Griechenland moniert Verunglimpfung des Finanzministers Varoufakis

18. Februar 2015 / Aufrufe: 3.826

Speziell aus Deutschland soll verlangt worden sein, Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis seines Amtes zu erheben.

Reaktion seitens Kreisen der griechischen Regierung riefen die intensiven Gerüchte hervor, deutsche Amtsträger wünschen die Entfernung des Finanzministers Yanis Varoufakis, wobei von der Regierung sogar auch verlangt worden sein soll, ihn seines Amtes zu entheben.

Laut dem TV-Sender Mega sprechen Regierungskreise von Publikationen, die „das Ansehen des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis zu untergraben versuchen„, und kommentieren, dies sei „verständlich, da sie zum ersten Mal in den letzten Jahren einem Finanzminister begegnen, der sich ihnen gegenüber gleichberechtigt verhält. Wahrscheinlich haben sie noch nicht verstanden, es nicht mehr mit einer Regierung von Befehlsempfängern zu tun zu haben.

Deutschlands Botschafter in Athen forderte, Varoufakis zu substituieren

Weiter wird von der griechischen Regierung vertreten, die Epoche des Kolonialismus, in der eine andere Regierung eines mächtigeren Landes zentrale Entscheidungen treffen und einem anderen Land vorzuschlagen vermochte, wer Minister wird und wer nicht, sei lange vorbei.

Deutsche Amtsträger sollen vertreten haben, Yanis Varoufakis verhandele nicht auf ernsthafte Weise, und betonen, die Eurogruppe sei kein Amphitheater einer Universität, um Vorlesungen zu halten. Bezeichnend ist eine in der Zeitung „To Vima“ veröffentlichte Reportage, da laut dem Deutschland-Korrespondenten der Zeitung der Sprecher der Sozialdemokraten für europäische Themen, Joachim Poß, die Professionalität des Yanis Varoufakis in Frage stellte und ihn als ungeeignet charakterisierte und seine Substituierung verlangte.

Er stiftet überall Verwirrung. Anstatt seinen Amtskollegen einen schriftlichen Katalog mit konkreten Vorschlägen zu überreichen, hielt er ihnen einen halbstündige Rede politischen Inhalts„, soll Herr Poß erklärt haben. Das selbe Begehren, den griechischen Finanzminister zu substituieren, soll ebenfalls der deutsche Botschafter in Athen bei einer Begegnung mit einem Minister der griechischen Regierung wiederholt haben, der ihm antwortete: „Griechenland ist ein unabhängiges europäisches Land und seine Regierung ist seine eigene Sache. Bitte bleiben Sie bei den Themen der Zusammenarbeit, die sich aus ihrer diplomatischen Rolle ergeben.

Missfallen über den griechischen Finanzminister bringt jedoch auch Paris zum Ausdruck. In einem Gespräch im französischen Rundfunk kommentierte die bekannte Journalistin Carolyn Rou die Haltung Yanis Varoufakis‘ bei den jüngsten Verhandlungen und sagte, im Élysée meine man, er befinde sich auf einem anderen Planeten.

(Quelle: in.gr)

  1. Christina
    18. Februar 2015, 01:48 | #1

    Nee, nä? Wenn das stimmen sollte, und ich habe vorerst keinen Grund daran zu zweifeln, dann wird es wirklich Zeit, dass Merkel / Schäuble und andere europäische Regierungen ihren Wählerschaften mal erklären, warum sie dauernd Banken retten. Weitermachen, Gianis!

  2. Fee
    18. Februar 2015, 04:59 | #2

    Obwohl ich kein Anhänger Keynes bin und mir die Ansichten von Varouvakis viel zu Wirtschaftsliberal sind, begeistert mich der Mann allmählich doch mit seiner bisherigen Konsequenz gegenüber den arroganten Eliten in Europa. Wenn er das weiter so durchhält bekommt er meinen höchsten Respekt!

  3. windjob
    18. Februar 2015, 05:02 | #3

    Herr Varoufakis passt halt nicht in das Muster der politischen Wendehälse und demzufolge haben diese Schwierigkeiten damit umzugehen. Ich wünsche ihm, dass er so standhaft bleibt. Vielleicht schafft er es sogar in unserer politischen Landschaft einen gewissen Wechsel zu erreichen. Für die, die mit ihm zu tun haben ist es natürlich ungewohnt mal Widerworte zu bekommen. Sie sind es gewohnt, dass alle über ihr Stöckchen springen.

  4. Rudi
    18. Februar 2015, 07:41 | #4

    Ist doch klar. Man will den neoliberalen Kurs weiterfahren. Neue Ideen sind nur hinderlich und stören die Umverteilung von Arm nach Reich.

  5. Ronald
    18. Februar 2015, 11:06 | #5

    Man kann gegen Varoufakis sagen was man will, aber mann muss eines anerkennen: Niemals hat ein einzelner Mann die Entscheidungsträger in Europa so zusammengeschweisst, wie Herr Varoufakis … Ich hoffe, er bleibt uns als europäische Integrationsfigur noch lange erhalten …

  6. Gerald
    18. Februar 2015, 11:51 | #6

    Unglaublich, ein Finanzminister der sich nicht mit Koffern, gefüllt mit Schwarzgeld von Konzernen schmieren läßt. Ein gelernter Wirtschaftswissenschaftler der eigenständig und kompetent handelt und sich nichts von Konzernbossen und ihren Politmarionetten in Berlin und Brüssel vorschreiben läßt. So etwas versteht man in einem Land in dem Korruption und Bestechung als “ Parteispendenaffaire “ verniedlicht wird selbstverständlich nicht. Wenn ich als deutscher die Wahl zwischen einem kriminellen wie Schäuble und Varoufakis hätte, würde ich den Griechen wählen.

  7. Sabine
    18. Februar 2015, 12:03 | #7

    Der Mann ist der erste Politiker, der mich seit Jahrzehnten durch sein Rückrat und seine intelligente Analyse beeindruckt. Es sagt viel über deutsche und französische Politiker aus, dass Sie nicht in der Lage sind, einen konstruktiven Dialog mit ihm zu führen und auch noch die Arroganz besitzen, eine Amtsenthebung zu empfehlen. Möge er durchhalten. Er wird dringend gebraucht, aber gottlob braucht er nicht dieses Amt sondern ist im besten Sinne unabhängig. Das macht ihn ja so frei :-).

  8. 18. Februar 2015, 12:43 | #8

    Ich finde es langsam beschämend wie hier seitens der Bundeskanzlerin, Bundesfinanzminister, EU kom. , Troika und IWF, das Griechische Volk in Armut getrieben werden! Die Griechen haben mit ihrem Votum bei der Wahl Ende Januar eine souveräne, legitime für einen Politischen Wechsel Entscheidung getroffen.
    Und die Bundeskanzlerin, Bundesfinanzminister, EU Kom., Troika und IWF verstehen diesen Wink nicht. Es muss doch mal langsam oder auch schnell einleuchten, dass die Reformvorgaben den Griechischen Staat in noch einer tieferen Krise gestürzt hat!
    Wenn man einen Staat so dermaßen unter Druck mit Sparauflagen setzt, so dass die Sozialen Systeme zusammenbrechen, sollte man sich nicht wundern wenn eine neue gewählte Regierung sich für ihre Bürger dagegen zur Wehr setzt. Ich kann nur der Gruppe um der EU Kom. empfehlen, diesen Konflikt moderat und fair beizulegen. Ansonsten könnte es passieren das Griechenland aus der Eurozone raus geht und andere Länder diesem Beispiel folgen könnten, für die denen ein Spardiktat auch Unerträglich sein könnte. Dann wird es mit der Eurozone vorbei sein und wer weiß schon was dann kommt. Dann fallen wir aus der Globalisierung raus.

  9. happy
    18. Februar 2015, 13:32 | #9

    es sind die verzweifelte Rufe einer Elite, die Angst vor Demokratie hat, Angst ihre Dominanz zu verlieren . Jedes erdenkliche Mittel, jedes erdenkliche Opfer ist ihnen Wert um ihre Macht zu erhalten. Lügen, Feigheit, Heuchelei und Selbstbetrug und künstliche Aufregung. Ich traue diesen Menschen zu sogar ihre Kinder und Mutter zum Opferaltar zu bringen, wenn es um ihre Macht geht. Sie haben ihre Seele verkauft. Goethes Faus lässt grüßen

  10. LiFe
    18. Februar 2015, 14:53 | #10

    Herr Schäuble lässt es an Empathie für ein gebeuteltes Land missen. Er erkennt nicht das Problem, dass Griechenland sich all die Jahre kaputtgepart hat und durch die Finanzkrise noch tiefer in die Krise gedrückt wurde. Hätten Länder wie China und USA gespart, hätte Deutschland nie führend im Export sein können. Sanktionen gegen Russland minderten Exporte. Das scheint Herr Schäuble sich nicht bewußt zu sein. Ach ja, Billiglohn, Zeitverträge und Nullrunden sorgten auch für gutes Wachstum. Ich finde Herr Varoufakis sollte sich mehr in Griechenland umsehen und Talente im eigenen Land suchen und fördern.

  11. Bernhard
    18. Februar 2015, 15:00 | #11

    Wären Tzipras und Varoufakis nicht bei Siriza bzw. in der Linken Partei, dann hätte man sich in Brüssel doch schon lange geeinigt. Tzipras ist der beste Staatsmann und Varoufakis der beste Finanzminister den Griechenland seit langem hat, … nur eben in der falschen Partei. Dass die Euro-Länder unwillig sind, eine Links-Regierung zu unterstützen, ist doch augenscheinlich … das würde ja auch den linken Parteien im eigenen Land Rückenwind geben. Ums Geld geht es doch in Wirklichkeit nur am Rande! Wie weit geht’s denn überhaupt um Griechenland?

  12. Horst G.
    18. Februar 2015, 16:51 | #12

    Natürlich muss auch Herr Varoufakis seine Rolle erst finden. Die schulmeisterliche Art Schäubles mit seinem Amtskollegen umzuspringen ist völlig überheblich. Seit Monaten wird bereits die Abkehr vom „nur sparen“ diskutiert. Als Deutscher, der in wenigen Monaten Griechenland bereisen möchte, werde ich bei jeder Gelegenheit für das überhebliche Verhalten um Entschuldigung bitten. Deutschland und Schäuble haben auch in den letzten Jahren nicht gespart; Deutschland war lediglich begünstigt durch die gute Konjunktur – und die Waffenverkäufe an Griechenland zu einem Zeitpunkt, als deren schlechte Situation bereits absehbar war.

  13. Bernhard
    18. Februar 2015, 19:21 | #13

    Vor ca. 5 Jahren hatte Griechenland 340 Milliarden Euro Schulden. 240 Milliarden Euro wurden angeblich an Griechenland Hilfe ausbezahlt. 120 Milliarden Euro wurden durch den Schuldenschnitt getilgt. Also 360 Milliarden Euro! Griechenland schuldet aber noch immer 340 Milliarden Euro.
    Wo ist das ganze Geld geblieben? Ich denke nicht, daß ein Griechischer Einwohner die letzten Jahre auch nur einen Euro geschenkt bekam. Werden die Leute hier komplett verschaukelt oder habe ich in Mathematik was versäumt?!

  14. Christina
    18. Februar 2015, 23:25 | #14

    Der normale deutsche Steuerzahler macht fest die Augen zu, findet seine Regierung ganz toll, sieht sich als Vorzeige-Europäer, und will einfach nicht wahrhaben, dass seine Steuerzahlungen und die seiner Kindeskinder in den Taschen von Anleihebesitzern und Anteilseignern von Banken landen. Und verlangt von seiner Regierung noch nicht einmal eine Erklärung. Und gibt seinen nationalen Reflexen nach, schwadroniert von „faulen Pleite-Griechen“ und wundert sich, wenn ihm Hitlerbärtchen entgegen kommen. Diese undankbaren Griechen! Wenn Dummheit weh täte, müsste wohl halb Deutschland schreiend herumlaufen.

  15. die Griechin
    19. Februar 2015, 12:12 | #15

    Ich muss gestehen, für mich als in Deutschland lebende Griechin, sind all diese Kommentare Balsam für die Seele. Auch ich zahle hier in Deutschland meine Steuern und kann eigentlich nichts dafür, was in dem Land passiert, in dem meine Wurzeln sind, da ich dort nicht lebe und auch nicht dort wählen gehe. Aaaaber was ich mir als Griechin die letzten Jahre hier in D anhören musste, von Deutschen, die mich seit Jahren kennen, ging teilweise unter die Gürtellinie. Und dann immer mit diesem Halbwissen und der Meinung, die sich die Leute selbstverständlich selbst geBILDet haben. Aussagen wie „na deine faulen Verwandten müssen ja jetzt noch weniger arbeiten, wo wir sie finanzieren“. Wenn die in Griechenland lebende Bevölkerung tatsächlich den ganzen Tag nur Kaffee schlürft und nie arbeitet und jeden Monat von unseren Steuern hier einen fetten Betrag einfach so auf ihr Konto einbezahlt bekommt, ja warum bin ich Idiot denn noch so blöd und bleibe hier um zu arbeiten und all das mitzufinanzieren? Da hätt ich doch schon längst meine Köfferchen packen können und mich dort dazu gesellen um in der Sonne zu sitzen und nichts zu tun. So einfach 🙂
    Es tut gut, dass es doch auch hier noch Menschen gibt, die anscheinend etwas mehr Ahnung haben und sich nicht nur von den Axel-Springer-Medien blenden lassen. Übrigens könnte es mir eigentlich egal sein wie die Herren Tsipras und Varoufakis sind, denn ich lebe schliesslich nicht dort. Mit denen muss die griechische Bevölkerung klar kommen. Aber ich finde die beiden ABSOLUT TOP! So jemanden bräuchten wir hier in Deutschland auch, jemand, der FÜR SEIN VOLK EINSTEHT und die Meinung des Volkes vertritt, auch noch nach den Wahlen!

  16. 20. Februar 2015, 10:20 | #16

    Ein Systemwechsel wird nicht stattfinden. Natürlich wird Herr Tsipras Kreide fressen und auch Syriza wird Kröten schlucken müssen. Das Schuld-zins-geldsystem wird beibehalten werden. Das Ganze war eine Wahl, keine Revolution, und ich traue Syriza eine Revolution einfach nicht zu. Man wird „verhandeln“ … mit dem Ergebnis, dass es ein paar kosmetische Korrekturen gibt, aber sich substanziell nichts verändert. Warten wir also erst einmal ab, was vom linken Traum zur Rückkehr der guten, bequemeren Zeiten in ein paar Wochen noch übrig ist. Und der City of London, den Bilderbergern, den oberen 10.000 wird das alles sehr recht sein.
    Ich kann mir gut vorstellen dass heute Abend diskutiert wird wie es erträglich für Griechenland und akzeptabel für alle weitergehen wird und dann gibt’s wieder „business as usual“.

  17. 21. Februar 2015, 19:39 | #17

    Gebt den neuen Leuten eine Chance – die Griechen haben wieder Hoffnung, wo vorher Verzweiflung war, und Brüssel hat es in der Hand, mitzuhelfen oder Griechenland endgültig in den Ruin zu treiben. Und das hilft niemandem weiter, auch nicht dem Euro-Raum, sondern höchstens den Rating-Agenturen und den damit verflochtenen Banken, die ohnehin auf Baisse gewettet haben …

  18. demokrit
    28. Februar 2015, 16:59 | #18

    Tja, mit wirklicher Demokratie kann die bankster-clique um Merkel nichts anfangen.

  19. Gibell13
    4. März 2015, 13:15 | #19

    Viele Jahre haben mich meine griechischen Freunde bearbeitet: Sei stolz auf dein Land, stolz darauf, was es aufgebaut hat, wie offen seine Menschen sind. Mit den Jahren hab ich tatsächlich mehr Liebe für Deutschland entwickeln können. Die letzten Wochen haben diese meine Entwicklung wieder gründlich zunichte gemacht. Ich schäme mich für Deutschland, für den größten Teil seiner Journalisten, Einwohner und vor allem Politiker. Deutschland steht für mich für ein Europa das sich an Schwächeren bereichert, sie ohne mit der Wimper zu zucken noch tiefer in die von den eigenen Politikern bereitete Gosse stößt und dem nichts anderes einfällt als zu sagen: Mir gebe nix.

  20. Ingrid Nicklaus
    6. März 2015, 23:32 | #20

    Ich bin davon überzeugt, dass vielen Politikern, besonders Schäuble und Merkel, Yanis Varoufakis ein Dorn im Auge ist. Yanis Varoufakios ist jedenfalls keine Marionette mit einem niedrigen IQ. Er kann selber Entscheidungen treffen. Es macht ihn außerdem auch so sympathisch, weil er sich nicht bestechen lässt. Was er fordert, würde Griechenland wirklich helfen. Ein Schuldenschnitt wäre das einzige Richtige, und eine drastische Senkung der Zinsen für die „Rettungs-Pakete“ und außerdem die Abschaffung der Sparpolitik

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