sei angemerkt, dass bei der Untersuchung für Rechnung der Hans-Böckler-Stiftung Daten analysiert wurden, die sich auf 200.000 griechische Haushalte bezogen.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Ronald
    26. März 2015, 08:27 | #1

    Dass die Regierungen, die vor der jetzigen Regierung in Griechenland das Sagen hatten die Reichen und Superreichen in Griechenland nicht angefasst haben ist nun allen hinlänglich bekannt; dazu bedarf es keiner Studie mehr. Die Regierung Tsipras ist u. a. gewählt worden um hier Gerechtigkeit herzustellen. Ich wünschte wirklich, es gäbe da mehr als Ankündigungen….

  2. Lischen Müller
    26. März 2015, 14:23 | #2

    Wäre ja ein Wunder gewesen, wenn sich die Troika mit den Reichen angelegt hätte. Bei Reichen kriegt man immer Ärger, z.B. wenn sie dann einfach auswandern!

  3. Murksel
    26. März 2015, 17:42 | #3

    Bleibt noch anzumerken, dass die Funktionäre (vom IWF, EZB usw.) und die Politiker der EU dafür gesorgt haben, dass sie selbst zu den sehr Wohlhabenden gehören. Diese Typen gehören also selber zu den Reichen!

Kommentare sind geschlossen