Was in Griechenland in einer Woche und 5 Jahre lang nicht geschah

3. Februar 2015 / Aktualisiert: 09. September 2018 / Aufrufe: 1.839

In Griechenland geschahen seit den Wahlen des 25 Januar 2015 in einer Woche Dinge, die in den letzten fünf Jahren nicht geschahen.

Die neue griechische Regierung hat ihre erste Woche hinter sich gebracht. Es bietet sich uns also die Gelegenheit für eine erste vorläufige Bilanz, und zwar speziell in Zusammenhang mit den Verlautbarungen während der Wahlkampfperiode.

1. Die neue Regierung trat ihre Pflichten unter Umständen der Normalität an. Es wurde also vollumfänglich die Orgie des Katastrophengeschwätzes Lügen gestraft, dem sich die Nea Dimokratia (ND) während der Wahlkampfperiode hingab. Niemals in der Vergangenheit wurden dermaßen kolossale Lügen in einem dermaßen kurzen Zeitraum widerlegt.

Auf welcher Seite des Verhandlungstisches wird Samaras Platz nehmen?

2. Die Verhandlung mit den europäischen Partnern ist angelaufen. Zum ersten Mal seit Beginn der Krise wird in Europa die Stimme Griechenlands vernommen. Mit Selbstvertrauen und Nüchternheit formulieren wir unsere Ansichten und streben einen sicheren und gerechten Ausgang aus der Krise an. Trotz aller „Prognosen“ der Vertreter der Nea Dimokratia ist die Regierung Tsipras nicht nur nicht isoliert, sondern empfing bereits die ersten Besuche bedeutender Vertreter der Europäischen Union.

Zusätzlich besuchen sowohl der Premierminister als auch der Finanzminister europäische Hauptstädte für Kontakte auf höchster Ebene. Die Verhandlung dauerte nicht nur gerade einmal zehn Minuten, wie – wieder – die Stabsmitglieder des Antonis Samaras „voraussahen“. Es ist außerordentlich charakteristisch, dass selbst in den (im Rahmen der Verhandlung erwarteten) „härtesten“ Erklärungen europäischer Amtsträger nicht einmal eine Andeutung bezüglich des berühmten Grexit’s erfolgt.

3. Mit der Regierung der „gesellschaftlichen Rettung“ fiel aus der Agenda die berüchtigte E-Mail Chardouvelis – Samaras heraus, die einen neuen wirtschaftlichen Aderlass für die Ärmsten prognostizierte. Wäre das Ergebnis vom Wahlsonntag anders gewesen, würden wir heute nicht über die Loslösung von der Austerität, sondern über ihre Vertiefung diskutieren. Anstatt über die Bewältigung der humanitären Krise und die Streichung der Verschuldung würden wir über Rentenkürzungen und neue Entlassungen sprechen.

4. Ebenfalls begann die Wiederherstellung des gleichberechtigten Verhältnisses des Landes in Europa. Im Rat der Außenminister in Brüssel hatte Griechenland eine spezielle Mitwirkung in dem komplexen Beschluss bezüglich Russlands. Das griechische Beitragen wurde auch von der höchsten Repräsentantin der EU, Federica Mogherini, anerkannt, die erklärte: „Ich glaube, das Griechenlands Haltung, die zum Resultat hatte, dass wir zu einem einvernehmlichen und seriösen Beschluss gelangten, besonders positiv war.

5. Ab dem ersten Augenblick strahlte die neue Regierung eine unterschiedliche politische Ethik aus. Der reifen Forderung der Gesellschaft entsprechend bewies sie, dass wir das arrogante Verhalten, die Fuhrparks der luxuriösen Fahrzeuge sowie die Heere der Berater und Polizeieskorten vermeiden können. Bei den Zeremonien der Übergabe / Übernahme der Ministerien zeigten die neuen Minister, nicht mit der Logik der Revanche zu kommen. Herr Samaras verwundete dagegen die politische Kultur, indem er bei der Übergabe des Megaro Maximou (Anmerkung: gemeint ist der Regierungssitz) an den neuen Premierminister Alexis Tsipras abwesend war.

6. Die Positionen des Alexis Tsipras befinden sich in völligem Einklang mit dem, was er während der letzten Jahre äußerte. Es wird nunmehr klar, dass die Epoche vorbei ist, in der anderes vor den Wahlen und anderes nach den Wahlen gesagt wurde.

Nach auch der Rede des Antonis Samaras bezieht sich das Hauptthema darauf, wie sich die Opposition verhalten wird. Wird sie die mühsame Anstrengung der Verhandlung mit Ziel die Entlastung des Volkes und Rettung des Landes unterstützen oder wird sie auf der Rolle des Vertreters in Griechenland der ausweglosen Austerität beharren? Wird sie die Verhandlungsposition des Landes stärken oder wird sie politisch in das Fehlschlagen der Verhandlung investieren? Kurz gesagt, auf welcher Seite wird sich Antonis Samaras an den Tisch der Verhandlung setzen?

(Quelle: Büchse der Pandora)

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  1. windjob
    3. Februar 2015, 18:55 | #1

    Was mir sehr gefällt, ist das selbstbewusste und naja hemdsärmelige Auftreten der Herren Tsipras und Varoufakis. Es sind keine kleine Jungs, die man an den Ohren zieht. Nein, es sind selbstbewusste junge Männer, die genau wissen, was sie tun. Dies dürfte für alte Knacker wie Schäuble und Merkel etwas ungewohnt sein aber ich gönne es ihnen. Vielleicht lernen sie endlich mal auch die Jugend zu achten und nicht umgekehrt.
    Meine Herren Tsipras und Varoufakis – weiter so.

  2. Dieter Sendker
    4. Februar 2015, 12:00 | #2

    Wenn heute Neuwahlen waeren, wuerde Herr Tzipras und Co nicht nur die 151 Sitze zur absoluten Mehrheit erhalten, Nein, die Syriza koennte wohl wahrscheinlich allein den Staatspraesidenten waehlen . Auch ich komme aus dem gegenueber liegendem Lager und habe mich leider nicht vor den Wahlen, sondern hinterher 100 % gedreht. Bravo Tzipras, Bravo Varoufakis ! Gut gemacht !

  3. serigor
    4. Februar 2015, 18:07 | #3

    Wundere mich, wie plötzlich alle links geworden sind und mir dieser Linksdrehung alle Probleme Griechenlands endweder nicht existend oder leicht zu handhaben sind.
    Wenn das so ist , dann waren alle bisher beteiligten „Nieten“.
    Mal sehen ,wann edlich jemand in der EU aufsteht und mit den kumounistischen “ Manges „aus Athen „tacheles „redet

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