Schäuble droht Griechenland den Geldhahn abzudrehen

18. Dezember 2014 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 4.305

Berlin droht Griechenland, keine EU-Gelder mehr zu erhalten, falls Alexis Tsipras an die Macht kommen und seine Versprechungen umzusetzen wagen sollte.

Funktionäre des deutschen Finanzministeriums, die anonym zu der Zeitung „Die Welt“ sprachen, richten eine klare Warnung an Griechenland. „Wenn die SYRIZA an die Macht kommt und all das umsetzt, was sie verspricht, wird Griechenland von der Europäischen Union keine weiteren Gelder erhalten„, betonen die Mitarbeiter des Wolfgang Schäuble charakteristisch kurz vor dem Beginn des Verfahrens zur Wahl des Staatspräsidenten, die Griechenland in vorgezogene Parlamentswahlen führen können.

Die Erklärungen anonymer Funktionäre des deutschen Finanzministeriums sind konkret in einem Artikel enthalten, der am Mittag des 16 Dezember 2014, also einen Tag vor der ersten Abstimmung im griechischen Parlament zur Wahl eines neuen Staatspräsidenten mit dem Titel „Die Wahl, die ganz Europa ins Chaos stürzen könnte“ veröffentlicht wurde.

Eine Illusion, die ganz Europa in Gefahr bringen könnte

In dem Artikel werden die politischen Entwicklungen in Griechenland angesichts der Präsidentschaftswahl analysiert und die Frage gestellt, ob letztendlich die Regierung unter dem (derzeitigen) Premierminister Antonis Samaras fortbestehen oder ob es vorgezogene Neuwahlen geben wird, die auch eine Änderung der Haltung Griechenlands gegenüber den Zusagen signalisieren könnten, die es im Rahmen des – derzeit von der Troika bewerteten – Hilfsprogramms eingegangen ist „Eine neue Regierung könnte die Lage radikal ändern, speziell wenn eine Allianz der Linken an die Macht kommt„, betonen Regierungskreise in Berlin.

Der Artikel bezieht sich auf die Ankündigungen, die der SYRIZA-Vorsitzende Alexis Tsipras in Zusammenhang mit der Anhebung der Löhne und der Widerrufung der Privatisierungen gemacht hat, und ruft die Erklärung des Herrn Tsipras aus Heraklion auf Kreta in Erinnerung, „Griechenland wird die Trommel schlagen und die Märkte werden danach tanzen„, wobei unterstrichen wird, dies stelle eine Illusion dar, die nicht nur Griechenland, sonder ganz Europa in Gefahr bringen würde.

Plan B = Plan A, sprich … Grexit

Nachdem betont wird, Griechenland könne mittels der Gefahr der Weitergabe der Schuldenkrise die Instabilität in die Eurozone zurückbringen, werden die Erklärungen von Funktionären des deutschen Finanzministeriums zitiert, die bezüglich der Absichten Berlins eindeutig sind, und warnen: „Sollte Tsipras an die Macht kommen und all das umsetzen, was er verspricht, wird Griechenland von der Europäischen Union keine weiteren Gelder erhalten.

Die deutsche Zeitung stellte den selben anonymen Quellen des deutschen Finanzministerium ebenfalls die Frage, ob es einen „Plan B“ Berlins für eine solche Entwicklung gebe. „Wir brauchen keine neuen Pläne, wir haben bereits die alten Pläne, die von einer Isolierung des griechischen Wirtschaftssystems sprechen„, stellen die Mitarbeiter des Herrn Schäuble klar und meinten damit das Szenarium des Grexit, also des Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro.

(Quelle: Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. 18. Dezember 2014, 03:58 | #1

    Sollte die Wahl in Grichenland nicht gefälscht werden, würde Syrica sicherlich gewählt werden. Tsipras wird die Reformen abgeschwächt durchführen und die EU unter heftigem Protest weiterhin zahlen um sich weiter Zeit zu kaufen. Andenfalls müssten die Banken gerettet werden, was noch teurer wäre.

  2. Ronald
    18. Dezember 2014, 08:58 | #2

    Wer bitte schön gibt denn jemanden einen Kredit, der klar sagt, er würde seine Schulden nicht bedienen? Herr Tsipras hat unmissverständlich klar gemacht, dass Griechenland unter einer Regierung Syriza den Schuldendienst einstellen und einen weiteren Schuldenschnitt verlangen würde. Auch wenn dies im Sprachgebrauch immer als Angriff auf einzelne Personen wie Schäuble, Merklel Juncker und Konsorten formuliert wird: Es ist ein Programm zu Lasten der Europäischen Steuerzahler, die die bereits aufgelaufenen und nun ausfallenden Kredite begleichen müsste.
    Die Wahlversprechungen Tsipras gehen auf Kosten nicht der Regierungen, sondern der Bevölkerung Europas. Wer frage ich mich würde eine Regierung wählen, die Angesichts dieser klaren Ansagen Tsipras‘ Griechenland weiter finanziell unterstützt? Profiteure eines umgesetzten Wahlprogramms der Syriza wären in Deutschland die AFD, in Frankreich der Front National und die andern „europakritischen“ die ohnehin immer mehr erstarken. Das weiss natürlich auch Tsipras, von seinen Wahlversprechen wird auch nichts übrig bleiben. Bis das allerdings klar ist werden es harte Monate für Griechenland. Na ja, mit ähnlichen Kampfansagen ist auch Samaras an die „Macht“ gekommen …

  3. Juergen
    18. Dezember 2014, 09:46 | #3

    Mit der Erklärung der anonymen Funktionäre des deutschen Finanzministeriums sollten sich doch einmal die nationalem Gerichte der Griechen und Deutschen, sowie der Europäische Gerichtshof befassen, denn diese Aussagen beinhalten doch deutlich die Nötigung und Erpressung des Griechischen Volkes über deren Wahlverhalten.

  4. hugo
    18. Dezember 2014, 10:11 | #4

    Ab dem Zeitpunkt wo der Geldhahn zugedreht wird, wird es in Grichenland wieder aufwärts gehen. Das Geld aus der EU kriegen doch eh nur die Banken und nicht die Menschen. Dann sind die Banken pleite. Geberländer bleiben auf den Schulden sitzen und in Griechenland beginnt der Neustart.

  5. H.Trickler
    18. Dezember 2014, 10:25 | #5

    Es ist ganz klar, dass der von SYRIZA angekündigte Weg automatisch zur Bankrotterklärung Griechenlands und zum Grexit führt. Dass dann die EU die bisherigen Geldtransfers und auch den berüchtigten Target2-Mechanismus nicht mehr zur Verfügung stellt, ist auch ohne Schäubles Erklärung von vornherein klar. Dass dadurch die EU bezüglich Italien und anderen schwächelnden Ländern in verstärkten Zugszwang kommt, ist sofort einleuchtend. Wenn Die Welt aber zusätzlich den Teufel an die Wand malt und hofft, die Griechen würden vernünftig handeln, ist eine nicht weiter begründete Meinung, die viele Deutsche Bürger überhaupt nicht teilen. Viele denken, dass die Zeit des sinnlosen Durchwurstelns vorbei ist, dass es viel zu teuer ist, wenn Draghi mit ständig steigenden Beträgen weiterhin Zeit zu kaufen versucht, dass jetzt eine stabile Lösung der jahrelangen Euro-Problematik gefunden werden muss.

  6. Roland Wolf
    18. Dezember 2014, 11:09 | #6

    Wenn Herr Tsipras alles umsetzt was er versprochen hat dann gibt es einen erheblichen „haircut“ bei den von den Eurostaaten, der EZB und den Stabiliserungsmechanismen gewährten Krediten. Je nachdem wie hoch dieser „cut“ ausfallen wird würde das bedeutschen das die Gläubiger einen dreistelligen Milliardenbeitrag abschreiben können. Warum die danach noch für irgendwelche Gelder für Griechenland stimmen sollten ist mir nicht ganz klar.
    Ich denke aber, dass die Länder der Eurozone den „dreckigen Teil“ der Arbeit von der EZB erledigen lassen werden. Wenn die Kredite der EZB nicht mehr bedient werden, wird die EZB die ELA-Kredite einstellen, den Grichischen Banken das Geld ausgehen und Griechenland dann zwangsläufig die Eurozone und vermutlich die Eu verlassen um eine neue Drachme herauszugeben. Ich denke mal, dass das auch allen klar ist und hier viel Spiegelfechterei im Spiele ist. Die Frage ist nur ob sich nach der Wahl alle auf ein neues Prozedere einigen könne oder das ganze im Streit endet. Letzeres würde vielen Staaten schaden, Griechenland aber am meisten.

  7. Paul Breitner
    18. Dezember 2014, 11:29 | #7

    Da brauchen sich die Apparatschiks in Berlin und Brüssel keine Sorgen zu machen, Tsirpas wird sobald er an der Macht ist, alles tun was erforderlich ist um weiter Geld zu erhalten. Wer an Politikerversprechen noch glaubt, dem ist leider nicht mehr zu helfen.

  8. LiFe
    18. Dezember 2014, 11:41 | #8

    Das vermaledeite Geld das den Griechen „gegeben“ wurde war doch kein Geschenk. Ich erinnere mich genau, wie Schäuble in einer Sendung einmal lächelnd zugegeben hatte: Ja, an der Krise von GR haben wir verdient. Wobei man Klagen der Steuerzahler nicht ernst nehmen darf, für sie stellt sich dar, als ob GR Geldgeschenke erhält, da Gewinne bekanntlich an der Basis nicht ankommen.

  9. Stavros Schweiz
    18. Dezember 2014, 11:41 | #9

    Jetzt wo es eng wird mit dem Bestehen der EU zeigen Schäuble und seine Tartaren und Blutsauger das wahre Gesicht! Pfui Teufel nochmal; und das wollen die barmherzigen EU-Beamten sein? Nein das sind Peiniger, welche unser griechisches Volk noch mehr ausbeuten und hungern lassen wollen. Aber Herr Schäuble das wundervolle griechische Volk hat die Absichten von ihnen wie auch vom kleinen Juncker schnell durchschaut! Sie werden keinen Erfolg haben mit ihren Intrigen! Das griechische Volk ist stark und wird sich dieser Anfeindung stellen.

  10. egon
    18. Dezember 2014, 16:44 | #10

    Griechenland nach Wahlen Schuldenschnitt u. danach die alte Politmafia ins Gefängnis, wo sie auch hingehören. Wie kann es sein, das solche Politverbrecher in Brüssel frei rumlaufen.
    Stimmt das Sprichwort (gleiches verträgt sich gut)?

  11. rafael
    18. Dezember 2014, 17:44 | #11

    Man stelle sich vor, Deutschland stünde vor irgenwelchen Wahlen und ein anderer Staat würde sich in dieser Art und Weise einmischen … das Geschrei von Ultralinks bis Ultrarechts in Deutschland wäre unüberhörbar! Nein, so geht das nicht, das ist eine Einmischung in die Innere Angelegenheit eines souveränen Staates! Hat das Deutschland wirklich nötig? Anscheinend. Die ganze Aufmerksamkeit ist auf Griechenland gerichtet, hier soll ein Exempel statuiert werden, in Wirklichkeit spielt die Musik irgendwo anders …

  12. Blankenstein Husar
    18. Dezember 2014, 22:19 | #12

    Die sog. „Eliten“ haben fürchterliche Angst. Angst, dass Tsipras den Spiess umdreht, denn die Erpressungen funktionieren auch umgekehrt. Anstatt „Liebe Griechen, macht was wir wollen, ansonsten drehen wir den Geldhahn zu“ könnte es heissen „Liebe EU, her mit dem Geld, ansonsten steigen wir aus dem EURO aus und drehen der EU das Licht aus„.

  13. juergen h.
    19. Dezember 2014, 03:08 | #13

    Nichts wird passieren! Schäuble droht, Merkel droht, Samaras droht, na und? Nach dem Sieg der Syriza werden die Aktienmärkte wie üblich etwas einbrechen, vor allem der DAX, zum Leid einiger verpeilter Anleger, die vorher nicht ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben. IWF und EZB werden erstmal keine weiteren Zahlungen freigeben, das gehört zum Prozedere, bis sie sich entweder mit Tsipras auf eine neue „Lösung“ geeinigt haben, oder Tsipras andere Geldwege eröffnet, z.B. die angekündigte Besteuerung der Superreichen. Russland steht auch schon in den Startlöchern und wartet nur auf ein solches Szenario, Putin wird Griechenland mit billigem Öl und Gas versorgen und im Gegenzug einigen Marktzugang verlangen, ein Horrorszenario für Berlin, deswegen wird Schäuble auch weiterzahlen, ganz einfach ist das und in Griechenland jedem halbwegs informierten Zeitungsleser bekannt.

  14. Bernhard
    19. Dezember 2014, 11:51 | #14

    wenn Griechenland und Portugal aus der Eurozone austreten und wieder zu ihrer Landeswährung zurückkehren würden,
    dann würde auch das globale Vertrauen in den Euro wieder steigen!
    Zudem würde es den Tourismus in Griechenland und Portugal weiter ankurbeln und somit auch ausreichend Devisen ins Land bringen.
    Meiner Meinung nach wäre es langfristig die bessere Lösung.

  15. GR-Block
    19. Dezember 2014, 15:19 | #15

    Schäuble droht der deutschen Wirtschaft den Geldhahn abzudrehen …“ müsste es eigentlich heißen. Wenn GR und PT aus dem € aussteigen, wird das Vertrauen in die Währung nachhaltig gestört sein, weil die Märkte den Dominoeffekt fürchten. Einen Einfluss auf deren nationale Wirtschaft allerdings, wird erst der Austritt aus dem Maastricht-Vertrag haben.
    Was den Tourismus angeht, wird dort, wie vor 2 Jahren, ein kaum merklicher Einbruch zu verzeichnen sein, weil er sich zunehmend auch aus Osteuropa speist. Nein nein, die EU ist dabei, sich ins Chaos zu stürzen und sucht jetzt einen Sündenbock.

  16. Bernhard
    20. Dezember 2014, 10:57 | #16

    die Angst der Europäer und der Finanzmärkte begründet sich damit, dass der „wurmige Apfel“ die gesunden Äpfel anstecken könnte. Um diese Angst zu bannen, muss der Apfel erst einmal aus dem Korb entfernt werden, dann kann man sich Gedanken machen mit welchen Mitteln man diesen Apfel retten kann. Das erscheint mir weitaus logischer.
    Was den Tourismus angeht, denke ich nicht, dass die äußerst konsumschwachen osteuropäischen Urlauber in Zukunft als Touristen-Zielgruppe eine große Rolle spielen werden, sondern nach wie vor hauptsächlich die Touristen aus England, Deutschland, Frankreich und Skandinavien, sowie den USA. Eine eigene Landeswährung würde auch das Konsumverhalten dieser Touristen aus praktischen und psychologischen Gründen fördern.
    Solange Griechenland oder Portugal an der Brust von Merkel und Schäuble hängen, werden sie vielleicht „überleben“, aber nicht wachsen, zudem das saugen dieser fettarmen Milch wahrscheinlich mehr Energie kostet als es zuführt. Diese fettarme Milch zu saugen und dann die eigene fette Milch zu verkaufen, macht jedenfalls keinen Sinn.
    Dass sich die EU ins Chaos stürzt und einen Sündenbock bräuchte, kann ich persönlich nicht erkennen. Vielmehr denke ich, dass die EU mit Kanonen auf Spatzen schießt, um die anderen bedrohlicheren Pleitegeier abzuschrecken die über ihnen kreisen.

  17. herbert
    21. Dezember 2014, 20:33 | #17

    Abwarten und Tee – oder Uso – trinken. Hunde die bekannterweise laut bellen, beißen nicht. Die Karawane wird weiterziehen.

  18. Yves Duval
    22. Januar 2015, 20:05 | #18

    Ich wünsche Alexis Tsipras, dass er am Sonntag tatsächlich als Sieger aus der griechischen Parlamentswahl hervorgeht und die absolute Mehrheit erreicht, also sich keinen Koalitionspartner suchen muss, der möglicherweise mäßigend auf den Kurs der Partei einwirkt.

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