Deutsche Medien informieren nicht über Griechenland

9. März 2015 / Aufrufe: 5.378

In Deutschland legt sich niemand mit Schäuble an und in den Medien wird weder über Griechenland informiert noch sieht man Berichte über Suppenküchen.

Im Gespräch mit „Kathimerini tis Kyriakis“stellen deutsche Reporter ein ungeheures Defizit bei der Informierung über Griechenland fest und betonen, niemand in ihrem Land lege sich mit Schäuble an.

Zu der griechischen Zeitung sprachen zwei Korrespondenten des „Spiegel“ in Athen, Manfred Ertel und Katrin Kuntz, und analysieren die wirtschaftspolitischen Entwicklungen.

Keine nennenswerte Kritik an Schäubles harter Politik

Ein weiteres „Duell“ zwischen Schäuble und Varoufakis kommentierend erklärten die beiden Journalisten sich über das Verhalten des deutschen Finanzministers erzürnt. „Schäuble ist eine sehr starke, fast beherrschende Persönlichkeit auf der deutschen politischen Bühne. Niemand legt sich mit ihm an„, kommentiert Manfred Ertel.

In bestimmten deutschen Massenmedien erinnert die Atmosphäre gegenüber Griechenland z. B. an 2010 in der BILD„, meint Katrin Kuntz, während Manfred Ertel ergänzt, „in einem Teil der deutschen Massenmedien existiert eine leidenschaftliche Unterstützung für die Linie Schäubles„, und sich fragt, ob die Linie Schäubles auch eine gemeinsame Linie der deutschen Regierung ist. Jedenfalls sieht er keine nennenswerte Kritik an Schäubles harter Politik.

Deutschen Massenmedien berichten nicht über Suppenküchen

Eine der Fragen der Zeitung an die beiden Journalisten lautete: „Gibt es in Deutschland eine Welle des Beistands an das griechische Volk?“ Beide Korrespondenten meinen, die Demonstrationen seien beschränkt,  fügen jedoch an, das Interesse sei groß.

Zu Beginn der Krise erzählte ich meinen deutschen Freunden düstere Geschichten über Griechenland. Die Überbeschäftigung in den Ministerien, all das Geld, das in der Epoche der Party ausgegeben wurde„, sagt Manfred Ertel zur Kathimerini. Nun berichte er jedoch andere Geschichten. Wie schwer die Lage in Griechenland sei. Die vielen Male, wo er Geschichten von Menschen ohne Heizung hörte.

„Man begreift, wie viele Menschen von der Krise beeinträchtigt und erschüttert wurden, ohne damit zu rechnen“, sagt Ertel. Die Suppenküchen, die entlassenen Putzfrauen sind Geschichten, die man in Deutschland nicht hört, und fügt an: „Es gibt ein ungeheures Informationsdefizit.“ Laut ihm beschränken die meisten deutschen Massenmedien sich darauf, Aspekte wie bezüglich der Nichterfüllung von Kriterien zu beleuchten.

(Quelle: huffingtonpost.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Griechenlandfreund
    9. März 2015, 16:38 | #1

    Die Behauptungen der Überschrift decken sich nicht mit der Realität: Über Griechenland wird seit Anfang Dezember extrem intensiv in Deutschland berichtet, vor der Wahl und auch die ersten Wochen danach auch meistens intensiver über die sozialen Mißstände. Ist einfach über Google News nachprüfbar. Im Vergleich zum ebenfalls von Troika betroffenen Portugal erhält das vergleichbar große Griechenland 30-50 Mal mehr mediale Aufmerksamkeit !

  2. GR-Block
    9. März 2015, 20:56 | #2

    Leider ist die Darstellung der beiden Reporter allzu wahr. Es wird tatsächlich immer noch berichtet, aber die Konsumenten der Tagespresse sind abgestumpft. Es hat sich eher das Gefühl „es muss wohl so sein, weil alle Maßnahmen gescheitert sind“ eingeschlichen. „Und schließlich bemühen sie sich ja ’nachweislich‘ nicht.“
    Ja, die deutsche Presse leidet an Alzheimer und erklärt auch die moderne Weltwirtschaftskrise zunehmend rassistisch. Und zwar, weil das mehr Auflage bringt. Damals waren es die Juden und es dauerte 4 Jahre bis die Wähler 1933 „endlich“ gegen sie Maßnahmen ergriffen. Heute sind es die Griechen. Mal sehen, ab wann diesmal „zurückgeschossen“ wird.
    Nein, hier helfen keine Gegendarstellungen, keine Bilder von Schlangen an den Suppenküchen gegen die Krankheit. Hier helfen nur Ohrfeigen und Fußtritte, um sich Respekt zu verschaffen.

  3. pyramis
    9. März 2015, 22:51 | #3

    Dies ist leider seit Jahren der Fall. Abgesehen vom EU-Politischen Finanz-Derby wird über Griechenland nichts anderes berichtet. Auch auf 08/15 Statistiken und EU-Karten wird Hellas systematisch nicht miteinbezogen. Die beabsichtige Ausgrenzung zeigt eine starke, feindliche Haltung auf (das muss man einem Griechen nicht erklären..). Interessanter Weise haben sich die Kommentare auf diversen mainstream-Medien, im Vergleich zu vorher, zum Besseren gekehrt. Oder werden die nun vermehrt freigeschaltet?

  4. jensen
    9. März 2015, 23:20 | #4

    Herr Schäuble tut das wozu er von der Mehrheit der Bevölkerung berufen wurde bzw. wozu die Partei, welche die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat, ihn berufen hat. Warum sollte sich da jemand gegen ihn stellen abgesehen von der Opposition. Was wäre denn die Alternative zu der harten Politik die er da angeblich fährt?
    Schuldenschnitt Griechenland bedeutet Schuldenschnitt auch für alle anderen. Man muss auch an das große ganze denken, die griechische Regierung guckt nur auf ihren Vorteil, wer das bezahlt und was mit den anderen pasiert scheint die nicht zu interessieren. Wer kriegt alles einen Schuldenschnitt? Wie soll das bezahlt werden? Wie geht es danach weiter mit Griechenland?
    (nach einem Schuldenschnitt gäbe es garantiert keine Mehrheiten mehr für Wirtschaftshilfen Richtung Griechenland, damit würden sich die Parteien ihr Grab schaufeln)
    Ist dann auf einmal alles wie früher? Wieso liegt kein geschlossenes Konzept der griechischen Regierung vor, dass diese Fragen beantwortet. Wenn das alles so einfach ist wieso erklärt das dem deutschen Bürger niemand. Ich lese immer nur verdeckte Drohungen und Nazivergleiche.

  5. Hella
    10. März 2015, 08:50 | #5

    Heute kann man im Handelsblatt einen sehr engagierten Artikel der Politikwissenschaftlerin Gertrud Höhler lesen,der man gratulieren sollte weil sie es wagt der Hass- und Hämeberichterstattung der deutschsprachigen Medien entgegenzutreten. Medien, deren Tenor zuweilen an den des „Stürmer“ erinnert. Dass dem deutschen Volk die Empathie mit Schwächeren abhanden gekommen ist, fiel seinerzeit schon Ernst Jünger auf, das hat Hannah Arendt als typisch deutsch bezeichnet. Es gibt aber mehr Menschen mit Herz und Verstand in Deutschland als man derzeit befürchten mag, denn sie haben sich noch nicht genügend zu Wort gemeldet. Dank darum an Frau Höhler die eine Ausnahme macht.

  6. Roland Wolf
    10. März 2015, 09:47 | #6

    So nicht richtig. Das Pokerspiel um neue Kredite und Reformen hat breiten Raum in den Medien, die desolate soziale Lage wird auch immer wieder erwähnt. Es gibt auch immer wieder Stimmen, von Spiegel bis Handelsblatt, die einen Haircut fordern. Dass originäre Positionen der Syriza übernommen werden ist nicht zu erwarten, aber der Spiegel hat ein langes Interview mit Tzipras veröffentlicht.

  7. Götterbote
    10. März 2015, 11:07 | #7

    Die Presse ist nicht dazu da, der einheimischen Politik nach dem Mund zu reden / schreiben. Die Presse ist die sogenannte vierte Gewalt im Staate, von der erwartet wird, in gewissem Maße objektiv, überparteilich zu berichten, unabhängig von Wahlergebnissen. Das tut sie definitiv nicht, sondern macht mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen Stimmung gegen ein Land und seine Bevölkerung, die der Leser GR-Block zu recht mit der Vergangenheit verglichen hat. Sie ist gleichgeschaltet, jeder, der andere Meinungen vertritt, wird entweder ignoriert oder auch sehr gerne ins Lächerliche gezogen.
    Machen Sie doch mal den Selbsttest: schreiben Sie in Foren diverser Medien (z.B. Spiegel oder Focus Online) Kommentare, die sich als klar pro griechisch lesen (auch wenn das nicht Ihre wirkliche Meinung wiederspiegelt), vor allem unterlegt mit Fakten oder Links (z.B. auf diese Seite hier), die Ihre Meinung stützen. Sie werden sehen, Ihre Kommentare werden zu 99% nicht veröffentlicht.

    Im übrigen wird über Griechenland verhältnismäßig viel. Aber hier beginnt das Übel: warum wird seltsamerweise kaum über Spanien oder Portugal berichtet, obwohl die Probleme dort sehr ähnlich sind und ein großer Teil der Bevölkerung ebenso gegen die Troika protestiert, ebenso deutsch(Politik)feindlich eingestellt ist usw. usw.? Die Antwort kann man sich selbst geben: zum einen regieren dort konservative Parteien (auch wenn man sich in Portugal sozial nennt), die schön brav nach dem Willen der Troika handeln, zum anderen würde man damit kein so schönes Feindbild (Griechenland) aufbauen können. Nicht die Masse an Informationen ist das Problem, sondern die Qualität der Informationen.

  8. Barbara
    10. März 2015, 11:26 | #8

    Mit dem Regierungswechsel in Griechenland ist eine Institution in den Vordergrund gerückt, die in keinem EU-Vertrag jemals vorgesehen war: die Troika. Mehr als 500 Milliarden Euro haben die Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) den Krisenländern Griechenland, Irland, Portugal und Zypern geliehen, um sie zahlungsfähig zu halten. Aber im Gegenzug übertrugen die Kreditgeber nicht gewählten Beamten aus den drei Institutionen IWF, Europäischer Zentralbank und Europäischer Kommission – der Troika – eine enorme Macht. Ohne jede öffentliche Kontrolle zwangen die Beamten den Regierungen eine Politik auf, die das soziale Gefüge zerreißt und die Demokratie außer Kraft setzt.

  9. Realist
    10. März 2015, 12:59 | #9

    Solange der Durchschnittsdeutsche (also bei Weitem nicht jeder!) an den Wohlstand bis zum Jahr 4000 glaubt, wird sich für unsere deutsche Jugend nichts zum Besseren wenden. Das bringt es dann halt schon mit, dass man echte Armut ignoriert. Denn die darf es ja nicht geben.

  10. vestago
    10. März 2015, 14:40 | #10

    Es wird in der Medienlandschaft über soviel Leid hinweggesehen. Überall auf der Welt. Nicht nur in Griechenland. So makaber es klingt, Nachrichten über das Leid der Menschen in Griechenland verkaufen sich nicht, verursachen keine Klicks, sind für viele zu uninteressant. Es ist traurig und falsch. Aber mit Herrn Schäuble hat dieser Mangel an Berichterstattung nichts zu tun.

  11. crola
    11. März 2015, 02:33 | #11

    Jetzt kann ich wirklich nicht mehr meinen Mund halten. Da stimmt doch irgendwas überhaupt nicht! Zum Einen ist die Berichterstattung gegen die griechische Regierung in den Mainstream-Medien wirklich haarsträubend hetzerisch und meines Erachtens darauf angelegt, den Hass der Deutschen auf die Griechen zu schüren. Nur so ganz funktioniert das nicht. Viele sind aufgeklärt und regen sich über die Erpressung Griechenlands (nicht durch Griechenland) auf. Der Finanzminister ist einfach nur zum Knuddeln und man freut sich über den gezeigten Nichtrespekt vor diesem Schäuble. Ansonsten – denke ich – mögen die Deutschen die Griechen! Und das Mitgefühl derer, die Bescheid wissen, ist groß. Daß die Mehrheit der Deutschen nicht informiert ist, ist nicht deren Schuld! Wir werden nach Strich und Faden belogen, egal zu welchem Thema.
    So, daß mußte mal raus.

  12. Mark
    11. März 2015, 16:10 | #12

    Berichtet wird schon in den deutschen Medien über Griechenland jedoch nicht überparteilich oder objektiv. Es gibt eine Medienhetze gegen Griechenland um der deutschen Bevölkerung ein falsches Bild über die Griechen zu liefern, als ob die Griechen im Luxus leben und Grund für alles Elend, Dinge die gar nicht erst stimmen. Die Deutschen sollten sich nicht so einfach veräppeln lassen oder von den wahren Problemen ablenken lassen. Denn die Regierung handelt wie es aussieht nach dem Motto: Spalte und herrsche.

  13. Heidi Preiss
    11. März 2015, 22:44 | #13

    Ich wünsche mir, dass Tsipras sich nicht weiter erpressen lässt und Brüssels „Herrschen oder Ruinieren“ (wo die Schäubles und Merkels überwiegend beteiligt sind) ein Ende gesetzt wird. Vielleicht kann Griechenland wieder für alle Europäer zur „Wiege der Demokratie“ werden.

  14. Aroro
    11. März 2015, 23:05 | #14

    Ach sooooo!! Man muss hier beipflichten und ihnen nach der Schnauze reden. Sonst hätten sie meinen Kommentar mit deutschen Suppenküchen im Vergleich doch veröffentlicht. Aber die Wahrheit lässt sich wohl schwer ertragen.

  15. Team
    11. März 2015, 23:56 | #15

    @ Aroro
    Das Thema bezieht sich auf die opportunistische „Berichterstattung“ deutscher Mainstream-Medien über Griechenland, nicht die Suppenküchen in Deutschland – wo schließlich der Staat nach wie vor „Hängematten“ (Hartz IV / ALG II / Grundsicherung) bietet, von den in Griechenland nicht einmal zu träumen ist.
    Im übrigen dokumentiert der Tenor des (gelöschten) Kommentars die – parallel zu der evolutionär bedingten – systematisch betriebene Verblödung, die wir hier nicht zusätzlich zu fördern beabsichtigen.

  16. 13. März 2015, 11:43 | #16

    Es gibt in Deutschland auch eine Welle gegen Griechenland. Ich bin ein bisschen verwundert wie sehr hier mit Moral und überhaupt mit der Tränendrüse argumentiert wird und die Ökonomie außen vor gelassen wird. Es ist nichts besonderes was Merkel und Schäuble (die im übrigen Charaktermasken sind und austauschbar sind) im Kapitalismus gehört Konkurs zum Geschäft. Da ist auch vor Staaten nicht ende. Selbst wenn Griechenland nicht einen Cent Schulden hätte würden sie untergehen. Sie haben nichts was auf dem Weltmarkt bestand hätte. Wenn jetzt noch CETA und TTIP durch sind wird das Loch noch größer in das Griechenland fällt. Aber für echte Anteilnehmende Debatte scheint hier der Löschvorgang zu funktionieren, wie ich lese.

  17. Kleoni
    13. März 2015, 18:35 | #17

    Seit die vom Volk gewählte neue Regierung im Amt ist, wird – mit wenigen Ausnahmen – in der gesamten Deutschen Presse und leider auch – mit an einer Hand abzählbaren löblichen Ausnahmen – im öffentlich rechtlichen Fernsehen, die Stimmung gegen die Linke Regierung angeheizt. Mit kaum einem Wort wird erwähnt, wer in den letzten 60 Jahren das Land in den Ruin regiert bzw. geplündert hat. Die Medien in Griechenland gehören zu fast 100% den Oligarchen oder stehen den abgewählten Regierungen von ND oder PASOK nahe. NERIT der als reiner ND Sender (von Samaras geschaffen) ist dessen Sprachrohr und alles andere als eine neutral bzw. objektiv und sachlich berichtende Institution.
    Ziel der Geldwirtschaft ist es, marktkonforme Demokratien zu schaffen und da passen nun Begriffe wie soziale Marktwirtschaft, gerechtes Steuersystem, Investitionen, die es auch unteren und mittleren Einkommen gestatten, im Winter in einer beheizten Wohnung zu (über)leben, eine medizinische Grundversorgung gesichert zu haben (wie in D Hartz IV-Empfänger haben) und nicht zuletzt, dass wenigstens die Kinder sich satt essen können.
    Und nach dem 2. Weltkrieg, als in D die ersten Aufbauhilfen flossen, erstickte Griechenland in einem fürchterlichen Bürgerkrieg, bei dem es westlichen Grossmächten darum ging, die Linken ausszurotten, bzw. zur Emigration zu nötigen, um ihr nacktes Leben zu retten.
    Alles scheint vergessen zu sein, oder doch nicht ganz, heute sind die Methoden “diplomatischer” um eine Regierung non grata wieder los zu werden.

  18. Moppel
    25. März 2015, 00:00 | #18

    … und das Medien-Bashing geht munter weiter:
    Deutsche Hetzmedien dichten Syriza “Korruption” an

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