Griechenland hat 4 Optionen – und keine ist gut

15. März 2015 / Aktualisiert: 03. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.201

Laut einem Artikel in der britischen Independent hat Griechenland mehrere Optionen, von denen allerdings keine gut ist.

Satyajit Das, ehemaliger Bankier und Autor der Bücher „Extreme Money“ und „Traders, Guns & Money“, untersucht in einem Artikel in der britischen Zeitung Independent die Optionen, welche Griechenland vor sich hat, und vertritt dabei, keine davon sei gut.

Laut Satyajit Das sind die Optionen für Griechenland nunmehr klar:

Vier Optionen – vom Regen in die Traufe

Option 1: Die EU macht Griechenland Zugeständnisse. Bei den Fälligkeiten der Kredite, spezieller der kurzfristigen, indem sie deren Laufzeiten ausdehnt, sie macht Zugeständnisse bei den Zinssätzen, die Verschuldung könnte durch Anleihen und einen an das Wachstum gekoppelten Coupon substituiert werden. Die Europäische Zentralbank fährt darin fort, die Liquiditätsbedürfnisse der griechischen Banken zu stützen, und die verhasste Troika wird umbenannt, damit der häßliche Bezug zur Vergangenheit in die Ferne rückt.

Trotz der Senkung des Wertes der Verschuldung vermeiden die EU und die Gläubiger eine politisch schwierige Abwertung des Wertes der Verschuldung. Die SYRIZA wird behaupten, den Auftrag des Volkes erfüllt zu haben, gegenüber der EU und Deutschland standhaft zu bleiben und Griechenlands Souveränität und Stolz zurück zu gewinnen. In Wirklichkeit werden nur kleine Änderungen verzeichnet worden sein. Unter diesem Szenarium werden Griechenland und die EU sich innerhalb von 6 – 12 Monaten wieder am Verhandlungstisch einfinden und mit den selben Themen konfrontiert sein.

Option 2: Griechenland geht pleite, bleibt jedoch in der Eurozone (es ist allerdings nicht klar, wie ein bankrotter Staat im Euro bleiben kann). Die griechischen Banken brechen zusammen, wenn die EZB die Einstellung der Finanzierung beschließt. Die Kapitalflucht beschleunigt sich, was eine Kontrolle des Kapitalverkehrs erforderlich macht. Die griechische Regierung bleibt ohne ersichtliche Finanzierungsquelle, ausgenommen einer parallelen Währung. Die Wettbewerbsfähigkeit bleibt angesichts der Tatsache unverändert, dass es sich des Euro bedient. EU und Gläubiger verzeichnen signifikante Verluste bei ihren Krediten.

Option 3: Griechenland geht pleite, verlässt den Euro und kehrt zur neuen Drachme zurück. Es gibt ein kurzfristiges Chaos. Die Aktivität in Griechenland bricht zusammen. EU und Gläubiger begegnen dem selben Problem wie auch bei Option 2. Zusätzlich wird der Euro destabilisiert.

Diese dritte Option gestattet Griechenland, die Kontrolle seiner Währung und Zinssätze zurück zu gewinnen. Die abrupte Abwertung der neuen Drachme verbessert die Wettbewerbsfähigkeit, beispielsweise auf dem Sektor des Tourismus. Die Fähigkeit der Zentralbank zu Schaffung und Kontrolle des Geldangebotes hilft bei der Wiederherstellung der Liquidität seiner Banken.

Eine billige neue Drachme könnte – sofern sie geeignet gehandhabt wird – die Kapitalflucht invertieren, wie die Gefahr des Verlusts der Kaufkraft. Die abgewertete Währung kann Investitionen anziehen und mit der Zeit erlangt Griechenland den Zugang zu den Finanzmärkten, wie es Russland 1998 tat. Der Preis ist natürlich das Lebensniveau. Anfänglich wird es eine Demontage geben, es ist jedoch möglich, dass ein starker Aufschwung folgt.

Option 4 impliziert, dass Griechenland sich den Forderungen der EU beugt und die Austerität fortsetzt. Die SYRIZA könnte in der Lage sein, die Reaktion gegen das Zugeständnis in Zusammenhang mit der kurzfristigen Verlängerung zu handhaben. Ebenso könnte jedoch die regierende Koalition zusammenbrechen, was zu Wahlen führen würde.

Alternativ könnten die Griechen sich der faschistischen und blindwütig anti-europäischen Goldenen Morgenröte (Chrysi Avgi) zuwenden. Eine Rückkehr zu einem Militärregime kann nicht ausgeschlossen werden. Die wirtschaftlichen Probleme bleiben.

Grexit oder Zugeständnisse würden andere Staaten „infizieren“

Ein Grexit wird eine Kapitalflucht auch aus anderen anfälligen Staaten verursachen. Der Zugang zum Finanzmarkt wird sich für die in Rede stehenden Staaten reduzieren und die Finanzierungskosten werden steigen. Der Euro wird instabil werden, und wenn zutrifft, was verlautet, nämlich dass er sich zu einer deutschen Mark entwickeln wird, wird Deutschland dann einen großen Teil seiner Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Wenn Griechenland den Euro verlässt, wird ein ganzes Spekulationskarussell darum beginnen, wer ihm folgen wird. Und selbst falls Griechenland gewisse Zugeständnisse gemacht werden sollten, werden das selbe auch Länder mit eigenen entsprechenden Problemen verlangen. Also wird es wieder Knirschen in der Eurozone geben.

Folglich sind Griechenland in Wirklichkeit nicht viele Optionen geblieben.

(Quelle: Imerisia, der originale englische Artikel kann hier nachgelesen werden: Greece has plenty of options. It’s just that none of them are good)

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  1. Sina Franke
    15. März 2015, 05:41 | #1

    Griechenland sitzt auf einem Pulverfaß, das bei Fortsetzung des Konfrontationskurses zur ungesteuerten Explosion kommen wird. Die nicht homogene links-rechts-Regierung in Griechenland hat zwar durch ihre Propaganda hohe Zustimmungswerte im eigenen Land erzielt. In der EU, insbesondere in der EURO-Gruppe ist sie allerdings total isoliert. Eine evt. beabsichtigte Spaltung der Gruppe in Nord – Süd ist nicht eingetreten.
    Auf der wirtschaftlich und insbesondere kapitalmäßig globalisierten Erde ist für die Entscheidungen der Investoren und der sogenannten Märkte letztlich vor allem das Vertrauen in die politischen Akteure relevant. Der neuen griechischen Regierung ist es in kürzester Zeit gelungen, im Ausland erdweit durch ständige Widersprüche und egomanische Attitüden das anfangs vorhandene Vertrauen zu verspielen, während das Vertrauen in die Akteure der restliche EURO-Gruppe stabil ist.

    Eine OPTION könnte die so oder so anfallenden schmerzlichen Anpassungsprozesse auf ein erträgliches Maß reduzieren: Erforderlich ist dabei eine breite Kooperation und ein Konsens aller maßgeblichen Kräfte. Nach einem geplanten Grexit durch Griechenland zur Erlangung der weitgehenden politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit mit einer gleichzeitigen konzertierten Aktion des Wiederaufbaus gemeinsam durch die wirtschaftlichen und politischen Eliten (Regierung, Parteien, Zentralbank, Oligarchen, Arbeitgeber, Arbeitnehmer) im Lande, müsste die Kapitalflucht beendet und das Kapital für Investitionen und Wachstum wieder nach Griechenland zurückgeführt werden. Diese Investitionstätigkeit der griechischen Eliten könnte auch das Vertrauen ausländischer Investoren wieder herstellen und mittelfristig den Zugang zu den Finanzmärkten wieder frei machen. Die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft würde ausgebaut.
    Ein vertraglich geregelter Grexit mit Unterstützungsmaßnahmen der Euro-Gruppe und einem einheitlichem Auftreten der restlichen EURO-Gruppe würde die Märkte nach einer volatilen Anfangsphase wieder beruhigen und den Euro letztlich stabilisieren. An einem Zusammenbrechen des EURO-System hat der größte Teil der außereuropäischen Investoren kein Interesse.
    Nach einer Phase der Stabilisierung könnte Griechenland wie andere EU-Staaten auch die Option zu einem Euro-Beitritt erhalten. Es gibt in der EU Staaten, die nicht der Währungsunion angehören. Daher muß es auch möglich sein, zeitweise die Mitgliedschaft in der EURO-Gruppe auszusetzen. Der EURO wird dadurch nicht scheitern.

    Erste Aufgabe der neuen Regierung ist es daher, eine landesweite Konsensbildung aller Kräfte zu entwickeln, um den Beitrag aller Beteiligten zur Entwicklung des Gemeinwesens einfordern zu können.

  2. Felix Klinkenberg
    15. März 2015, 14:18 | #2

    keine ist gut* Was soll diese irreführende Überschrift, es wird doch in der Option 3, ganz klar, die BESTE für die Griechischen Menschen, natürlich nicht, für die Verbrecher ( Oligarchen), auf gezeigt. Dem Beispiel von Island folgen, die korrupten Politiker und Banker, anklagen und Einsperren. Den Aufschwung, vor dem die Brüsseler Diktatoren ( keiner ist von denen, mit einem Mandat, der Bevölkerung ausgestattet, sie sind von der City of London und der Wall Street Eingesetzt ), eine höllische Angst haben und haben müssen. Hoffendlich lassen die Menschen in Griechenland, sich nicht weiter Betrügen.

  3. EuroTanic
    15. März 2015, 15:16 | #3

    Alle vier Lösungen sind unakteptabel, weil sie den Menschen von aussen aufgezwungen werder. Lasst die Menschen frei und jeder für sich entscheiden. Und ich bin auch der Meinung, das niemand für die Kredite haften muss, weil diese den menschen ebenfalls aufgewzungen wurden. Warum sollte jemand für Kredite zahlen, die er nicht selbst unterschrieben hat? Kollektiv und Sippenhaft ist völkerrechtswiedrig. Damit NICHTIG!

  4. Heidi Preiss
    15. März 2015, 19:43 | #4

    Man muss sich einmal vorstellen, Griechenland soll einen Haushaltsüberschuss von 4,5 % erwirtschaften, um griechische Schulden zu bezahlen. Überträgt man dies, müssten die USA einen jährlichen Überschuss von 175 Mrd. Dollar und Deutschland von über 13 Mrd. Euro erwirtschaften, um Schulden abzutragen. Vollkommen unmöglich! Und, die einzigen Banken, die griechische Schulden abschreiben mussten, waren griechische Banken. Mehr als 90 % der „Rettungsgelder“ flossen direkt an die Deutsche Bank, die HSBC, J.P. Morgan Chase und andere Haie. Griechen seit klug, verlasst dieses unmenschliche System. Der Euro wird ob kurz oder lang eh mit Volldampf gegen die Mauer fahren.

  5. student
    16. März 2015, 17:28 | #5

    Griechenland braucht ein Fundament. Dieses ist die Macht, über sein eigenes Schicksal bestimmen zu können. Das nennt man Souveränität. Deshalb braucht Griechenland seine eigene Währung zurück, denn wie will ich die produzierten Arbeitsleistungen und deren Überschüsse im Land halten, wenn alles wegen ausländischer Kredite ins Ausland abfließen kann. Gewinne müssen im eigenen Land bevorzugt investiert und auch über Löhne verteilt werden, damit durch gesteigerte Nachfrage die Binnenwirtschaft wachsen kann. Je besser die Bevölkerung in Arbeit und Brot beschäftigt ist, desto geringer sind die Sozialleistungen des Staates für die Armen.
    Wer soll den Aufschwung finanzieren? Die USA haben es vorgemacht. Zuerst haben sie für die Unabhängigkeit vom britischen Empire gekämpft -damit sie ihr Schicksal selbst bestimmen können. Dann haben sie eine Staatsbank geschaffen, die aus den Kriegsschulden Anleihen machte. Den Zins haben sie selbst festgelegt. Diese Bank der Vereinigten Staaten, hat Kredite nur für produktive Zwecke zur Ankurbelung der Landwirtschaft und vor allem der Industrie auf lange Sicht vergeben. Die USA wurden dadurch innerhalb von 20 Jahren zur Supermacht.
    Also: keine Kredite vom Ausland, selbst Kredite schaffen, die nur die produktive Industrie antreiben, deren Gewinne im eigenen Land reinvestieren und dadurch viele produktive Arbeitsplätze schaffen. So wurde die USA zur Supermacht und Deutschland unter Bismarck zum führenden Industriestaat Europas – was der Auslöser zum Weltkrieg1 und 2 war, da das Empire seine Vormachtstellung gefährdet sah. Wenn sich Griechenland zu wirtschaftlicher Entwicklung und/oder eigener Kreditschöpfung entscheidet, wird so oder so das parasitäre Spekulationscasino Europas kollabieren, da der Parasit (Banken)vom Wirt(Bürger) lebt.
    Außerdem behaupte ich, dass es seit Einführung des Euro keinem Euroland besser geht, im Gegenteil: es geht allen Ländern schlechter. Warum? Weil die unterschiedlichsten Leistungsniveaus der Länder in den angepassten schwachen oder starken eigenen Währungen ihren angepassten Wert im Aussenhandel finden müssen. Sonst sind in schwachen Ländern die Exportwaren zu teuer, in starken Ländern wie Deutschland um 30% zu billig. Dadurch entgehen den Deutschen 30% der Gewinne, und die anderen Länder verkaufen gar nichts. Der Euro dient nur den Banken und Spekulanten (die ihre Kredite aus dem Nichts schöpfen), und schützt sie davor, dass schwache Länder ihre Kredite durch Abwertung reduzieren. Mit dem Euro können die Banken das Schuldnerland pfänden und Staatseigentum privatisieren (lateinisch: privare=rauben).
    Somit bin ich der Meinung von Tsipras und Varoufakis, das griechische Staatseigentum und das Gemeinwohl des Volkes gegen die Spekulanten zu verteidigen. Die Wiederherstellung der Souveränität durch Staatsbankrott ist derzeit der einzig vernünftige, wenn auch schmerzhafte Weg.

  6. jensen
    16. März 2015, 22:05 | #6

    Einen Euroaustritt halte ich für sehr gewagt. Energie, Medikamente, Infrastruktur, Technologie, Maschinen und viele Luxusgüter müssen importiert werden. Dafür müssen Gegenwerte zum Tausch vorhanden sein, diese Gegenwerte brechen nach Euroaustritt vorerst weg. Bis sich neue Industrien und Arbeitsplätze ansiedeln und diese Gegenwerte erneut zum Tausch, im vollen Umfang, zur Verfügung stehen kann Zeit vergehen.
    Um neue Industrien und Arbeitsplätze zu schaffen, werden einige unangenahme Reformen die jetzt anstehen, auch mit der Drachme durchgeführt werden müssen.Bei einem einseitigen Schuldenschnitt Seitens Griechenland wäre es schwierig neue Geldgeber zu finden die einem trauen. Wie schafft man den Systemwechsel von Euro zu Drachme ohne finanzielle Unterstützung. Wer kauft all die dringend benötigten Importgüter, in der Übergangszeit.
    Die Frage ist, ist das politische System stabil genug um eine solch trubulente Phase zu überstehen, die evtl. länger als ein paar Jahre dauern kann. Stichwort Morgenröte. Der Wechsel zur Drachme und Start in eine bessere Zukunft kann klappen, muss er aber nicht. Genausogut könnte Griechenland mit einer faschistischen Regierung irgendwo auf der Strecke bleiben. Wer will so etwas riskieren?
    Ich glaube wenn es einen wirklich erfolgversprechenden Ausweg aus der Sparpolitik gäbe, wäre dieser bereits eingeschlagen worden. Aber außer einem versuchten durchwurschteln konnte ich noch kein Konzept erkennen.

  7. VD
    17. März 2015, 19:10 | #7

    Was habe ich mich gefreut, dass wir endlich eine Regierung in Europa haben, die wieder für das Volk regieren wollen. Die Regierung unter TSIPRAS hat es aber leider innerhalb kürzester Zeit geschafft, diesen Vorteil, was eine Initialzündung für Europa hätte sein können, zu zerschlagen. Aufgrund immer neuer Drohungen, Beleidigungen u. Forderungen, gerade gegenüber DEU und der EZB, hat sich die grc Regierung absolut unglaubwürdig gemacht. Anscheinend ist diese immer noch im Oppositionsmodus. Auch das Verhalten von DEU finde ich als absolut nicht tragfähig. Jeder „Pups“ der aus GRC zu hören ist, wird in der deu Presse so dermaßen zurecht gebogen und ausgequetscht, dass nur noch mehr Feindseligkeit entsteht. Anstatt von deu Seite einfach mal die Schnauze zu halten; aber da sind wohl alle Politiker der Welt gleich. Sehen die ein Mikrofon oder eine Kamera, muss man sich darauf stürzen. Allein schon die unselige Debatte über den Stinkefinger von Varoufakis. Das war vor drei Jahren. Interessiert mich nicht die Bohne. Aber Hauptsache die Presse, egal ob aus GRC oder DEU, hat was zu schreien, um die Stimmung weiter anzuheizen. Bei der derzeitigen Stimmung in DEU ist es doch unmöglich, dass GRC weiter Hilfsgelder ausgezahlt werden. Da wäre bei der nächsten Wahl die derzeitige Regierung ganz schnell „weg vom Tisch“. Und die grc Regierung sollte endlich damit anfangen, keine weiteren Luftschlösser zu bauen sondern solide Politik zu betreiben. Als Kind beider Welten (Mutter war aus GRC / Vater war aus DEU) kann ich mich für beide Seiten nur schämen.

  8. CYR
    24. März 2015, 12:59 | #8

    Und Warum wird nicht Option 5 genannt, die Griechenland selbst vorschlägt? Analoges vorgehen wie die für Deutschland im Londoner Schuldengipfel in den 50 Jahren. Erlassen des Schuldendienstes und Rückzahlung der Schulden bei Überschuss. Es gibt mehr Optionen als die obengenannten 4.

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