Kosten eines Zahlungsstopps Griechenlands

9. Januar 2015 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.418

Ein eventueller Zahlungsstopp Griechenlands für die Konjunktur der meisten Länder der Eurozone eine ernsthafte Gefahr darstellen.

Am 06 Januar 2015 stellte der Fraktionsführer der Liberalen im Europaparlament, Guy Verhofstadt, eine Berechnung in Zusammenhang mit den Kosten eines eventuellen Staatsbankrotts in Griechenland an. Wie er betonte, würde ein eventuelles Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro mit den von den Mitgliedstaaten geleisteten Sicherheiten Irland 3 Mrd. Euro, Portugal 6 Mrd. Euro, Spanien 29 Mrd. Euro, Italien 44 Mrd. Euro, Frankreich 49 Mrd. Euro und Deutschland 66 – 80 Mrd. Euro kosten.

Diese Daten zeigen, dass ein eventuelles Ausscheiden Griechenlands eine ernsthafte Gefahr für den konjunkturellen Aufschwung der meisten Länder der Eurozone darstellen würde, meinte Guy Verhofstadt.

In Bezug auf das BIP wäre Portugal am schlimmsten betroffen

Am 07 Januar 2015 schritt seinerseits auch Bloomberg zu einer Analyse darüber, welche Europäer in dem Fall, dass Athen einen Zahlungsstopp verkündet, den größten Schaden erleiden werden. „Die privaten Investoren halten heute gerade einmal 17% der griechischen Verschuldung, während der Sekundärmarkt besonders ’seicht‘ geworden ist. Die Auswirkung für das europäische Finanzsystem wird daher beschränkt sein„, führt die Agentur an.

Die offiziellen Gläubiger werden jedoch signifikante Verluste verbuchen müssen, da sie die übrigen 83% der Verschuldung halten: 62% die europäischen Regierungen, 10% der IWF, 8% die EZB und 3% die Griechische Bank.

Kosten eines Zahlungsstopps Griechenlands für die europäischen Gläubigerländer

Gemäß der vorstehenden Graphik ist auf Basis der als Kredite gegebenen (bzw. besicherten) Beträge Deutschland gegenüber der griechischen Verschuldung mit 60 Mrd. Euro am meisten exponiert. Es folgen Frankreich mit 46 Mrd. Euro und Italien mit 40 Mrd. Euro.

Auf Basis des BIP eines jeden Landes ist jedoch die Wirtschaft Portugals am stärksten exponiert, da die von ihm an Griechenland geleistete Hilfe über 3% des portugiesischen BIP erreicht, während Deutschland mit nur 2,2% seines BIP engagiert ist. Es folgen Zypern, das gegenüber der griechischen Verschuldung mit nahe bei 3% seines BIP exponiert ist, Slowenien und Malta.

Es sei angemerkt, dass Griechenland bei der ersten „Rettung“ im Mai 2010 von den Regierungen der Eurozone 53 Mrd. Euro an bilateralen Krediten erhielt. Insgesamt haben die europäischen Regierungen mittels auch ihrer Beteiligung am ESM Griechenland jedoch insgesamt 195 Mrd. Euro gewährt. (Der größte Teil der „Hilfskredite“ floss natürlich direkt in die Bedienung der öffentlichen Verschuldung, was jedoch hier nicht das Thema ist … .)

(Quelle: Imerisia)

  1. ronald
    9. Januar 2015, 15:20 | #1

    Da es sich bei den von den EU-Partnern garantierten Krediten um langfristige Verpflichtungen handelt, wäre die Belastung hinnehmbar und könnte – aufgrund der niedrigen Zinsen – leicht refinanziertwerden.

  2. Jorgo
    9. Januar 2015, 16:14 | #2

    Eine dauerhafte Alimentierung ohne Chance, dass Kredite jemals zurückgezahlt werden, würde bei weitem teurer sein und der Schlendrian mit Neotismus, Korruption, aufgeblähtem Beamtenapparat und der unglaublich ineffektiven Bürokratie würde nicht nur weitergehen, sondern sogar noch befördert werden.

  3. Ottfried Storz
    9. Januar 2015, 17:32 | #3

    Alles ist, wie fast immer, deutlich komplexer: Die EZB darf einem Schuldenschnitt nicht zustimmen, weil es Staatsfinanzierung ist, was jedoch vertraglich ausgeschlossen ist. Das ist juristisch einwandfrei geklärt. Der IWF würde einem Schuldenschnitt nur zustimmen, wenn Griechenland eine Vielzahl sehr weitreichender Reformen umsetzen würde. Die anderen PIIGS-STaaten (Portugal, Irland, Italien, Spanien) können es sich gegenwärtig gar nicht leisten, ihre Staatschulden um einige BIP-Prozentpunkte zu erhöhen.

  4. Mark
    9. Januar 2015, 21:34 | #4

    Man wird sich schon mit Syriza einigen, Berlin geht ja angeblich schon diverse Szenarien durch. Die Sparauflagen werden gelockert, die Rückzahlungzeiträume gestreckt und die Raten gesenkt. Keine große Sache. Das Affentheater was gerade läuft, geschieht in erster Linie, weil man einfach keine Linke Regierung in Griechenland will. Denn sollte die in irgendeiner Art und Weise erfolgreich sein, würde das in den anderen Südstaaten ebenfalls die politische Stimmung richtung Links kippen und das könnte dann tatsächlich zu einem ernsten Problem für den reichen Norden werden.

  5. Freigeist
    11. Januar 2015, 02:35 | #5

    Der Norden ist nicht reich, er hat nur mehr Kredit. Schaut man sich die Staatsverschuldung im Norden an, so ist der Norden nicht auf Rosen gebettet. Es wird wohl zu einer neuen großen Geldschöpfung durch die EZB kommen und nach einigen Jahren wird diese Bilanzposition von der EZB ausgebucht werden.

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