Griechenland-Krise: Athen muss zerstört werden!

17. Februar 2015 / Aktualisiert: 22. März 2015 / Aufrufe: 7.555
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Nobelpreisträger Paul Krugman lastet den Finanzministern der Eurozone an, bestenfalls Idioten zu sein, die nicht begreifen, dass Griechenland sich nicht mehr erpressen lässt.

In freier Anlehnung an Cato Censorius, der seine Reden im römischen Senat mit der Phrase beendete „Karthago muss zerstört werden“ (Carthago delenda est), kommentiert der Nobelpreisträger und Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugman die Tagung der Eurogruppe am 16 Februar 2015 und merkt an, was die Europäer sagen, sei „Athenae Delenda Est“ (Athen muss zerstört werden).

Überraschender und schrecklicher Mangel an Vernunft

Der Beitrag Paul Krugmans in der New York Times in (mehr oder weniger freier) Übersetzung:

Ok, es ist wunderbar, und nicht im positiven Sinn. Die Gespräche der Griechen mit den Finanzministern (der Eurozone) führten zu einem Bruch wegen des Entwurfs eines Kommuniqués, das die griechische Seite als ‚absurd‘ charakterisierte. Das ist bemerkenswert. Meines Erachtens ist dies die Schlüsselphrase:

Die griechischen Behörden verpflichteten sich, die erforderlichen primären Überschüsse und die Finanzierung sicherzustellen, damit die Tragfähigkeit der Verschuldung in Einklang mit den Zielen gewährleistet wird, die in der Bekanntmachung der Eurogruppe im Dezember 2012 vereinbart wurden. Zusätzlich müssen alle beliebigen neuen Maßnahmen eine Finanzierungsquelle haben und dürfen nicht die wirtschaftliche Stabilität gefährden.

Übersetzung: Keinerlei Nachgeben bei den Forderungen nach einem Primärüberschuss von 4,5 Prozent des BIP. Und es gab absolut keinerlei Chance, dass Alexis Tsipras und die (griechische) Regierung ein solches Kommuniqué unterschreiben würden, womit sich die Frage stellt, was die Minister der Eurogruppe zu tun glauben.

Ich nehme an, dass sie möglicherweise einfach nur Idioten sind – sie begreifen nicht, dass das Griechenland des Jahres 2015 nicht das Irland des Jahres 2010 ist und eine Erpressung dieser Art nicht durchkommt. Alternativ – und wohl wahrscheinlicher – beschlossen sie, Griechenland an die Grenzen zu drängen. Anstatt sei es auch nur ein wenig nachzugeben, ziehen sie vor, Griechenland zu einem Ausscheiden aus dem Euro gezwungen zu sehen, nebst der angeblichen wirtschaftlichen Vernichtung, die eine Lehre für jeden anderen darstellen soll, der eine Erleichterung zu fordern wagt.

Das ist es, sie versuchen, eine wirtschaftliche Variante des „Punischen Friedens“ durchzusetzen, den Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg Deutschland aufzwang. Wie auch immer, der Mangel an Vernunft ist überraschend und schrecklich.

(Quellen: To Pontiki, NYTimes)

  1. Rudi
    17. Februar 2015, 11:43 | #1

    Paul Krugman hat, was den internationalen Einfluss für die Krise in Griechenland betrifft, Recht. Aber die speziellen griechischen Verhältnisse sind ihm anscheinend unbekannt. Wie viele andere, ist er auf diesem Auge blind.

  2. cashca
    17. Februar 2015, 13:47 | #2

    Athen soll vernichtet werden!? Sie sind doch schon vernichtet, mehr geht nicht mehr. Verschuldet bis zu ersticken, das hat die Eu mitzuverantworten. Sicher sind die griechen selber mitschuld, sie haben sich die schulden aufschwätzen lassen, aber die Eu wollte das, hat freiwillig gegeben und gegeben. Sie mussten wissen, dass Griechenland diese niemals zurückzahlen kann. Da stellt sich die Frage, was war die Absicht?
    So betrachtet, muß man die jetzige haltung der griechischen Regierung verstehen. Sie haben begriffen, in welcher Falle sie sitzen, die ihnen die EU serviert hat. Dass man so einem Verein nicht mehr traut, ist verständlich. Griechenlan hat nur eine Möglichkeit, wieder frei zu werden. Staatsbankrott und notfalls auch raus aus der EU. Griechenland wird nicht untergehen, sie werden wieder auferstehen aus ihren Ruinen, wenn sie die korrupte alte Regierungsmafia und andere Steuerzahlungsverweiger, die reichen Finanspekulanten und Schmiergeldzahler an die Leine legen.
    Dass die EU darüber erzürnt ist, ist aus deren Sicht verständlich, aber damit wird sie sich abfinden müssen. Die griechischen Schulden werden sie abschreiben müssen. Diese Geldorgien müssen beendet werden. Das war gestern, heute wird eben anders verhandelt.

  3. Petra
    17. Februar 2015, 18:29 | #3

    Griechenland war das Versuchskaninchen der EU. Hier wurde auf das Übelste getestet, wie weit man Menschen in ihren Einkommen drücken kann als Muster für andere Länder. Auch in Deutschland wurde und wird immer noch getestet. Siehe Hartz IV. Da weigert sich die Regierung tatsächlich das Urteil des Verfassungsgerichtes umzusetzen. Griechenland hat jedoch noch einen Trumpf. Und das sind die guten Beziehungen zu Russland. Die Regierung Griechenlands sollte einmal offiziell und öffentlich nach Finanzhilfen aus Russland und China nachfragen. Man stelle sich das einmal vor. Ein Mitglied der EU erhält Finanzhilfen vom Osten. Vielleicht würden dann die Finanzminister endlich einmal wach, denn rechnen können sie offensichtlich nicht. Wenn sich trotz menschenverachtender Sparmaßnahmen die Schulden eines Landes noch vergrößern, muß etwas falsch gelaufen sein.

  4. D.J..
    17. Februar 2015, 20:38 | #4

    An Griechenland soll ein „Exempel statuiert“ werden, um all den EU-Mitgliedern in ähnlicher Schuldenlage „Angst“ zu machen und um weiter Druck aufbauen zu können im Sinn „wer nicht Brüssel und Banken-konform denkt und handelt wird „enden wie DIE GRIECHEN“. Der teilweise mehr als unsachliche und stellenweise „hetzerische“ Journalismus – wo oftmals nur Leserzahlen – bzw. die politische Abhängigkeit eine Rolle spielen – agiert manipulierend, das ist mehr als bedauerlich und gefährlich.
    Änderungen sind ein langwieriger Prozess, dazu gehört vor allem Bereitschaft. ABER Änderungen sind wichtig und unumgänglich wenn Fakten dafür sprechen, dass Bestehendes sich als falsch erwiesen hat. Dazu bedarf es Mut, Kraft und Willen von allen Betroffenen. Etwas zu VERÄNDERN kann Angst machen, aber ohne Veränderung keine Weiterentwicklung. In der Einsicht liegt oftmals der Weg – Fehler zu verbessern geht NUR MIT VERÄNDERUNG der Herangehensweise an das/die Problem/e. GRIECHENLAND braucht Veränderung und hat endlich den Mut dazu! Ganz genau zuhören, im Dialog bleiben, Lösungen finden – NICHT ABLEHNUNG aus reiner Berechnung und Angst, begangene Fehler, Unwahrheiten und rein finanzielles Kalkül könnten zu Tage kommen!?

  5. Kyriasoglou
    19. Februar 2015, 00:27 | #5

    Täglich mehrfach lese ich und höre ich deutsche Verbformen, die den Stamm „Droh…“ besitzen. Troika, Schäuble, Deutschland, EU, EZB usw sind die Subjekte, Griechenland das Objekt. Vor so viel Drohung wird es einem schwarz vor Augen und die psychologische Funktion der Desinsibilisierung hat voll einschlagen. Nun hört kein Grieche mehr auf diese Verbformen, die gehen ihm am A… vorbei. Ausgenommen der Griechen, die das ancient régime darstellen oder König Otto wieder haben wollen. Sie würden sogar für diese Rolle das Surrogat aus Bayern nehmen. Von „sozialer Bindung des Kapitals“, einst das Schlagwort des deutschen Wirtschaftswunders kein Hauch! Zum Glück sagte schon Heraklit: „alles fließt“. Und es fließt tatsächlich.

  6. LiFe
    19. Februar 2015, 01:35 | #6

    Diese ganze Rettung, was hat sie Griechenland gebracht? Null. Zero. Athen war bereits angeschlagen. Die Finanzkrise 2008 hatte ihr entgültig den letzten Stoß in den Abgrund gegeben. „In der Politik geschieht nichts zufällig! Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war.“ Frank Delano Roosevelt, US Präsident und Freimaurer.

  7. Al-Harakiri
    20. Februar 2015, 10:57 | #7

    EU= Europas Untergang.

  8. Alekos
    27. Juli 2015, 02:08 | #8

    Es ist schier grauenhaft und unerträglich das Leiden der griechischen Unterklassen mitzuerleben und dann noch zusätzlich die Tragödie, die in den letzten Monaten durch die Nachfolgeregierung des Dritten Reiches durchgepeitscht wurde mit dem Titel: Demokratie ok, aber die Rechnung dafür bezahlt ihr!
    Die Mörder von gestern sind die Sieger von heute – und die bescheuerten Griechen verzichteten freiwillig 1953 auf Wiedergutmachung und Reparationen, damit Deutschland wieder auf die Füsse kam. Aber das weis der deutsche Gartenzwerg eher nicht, und der will es auch nicht wissen. Entschädigung für Massenmord, Zerstörungen und Raub (die besonderen deutschen Tugenden, wofür uns viele Nachbarn gar so besonders liebten), nee, das geht gar nicht – da tritt der Pfaffenknecht Gauck salbungsvoll vor die Opfer in Distomo und in Italien und bittet um Verzeihung und dann belügt er die Opfer gleich nochmal; denn ob es den Boches paßt oder nicht – die griechischen Ansprüche sind nicht verjährt. Aber die bescheuerten Griechen hatten als eines der wenigen Länder Europas die Schnauze voll und wählten die Vertreter der Korruption und der Verschuldung ab. Wieso, fragt Euch mal, findet so etwas z. B. in Griechenland statt – also dass eine linke Regierung gewählt wurde? Weil Griechenland eine sehr lange Tradition des Widerstandes hat – es ist eines der wenigen Länder, die sich aus eigener Kraft vom Nazifaschismus befreiten. Und das vergißt der deutsche Gartenzwerg nie. Besonders deutlich wurde das unmittelbar nach dem bekanntwerden des Resultats des Referendums: unsere Propagandahuren der „öffentlich rechtlichen“ (was zu einem Staatsfunk verkommen ist – früher hätte man gesagt: is ja wie inner DDR) kreierten die Wunschvorstellung der Gartenzwerge von halbe/halbe – aber es sollte ganz anders kommen : 61 % OXI- wer hätte das gedacht!
    In der ersten Stunde nach Bekanntgabe des Resultats konnte man in Spiegel Online um die „990 Postings von 1000 als wütende Geiferer, Eiiferer, Rassisten, Verblödete, die einen mit ihren Halluzinationen darüber informierten, nicht das Nazis unter uns leben, sondern das man unter Nazis lebt,“ Herrmann L. Gremliza. Martin Schulz, dieser kleinkarierte Dummbeutel, konnte seine Wut nicht verhehlen und wie hat mans gemacht? Diese linken Spinner konnten ihr wahrhaft demokratisches Handeln erstmal richtig feiern und anschließend wurde die Zeche präsentiert – der Nazi im Rollstuhl kannte keine Gnade – aber die Spezialdemokraten Gabriel, Schulz und andere überhaupt erst recht nicht. Die Journallie ebenfalls nicht – jeder kleine Provinzschmierer konnte seine verblödeten Ergüsse kübelweise auf die Gartenzwergnation ausgiessen – es gab kaum Widerstand, denn des ging ja gegen eine linke Regierung und mit deren Bevölkerung hatten wir ja damals genug Stress (2. Weltkrieg).
    Während der beiden letzten Wochen vor dem Referendum war der IWF zu der Erkenntnis gelangt, das nur ein Schuldenschnitt eine Veränderung der Verelendung Griechenlands bewirken wird – diese Information hat der normale deutsche Bürger hier nicht erfahren – im Gegenteil haben deutsche Politiker mithilfe der Journallie alles getan, diese Information über das Referendum hinaus möglichst verschwinden zu lassen – um die verhasste linke Regierung loszuwerden und die Position der Nea Demokratia zu stärken.
    Und zum Abschluß noch folgendes: der Mann, der sich seit 2010 konsequent gegen das vernichtende Austeritätsprogramm ausgesprochen hat (denn der versteht im Gegensatz zu Schulz, Gabriel, Merkel, Schäuble, Marionetta Slomka, Klaus Kleber, Thomas Roth, Anne Will, Alexander von Solbeck – genialer Fälscher-, Günther Jauche, Plass, sowie jede Menge sehr gut bezahlte Lügner und Propagandisten und Politiker von CSUCDUSPD) dieser geile Typ (wie es viele meiner Kundinnen erwähnten), der versteht allerdings die Materie, und der ist das verhaßte Zielobjekt der Gartenzwerg/Innen. Und das ist völlig verrückt – das die wirklichen Zocker und Blender die Sache so ins Gegenteil drehen – alle Achtung, aber ihr schafft es wirklich, dass mensch verrückt wird.
    Solidarität mit Yanis Varovakis!

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