Drei Pferdchen und ein griechischer Professor

4. Februar 2015 / Aktualisiert: 10. Februar 2015 / Aufrufe: 1.211

Der neue griechische Finanzminister Yanis Varoufakis stellt die Zusammenarbeit mit der Troika ein … und die Welt erschaudert!

Yanis Varoufakis, der locker-lässige Wirtschaftsprofessor, hat es tatsächlich gewagt, diesen Frevel öfflichentlichkeitswirksam auszusprechen. Dem Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem blieb nichts übrig, als diese Tatsache indigniert zu Kenntnis zu nehmen. Und die Pressekonferenz zum Antrittsbesuch der Eurogruppe im Athener Finanzministerium hatte ihre mediale Sensation.

Doch das Vorhaben der griechischen Regierung an sich kann nicht wirklich überraschen. Wenn nicht die gemeinsame Ablehnung der Bevormundung durch die Troika der internationalen Kreditgeber, was sonst wäre der Kitt dieser – so gegensätzlichen – Koalition aus Kommunisten / Linkssozialisten (SYRIZA) und Nationalkonservativen (ANEL)? Überdies steht diese Haltung ganz in der Tradition der Vorgängerregierungen:

Kommunikation auf partnerschaftlicher Augenhöhe

Schon Loukas Papademos, der parteilose kommissarische Ministerpräsident der ND/PASOK-Regierung warnte ab 2011 – regelmäßig im Vorlauf eines Besuchs der Troika – vor dem griechischen Staatsbankrott (oder ähnlichem Ungemach), um das Wirken der Troika einigermaßen erträglich zu gestalten. Seitdem wiederholt sich diese Variante griechischer Tragödien jedes Jahr – im Frühjahr, wenn das Altholz im Olivenhain verbrannt wird und zur ersten Olivenernte im Herbst. Nur im August kehrt Ruhe ein, da liegen alle Griechen friedlich vereint mit europäischen Touristen am Strand. Zuverlässigkeit und Kontinuität! Das ist es wohl, was internationale Kreditgeber permanent – und ganz besonders von „diesen Griechen“ – fordern! Spaß beiseite, die Griechen haben die drastischen Sparauflagen und die Troika satt, und daran kommt kein Politiker vorbei, was immer er sonst noch bewegen möchte!

Andrerseits, ganz so rigoros, wie die Einstellung der Zusammenarbeit mit der Troika klingt, ist es nicht. Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis, diese listigen Griechen, kündigen gleichzeitig an, Kreditverträge einhalten und mit dem IWF (Internationaler Währungsfonds), der EZB (Europäische Zentralbank) und der Europäischen Kommission über „… ein Ende der Sparpolitik und eine Rückkehr zu einem Wachstumsprogramm…“ beraten zu werden. Nur, IWF, EZB und die Europäischen Kommission sind die Troika!

Auf gut Deutsch: Die griechische Regierung hat lediglich die Verhandlungsführer der Troika und damit die Erfüllungsgehilfen medienwirksam vor die Tür gesetzt. Die politische Gesprächsebene und damit die Zusammenarbeit mit den „Chefs“ – Christine Lagarde, Mario Draghi und Jean-Claude Juncker – ist intakt und wird geradezu gesucht. Das ist legitim und entspricht dem Recht souveräner Staaten. Es rückt lediglich die in eine Schieflage geratene Kommunikation gerade – nämlich auf partnerschaftliche Augenhöhe!

Zur Verdeutlichung ist noch anzumerken: Die „Troika“ – In der guten, alten Zeit verstand man darunter eine im Zarenreich sehr beliebte Form, Zugtiere vor den eigenen Karren oder den eigenen Schlitten zu spannen – immer drei Stück nebeneinander. Was sollte die Syriza-Regierung daran grundsätzlich bemängeln, bei den traditionell freundschaftlichen Beziehungen zum orthodoxen Brudervolk? Vielleicht nur, dass solche Gespanne ganz besonders gut funktionieren, wenn nur einer am Kutschbock sitzt! Bei drei Pferdelenkern, je einem pro Zugtier, wird es schwierig…

(Autor: Christian Schramayr)

(Quelle: euro2day.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Ronald
    4. Februar 2015, 17:18 | #1

    Der Deal lautete: Weitere Hilfstranchen nur nach Kontrolle durch die Troika. Wenn Varoufakis jetzt auf weitere Hilfstranchen verzichtet muss Griechenland natürlich keine weiteren Kontrollen durch die Troika mehr über sich ergehen lassen. Ob dieses „oxi“ auch zum Feiertag taugt, muss sich allerdings noch zeigen. Denn kostenlos ist es nicht. Aber vielleicht läutet es den Wandel in Griechenland ein…

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