Deutschlands Schulden an Griechenland übersteigen dessen Verschuldung

19. Februar 2015 / Aufrufe: 4.261

Die spanische Zeitung El Publico vertritt, Deutschland schulde Athen mehr Geld zu zahlen, als die gesamte öffentliche Verschuldung Griechenlands beträgt.

Deutschland schuldet Griechenland Geld, und laut etlichen Berechnungen beläuft sich dieser Betrag auf das doppelte der Gelder, die Griechenland von seinen europäischen Partnern erhalten hat, stellt in einem heutigen Artikel die spanische Online-Zeitung El Publico fest.

Unter Berufung auf Daten aus Studien bekannter und renommierter spanischer Historiker und Wirtschaftswissenschaftler veröffentlicht die linksgerichtete Zeitung unter dem Titel „Die Schulden des nazistischen Deutschlands übersteigen, was Merkel und EU von Athen verlangen“ eine ausführliche Bilanz der Ereignisse seit der Erhebung der 3 Mrd. Euro entsprechenden Zwangsanleihe durch das Hitler-Regime, der Konferenz des Jahres 1953 über die Streichung von 63% der gesamten Auslandsverschuldung Deutschland, bis hin zum sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrag des Jahres 1990 über die Nichtentrichtung der Reparationsverpflichtungen Berlins angesichts der Vereinigung der beiden deutschen Staaten.

Griechenland wäre schuldenfrei und hätte sogar noch Geld über

Wenn laut dem Geschichtsprofessor Edmundo Fayanás Escuer „auf den 3 Mrd. Euro gleichkommenden Besatzungskredit als Referenzwert der durchschnittliche Zinssatz der amerikanischen Anleihen angewendet wird, würde der Betrag, den Deutschland heute zahlen müsste, 163,8 Mrd. Euro betragen„. Ein Betrag, der niemals gezahlt wurde, unterstreicht seinerseits auch der Professor für moderne Geschichte an der Complutense-Universität in Madrid (UCM), Carlos Sanz Díaz, „obwohl die Besatzung in Griechenland eine der brutalsten in Europa war„, und betont die großen Verluste durch Hunger und Strapazen unter der Bevölkerung Griechenlands und die katastrophalen Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes.

Die Berechnung der Zerstörung„, schätzt Fayanás Escuer ein, „variiert analog zu den verschiedenen Schätzungen, die sie auf bis zu 300 Mrd. Euro veranschlagen. Einen Betrag, den der französische Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Berater des Nicolas Sarkozy, Jacques de Plas, sogar auf bis zu 575 Mrd. Euro anhebt„, wird in dem selben Artikel unterstrichen. „Es ist deutlich, dass Griechenland mit diesen Beträgen nicht nur einfach das Verschuldungsproblem gelöst hätte, sondern ihm auch Geld übrig bleiben würde„, fügt der selbe Professor hinzu.

Die Zeitung merkt sogar besonders an, die von den Griechen geforderten Entschädigungen erreichen nicht einmal die tatsächliche Höhe der Beträge, die ihnen zu zahlen sind: „162 Mrd. Euro, ohne die Zinsen seit der Epoche der Besatzung zu berücksichtigen (…) die 108 Mrd. entsprechen den Zerstörungen der Infrastrukturen und der Rest dem Zwangskredit der Kollaborateurs-Regierung.

Deutschland ist größter Schuldner des 20. Jahrhunderts

Bezüglich des Missfallens der deutschen Regierung über die Haltung der SYRIZA nach den Wahlen gegenüber dem Thema der Reparationen, aber auch den Vergleich, den Finanzminister Yanis Varoufakis in Berlin zu der Situation aufzuzeigen „wagte“, die zum Aufstieg der Neonazis in Griechenland führt, erklärt UCM-Professor Carlos Sanz Díaz, „es war keine unverschämte Haltung. Keine andere Nation vermag die Situation in Griechenland besser zu verstehen. Europa schuldet, seine Lehre zu ziehen, dass sich der Weg zum Extremismus sperrangelweit öffnet, wenn sie ein Volk in die Enttäuschung und die Erniedrigung bringen.

Sanz Díaz ruft zusätzlich in Erinnerung, „Deutschland erzielte von Europa eine Vereinbarung, allem voran nicht die Länder Südeuropas für die materiellen ‚Hilfen‘ eines anderen ‚Marshall-Plans‘ entschädigen zu werden, zu deren Erbringung es sie im 2. Weltkrieg zwang. Eine Vereinbarung, die – wie der deutsche Wirtschaftwissenschaftler London School of Economics, Albert Ritschl (2011 in einem Interview an den Spiegel) unterstrich – Deutschland zum größten Schuldner des 20. Jahrhunderts, aber sogar auch in der gesamten modernen finanzwirtschaftlichen Geschichte macht, da es Champion bei den schwersten nationalen Bankrotten war.

Laut Sanz Díaz hat Griechenland alle guten Gründe und die historischen Fakten auf seiner Seite, eine Lösung für seine Verschuldung … à la Deutschland zu fordern, wobei er unterstreicht, dass dank dieser gefälligen Vereinbarungen das heutige deutsche Wirtschaftswunder neu starten konnte und die Grundlagen für sein heutiges Wachstum gelegt wurden. Schlussfolgernd kommentiert er: „Deutschland war das Land, das mehr als jedes andere von der EU profitierte, folglich ist es auch jenes, das sich mehr als jedes andere um Europa zu kümmern schuldet.“

Der Artikel endet mit der Anmerkung des selben Professors, die Almosen, die Deutschland nach dem Krieg sozusagen als Wiedergutmachung an Griechenland gab, „waren eine erste Rate in Erwartung der Verhandlung über die Zahlung der Reparationen nach der (deutschen) Wiedervereinigung. Jedoch blieb alles bei diesem Punkt und wird wahrscheinlich dort bleiben, wenn Tsipras nicht Merkel aus ihrer wirtschaftlichen Amnesie holen wird.

(Quelle: To Pontiki)

Relevante Beiträge:

  1. Rudi
    19. Februar 2015, 07:14 | #1

    Seit Jahren lese ich von diesem Anspruch. Was hindert Griechenland daran ihn einzuklagen?

  2. Moppel
    19. Februar 2015, 17:35 | #2

    Bei der strittigen Zwangsanleihe handelt es sich formal um ein (wenn auch von Deutschland gewaltsam erzwungenes) Kreditabkommen. Es geht damit also nicht um „Reparationen“, sondern um die Erfüllung eines zwischenstaatlichen Vertrags. Griechenland wird derzeit wieder einmal vorgehalten, „Verträge müssen eingehalten werden“. In diesem Sinn hat auch Griechenland jedes Recht, die Erfüllung des in Rede stehenden Kreditvertrags zu fordern.

  3. Paul
    21. Februar 2015, 22:09 | #3

    im aktuellen Spiegel ist ein interessanter Artikel erschienen, ich interpretiere den Artikel frei, 1990 hätte Griechenland Forderungen stellen können, aber nur wenn Deutschland einen Friedensvertrag abgeschlossen hätte, hat Deutschland nicht, Griechenland konnte daher seine Forderungen nicht stellen und wurde betrogen, da Deutschland jetzt sagt, nun ist es zu spät- unglaublich, Mafiamethoden sind dagegen Kinderkram. Diese verlogene Bande von Politikern gehören langsam ins Gefängnis, oder? Von Demokratie halten sie sowieso wenig, alles zu tun, um einer demokratisch gewählten Regierung in Griechenland einen Neubeginn zu erschweren, einem am Boden liegendem Land die gewollten 6 Monate nicht zu geben, sondern nur 4.

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