Griechenland nimmt Geldwäsche und Schwarzgeld ins Visier

12. März 2015 / Aufrufe: 1.670

Die Regierung in Griechenland zeigt sich entschlossen, unter Nutzung aller inzwischen verfügbaren Waffen gegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung vorzugehen.

In den Händen der Steuerbehörden in Griechenland befinden sich inzwischen alle Daten zu den Überweisungen in Höhe von über 100.000 Euro, die im vergangenen Jahr, aber auch in den letzten Monaten erfolgten, und zwar sogar auch, wenn es sich um einen (Gesamt-) Betrag handelt, der nicht mittels einer einzigen, sondern mehrerer Transaktionen während des Zeitraums des letzten Jahres bewegt wurde.

Die Grenze von 100.000 Euro gilt nicht nur für Fälle mehrerer Transaktionen durch eine einzige Bank. Sie betrifft auch Transaktionen, die während des vergangenen Jahres von einem Berechtigten in einer einzelnen oder mehreren Transaktionen und durch mehrere Banken erfolgten und sich letztendlich auf oder über obige Grenze summierten.

Die Schlinge zieht sich zusammen …

Über die in Rede stehenden analytischen Daten verfügen die Banken, die sie ihrerseits an das Finanzamt und gegebenenfalls auch an die „Behörde für Bekämpfung der Legalisierung von Einkünften aus kriminellen Aktivitäten“ übermittelt haben, wenn Verdachtsmomente bestehen, es könne sich um eine verdächtige Transaktion handeln. Auf diese Weise zieht sich die Schlinge um das „graue“ Geld zusammen, dessen Auffindung nunmehr nicht nur auf dem Papier steht, sondern politischer Wille der Regierung ist.

Außerdem haben auf Basis des „Geldwäsche-Gesetzes“ die Behörden vollen Zugriff nicht nur auf große, sondern auch kleine Transaktionen, die sich auf 15.000 Euro und mehr summieren. Dabei handelt es sich um die von der Basisgesetzgebung über die „Wäsche“ von Geldern gesetzte Grenze, ab der die Banken deren Herkunft überprüfen und Maßnahmen „angemessener Sorgfalt hinsichtlich der Kunden“ ergreifen können.

Helfer im Kampf gegen die Steuerhinterziehung sind natürlich die Banken, die mittels der Griechischen (Zentral-) Bank die einschlägigen Daten entweder an die Behörde für Bekämpfung der Legalisierung von Einkünften aus kriminellen Aktivitäten oder an die Steuerbehörden entsenden, während jeweils im März die Griechische Bank einen Bericht übermittelt, in dem sie alle „Hochrisiko-Kunden“ aufführt, zu denen sie eine Geschäftsbeziehung unterhält.

Das Spektrum der Aufzeichnung ist eine solches, dass sie sich nicht nur auf die Transfers von Geldern über Bankkonten beschränkt. Es erstreckt sich auf jede Art von Überweisungen natürlicher oder juristischer Personen, die zum Kauf von Finanzprodukten – wie Fondsanteilen oder Versicherungsprodukten der Banken – führen. Entsprechend umfasst es jede Transaktion, die sich auf den Erhalt oder die Abzahlung von Krediten bezieht, wenn diese nicht durch das Transaktionsprofil und die wirtschaftlichen Gegebenheiten des Kunden und natürlich alle im Rahmen der unternehmerischen Aktivität einer Privatperson oder eines Unternehmers erfolgenden Transaktionen gerechtfertigt sind.

Pauschale Verdachtsmomente und „Risiko-Faktoren“

Charakteristisch ist, dass in den Kampf zur Aufspürung „schwarzer“ Gelder neulich auch die Bewegungen mittels neuer Zahlungsmethoden einbezogen wurden, wie Prepaid-Karten und natürlich die Bankautomaten oder die Transaktionen per Web-Banking. So führt die Griechische Bank in der Aufzeichnung der verdächtigen Bewegungen als Kandidaten für eine Überprüfung die Fälle von Kunden an, die ihrem Konto signifikante Beträge gutschreiben lassen, was darauf hindeuten kann, ihre persönliche Präsenz bei der Bank vermeiden zu wollen.

Die Kategorisierung der Kunden in Kunden mit hohem, mittlerem oder niedrigem Risiko erfordert die Verzeichnung aller Selbständigen, die Konten führen oder daran berechtigt sind, auf denen während der Dauer des (Kalender-) Jahres Beträge von insgesamt 200.000 Euro eingingen, und juristischen Personen, auf deren Konten die Einzahlungen oder Barabhebungen innerhalb des Jahres insgesamt 300.000 Euro übersteigen.

Zu den Kunden, die der Kategorie mit hohem Risiko zugeordnet werden, zählen im übrigen auch die „politisch involvierten Personen„, also die „natürlichen Personen, denen ein signifikantes öffentliches Amt angetragen worden ist, ihre direkten engen Verwandten und die als ihre engen Mitarbeiter bekannten Personen„.

Der Katalog der Transaktionen, bei denen die Banken eine „erhöhte gebührende Sorgfalt“ zu zeigen verpflichtet sind, ist lang und erstreck sich auf eine Reihe von Bewegungen, wie systematische Einzahlung oder Abhebung von Beträgen – sei es in einem einzigen oder vielen Vorgängen-, die (knapp) unter der jeweiligen Grenze – also 15.000 Euro – liegen, die für die Anwendung des Verfahrens der Identifizierung des Kunden erforderlich ist. Entsprechend können „verdächtig“ sein:

  • die Reaktivierung eines inaktiven Kontos einer natürlichen Person nach langer Zeit oder von Firmen nach einer langen Periode der Passivität,
  • die Eröffnung von Konten, die keine Bewegungen analog zu dem wirtschaftlichen Profil des Kunden zeigen und nur für Kapitaltransfers genutzt werden,
  • der Kauf oder Verkauf von Titeln ohne offensichtlichen wirtschaftlichen Zweck und in einem systematischen Verlust des Investors endet,
  • die Tilgung von Krediten, ohne dass sie durch die Einkommen des Steuerpflichtigen gerechtfertigt ist, und
  • die Transfers von Beträgen in Länder, die als Steuerparadiese gelten, oder sich auf Offshore-Gesellschaften beziehen.

Auch Bankangestellte geraten ins Visier

Darüber hinaus schulden die Banken, gegenüber Kunden „argwöhnisch“ zu sein, die nicht „bereitwillig dem Verlangen auf Beibringung von Unterlagen entsprechen“ oder deren „Telefon deaktiviert ist oder wo häufige Änderungen von Mobil- und Festnetznummern erfolgen„. Noch viel mehr, wenn der Kunde „verlangt, dass seine Kontoauszüge oder seine Korrespondenz mit der Bank über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nicht an die Adresse seines Arbeitsplatzes oder seiner Wohnung geschickt werden„, „sich bei der Durchführung der Transaktion eine ungewöhnliche Nervosität äußert“ oder „über einen langen Zeitraum unverhältnismäßig große Einnahmen aus Glücks- oder Wettspielen zeigt„.

Die Verdachtsmomente beschränken sich jedoch nicht auf die Kunden. Entsprechend können sie sich auch auf Bankangestellte beziehen, speziell wenn „Kunden darauf beharren, selbst für Routinegeschäfte von dem selben Angestellten bedient zu werden, oder in Perioden der Abwesenheit eines konkreten Angestellten aufhören, bei der Bank Geschäfte zu tätigen„.

(Quelle: dikaiologitika.gr, basierend auf einer Reportage der Kathimerini)

Relevante Beiträge:

  1. herbert
    15. März 2015, 19:34 | #1

    … warum wurde mein Beitrag zensiert …

  2. Team
    15. März 2015, 21:14 | #2

    @ herbert
    Der Kommentar wurde nicht zensiert, sondern (wie im übrigen rund zwei Dutzend gleichgeschaltete „Hinterlassenschaften“) kurzerhand gelöscht. Wer diese hetzerische Propaganda-Scheiße glaubt und sogar reproduziert, soll bei Fäkalschleudern wie Bild & Co oder sonst wo posten, hier jedenfalls nicht!

  3. herbert
    15. März 2015, 22:11 | #3

    Hallo, trotzdem Danke für die Rückmeldung und Stellungnahme. Ob nun alles Scheiße ist was berichtet wird, kann ich nicht bewerten. Zumindest kann man trotzdem darüber Nachdenken, warum das griech. Finanzministerium nicht mit der Schweiz kooperiert. Ich, jedenfalls habe schon meine Befürchtung warum man es nicht für nötig hält enger zusammen zu arbeiten.
    Sei es drum, ich wünsche Ihnen und dem Team noch einen schönen Abend und bedanke mich nochmals für das Feedback.

  4. Team
    15. März 2015, 23:14 | #4

    @ herbert
    Nichts für ungut. Es überraschte uns, dass (auch) ein offensichtlich treuer und in seinen Kommentaren besonnener Leser mit einem solchen „Klops“ ankam.
    Die (warum eigentlich ausgerechnet jetzt speziell in deutschen Medien völlig unschlüssig?) monierte mangelhafte Kooperation stellt tatsächlich ein leidiges Thema dar. Immer, wenn es ans „Eingemachte“ zu gehen drohte, wurde jedoch auf beiden Seiten heftig „gemauert“. Einmal angenommen, im Rahmen besagter Kooperation würden wirklich alle potentiellen (!) Steuerhinterzieher ans Messer geliefert: welche Seite käme dann wirklich in die Bredouille?

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