Medien propagieren Entgleisung der Wirtschaft in Griechenland

30. Dezember 2014 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.259

Nachdem in Griechenland die Wahl eines Staatspräsidenten misslang und Neuwahlen anstehen, befürchten die ausländischen Medien eine Entgleisung der Wirtschaft.

Die internationalen Nachrichtenmedien, die ausführliche Korrespondentenberichte aus Athen publizieren, bringen ihre Beunruhigung über die Entwicklungen in Griechenland zum Ausdruck.

Nach der ebenfalls erfolglos verlaufenen dritten Abstimmung im Parlament zur Wahl eines neuen Staatspräsidenten und der daraufhin erfolgten Ausrufung vorgezogener Neuwahlen für den 25 Januar 2015 laufen die Analysen auf die Frage hinaus, was Griechenland hinsichtlich des Programms der Reformen und der Sanierung seiner Wirtschaft tun wird.

Gläubiger und Märkte fürchten linke SYRIZA-Regierung

Associated Press schreibt charakteristisch: „Das Rettungsprogramm Griechenlands ist in Gefahr.“ Die Zeitung „Guardian“ berichtet, Griechenland begebe sich zu Neuwahlen und desorganisiere dabei das Rettungsprogramm. Die Agentur Reuters wiederum betont, die griechischen Abgeordneten haben nicht geschafft, in der dritten und letzten Abstimmung einen neuen Staatspräsidenten zu wählen, und führen damit das Land in vorgezogene Neuwahlen. „Der Auserwählte des Antonis Samaras brachte es nicht fertig, die für die Wahl eines Präsidenten erforderlichen – 180 – Stimmen zusammenzubringen, da er nur 168 Stimmen zu erhalten schaffte, also genau so viele, wie er bei der zweiten Abstimmung erhielt. Mit der Auflösung des Parlaments wird Athen zu Neuwahlen am 25 Januar 2015 geführt.

Die „New York Times“ unterstreicht, Griechenland werde in vorgezogene Neuwahlen geführt „und dies kann die Tür für eine linke Partei öffnen, die gegen die Bedingungen der internationalen Rettung des Landes ist„. Der Artikel der amerikanischen Zeitung fügt an, die neue politische Turbulenz in Griechenland habe nicht das selbe Panikgefühl verursacht, das in der gesamten Eurozone 2012 spürbar geworden war, als es wahrscheinlich erschien, dass Griechenland aus der gemeinsamen Währung ausscheiden könnte. Sie betont jedoch, die Aussicht auf die erneuten Wahlen habe die Gläubiger des Landes und die internationalen Märkte in Aufruhr versetzt, weil – wie der Artikel erklärt – „erwartet wird, dass die Links-Partei SYRIZA, die sich verpflichtet hat, die Bedingungen der Rettung des Landes neu zu verhandeln und die Senkung der ungeheuren Verschuldung Griechenlands anzustreben, gewinnen wird„.

Die Agentur „Bloomberg“ betont, Athen werde in vorgezogene Neuwahlen geführt, weil es dem griechischen Premierminister Antonis Samaras misslang, die Abgeordneten davon zu überzeugen, seinen Kandidaten Stavros Dimas zu wählen. Die Zeitung „Finacial Times“ berichtet, Griehenland werde in vorgezogene Neuwahlen geführt und bringe auf Basis der letzten Demoskopien die anti-memorandische SYRIZA an die Macht. Weiter merkt sie an, die Wahlagenda Europas für 2015 sei voll, da außer den vorgezogenen Neuwahlen in Griechenland auch Wahlen in Dänemark, Estland, Finnland, Polen, Spanien und England durchgeführt werden.

USA Today“ berichtet, die Aussicht auf die vorgezogenen Wahlen habe die Ängste um die wirtschaftliche Zukunft des Landes verstärkt. Weiter wird betont, die Demoskopien zeigen einen stabilen Vorsprung der SYRIZA, die gegen die Bedingungen der wirtschaftlichen Rettung Griechenlands reagiert. Zur selben Stunde erklärt der amerikanische Artikel, die Partei der amtierenden Opposition habe jüngst „ihre Rhetorik in Zusammenhang mit der einseitigen Streichung der Verschuldung abgemildert“.

Das Netzwerk CNBC fokussiert sich in seiner Reportage hauptsächlich auf die Gefahren, mit denen sich Griechenland konfrontiert sehen wird, wenn bei den kommenden Wahlen die – auch in den Demoskopien vorn liegende – SYRIZA an die Macht gelangt. Wie es kommentiert, müsse Griechenland, obwohl es sich sehr nahe am Ende seines volkswirtschaftlichen Programms befinde, noch weitere Austeritätsmaßnahmen umsetzen, damit es die letzte Tranche der Hilfe von den Gläubigern erhält – was jedoch durch einen möglichen Sieg der SYRIZA in Gefahr gebracht werden könnte.

Das „Wall Street Journal“ betont, der neuen Regierung in Griechenland werde die Aushhandlung einer neuen Vereinbarung mit der Troika über die Deckung der Finanzierungsbedürfnisse des Landes für die beiden kommenden Jahre obliegen. Die Angst der Gläubiger sei jedoch, dass sie, wenn die SYRIZA an die Macht kommt, dann höchstwahrscheinlich beginnen wird, in einigen der von Griechenland umgesetzten Reform- und Austeritätsmaßnahmen zurückzustecken.

Schäuble poltert, Berlin hält sich bedeckt

Von Seite der deutschen Regierung verlautete, man verfolge eng die politischen Entwicklungen in Griechenland, jedoch wurde bezüglich der Nachricht, dass Griechenland im kommenden Monat zu vorgezogenen Neuwahlen schreiten wird, ein konkreter Kommentar vermieden. „Natürlich beobachten wir sehr eng, was in Griechenland geschieht„, erklärte Regierungssprecherin Christiane Wirtz gegenüber den Journalisten. „Sie müssen jedoch verstehen, dass ich interne Themen Griechenlands und speziell das, was vor eineinhalb Stunden geschehen ist, nicht kommentieren kann … „.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble wiederholte dagegen seine jüngst gegenüber der Zeitung „Bild“ abgegebenen Erklärungen und warnte Griechenland, nicht von dem Weg der wirtschaftlichen Reformen abzuweichen, und betonte dabei, jede wie auch immer geartete neue Regierung sei durch die von der gegenwärtigen Regierung eingegangenen Vereinbarungen gebunden. Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP und der Agentur Reuters betont Wolfgang Schäuble in einer schriftlichen Bekanntmachung, „die schwierigen Reformen tragen Früchte und es gibt keine Alternative. Nimmt Griechenland einen anderen Weg, wird er schwer sein. Die Neuwahlen ändern nicht die Vereinbarungen, die wir mit der griechischen Regierung erzielt haben. Jede beliebige neue Regierung wird die von ihren Vorgängern eingegangenen Vereinbarungen einhalten müssen„, meint Herr Schäuble.

(Quellen: Imerisia, Imerisia, Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. Kleoni
    30. Dezember 2014, 10:42 | #1

    seit der Krise haben die Finanzmärkte, die Banker = Gläubiger Griechenland regiert und haben – wie soll es anders sein – die 10% der Griechen, die 95% des griechischen Vermögens besitzen, geschont, den Mittelstand ruiniert, und den restlichen 90% der Bevölkerung den letzten Cent aus der Tasche geholt (Steuern u. Abgaben), dass Kinder hungern, viele Familien seit 3 Jahren kein Geld mehr für Heizung haben, keine Krankenversicherung, allgemeine Krankenhäuser kein Geld z.B. für Verbandmaterial mehr haben. Geschont wurden Ärzte, die zwar für den öffentlichen Dienst arbeiten, dort aber nur notdürftig behandeln, dafür die Leute in ihre (selbstverständlich) Privatpraxis bestellen u. dort gegen Bares entsprechend behandeln. Operationen, die in einem öffentlichen Krankenhaus bis zu 1 Jahr Wartezeit haben, privat aber innerhalb von 2 Wo durchgeführt werden. Bei den Rechtsanwälten – grösstenteils ein „Eliteverein“ dasselbe Bild, der keine freie Niederlassung junger Anwälte zulässt. In Indien nennt man das Kastendenken. Die Lizenzvergaben, die kaum gelockert wurden. Nicht zu vergessen, das ganze Fakelakiunwesen.
    Wem soll das Volk noch glauben – jetzt wird wieder viel heisse Luft versprochen – auch von SYRIZA. Lassen wir das Volk sprechen und dann wird es sich zeigen, wie es weiter geht. Allerdings so wie es jetzt ist, dass nur das „Fussvolk“ die Last der Reformen trägt und die „Herren“ im alten Stil weiter leben und ihre Pfründe wachsen lassen, so kann und darf es nicht weiter gehen.

  2. H.Trickler
    30. Dezember 2014, 12:35 | #2

    Ich bin überzeugt, dass derartige Zeitungsberichte nicht die wirklichen Überlegungen wiedergeben, sondern das was dem jeweiligen (inländischen) Publikum vermittelt werden muss, um den schon lange als unausweichlich eingesehenen Grexit nicht als eigenes Verschulden aussehen zu lassen: Keiner will auch nur entfernt schuld daran sein, falls das in den Verträgen nicht vorgesehene nun tatsächlich passieren sollte. — Aber mancher Politiker wird trotz öffentlichem Lamentieren dann froh darüber sein 😉

  3. Ronald
    30. Dezember 2014, 13:55 | #3

    Die Vokabel „φοβούνται“ in der Headline der Imerisia bedeutet nicht „propagieren“ sondern „befürchten“ bzw. fürchten.

  4. Stavros Schweiz
    30. Dezember 2014, 16:29 | #4

    Der Schäuble droht schon wieder! Der Zwerg kann es nicht lassen und schiesst schon wieder Giftpfeile auf Griechenland! Die EU-PLANWIRTSCHAFT VON MERKEL UND SCHÄUBLE ist am Ende. Die Nachbarländer Spanien, Italien, Portugal und Frankreich verlangen auch schnelle Verbesserungen und weniger oder gar keine EU-Würgschaft. Es ist auch traurig, dass die jungen Menschen keine Zukunft mehr sehen, denn gerade diese Generationen brauchen wir für die „Aufbau-Zukunft.“
    Allen ein gesegnetes, gutes neues 2015.

  5. Team
    30. Dezember 2014, 17:23 | #5

    @ Ronald
    Die Vokabel „Klugredner“ (die volkstümliche Variante verkneifen wir uns, sonst gibt es wieder Schelte) suggeriert ebenfalls nicht die wörtliche Bedeutung 🙄

  6. LiFe
    30. Dezember 2014, 17:44 | #6

    Es ist schade, dass junge Menschen, mit sehr guten Abschlüssen den einzigen Weg gehen können, um endlich Geld zu verdienen, indem sie auswandern müssen! Dieses Sparprogramm, das über Jahre andauert und noch Jahre andauern muss, verhindert(e) Investitionen. Ein ganzes Land völlig Detroited! Wirklich schade!

  7. HJM
    30. Dezember 2014, 19:54 | #7

    Schäuble „poltert“?! Er formuliert doch nur eine Selbstverständlichkeit. Dass die gesamte Situation in Griechenland dramatisch, eigentlich sogar tragisch ist, darüber muss man bestimmt nicht mehr debattieren. Das ist SO.
    Nur bitte: wo ist die Lösung? Ich lese und höre immer wieder, dass sich alles ändern, VERBESSERN muss. Auf welchem Weg? Anwälte nehmen nach wie vor einem Albaner, der sich „legalisieren“ möchte, 2 bis 3 Monatseinkommen = roundabout € 1.000, für einen Furz an rechtlicher Dienstleistung ab, von Ärzten, insbesondere Chirurgen, ganz zu schweigen. Eine Transferunion haben wir ohnehin schon, die Frage ist nur, wo das Geld hinfliesst. Man frage „das Volk“. Dessen Antwort wird unmissverständlich sein. Aber wer setzt diese Antwort um? Eher noch Samaras, als jemals der Syriza. Im Gegenteil: die schmerzhaftesten sozialen Einschnitte wurden bisher immer und überall von „Linken“ produziert.

  8. V 99%
    30. Dezember 2014, 21:19 | #8

    Hier kann man ja direkt mal positiv festhalten, dass es doch tatsächlich noch andere Medien ausserhalb von D gibt, die „Propaganda“ gegen GR betreiben, unfassbar. Und dass Schaueble eine Banken- und Lobbyistenmarionette ist, haben noch nicht alle verstanden, macht nichts, wenn es der „Propaganda“ dienlich ist. Da lese ich doch glatt neulich sowas: Die Schuld an der fehlenden Zukunftsperspektive und der Reformschwäche liegt einzig und allein bei der politischen Elite des Landes. Nicht nur die griechischen Regierungen der letzten fünf, sondern jene der vergangenen 30 Jahre sind gescheitert, ihr Land zukunftsfähig zu machen. Griechenland wird seit Generationen von einer kleinen Elite regiert, der es wichtiger ist, die eigene Macht zu erhalten und Pfründe zu sichern, als funktionierende Institutionen und eine breite Beteiligung der griechischen Bürger zu schaffen. Was ne Propagandarede aus einer bekannten Zeitung in D ….:-D

  9. h.kuebler
    31. Dezember 2014, 11:45 | #9

    Wenn 90 Prozent der Griechen die Leidtragenden einer ausbeuterischen Elite sind, wenn Korruption und Vetternwirtschaft und Sicherung der eigenen Pfründe das Land und seine Politik bestimmen, dann verstehe ich eines nicht: 90 Prozent! Warum lässt sich diese beeindruckende Mehrheit das gefallen? Warum gibt es offenbar immer noch keine Partei, die eine Hoffnung auf Änderung bietet? Nur Spinner oder in die alten Seilschaften verstrickte, zur Zusammenarbeit unfähige Politiker. Warum bildet sich denn keine wählbare Partei, wenn 90 Prozent unzufrieden sind? Warum gehen die Menschen nicht dafür auf die Straße? Jede Woche ein fester Termin vorm Parlament – bei dieser Mehrheit würde sich schnell was ändern. Es fehlt eine Zivilgesellschaft, die weiß, dass sie das Volk ist. Sowas hat schon ganz andere politische Systeme hinweggefegt.

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