Europa muss Griechenland im Pferch halten

19. März 2015 / Aktualisiert: 03. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.132

Laut einem Artikel in der Financial Times wäre ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone langfristig von ungeheuren Kosten begleitet.

Europa muss Griechenland im Euro halten, da auch für es selbst die Kosten eines Ausscheidens des Landes sehr groß wären„, betont die Zeitung Financial Times in einem Meinungsbeitrag. Mit Titel: „Das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro ist ein Risiko, dass der Mühe nicht wert ist“ und Untertitel: „Europa könnte den Grexit verkraften, jedoch mit langfristig ungeheuren Kosten“ betont die Zeitung, das hässliche Wort Grexit hätte niemals kreiert werden dürfen.

Mehr als ein konventioneller Bankrott kommt die Entscheidung für ein Ausscheiden aus einer Währung dem Umsturz der Spielregeln gleich„, wird angemerkt und hinzugefügt, etwas solches sei nur in Momenten historischen Scheiterns geschehen, wie damals, als das Weimarer Deutschland die alte Mark aufgab.

Grexit wäre der erste große Schlag für die europäische Idee

Nach dem Aufstieg der SYRIZA an die Macht hat die unnachgiebige Haltung ihrer Führung zu einer intensiveren Diskussion über ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro geführt. Dies ist nicht nur eine Drohung, damit Athen zur Räson gebracht wird„, merkt die Zeitung an und ergänzt, viele Europäer (einschließlich der meisten Deutschen) würden vorziehen, dass Griechenland zur Drachme zurückkehrt. Und sie tun dies in dem offensichtlichen Vertrauen, dass keine existentielle Krise für Europa hervorgerufen werden würde.

Abgesehen von Athen gibt es Stimmen, die nun das Ausscheiden Athens aus dem Euro als die beste Weise sehen, damit Griechenlands Schicksal wieder in Ordnung gebracht wird„, führt der Artikel an und ergänzt, diese unüberlegte Position sei falsch: „Anstatt eine neue Exportwirtschaft zu initiieren würde der Grexit die Periode der Vernichtung des Lebensniveaus (Griechenlands) und der Emigration verlängern.

Weiter lautet es in besagtem Beitrag: „Noch unverständlicher ist Europas falsche Zuversicht. Es gibt keinen Zweifel, dass 98% einer großen Wirtschaft vor dem Scheitern einer kleinen Wirtschaft geschützt werden können und viele das Ausscheiden eines häufigen Störenfrieds begrüßen würden. Eine solche utilitaristische Rechnung übersieht jedoch die Essenz. Die europäische Solidarität würde einen schweren Schlag erhalten: der unvermeidliche griechische Bankrott würde die Wähler in den reicheren Ländern entmutigen, in Zukunft erneut ihren Nachbarn zu helfen, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten begegnen. Es würde keine große Bedeutung haben, wie Europa das sofortige Gewitter überstehen würde. Das Bild eines ausscheidenden Landes würde begreiflich machen, was bis dahin als undenkbar galt.

Der Artikel endet mit der Schlussfolgerung: „Das Ausscheiden aus der einheitlichen Währung stellt die Art ‚des unbekannten Unbekannten‘, gegenüber dem sich weder die (Finanz-) Märkte noch die Politiker ausreichend vorzubereiten vermögen. Der europäische Gedanke würde den ersten großen Schlag seit dem 1950er Jahrzehnt erleiden. Unabhängig davon, wie klein Griechenland ist oder wie enttäuscht seine Führung sein wird, ist es für Europa sehr viel besser, Athen im ‚Pferch‘ zu halten.

(Quelle: Imerisia)

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