Tsipras: Wir Griechen werden Euch retten

14. Januar 2015 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 1.919

Alexis Tsipras vertritt, die SYRIZA-Partei verkörpere die Hoffnung auf einen Kurswechsel nicht nur in Griechenland, sondern auch in ganz Europa.

Der Vorsitzende der SYRIZA, Alexis Tsipras, strebt die frontale Kollision mit Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble an. Mit seinem Artikel in der Ausgabe der „Welt am Sonntag“ vom 11 Januar 2015, der unter dem Titel „Wir Griechen werden Euch retten“ veröffentlicht wurde, attackiert Herr Tsipras die deutsche Regierung wegen der geschürten Szenarien über ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro, aber auch der allgemeinen Strategie Berlins in der Handhabung der Euro-Krise.

Die SYRIZA ist die Hoffnung nicht nur für Griechenland und das griechische Volk, sondern verkörpert die Hoffnung auf einen Kurswechsel in ganz Europa„, vertritt Herr Tsipras. „Meine Partei ist weder ein Ungeheuer, noch bedroht es Europa, ganz im Gegenteil: sie ist die Stimme der Logik„, die „Europa aus der Lethargie aufwecken wird„, sagt der Vorsitzende der SYRIZA.

Auf die Hybris folgen Nemesis und Katharsis

Herr Tsipras attackiert direkt die deutsche Regierung wegen der Szenarien über ein Ausscheiden aus dem Euro. „Es gibt nur eine kleine Minderheit, die sich rund um die konservative Regierung in Deutschland und die populistische Presse schart„, schreibt Herr Tsipras. „Die fährt darin fort, auf dem Unsinn bezüglich eines Grexit zu beharren. Wie auch der Premierminister Antonis Samaras vermögen sie jedoch inzwischen niemanden mehr zu überzeugen.

Herr Tsipras versicherte, eine SYRIZA-Regierung werde das „Programm von Thessaloniki“ umsetzen und Maßnahmen ergreifen, damit „die wirtschaftliche Oligarchie, die in den letzten der Jahren der Krise schadlos blieb, endlich zahlt„. Wie er sagt, Ziel ist nicht die Rückkehr zum Status des Jahre 2009, sondern dass sich all das ändert, was das Land an den Rand des wirtschaftlichen und moralischen Bankrotts führte. „Klientel-Beziehungen, Steuervermeidung, Schwarzmarkt, illegaler Treibstoff- und Zigarettenhandel sind nur einige Elemente eines Machtsystems, das lange Zeit herrschte und das Land zerstörte„, sagt er. Auf die antiken griechischen Tragödien verweisend merkt er an, nach der Hybris kommen Nemesis und Katharsis.

Bezüglich des Themas der Verschuldung vertritt er, dies sei kein griechisches, sondern ein europäisches Problem und Europa müsse „den Willen haben, eine tragfähige europäische Lösung zu finden„. Der Vorschlag der SYRIZA – sagt er – ist ein drastischer Schnitt des größten Teils der Verschuldung und ein Moratorium über ihre Tilgung, während die verbleibende Verschuldung nur in dem Grad getilgt werden wird, in dem er nicht die „kostbaren Wachstumsanreize“ gefährdet. Herr Tsipras kritisiert Herrn Samaras, der vertritt, die griechische Verschuldung sei handhabbar, weil er so – wie Tsipras meint – nicht nur „den Horizont der Reformen einschränkt„, sondern den Weg zur Verhandlung versperrt. „Wenn jemand glaubt und sagt, die bisherige Politik sei eine ‚Erfolgsgeschichte‘, was bleibt dann zu verhandeln übrig?„, fragt sich Herr Tsipras.

Es kollidieren zwei diametral gegensätzliche Strategien bezüglich der Zukunft Europas„, sagt Herr Tsipras und geht zu einer frontalen Kollision mit der deutschen Regierung über. „Auf der einen Seite steht der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble mit seiner Überzeugung, dass unabhängig davon, ob die irgendwann vereinbarten Regeln und Grundsätze funktionieren, diese eingehalten werden müssen. Auf der anderen Seite gibt es die Strategie, dass um jeden Preis der Euro gerettet wird – eine Praktik, die hauptsächlich die EZB umsetzt„, sagt der Vorsitzende der SYRIZA.

Herr Tsipras schätzt ein, die zweite Strategie werde vorherrschen, und beendet seinen Artikel mit der „Antigone“ des Sophokles, die „lehrte, dass es Momente gibt, in denen das höchste Gesetz die Gerechtigkeit ist„.

(Quelle: To Vima. Es sei ausdrücklich angemerkt, dass obiger Beitrag eine möglichst getreue Übersetzung der griechischen Quelle darstellt, der in der „Welt“ publizierte Artikel kann hier nachgelesen werden: Wir wollen doch auch die Rettung des Euros!)

Anmerkung in eigener Sache: Der Sinn solcher augenscheinlicher „Sandkastenspiele“, sprich im Vorliegenden der Übersetzung eines anfänglich vermutlich aus dem Griechischen ins Deutsche (> Die Welt), dann vom Deutschen ins Griechische (> To Vima) und schließlich hier (> Griechenland-Blog) wieder vom Griechischen ins Deutsche übersetzten / resümierten Textes besteht darin, zu demonstrieren, wie einfach schon allein nur im Rahmen mehr oder weniger gutgläubiger (geschweige denn von diversen Interessen dienenden Medienkonzernen beinflusster) „Interpretationen“ die öffentliche Meinung manipulierbar ist.

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  1. Mark
    14. Januar 2015, 02:31 | #1

    Alles, was Tsipras den Wählern und ganz Europa verspricht, ist wirklich nicht schlecht und wäre nach so vielen Kaputt-Sparen-Jahren auch mal eine nette und menschensfreundliche Abwechslung fürs griechische Volk. Ich bin für die Syriza, auch wenn ich nicht mit allen ihren Plänen einverstanden bin. Die große Frage ist, wie wird sie alle ihre Versprechungen umsetzen können? Von wo wird das ganze Geld kommen um ihr Regierungsprogramm in die Tat umsetzen zu können? Sie sagt, ihre Regierung könne und werde einen Weg finden. Bleibt zu hoffen, dass dies wirklich geschieht.
    Wird die Syriza wirklich als erste Partei aus den Wahlen hervorgehen, wird sie sofort eine Menge zu tun haben. Und damit ist nicht die Ergreifung der ersten Maßnahmen gemeint, die bereits angekündigt worden sind, sondern sich erfolgreich mit Themen zu befassen wie: Präsidentenwahl, Kooperation eventuell mit der Nea Dimokratia, da die Syriza bestimmt nicht ganz alleine regieren können wird, sich mit der EU zu konfrontieren, damit die Staatsschulden wieder verhandelt werden etc.
    Tsipras muss jedoch sehr aufpassen, denn wenn er gewählt wird, dann nur, weil seine Verpsrechungen verlockend wirken und er und seine Partei ein sehr wichtiges Alibi haben: sie haben noch nie regiert, deshalb wird ihm eine Chance gegeben, da schon vieles versucht worden ist und den Bach runterging. Wenn er jedoch an seinem Versuch scheitert, wird ihn das Volk mehr als die ND-PASOK zusammen dafür hassen, denn in den Augen des Volkes ist er eine letzte (einigermaßen logische) Hoffnung, da es keinen anderen guten Kandidaten gibt (siehe Chrysi Avgi, die aus Neonazis besteht, KKE, die halt kommunistisch ist, Potami, Aneksaritioi Ellines usw., die kein bestimmtes Programm haben und nur existieren, damit bestimmte Wählerstzimmen abgefangen werden).

  2. windjob
    14. Januar 2015, 04:53 | #2

    Was Herr Tsipras zuerst angreifen muss, ist die Korruption. So lange dies nicht geschehen ist, hauptsächlich innerhalb der politischen Landschaft, wird er keinen Erfolg haben. Erst wenn die politischen Führer dies vorleben, wird es in der Bevölkerung einen Sinneswandel geben. Aber dies erfordert viel Zeit und ist nicht von heute auf morgen zu bewältigen.

  3. LiFe
    14. Januar 2015, 08:45 | #3

    Ich denke was Griechenland braucht ist dringend einen Schuldenschnitt und vor allem Konjunkturhilfe.

  4. wima
    14. Januar 2015, 18:09 | #4

    Na, wie gut dass Tsipras weiß wer wo was denkt in Europa. Geht die Wahl für Ihn positiv aus wird er Frarbe bekennen müssen, was recht interessant werden kann.

  5. Orakel aus Delphi
    14. Januar 2015, 23:20 | #5

    Tsirpas wird – falls er überhaupt gewählt wird – seine Forderungen in Brüssel stellen. Dann wird er von Junker, Merkel und dem unbarmherzigsten von allen, von Herrn Schäuble in die Mangel genommen. Sie werden ihm sagen, entweder er hält Kurs oder er fliegt aus dem Euro. Dann werden sie ihm klarmachen, dass ohne den Euro die Griechen verhungern werden, weil keiner mehr Ware gegen neue Drachme liefert. Also wird Tsirpas klein bei geben und wieder nach Athen reisen. Seinen Bürgern wird er erzählen, er hätte ja gewollt, aber die politischen Umstände und überhaupt … geht es Herrn Tsirpas darum, an den Fleischtöpfen in Athen zu bleiben. Die Griechen werden abermals verdummbeutelt werden und noch weniger Hoffnung auf Besserung haben.

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