Europa droht schlimmer als die Sowjetunion zu werden

12. Februar 2015 / Aufrufe: 13.384
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Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis erklärte, Europa drohe zu etwas Schlimmerem als die ehemalige Sowjetunion zu werden.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis gab der jeden Sonntagabend ausgestrahlten Sendung Presa Diretta des öffentlichen TV-Senders Rai Tre ein Interview. In einem auf dem Internetportal der Sendung eingestellten Auszug des Interviews betont der Finanzminister:

Leiter einer signifikanten italienischen Institution näherten sich mir und erklärten, mit unserem Land solidarisch zu sein, jedoch können sie nicht die Wahrheit sagen, weil auch Italien vom Bankrott bedroht sei und sie eventuelle Konsequenzen aus Deutschland befürchten.

Ganz Europa ist von einer Wolke der Angst bedeckt

Yanis Varoufakis fuhr fort: „In den letzten Jahren legte sich über ganz Europa eine Wolke der Furcht. Uns droht, zu etwas Schlimmerem als die ehemalige Sowjetunion zu werden. Ich möchte Ihnen sagen, dass wir Griechenland nicht das Monopol der Wahrheit inne haben. Was wir für das übrige Europa und speziell für Italien tun können, ist, eine kleine Tür zur Wahrheit zu öffnen. Wir vermögen die Wahrheit nicht alleine zu finden, aber wir können eine Tür öffnen und uns so zu bewegen, dass Sie uns umgeben können. Auf diese Weise werden wir alle zusammen aus der Finsternis der derzeitigen Austerität in das Licht einer europäischen, rationalen, vernünftigen Diskussion gelangen.

Auf die Frage von Seite der RAI, ob „er konkret erachte, Griechenland könne es schaffen„, antwortet der Minister: „Die griechische Regierung wird einen New Deal für Europa vorschlagen, wie es auch der amerikanische Präsident Roosevelt getan hatte. Einen neuen Deal für Europa, der von der Europäischen Investitionsbank finanziert werden wird, damit das bisher bereitgestellte Kapital um das Zehnfache aufgestockt wird.

Abschließend merkt Herr Varoufakis in seinem Interview in der RAI-Sendung an: „Es geht um Ideen und Vorschläge, die sich auf ganz Europa beziehen, da wir Griechen nicht glauben, das Recht zu haben, für uns selbst etwas zu verlangen, das nicht auch für die Italiener, Portugiesen oder die Irländer gelten wird. Früher oder später wird Bundeskanzlerin Merkel sich mit uns an den selben Tisch setzen und uns erklären müssen, aus welchem Grund sie unseren Vorschlägen nicht zustimmt.

(Quelle: Imerisia)

  1. Hans
    12. Februar 2015, 08:49 | #1

    Da hat er recht, der griechische Minister. Die EU ist mittlerweile eine Diktatur in Reinkultur, deren „Funktionäre“ sich hemmungslos selbst bedienen. Ich wünsche den Griechen, dass sie mal ernst machen, zurückzahlen können sie ohnehin nicht – also was soll`s? Die Welt wird nicht aufhören, sich zu drehen, sie wird sich vermutlich sogar leichter drehen können!

  2. pyramis
    12. Februar 2015, 10:15 | #2

    Wie jetzt, gibt es für die Wahrheit ein Monopol? Ich weiss auch nicht in wie weit sich der durchnittliche Grieche für die Idee Europas heute interessiert, in erster Linie will er gut und würdevoll Leben – das ist normal. Wir leben heute in einem System, wo der Markt bestimmt und vielleicht manche froh wären, würde der Staat mehr regulieren (als Staat könnte man auch die EU nehmen), aber das wäre ja gegen die „freie“ Marktwirtschaft (Lobbyismus ist ja frei). Es war zu befürchten dass mit dem Beginn der unendlichen Sitzungen wieder alles verschwommen wird. Mit Angstmacherei wurde schon immer gut regiert.

  3. Martin
    12. Februar 2015, 15:06 | #3

    Mit Schulden wird man in die totale Abhängigkeit gezwungen – Griechenland ist ein gutes Beispiel dafür. Wenn man von den Griechen das geliehene Kapital plangemäß zurück erwartet, dann kann man bei Zahlungsproblemen seitens der Griechen NEUES Kapital als Kredit zur Verfügung stellen. So lief das Spiel. Zu Schulden kommen neue Schulden. UND wie soll nun Wachstum entstehen, wenn die gr. Wirtschaft still steht? Neue Kredite? und so weiter? Nun, man kann das Land „reformieren“ und auf einen nordeurop. Kurs schicken. Das hat man gemacht, aber in GR läuft so etwas eben anders. OHNE Wachstum in GR gibt es kein Geld zurück. Zwar kann man den Lebensstandard der Griechen um 50% herunterfahren (dann ist GR aber sofort erledigt), Wachstum entsteht so keines. Erst mit dem Schuldenschnitt und dem Austritt aus dem Europool und Rückkehr zur Landewährung kann Griechenland nach einer langen Durststrecke wieder auftauchen. Dann aber ist es FREI! Dies sollte aus meiner Sicht das Ziel des Präsidenten sein. Mit den billigen Preisen wird wieder investiert, weil es sich für die Anleger lohnt. Nun ja; so läuft das eben (noch).

  4. Kleoni
    12. Februar 2015, 17:32 | #4

    Europa muss zurück zu einer SOZIALEN Marktwirtschaft finden und nicht, wie Frau Merkel propagiert eine „marktorientierte Demokratie“ Signale sind da, und vor diesen Signalen fürchten sich die Märkte, die zur Zeit die Menschen wie Sklaven behandeln.

  5. hansneuerburg
    12. Februar 2015, 18:22 | #5

    Aus deutscher Sicht zeigt sich immer mehr, dass es politisch völlig falsch war, Länder , die insbesondere die 60 % – Quote für Altschulden als Voraussetzung zum Euro-Beitritt ganz erheblich in 1998 überschritten hatten die 3 %-Quote ist dagegen unbedeutend) , in den Euro aufzunehmen. Und es ist interessant, wie sich die anderen finanziell gesunden Euroländer hinter der Kanzlerin Merkel verstecken, damit sie die Kritik abbekommt.
    Zur aktuellen Situation: Die Euroländer sollen der neuen griechischen Regierung Zeit einräumen, und zumindest in diesem Jahr fällige Kredite, also die Tilgung, jedoch die Zinszahlungen zu leisten. Griechenland wurde seit Jahrzehnten von drei Großfamilien als Oligarchien politisch gesteuert. Das zu ändern braucht die neue Regierung etwas Zeit. Aber sie sollten durchgreifen, Steuern bei diesen schnell einziehen, wobei die Hilfe der internationalen Steuerfahndung gewiss ist.

  6. Mark
    13. Februar 2015, 00:25 | #6

    Früher oder später wird Bundeskanzlerin Merkel sich mit uns an den selben Tisch setzen und uns erklären müssen, aus welchem Grund sie unseren Vorschlägen nicht zustimmt.“ Dieser letzte Satz sagt ja wohl alles. Dem kann man nur zustimmen. Und jede Wette, diesen Grund möchten nicht nur wir Griechen hören, sondern auch die Deutschen Bürger (gemeint sind die, die klar denken und auch richtig zivilisiert und nicht völlig von der BILD-Zeitung verblödet sind, von beiden Arten gibt es viele – obwohl mir etwas sagt, dass die der zweiten vielleicht doch etwas mehr sind als die ersten, wenn ich mir so manch deutsche Internet-Kommentare anschaue und Diskussionen höre).
    Die Wahrheit sollte allmählich ans Licht kommen, denn so geht es nicht weiter. Man sieht, dass es mit dieser Sparpolitik – oh nee, korrigiere, Kaputt-Sparen-Politik in GR (aber langsam auch DE) – kein Wachstum gibt, die Oligarchen und die Elite beschützt wird, die Bürger geringe Leistungen in Sachen staatlicher Bildung und Gesundheit bekommen und AUF DIESE WEISE niemand sein Geld zurück bekommen kann, wenn es kein Wachstum gibt. Na los, führt doch mal für alle griechische Arbeitnehmer einen 100-Euro-Lohn ein … . Das Resultat? Das gleiche. Die Schulden bleiben Schulden.
    Es wurden sehr große Kürzungen im Staatssektor gemacht (aber auch beim privaten, was die Löhne anbetrifft) und was hat man davon? Es wurde vieles übertrieben. Viele Schulen ohne auszureichende Lehrer, das gleiche gilt auch für Krankenhäuser. Kleinere Löhne, kleinere Renten. Es wurden die „Kleinen“ gejagt vom Finanzamt wie sonst was. DOCH die „großen“ zahlten nix und es wurden NICHT viele Investitionen gemacht. Mit immer mehr geringer werdenden Löhnen, mehr Steuern, mehr Kürzungen und sehr wenigen Investitionen kann nicht nur GR, sondern kein Land auf die Beine kommen!!
    Und was die neue Linke Regierung angeht, sie hat nicht gesagt, dass sie aus dem Euro raus will oder nicht vorhat, Gelder zurück zu zahlen, sondern sie fordert, dass ALLE in die Tasche greifen, dass sie mehr Zeit bekommt (fast kein Geld), mehr Zusammenarbeit und dass die Forderungen sich so lockern, auf dass das Volk endlich wieder menschlich aufatmen und in Würde leben kann (also nicht reich und das mit deutschem Steuergeld, wie viele denken, und wobei anzumerken ist, zumeist für die BILD-Leser, Syriza hat nie behauptet, ihr Programm mit direkter finanzieller Hilfe Deutschlands zu finanzieren, und ausserdem hat DE mit der ganzen Sache schon über 80 Milliarden daran verdient, GR bleibt weiterhin treuer Großkäufer Deutscher Produkte, und bitte, wenn Merkel Euch sagt, sie müsse eure Steuern erhöhen, weil es die Krisenländer Europas nicht schaffen usw., dann ist das eine Lüge!).

  7. Kleoni
    13. Februar 2015, 09:25 | #7

    noch schlimmer als die Bildzeitung berichtet Focus online!

  8. Hella
    14. Februar 2015, 15:13 | #8

    Beim Namen der Zeitschrift „Focus“ muss man nur einen Buchstaben am Anfang ändern, dann weiss man, wo die meisten Artikel hingehören, die über Griechenland im Focus veröffentlicht werden.

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