Warum sprach Griechenlands Finanzminister über Nazis?

10. Februar 2015 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.042

Warum Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis bei seinem Treffen mit Wolfgang Schäuble in Berlin in Berlin das Thema der Nazis und der Chrysi Avgi ansprach.

Die BBC publiziert einen inzwischen in ganz Europa heftig diskutierten Artikel mit Titel „Warum der Grieche Varoufakis in Berlin von den Nazis sprach„. Für den Redakteur des britischen Netzes war Varoufakis‘ Botschaft an Schäuble, „ihr beharrt auf euren Forderungen nach neuen Kürzungen und der Albtraum (der Neozazis), dem auch ihr begegnet, wird sich in Athen weiter ausbreiten„.

Der britische Kanal bezog sich auch auf den „beharrlichsten Verteidiger der SYRIZA“ bezüglich des Themas der deutschen Entschädigungen, sprich den Politiker und Autor Manolis Glezos.

Griechen lasten den Aufstieg der Nazis der endlosen Austerität an

Die BBC bezieht sich auf den steilen Aufstieg der rechtsextremistischen Chrysi Avgi bzw. Goldenen Morgenröte in den letzten Jahren und merkt an, dass sie bei den Wahlen im Januar 2015 die drittstärkste Partei war, die Wut gegenüber der Austerität und dem politischen Establishment ausnutzend. Die heftige Rhetorik gegen Immigranten, Homosexuelle und politische Gegner, aber auch die Tatsache notierend, dass der Parteiführer der Chrysi Avgi, Nikos Michaloliakos, die Existenz der Gaskammern leugnet, zitiert die BBC eine weitere einschlägige Phrase des Herrn Varoufakis aus Berlin. „Wenn ich heute Abend nach Hause zurückkehre, werde ich mich in einem Parlament befinden, in dem die drittgrößte Partei nicht neonazistisch, sondern neonazistisch ist„.

Die Griechen lasten der von Deutschland diktierten endlosen Austerität den Anstieg der Chrysi Avgi an, merkt das britische Netz an. Wie die BBC anführt, ist die von Herrn Varoufakis mit seiner Erklärung geschickte Botschaft, „Fahrt mit euren Forderungen nach Kürzungen fort und der Albtraum, dem ihr begegnetet, wird sich in Athen auszubreiten fortsetzen„. Der Nachdruck bezüglich der Nazis geht jedoch sehr viel tiefer als auf den Anstieg der Chrysi Avgi, unterstreicht das britische Netz und bezieht sich auf die erste Handlung des Alexis Tsipras nach seiner Vereidigung zum Premierminister, eine Rose am an der Gedenkstätte des Nationalen Widerstands in den Schießstandanlagen von Kesariani niederzulegen.

Die Deutschen haben sich gewaltsam einen Kredit von der Griechischen Bank genommen. Jahrzehntelang forderte Athen die Entschädigungen und die Tilgung dieses Kredits„, berichtet die BBC und fügt die beständige Position Deutschlands an, das Thema habe sich vor Jahrzehnten erledigt. „Die neue SYRIZA-Regierung will sich jedoch differenzieren, indem sie darauf beharrt, die Entschädigungen einfordern zu werden.

Die BBC bezieht sich auch auf Manolis Glezos und betont, der Mensch, der die deutsche Flagge von der Akropolis herunterholte, werde im Alter von heute 91 Jahren weiterhin von der Partei verehrt. „Der Besuch des Herrn Tsipras an dem Mahnmal war eine starke Botschaft, dass sein Land verziehen, jedoch nicht vergessen habe. Und dass es sich nicht mehr den Befehlen Berlins beugen wird„, ergänzt die BBC. Der Artikel endet mit der Feststellung: „Die griechisch-deutschen Beziehungen waren niemals leicht und die Wirtschaftskrise riss alte Wunden wieder auf. Jetzt scheint die neue Regierung Griechenlands ganz und gar bereit zu sein, Deutschland dort zu treffen, wo es ihm weh tut.

Wie Varoufakis‘ Erwähnung der Nazis auf Twitter kommentiert wurde

Twitter-User charakterisierten Yanis Varoufakis‘ Entscheidung, sich bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Wolfgang Schäuble aus das Thema des Nazismus zu beziehen, als besonders tollkühn. Konkret sagte Yanis Varoufakis: „Das deutsche Volk vermag besser als alle anderen zu verstehen, dass aus der Demütigung heraus das Ei der Schlange schlüpft. Wenn ich nach Athen zurückkehre, werde ich in ein Parlament zurückkehren, wo die drittstärkste Partei nazistisch ist. Wir brauchen das Volk Deutschlands an unserer Seite. Damit es uns gegen die Misanthropie hilft.

Viele hießen die mutige Bezugnahme des griechischen Finanzministers gut, die den deutschen Minister verlegen machte, und sputeten sich, unter ihrem Account die … Grimasse einzustellen, die Schäuble zog, als er von dem griechischen Minister das Wort „Nazi“ vernahm. (Anmerkung: die beiden ersten – griechischen – Tweets werden in deutscher Übersetzung wiedergegeben.)

Clever von Varoufakis, von Chrysi Avgi und Nazis zu sprechen. Der durchschnittliche Deutsche ist bezüglich dieses Themas außerordentlich sensibel.
— H Aγγλιkoύ (@theagglikou) February 5, 2015

Die Grimasse Schäubles, nachdem Varoufakis seine Äußerungen über die Nazis losließ. Ich wusste, dass es heute einen Grund gab, aufzuwachen.
— pli-pli (@stavroilats) February 5, 2015

[Impressive] #Varoufakis „When I return home, I’ll find the 3rd-largest party is not a Neo-Nazi but a Nazi party“ pic.twitter.com/GO3GlGPMmI
— zerønomics (@zeronomics) February 5, 2015

Varoufakis playing the Nazi card in Berlin. Brave move
— Jack Baker (@JackBakes) February 5, 2015

WO2 kaart.. „Varoufakis compares Greece to 1930s political and economic Germany landscape. Third party in Greek parliament is a Nazi party
— Vincent Rietbergen (@rietbergen) February 5, 2015

Varoufakis plays both the Weimar and the Nazi card. In Berlin. Very bold move.
— Alessandro Aimone (@aimoneale) February 5, 2015

Varoufakis – we need the people of Germany on our side – irony of history that Nazi party is on rise in country that struggled against it
— seanwhelanRTE (@seanwhelanRTE) February 5, 2015

Predictable Nazi reference aside, on substance Varoufakis‘ wants: 1) Bailout programme to lapse end of month 2) Bridging deal until May
— Mats Persson (@matsJpersson) February 5, 2015

Varoufakis praises Germany for overcoming Nazism. Unlike Greece where 3d party is Nazi. That’s why Tsipras went to the anti-Nazi memorial
— Valentina Pop (@valentinapop) February 5, 2015

#Varoufakis making historically–charged appeal: Germany can be proud of our fight against nazis. We now need the German help.
— Open Europe (@OpenEurope) February 5, 2015

#Varoufakis brings up the nazis to explain how germany can understand greece better than anyone else #ohdear
— Ian Traynor (@traynorbrussels) February 5, 2015

Not sure how playing the nazi card will play out, but one has to say #Varoufakis made a hell of a speech.
— Silvia Merler (@SMerler) February 5, 2015

Varoufakis used the term „Shenanigans“ 10 points for that sir
— ForexLive (@ForexLive) February 5, 2015

„If you don’t give us more free money, the Nazis will take over Greece. And it will be your fault, Germany“ Straight to the point, then
— Old Holborn (@Holbornlolz) February 5, 2015

(Quellen: Imerisia, To Pontiki)

  1. Ronald
    10. Februar 2015, 11:26 | #1

    Ich wage es mir gar nicht vorzustellen wie die internationalen Reaktionen wären würde Deutschland erklären, dass Frankreich für das Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland und der darus resultierenden Folgen aufgrund des Vertrages von Versailles eine Mitschuld tragen würde. Immerhin lernen wir, dass der Faschismus kein deutsches, sondern ein Phänomen in Folge der Verelendung ist. In Griechenland wiegt dies schwer, da ja die Folgen des Faschismus am Beispiel Deutschland bekannt sind….

  2. fabian
    10. Februar 2015, 14:08 | #2

    danke für den guten und wichtigen artikel!! mit gruss aus österreich, wir, die mit entsetzen und grosser sorge auf die firma BRD blicken …

  3. LiFe
    10. Februar 2015, 15:36 | #3

    Würden die Konzerne nur 10 % von ihren Steuerersparnissen an europäische Länder zahlen, Europa stünde besser da. Die Verlendung nähme ein Ende. Siehe die Story / ARD: Steuerfrei – Wie Konzerne Europas Kassen plündern. Mehr brauche ich nicht hinzuzufügen.

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