Warum Tsipras vor den Sparern in Griechenland zittert

6. Januar 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 1.577

Die SYRIZA-Partei in Griechenland muss die sogenannte Fraktion der Sparer von der Sicherheit ihrer Guthaben überzeugen und unbedingt einen Ban Run verhindern.

In der Koumoundourou (Anmerkung: gemeint ist die Parteizentrale der SYRIZA) schätzt man ein, das größte Hindernis zwischen der SYRIZA und der Regierungsübernahme sei die … „Fraktion der Sparer“, und macht die Bemühung um die Beruhigung der Anleger inmitten von Szenarien über Grexit und leere ATMs zu einer zentralen Achse der Wahlkampfkampagne.

Den Ton gab den Funktionären der SYRIZA Alexis Tsipras mit seiner Rede am 29 Dezember 2014 bei der ersten Versammlung vor, welche die Partei der amtierenden Opposition nach der offiziellen Ankündigung der vorgezogenen Neuwahlen für den 25 Januar 2015 abhielt.

Sparer könnten Wahlsieg und Regierung der SYRIZA torpedieren

Der Vorsitzende der SYRIZA bemühte sich auf ungewöhnlich nachdrückliche Weise, beschwichtigende Signale an die griechischen Sparer zu senden, und kommentierte gleichzeitig harsch die Szenarien eines Hinauswurfs Griechenlands aus dem Euro auf Initiative der europäischen Regierungen. „Unsere Partner haben nicht beschlossen, zugunsten des Herrn Samaras und der das Land regierenden Oligarchie Selbstmord zu begehen„, betonte Alexis Tsipras und fügte – sich an die … Partei der Sparer richtend – an: „Die Regierung der SYRIZA wird ohne jegliche Fußnote die Guthaben der Griechen garantieren. Schluss mit den Terror-Märchen.

Informationen zufolge haben Alexis Tsipras und der Stab seiner politischen und wirtschaftlichen Berater wahrgenommen, dass die Sparer eine entscheidende Rolle nicht nur am Tag der Wahlen – mit ihrer Stimme – spielen können, sondern auch in den kritischen Zeiträumen bis zu den Wahlen und direkt nach dem Wahlgang. Gemäß den Einschätzungen der Koumoundourou kann die SYRIZA nicht die ihr zu regieren erlaubende „kritische Wählermasse“ zusammenbringen, indem sie sich nur an all jene richtet, die von der Krise in einem solchen Grad in Mitleidenschaft gezogen wurden, dass sie nichts mehr zu verlieren haben (oder glauben, nichts mehr zu verlieren zu haben …).

Die mittelbürgerlichen Schichten, die öffentlichen Bediensteten und die Rentner, an die sich die SYRIZA wenden muss, um am 25 Januar 2015 auf ein gutes Ergebnis zu hoffen, führen gewisse Ersparnisse bei den Banken und könnten sich von der SYRIZA entfernen, obwohl sie in den letzten Monaten beschlossen hatten, diese zu stützen, wenn sie annehmen, ein Wahlsieg der SYRIZA werde einer Gefahr für ihre Ersparnisse gleichkommen.

Tsipras befürchtet „inszenierten“ Bank Run

In den letzten Wochen gab es in der Koumoundourou sogar Einschätzungen, die derzeitige Regierung Samaras werde anstreben, eine Unruhe im Banksystem zu inszenieren, indem von finanzstarken „befreundeten“ Unternehmen und Anlegern verlangt wird, Kapital abzuziehen, auf dass auch bei den kleineren Anlegern Unruhe hervorgerufen wird. Es ist kein Zufall, dass Alexis Tsipras neulich monierte, die Regierung Samaras werde nicht zögern, einen Bank Run zu inszenieren. (Anmerkung: Angesichts der jüngst verbreiteten Nachricht über einen angeblichen Bankensturm in Griechenland erscheint diese Befürchtung keinesfalls unbegründet zu sein … .)

Um die Akzeptanz der SYRIZA bei den kleinen und mittleren Sparern sicherzustellen, wird Alexis Tsipras nicht nur im kommenden Zeitraum darin fortfahren, Versicherungen bezüglich der Sicherheit der Guthaben zu geben, sondern er hat auch den Funktionären der Partei die „Linie“ vorgegeben, bei allen ihren öffentlichen Auftritten das selbe zu tun. Es ist jedoch nicht nur das Wahlverhalten der Sparer, das die SYRIZA intensiv beschäftigt. Als gleichermaßen kritisch gilt auch die Vermeidung eines großen Bargeldabflusses von den Banken im Vorfeld der Wahlen, da dies faktisch das Ausmaß der Abhängigkeit des Banksystems von der Europäischen Zentralbank gefährlich steigern und den Grad der Bewegungsfreiheit (speziell auch gegenüber der Troika) einer SYRIZA-Regierung nach den Wahlen drastisch einschränken würde.

Die Gefahr eines ernsthaften Kapitalabflusses und dessen Folgen für die Ausübung einer Wirtschaftspolitik durch eine SYRIZA-Regierung wurden Alexis Tsipras und den zuständigen Funktionären der Partei detailliert von Giorgos Provopoulos in der neulich überraschend erfolgten Begegnung erklärt, die sie mit dem ehemaligen Leiter der Zentralbank des Landes hatten. Herr Provopoulos wies Informationen zufolge Alexis Tsipras auf die Schwierigkeiten hin, die es bei der Handhabung eines massenhaften Bargeldabzugs von den Banken geben würde, da diesmal – im Gegensatz zu 2012 – keinesfalls sicher sei, dass die Europäische Zentralbank (wieder) Flugzeuge mit Bargeld schicken wird.

Das Thema der Handhabung der Liquidität des Banksystems wird eine entscheidende Bedeutung nicht nur in der Wahlkampfperiode, sondern im Fall der Bildung einer Regierung durch die SYRIZA auch nach den Wahlen haben. Wenn die Sparer nicht davon überzeugt werden, dass die Politik der Partei der Linken ihre Ersparnisse gewährleisten wird, und beginnen, Bargeld abzuziehen um es … unter der Matratze zu bunkern, wird die Regierung der SYRIZA schwerlich länger zur Ruhe kommen.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass zur Bildung einer eigenständigen (sprich nicht auf Koalitionen angewiesenen) Regierung ein Wahlergebnis von etwa 35% bzw. eine parlamentarische Mehrheit von minimal 151 Mandaten benötigt wird. Eine halbwegs überlebensfähige Regierung benötigt jedoch ein bei wenigstens 160 Mandaten angesiedeltes „Polster“, um nicht bereits bei einer ersten kritischen Abstimmung gestürzt zu werden.

(Quelle: sofokleous10.gr)

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