SYRIZA „liebäugelt“ in Griechenland mit 35 Prozent

12. Dezember 2014 / Aufrufe: 1.666

Laut einer aktuellen Demoskopie der ALCO steht in Griechenland die SYRIZA kurz vor der benötigten Mehrheit, um eine eigenständige Regierung bilden zu können.

Eine am 11 Dezember 2014 in der Zeitung „To Pontiki“ veröffentlichte Meinungsumfrage der ALCO verzeichnet eine klare Ausweitung des Vorsprungs der SYRIZA gegenüber der Nea Dimokratia (ND), der sie auf einen Hauch an die Möglichkeit zur eigenständigen Bildung einer Regierung heranführt.

Genau gesagt liegt die SYRIZA bei der Stimmabsicht (in Klammern der auf die gültigen Stimmzettel hochgerechnete Prozentsatz der Stimmabsicht) mit 28% (31%) vor der ND mit 23,2% (25,7%), womit der Vorsprung der SYRIZA gegenüber der zweitstärksten Partei bei der Stimmabsicht mit Hochrechnung auf die gültigen Stimmen auf 5,3% (gegenüber 4% im September 2014) hochschnellt.

SYRIZA gewinnt erheblich mehr neue Wähler als sie verliert

Angesichts der Tatsache, dass die Unentschlossenen (bei der Hochrechnung) 13% erreichen, führt die schlüssige Annahme, dass von diesen üblicherweise ein Drittel bei der ersten Partei angelangt, zu einer Einschätzung des Wahlergebnisses bei 35%.

Von außerordentlichem Interesse ist auch der Zusammenschluss der Wähler der SYRIZA, der 82% erreicht (was derzeit der höchste unter den parlamentarischen Parteien ist), gegenüber 73% bei der ND. Ein zusätzliches positives Element stellt die direkte Abwanderung von 8,7% der Wähler der ND zur SYRIZA dar, von der – Gegenzug – die Partei des Antonis Samaras (sprich die ND) gerade einmal 2,5% abzieht. Bei den Verlusten der SYRIZA fließt der bedeutsamste in Richtung der Unentschlossenen (7,7%).

Weiter scheint, dass die SYRIZA ihre Verluste an die Partei Potami „abdichtet“ (gerade einmal 1,6% ihres Wählerpotentials von Juni 2012, wogegen die SYRIZA bei den Europawahlen schätzungsweise um die 10% in diese Richtung verlor). Bemerkenswert ist ebenfalls die Absorption von 14,2% der Wähler der PASOK-Partei, die zudem zusätzliche 15,2% an die Unentschlossenen und 8,5% an die ND verliert. Überwältigend ist der Unterschied bei der Erwartung eines Wahlsieges, mit 57% für die SYRIZA und 16% für die ND (der selbe Index lag im September bei jeweils 44% und 21%).

Antonis Samaras gilt weiterhin als geeignetster Premierminister

Einen schwachen Punkt für die SYRIZA scheinen die Antworten auf die Frage zu enthüllen, ob ihre Politik bezüglich der Verschuldung klar ist, wozu 55% „Nein“ und nur 37% „Ja“ antworten. Im selben Klima bewegt sich auch der Anstieg des Vorsprungs des amtierenden Premierministers Antonis Samaras gegenüber Oppositionsführer Alexis Tsipras hinsichtlich der Frage, wer der „seriöseste Premierminister“ sei, wo das Ergebnis mit 34% (für Samaras) zu 28% (für Tsipras) ausfällt (gegenüber 29,5% zu 27,5% im September 2014). Zusätzlich schätzen 28% der Befragten ein, Samaras könne eine bessere Vereinbarung über die Verschuldung erzielen, gegenüber 26%, die Tsipras den Vorzug geben.

All das Vorstehende ist natürlich von enormer Bedeutung, falls letztendlich am 29 Dezember 2014 kein Staatspräsident gewählt werden wird und es zu Neuwahlen kommen wird. Wie viele wollen jedoch Neuwahlen? Auf Basis besagter Demoskopie der ALCO sprechen sich 40% für Neuwahlen aus, während 50% die Wahl eines Präsidenten (durch das derzeitige Parlament) vorziehen. Die entsprechenden Anteile waren im September 34% und 51% und im Oktober 42% und 47%. Es zeigt sich also haben im Vergleich zu September 2014 eine Schließung der Schere zugunsten jener, die Wahlen wollen, und im Vergleich zu Oktober 2014 eine Öffnung zugunsten jener, die eine Wahl des Präsidenten (durch das derzeitige Parlament) vorziehen.

Trotz ihres verzeichneten mehrheitlichen Wunsches schätzt jedenfalls die Wählerschaft zu 43% ein, dass es letztendlich zu Neuwahlen kommen wird, gegenüber 34%, die annehmen, dass ein Staatspräsident gewählt werden wird.

Drohungen scheinen dem Aufstieg der SYRIZA keinen Abbruch zu tun

Weiter ist anzumerken wert, dass die Erhebung der ALCO am Montagmorgen (08 Dezember 2014) begann, während am Abend des selben Tages die Beschleunigung der Präsidentschaftswahl und am Dienstagmorgen die Kandidatur des Stavros Dimas bekannt gegeben wurde. Folglich begann gleichzeitig das Wahlgerede, mit Achse die ernsthafte Möglichkeit, dass kein Präsident gewählt wird, während sowohl in den internationalen Massenmedien als auch auf der inländischen Bühne die bereits vorher existierende Diskussion bezüglich der Fähigkeit der SYRIZA angeheizt wurde, die Verhandlung mit den Gläubigern bzw. der Troika zu handhaben – zusammen mit dem Katastrophengerede von Seite griechischer und internationaler Medien.

Zusätzlich erfolgte der Beginn der Erhebung nach den ausgedehnten Zwischenfällen am Samstag (06 Dezember 2014), mit Mittelpunkt den (inzwischen beendeten) Hungerstreik des Nikos Romanos und der offenen Gefahr für sein Leben und der einleuchtenden Aussicht auf ausgedehnte Unruhen im ganzen Land im Fall seines Todes.

Der Anstieg der demoskopischen Ergebnisse der SYRIZA inmitten dieses Klimas bedarf folglich einer Bewertung, da die Partei der amtierenden Opposition von den Drohungen bezüglich einer (politischen, Stichwort: Grexit …) Instabilität vor oder nach den (vorgezogenen Parlaments-) Wahlen nicht beeinflusst zu werden scheint.

(Quelle: To Pontiki, Autor: Stavros Christakopoulos)

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