Imaginärer Dialog Varoufakis – Schäuble

9. Februar 2015 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.848

In der Financial Times wurde ein imaginärer Dialog zwischen den Finanzministern Griechenlands und Deutschlands publiziert, der extrem wahr sein könnte.

Mit Humor, aber auch … giftigen Sprüchen versucht die Financial Times (FT) ihre eigene Version der Dialoge zwischen dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble und dem griechischen Finanzminister YAnis Varoufakis bei ihrer Begegnung am vergangenen Donnerstag (05 Februar 2015) in Berlin zu präsentieren.

Lesen Sie einen unterhaltsamen … imaginären Dialog, der sich in Wahrheit zwischen den beiden Ministern abgespielt haben könnte, da er sich in einem hohen Grad auf Dinge stützt, die während ihres gemeinsamen Interviews durchsickerten oder für Eindruck sorgten.

Von den Nazis bis zu den … Eagles …

In dem von Robert Shrimsley der FT signierten Artikel mit Titel: „Bezugnahme auf den Krieg: die griechische Strategie, um die deutschen Herzen zu gewinnen“ werden die imaginären Dialoge zwischen Schäuble und Varoufakis wiedergegeben:

Schäuble: Guten Tag, wir hatten Dich früher erwartet.

Varoufakis: Entschuldigung, ich hatte den Hitler-Bunker besucht.

Schäuble: Klar. Ihr mögt alle die Gebiete, die mit den Nazis in Zusammenhang stehen. Ich sah Euren Regierungschef das Mahnmal für die von den Deutschen hingerichteten Griechen besuchen. Vielleicht wirst Du auch Zeit finden, Wannsee zu besuchen, solange Du in Berlin bist.

Varoufakis: Lassen wir uns nicht schräg beginnen. Ich habe Dir ein Geschenk mitgebracht.

Schäuble: Wie freundlich. Ist es ein Buch?

Varoufakis: Ja. Es ist von Antony Beevor „Kreta: Der Kampf und der Widerstand“.

Schäuble: Klar, Griechen bringen Geschenke.

Varoufakis: Du musst verstehen, ich beziehe mich auf die Nazis nicht als Beleidigung, sondern als Warnung davor, was geschehen wird, wenn ein Land eine nationale Erniedrigung erfährt und in einer endlosen Hoffnungslosigkeit befindet. Jetzt haben auch wir Nazis in unserem Land und glauben, dass Deutschland uns mehr als alle anderen Länder helfen möchte, uns ihnen entgegen zu stellen. Sie wissen, wie wir uns fühlen.

Schäuble: Und deswegen droht ihr uns mit der Forderung nach Kriegsentschädigungen, aus der Bereitschaft zur einer gemeinsamen front?

Varoufakis: Sie müssen das verstehen. Einige unserer Bezugnahmen auf die Nazis sind für unseren inländischen Verbrauch und einige für Ihren. Bringen Sie das nicht durcheinander. Ich will ein starkes Deutschland. Ein Deutschland, das Europa anführt.

Schäuble: Womit ihr nicht gegen ein starkes Deutschland habt, Hauptsache es handelt, wie ihr es wollt? Wenn wir eure Schulden streichen und euch die Reformen aufgeben lassen, sind wir keine Besatzungsmacht. Ein starker Gläubiger macht euch nichts aus, solange er darin fortfährt, zu zahlen.

Varoufakis: Wir wollen einfach nur Hilfe.

Schäuble: Und wir wollen helfen … . Aber wir wollen auch Vertrauen und Zuverlässigkeit, die Sicherheit, dass ein Land, wenn es eine Vereinbarungen eingeht, diese einhält.

Varoufakis: Das Programm hat jedoch mein Land in die Verzweiflung geführt. Willst Du, dass ich mich wieder auf die Nazis beziehe?

Schäuble: Ich denke, die Botschaft kapiert zu haben.

Varoufakis: Wir begegnen einer brutalen Schuldenkrise. Ihr habt einer insolventen Nation den größten Kredit in der Geschichte gegeben, Wir kamen mit einem Hypotheken-Problem zu euch und ihr habt uns Kreditkarten angeboten. Unser Volk wählte für eine bessere Zukunft, diese war unser Versprechen an es.

Schäuble: Ein Versprechen, das mit dem Bankkonto eines anderen erfolgte.

Varoufakis: Wir wollen Zeit, um an unserem neuen Programm zu arbeiten … damit ihr uns weiterhin unterstützt … während wir neue Bedingungen ausarbeiten, die ihnen nicht gefallen werden.

Schäuble: Als da wären?

Varoufakis: Wir wollen, dass ihr die Verschuldung streicht, die Höhe des geforderten Überschusses senkt und uns die Privatisierungen annullieren lasst.

Schäuble: Die Streichung der Verschuldung wird von dem deutschen Volk nicht akzeptiert.

Varoufakis: Muss ich mich nun auf das letzte Mal beziehen, als die deutschen Schulden erlassen wurden?

Schäuble: Es überrascht mich, dass Du es nicht (bereits) getan hast.

Varoufakis: Ich überlegte, nach Dachau zu gehen, bevor ich nach Hause zurückkehre.

Schäuble: Ja, ja. Du wirst die ganze Dritte-Reich-Tour absolvieren. Das Beste, worauf Du hoffen kannst, ist eine Prolongierung der Verschuldung und eine gewisse Atempause für die Steuerreform. Bringt Euch nicht in eine solche Lage, zu einem Ausscheiden aus dem Euro gezwungen zu werden. Wir wollen das nicht, können es jedoch auch nicht auf jeden Fall abwenden.

Varoufakis: Wir werden nicht aus dem Euro ausscheiden. Wie auch die Eagles sagen, „you can check out any time you like but you can never leave“ (Verse aus dem Lied der Eagles, “Hotel California“, übersetzt „Du kannst Dich jederzeit ausbuchen, jedoch niemals fortgehen„).

Schäuble: Ich bezweifle stark, dass Don Henley (der Eagles) die Komplexität des Abkommens von Maastricht studiert hat.

Varoufakis: Sie müssen den Auftrag respektieren, den wir von einem Volk erhielten, das nicht beriet ist, eine endlose Austerität zu ertragen (…)

Schäuble: Wir haben uns darauf zu einigen, uns nicht einig zu sein.

Varoufakis: Dem kann ich nicht zustimmen.

(Quelle: Imerisia)

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