Griechenlands Rückkehr zu Drachme in 10 Schritten

24. März 2015 / Aktualisiert: 03. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.362

Die aktuellen Entwicklungen bringen wieder Szenarien des Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro und die Rückkehr zu einer nationalen Währung aufs Tapet.

Das albtraumhafte Szenarium Griechenlands Ausscheiden aus dem Euro und der Rückkehr zur Drachme war für lange Zeit in Vergessenheit geraten, bis es sich in letzter Zeit wieder einstellte. Trotz der Tatsache, dass es von internationalen Massenmedien und hauptsächlich aus Berlin als Druckmittel gegen die griechische Regierung verwendet wird, fürchten viele den „Unfall“. Aus diesem Grund haben ausländische und griechische Banken immer Szenarien für das Ausscheiden und Pläne bereit haben, um einer eventuelle Krise zu begegnen.

Jedenfalls werden diese panikschürenden Szenarien von Athen zurückgewiesen und natürlich hätte ein solcher Fall sehr ernsthafte Auswirkungen auf ganz Europa.

Auswirkungen der Memoranden und einer Rückkehr zur Drachme

Laut der Zeitung „Kathimerini“, die in einem einschlägigen Artikel die Schritte des Übergangs von der gemeinsamen zur nationalen Währung beschreibt, sind die Auswirkungen einer Rückkehr zur Drachme im Vergleich zu denen der Memoranden (nebst Troika) ab 2010 bis einschließlich heute:

  1. Das Memorandum erhöhte die Arbeitslosigkeit in Griechenland genau auf das Niveau, welches die Szenarien über eine Rückkehr zur Drachme prognostiziert hatten.
  2. Der Rückgang des Einkommens (bzw. der Kaufkraft) ist halb so groß als es mit der Drachme geschehen wäre.
  3. Die in letzter Zeit herrschende Ungewissheit hat die Renditen der 10-Jahres-Anleihen auf fast die selben Niveaus mit denen getrieben, die für den Fall der Rückkehr zur Drachme prognostiziert wurden. Beispielsweise lagen im Herbst 2014 die Renditen bei der Hälfte jener der Drachme.

Wie der Übergang vom Euro zur Drachme erfolgen wird

Nachdem die verschiedenen rechtlichen, politischen und verfahrenstechnischen Probleme überwunden sind, beginnt das Verfahren des Ausscheidens aus der Eurozone und der Übergang zur neuen Währung, z. B. der (neuen) Drachme.

Schritt 1: Alle Kassenstände der Banken in Euro werden „eingefroren“.

Schritt 2: Zum Zeitpunkt Null“ werden alle Kontostände (Guthaben und Kredite) zum Kurs 1 Euro = 1 Drachme umgewandelt. Dies gilt auch für die Guthaben der Banken bei der Griechischen Bank und die erhaltenen Kredite (sogar auch ELA-Kredite).

Schritt 3: Auf politischer Ebene kann ein vorab erfolgender „Schnitt“ der Verschuldung des öffentlichen und privaten Sektors beschlossen werden. Dies geschieht technisch mittels einer vorab erfolgenden Abwertung der Drachme, bevor sie in Umlauf kommt. Beispielsweise wird eine Schuld zu einem Kurs von 1:1 von 10.000 Euro direkt in 10.000 Drachmen umgewandelt. Damit ein „Schnitt“ stattfindet, erfolgt eine neue Berechnung zu einem Kurs von z. B. 1 Euro = 2 Drachmen. Somit bleibt die Schuld 10.000 Drachmen (Basis bleibt der Zeitpunkt Null), wird jedoch in Euro (für die ausländische Bank) zu 5.000 Euro werden.

Schritt 4: Der Kapitaltransfer von den in Drachmen geführten neuen Sparkonten zu in Euro geführten Konten wird verboten.

Schritt 5: Löhne, Produktpreise, der Wert von Dienstleistungen, Krediten usw. werden zu einem Kurs von 1:1 umgewandelt.

Schritt 6: Die EZB gewährt der Griechischen Bank außerordentlichen Kredit, damit sie Währungsreserven in Euro hat.

Schritt 7: Es beginnt der Umlauf der Drachme und ihr Handel an den Märkten. Es wird mit einer großen Abwertung gerechnet, die 60% erreichen könnte. Unter dem Strich geht der gesamte Nutzen aus dem obigen Schuldenschnitt verloren.

Schritt 8: Die Einfrierung der Bankkonten und die Beschränkungen im Kapitalverkehr bleiben bestehen, bis sich die großen Schwankungen beim Wechselkurs beruhigen.

Schritt 9: Wechselstuben werden für eine konkrete Periode Euro zur Umwandlung in Drachmen annehmen. Per Gesetz erfolgen alle Auslandsgeschäfte in Drachmen.

Schritt 10: Die sich aus der Abwertung der Drachme ergebende Inflation wird die Preise der Produkte und Dienstleistungen in die Höhe katapultieren. Am direktesten wird die Auswirkung auf Importe sein, wie z. B. Treibstoffe. Wird sich also der Wechselkurs auf 1:8 gestalten, wird nach einigen Stunden oder Tagen ein Liter Benzin von anfänglich 1,50 Drachmen z. B. auf 9 – 10 Drachmen hochschießen.

(Quelle: Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. Ronald
    24. März 2015, 08:46 | #1

    Man kann natürlich Szenarien aufbauen. Aber auch dieses „10-Schritte-Szenario“ beschäftigt sich letztlich nur mit der Einführung der Drachme. Und dann? Griechische Exporte würden für die Käufer billiger und damit griechische Waren attraktiver; aber welche Exporte? Soll Griechenland ein Agrarland werden? Eine Exportindustrie 2.0 müsste erst entstehen. Urlaub in Griechenland würde – so sagt man – preiswerter werden. Warum soll das helfen? Griechenland verzeichnete auch im letzten Jahr innerhalb des Euroraumes einen Rekordtourismus. Außerdem würde eine galoppierende Inflation entstehen. In dem Moment, wenn eine griechische Regierung Renten und Löhne für die Staatsangestellten nicht zahlen könnte würden nicht unpopuläre Sparmaßnahmen ergriffen sondern die Druckmaschinen angeschmissen. Nein, ich glaube nicht, dass die „neue Drachme“ Griechenland helfen würde.

  2. Edgar Etz
    24. März 2015, 10:02 | #2

    Kredite laufen immer in ihrer Ursprungswährung weiter.

  3. Souveraen
    24. März 2015, 11:10 | #3

    Im Jahr 2002 hätte in Deutschland fast niemand einen Unterschied bemerkt, ob Griechenland im Euro ist oder nicht. Im Gegenteil: die Touristen hätten sich weiterhin auf günstige Wechselkurse freuen können und Griechenland gerne besucht. Wenn jetzt Griechenland aus dem Euro ausscheidet, dann wird es für ein paar Tage Schlagzeilen in der Presse geben und nach 1 Woche oder früher (je nachdem, was sonst in der Welt passiert) abgehakt sein, selbst als Unfall („Graccident“). Die meisten Deutschen werden persönlich davon wieder nichts spüren und das Ereignis höchstens achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Und die Altschulden? Nein, die sind dann nicht verschwunden, die müssen weiterhin bedient werden. Aber vielleicht klappt es unter eigener Währung besser.

  4. Heinz
    24. März 2015, 13:46 | #4

    Schöne Satire, gell? Ich könnt mich wegschmeißen vor Lachen!

  5. jensen
    24. März 2015, 15:23 | #5

    Auf für Gefahr hin hier auf Lebenszeit gesperrt zu werden, würde es nicht Sinn machen, das so genannte tafelsilber zu verhökern, um dieses Szenario zu verhindern? könnte man nicht die staatsbetriebe veräußern, für z.b. 35 Jahre verpachten, wenn man sie denn nicht ganz verlieren will. Sachwerte sind doch vorhanden, wofür hat man tafelsilber wenn man es nie benutzt?

  6. Hans
    25. März 2015, 04:23 | #6

    Alles Unsinn. Griechenland kann ruhig im Euro bleiben, nur die Löhne und die Lebenshaltungskosten können nicht die gleichen sein wie in Deutschland oder Frankreich. Das ist aber auch gar nicht schlimm, in Griechenland braucht man eben keine 2000 Euro netto, um gut zu leben. Der Staat muss eine günstige Infrastruktur bereitstellen, so dass die Leute mit 800-1200 Euro gut zurecht kommen. Dann sind auch die Löhne „konkurrenzfähig“ und der Urlaub für Touristen billig. Von teuren Importen muss man sich unabhängiger machen, was aber gerade im Bereich der Lebensmittel kein Problem sein sollte, in den 80igern ging das ja auch. Die Schulden kann Griechenland schon jetzt getrost in alle Unendlichkeit „strecken“, in dem es einfach seine Zahlungsunfähigkeit erklärt, die ja faktisch schon längst da ist. Dann werden die griechischen Banken zwar pleite gehen, was aber auch nicht so schlimm ist, denn andere europäische Banken übernehmen den Euro-Markt in Griechenland gerne. In Griechenland muss nur der politische Wille für all das da sein und eine entsprechende Planung vollzogen werden.

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