Griechenland und Deutschland hängen am selben Strick

8. Februar 2015 / Aufrufe: 3.975
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Griechenland und Deutschland sind an das selbe Seil gebunden, und wenn der eine in den Abgrund springt, wird auch der andere erheblichen Schaden erleiden.

„Griechenland und Europa verhandeln über ihre Zukunft„, lautet es in einer Analyse der amerikanischen Denkfabrik „Stratfor“, die ebenfalls vertritt, „Griechenland und Deutschland sind an des selbe Seil gebunden„.

Wie betont wird, „obwohl der Internationale Währungsfonds und die Europäische Zentralbank den größten Teil der griechischen Anleihen inne haben, ist die Europäische Zentralbank jene, die über die Macht verfügt, die griechische Wirtschaft in den Zusammenbruch zu führen, indem sie den griechischen Banken die Liquidität abdreht„, wobei die – am 05 Februar 2015 in Berlin erfolgte – Begegnung des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis mit seinem deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble als von „sehr maßgeblicher Bedeutung“ charakterisiert wird.

EZB droht in bekannter Manier mit wirtschaftlichem Zusammenbruch

Laut der Analyse „ist die Taktik der EZB bekannt, den Mitgliedstaaten der Eurozone mit einem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu drohen, wenn sie nicht den Rettungsprogrammen zustimmen. Sowohl Irland als auch Spanien und Zypern haben zu diesem Zweck in kritischen Momenten ihrer jüngsten Geschichte Schreiben erhalten. Wir vergessen jedoch manchmal, dass die (Zentral-) Bank nicht einseitig handelt.

Hätte Herr Draghi auf gleiche Weise Griechenland bedroht und seine Drohung umgesetzt, die griechische Wirtschaft in den Zusammenbruch führend und damit einhergehend zu einem Ausscheiden aus dem Euro zwingend – welcher Umstand die ganze Währungsunion auflösen würde -, würde die Geschichte auf negative Weise den nicht gewählten Zentralbankier aufzeichnen, der den europäischen Plan in die Katastrophe führte. Folglich kann die EZB nur unter der Mitwirkung der europäischen Regierungen dermaßen aggressiv agieren. Die europäischen Finanzminister werden sich am 11 Februar 2015 und die Staatschefs am 12 Februar 2015 treffen. Bei diesen Begegnungen wird über die Zukunft Griechenlands – und Europas – entschieden werden.

Die Rolle Berlins

Im weiteren Verlauf wird unter anderem unterstrichen, „eine maßgebliche Rolle wird bei diesen Begegnungen nicht nur Deutschland spielen, da es nicht nur das mächtigste Gläubigerland, das bei den Verhandlungen über die Verschuldung am meisten zu verlieren hat, sondern auch den signifikantesten Repräsentanten des Status Quo darstellt, gegen den sich Griechenland richtet„. Auch andere Regierungen in Europa finden möglicherweise die Vorschläge des Herrn Varoufakis bezüglich einer Welt nach der Austerität attraktiv, jedoch überzeugte der griechische Finanzminister sie nicht, sich mit der griechischen Regierung in der eintretenden Kollision gleichzuschalten.

Wie ebenfalls vertreten wird, „würden auf der anderen Seite jegliche Zugeständnisse an Griechenland die opponierenden Parteien – wie die PODEMOS in Spanien – stärken, während die Regierungen Irlands und Spaniens, deren Völker ebenfalls unter den Austeritäts-Reformen litten, sich über einen möglichen Sieg Griechenlands sorgen würden, da er ihr Leiden vergebens machen würde. Frankreich und Italien sind die wahrscheinlichsten Verbündeten Griechenlands, und aus diesem Grund besuchte sie Herr Varoufakis, bevor er sich nach Deutschland begab. Keins der beiden Länder zeigte jedoch öffentlich seinen Willen, sich in Zusammenhang mit dem Thema Griechenlands gegen Deutschland zu richten.

Gegensätzlichkeiten

Die Autoren der Analyse bringen die Ansicht zum Ausdruck, „die Positionen Deutschlands und Griechenlands sind völlig entgegengesetzt. Auf der einen Seite würde Deutschland die Fortsetzung des Status Quo, also die Ausweitung der Rettungsprogramms für Griechenland, der wirtschaftlichen Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der allmählichen Tilgung der Verschuldung wünschen. Auf der anderen Seite würde die SYRIZA die Reformen im Arbeitswesen kippen, die Ausgaben erhöhen und die Verschuldung beschneiden wollen, obwohl Herr Varoufakis bei der letzten Forderung nachgab. Wenn die beiden Seiten keinen Vergleich erreichen, eρscheint ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro unvermeidlich.

Schließlich wird angemerkt, „Griechenland und Deutschland sind jedoch an das selbe Seil gebunden und folglich wird, wenn der eine in den Abgrund springt, auch der andere signifikante Verluste erleiden, und zwar hauptsächlich, wenn Griechenland unter der derzeitigen Gesetzgebung gezwungen wird, nicht nur die Eurozone, sondern auch die Europäische Union zu verlassen. In diesem Fall würde Griechenland eine starke Währung, den relativ billigen Zugang zu Krediten, dem freien Markt und den Kohäsionsfonds der EU verlieren.

Griechenlands Ausscheiden würde jedoch einen Austritts-Mechanismus schaffen, der die Eurozone weniger stabil machen würde. Wirft Europa ebenfalls Griechenland hinaus, werden die Griechen nach wirtschaftlicher Hilfe aus Russland suchen. Es ist nicht sicher, dass Russland über die erforderlichen Gelder verfügt um eine derartige Stützung zu bieten, jedoch wäre die Perspektive, dass Russland im Hinterhof Europas Einfluss erlangt, nicht willkommen.

(Quelle: Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. Silke
    8. Februar 2015, 13:00 | #1

    … jedoch wäre die Perspektive, dass Russland im Hinterhof Europas Einfluss erlangt, nicht willkommen …“ Diese Perspektive ist nur für die US-Eliten und deren Filz nicht willkommen. Es nützt weder Griechenland, Deutschland, noch dem übrigen Europas den gescheiterten Euro mit weiteren Insolvenzverschleppungen zu behalten. Die einzigen Gewinner sind eine kleine Elite, die an diesem größten Raubzug aller Zeiten Unsummen verdienen.
    Deutschland exportiert Waren in andere EU-Länder (Exportüberschuss) und bekommt dafür Euros. Anschließend sollen die Deutschen mit ihren Steuergeldern und Ersparten die Schulden dieser Länder in Form einer Transferunion bezahlen = Waren weg + Geld weg! Die Medien der Eliten belügen die Deutschen vom faulen Griechen. Die Griechen werden von Politik und Medien gegen Deutsche aufgehetzt. Während immer mehr der angeblich so reichen Deutschen längst bei den Suppenküchen ansteht, Pfandflaschen im Müll sammelt oder zwei Jobs hat. „Teile und herrsche“ nutzen schon die alten Römer. Brüssel und Washington sind Meister darin.
    Griechenland sollte lieber sämtliche privaten Banker heraus werfen (nicht nur die Troika) und seine Bodenschätze und den Tourismus nutzen. Norwegen ermöglicht seinen hohen Lebensstandart ebenfalls so, nicht über zahllose Kredite. Tsipras hat zwar medienwirksam die Troika heraus geworfen, bettelt bei den US-Investmentbanken, die Griechenland erst in den Schuldensumpf gelenkt haben, nach neuen Krediten. Um davon abzulenken wird schön gegen Nazideutschland gehetzt.
    Viele US-Bürger protestieren übrigens schon lange gegen Fed und Washington. Es ist ein Krieg der reichen 1% gegen den Rest der Menschen, nicht Nation gegen Nation!

  2. pyramis
    8. Februar 2015, 14:37 | #2

    Vergleicht man diese Bindung mit einer Ehe, sind die Voraussetzungen für eine harmonische Beziehung ja total gestört. Bleibt die Beziehung in einer Abhängigkeit mit andauernden Drohungen und Erpressungen, werden erstens beide nicht glücklich und zweitens ist die Beziehung zum Scheitern verurteilt (egal ob zusammen oder getrennt). Da wäre eine Therapie sehr empfehlenswert. Nur, woher holt man einen unvoreingenommenen, parteilosen Mediator? eben …

  3. EuroTanic
    8. Februar 2015, 15:22 | #3

    Auf lange Frist ist nur die Selbstverantwortung stabil. Heisst, jeder trägt die Konsequenzen seines eigenen Handelns. Das ist auch logisch. Ich zahle ja auch nicht die Kreditraten für die Wohnzimmerienrichtung meines Nachbarn. Warum um Gottes Willen sollte ich aus irgendeinem Land heraus die Schulden eines anderen Landes zahlen? Das ist absurd.

  4. GR-Block
    9. Februar 2015, 01:55 | #4

    Es ist schon ein Spagat, den Merkel hier vollbringen muss. Jahrzehntelang wurde die deutsche Klientelwirtschaft in der EWG-Süderweiterung mit viel Mühe und noch mehr Schmiergeld aufgebaut, um ja keine finanziell unabhängigen Partner auf dem Binnenmarkt zu haben. Kohl legalisierte die deutsche Auslandskorruption und subventionierte die Schmiergelder seiner Konzerne steuerlich als „Betriebsausgaben“. Gleichzeitig wurde die Steuerfahndung zurückgefahren und damit die Steuerhinterziehung gefördert. Gewaltige deutsche Geldquellen taten sich so für die gezielte anti-europäische Korruption auf.
    Als dann der „Genosse der Bosse“ das Ruder übernahm, gab er durch die Agenda 2010 weitere Milliarden als „Subventionshilfe“ in die Betriebe zur Eroberung auch der Ostmärkte. Diese Liquiditätslawine gab dem demokratischen Europa den Rest. Dagegen konnte kein lokales Unternehmen finanziell ankommen. Die Lobbys wanderten in deutsche Hände. Jetzt konnte nicht einmal durch Wahlen das Unglück abgewendet werden.
    Seit 22 Jahren Binnenmarkt finanzieren griechische Steuerzahler Waren und Dienstleistungen, die ihre von ausländischen Lobbys aufgebauten Politiker von ihren Steuergeldern bezahlen, um ihre eigenen Karrieren voranzubringen.
    Natürlich war das Ziel der beiden korrupten Seiten, GR nur so weit zur Ader zu lassen, wie es stabil blieb. Athen unterschreibt Aufträge an die deutsche Industrie und erhält dafür Provisionen, die auf den Kaufpreis geschlagen werden. Das Ziel ist, dass der Haushalt ständig im Defizit bleibt, damit die Zinsen auf griechische Staatsanleihen hoch sind. Daran verdienen deutsche Anleger, wie z.B. auch die Sozialkassen.
    Das System läuft seit dem EWG-Beitritt wie am Schnürchen. Deutsche Investoren verkaufen über ihre Unternehmen an GR zu überhöhten Preisen und bekommen die dafür notwendige Korruption sogar subventioniert. Sie schütten an ihre Mitarbeiter europäische Luxuslöhne aus, und beide, Investoren und Erwerbstätige bedienen sich gleichzeitig frech an den lukrativen, hoch verzinsten Staatsanleihen. Wäre nicht glücklicherweise die amerikanische Finanzkrise herübergeschwappt und zuvor der EURO eingeführt worden, dann wäre der Aderlass noch Jahrzehnte weiter gegangen.
    Jetzt muss Merkel Ihren Wählern erklären, warum der nachträgliche Preisnachlass für GR ausschließlich auf die deutschen Steuergelder gehen sollte. Warum wurden die Investoren, die bei weitem nicht nur Deutsche sind, freigehalten? Wer hat sie das angewiesen, zu tun?

  5. LiFe
    9. Februar 2015, 15:16 | #5

    Es ist ein Krieg der reichen 1% gegen den Rest der Menschen, nicht Nation gegen Nation!“ Ist schon traurig, wenn es dem so sein soll. God bless the 1 %. Ich denke selbst im Milieu der 1 % sind sie sich nicht alle grün. Der Mensch, selbst wenn er auf dem höchsten Thron sitzt ist nie zufrieden. Stets mißtrauisch und furchtsam der Elendige vor Intrigen. Arme Reiche. Siehe der freiwillige Bettler.

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