Griechenland droht fataler Liquiditätsengpass

26. Dezember 2014 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.067

Die Finanzierungsbedürfnisse des Fiskus in Griechenland gefährden ernsthaft die Liquidität des Banksystems und der inländischen Wirtschaft.

Im griechischen Finanzministerium, aber auch bei der Griechischen Bank herrscht heftige Beunruhigung bezüglich der Liquidität des Banksystems, wobei alles darauf hindeutet, dass letztere im Fall vorgezogener Neuwahlen signifikant eingeschränkt werden und damit den Wachstumskurs der Wirtschaft untergraben wird.

Informationen zufolge gab es bei der Griechischen Bank eine Sonderkonferenz, an der Bankpräsident Giannis Stournaras, die beiden Vizepräsidenten Giannis Mourmouras und Ioannis Papadakis sowie die Direktoren der Bank teilnahmen. Der Gegenstand der Konferenz wurde nicht bekannt gegeben, Informationen führen jedoch an, dass die Konferenz erfolgte, damit die sich gestaltende Situation untersucht und parallel ein Plan entworfen wird, um die wie auch immer gearteten Auswirkungen auf das Banksystem abzufangen.

Explosiver Cocktail für die Wirtschaft Griechenlands

Die lauernde Thematik legte den Abgeordneten des griechischen Parlaments am Montagabend (22 Dezember 2014) besorgt der Finanzminister Gikas Chardouvelis dar. Wie er anmerkte, benötigt der griechische Fiskus ungefähr 4,5 Mrd. Euro um seine Bedürfnisse bezüglich der Bedienung der Zinsen und Tilgungen im ersten Quartal 2015 zu decken, und falls es keine Einigung mit der Troika geben wird und im weiteren Sinn die Tranchen des Programms nicht ausgezahlt werden, müssen diese Gelder dann mittels der außerordentlichen Ausgabe von Schatzbriefen über die griechischen Banken geschöpft werden, und zwar unter dramatischer Einschränkung der vorhandenen Liquidität, die der realen Wirtschaft entzogen werden wird.

Das obige Problem in Kombination mit der verzeichneten Verzögerung bei den öffentlichen Einnahmen bilden einen explosiven „Mix“ für die Wirtschaft, was unter Umständen den Aufschwung lähmen und die Bemühungen um die volkswirtschaftliche Sanierung annullieren kann, die während des ganzen vorherigen Zeitraums erfolgten und ein Resultat gebracht haben. Giannis Stournaras hatte bereits zu unverfänglicher Zeit vor der Gefahr für die Liquidität gewarnt und sich mit seinen Erklärungen die Kritik der amtierenden Opposition eingehandelt, die von einem Versuch der Einmischung in die politische Szenerie sprach. Das Problem ist jedoch existent und bei der Griechischen Bank versucht man ohne viel Lärm, einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden.

Die Situation mit den Verpflichtungen des Fiskus im ersten Quartal macht das Thema zwingend. Es werden ungefähr 4,5 Mrd. Euro benötigt und das Finanzministeriums hat ausgerechnet, dass die Bedürfnisse gedeckt werden, falls es im Januar 2015 eine Einigung mit der Troika geben wird. Es sei angemerkt, dass die Tranchen von EU und des IWF, deren Auszahlung bis Ende Dezember 2014 geplant war, auf 7 Mrd. Euro veranschlagt werden. Falls vorgezogene Neuwahlen ausgerufen werden, wird eine Einigung mit der Troika bestenfalls und allgemein die Auszahlung der Tranchen frühestens Ende Februar 2015 erfolgen.

In dem unerwünschten Szenarium des Nichtzustandekommens einer Vereinbarung hat die dann amtierende griechische Regierung außer dem „Loch“ der 4,5 Mrd. Euro auch zwei weiteren „heißen“ Fronten zu begegnen. Die eine ist das Fehlen eines Schutzschirms von Seite der Gläubiger ab dem 01 März 2015 im Fall einer nicht erfolgenden Einigung mit der Troika, und die andere ist die Notwendigkeit der Erneuerung der von den griechischen Banken zur Liquiditätsschöpfung an die EZB gegebenen Sicherheiten in Höhe von über 20 Mrd. Euro gegen Ende März 2015. Die beiden vorstehenden Punkte sind direkt miteinander verbunden, da das Fehlen eines „Schirms“ die Erneuerung der Sicherheiten automatisch schwierig, wenn nicht gar unmöglich macht.

Einigung mit der Troika ist eine Einbahnstraße

In Kombination mit der Tatsache, dass die griechischen Banken aufgefordert werden sein, abgesehen von der Refinanzierung der bestehenden Fälligkeiten die Bedürfnisse des Fiskus mit 4,5 Mrd. Euro mittels der Ausgabe außerplanmäßiger Schatzbriefe zu finanzieren, schafft ein zumindest Unheil verkündendes Szenarium. Und genau das wünscht man weder im Finanzministerium noch bei der Griechischen Bank.

Allen ist sehr wohl bekannt, dass es keine magischen Lösungen gibt, und aus diesem Grund betrachten alle die Einigung mit der Troika als Einbahnstraße – unabhängig davon, welche Partei sie zu realisieren aufgerufen sein wird. Quellen aus der Griechischen Bank merken an, die vor einigen Tagen erfolgte Intervention des Giannis Stournaras sei kein Versuch des Eingreifens in die politische Szenerie, sondern eine Bemühung gewesen, auf dass allen die Situation bekannt wird und jede politische Partei sich ihren Verantwortungen stellt.

Die selben Quellen merkten sogar an, dass 2009 der damalige Leiter der Griechischen Bank, Giorgos Provopoulos, sich entschieden hatte, die politischen Führer über des Hochschnellen des Defizits auf außerhalb der Kontrolle liegende Niveaus in Kenntnis zu setzen. Er wurde damals kritisiert, weil er es nicht öffentlich tat. Giannis Stournaras wählte somit die gegenwärtigen zeitlichen Umstände, um nicht den selben Fehler zu begehen.

Beunruhigung über den Verlauf der öffentlichen Einnahmen

Signale intensiver Beunruhigungen kommen auch von der Front der Einnahmen. In den Monaten Januar – November des Jahres 2014 erreicht die Abweichung von den Zielvorgaben 1,12 Mrd. Euro, während in dem besagten Zeitraum die (neuen!) fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus auf die kaum fassbare Höhe von 12,5 Mrd. Euro hochgeschossen sind. Sollten gar vorgezogene Neuwahlen ausgerufen werden, ist mathematisch sicher, dass diese Verzögerung maximiert werden wird – wie es im übrigen in allen Wahlkampfperioden geschieht, entweder wegen der „Lockerheit“ der Steuerzahler oder weil die Kontrollen des Steuerbeitreibungsmechanismus nachlassen.

Unter dem Strich sind sich alle einig, dass die griechische Wirtschaft sich an einem Knotenpunkt befindet. Sie wünschen zwar keine Neuwahlen, merken jedoch an, dass – sofern diese letztendlich nicht vermieden werden können – dann die Züge der neuen Regierung unmittelbar und effizient sein müssen und die Einigung mit der Troika unabdingbar ist. Anderenfalls sind die Szenarien albtraumhaft.

(Quelle: Imerisia, Autor: Thanasis Papadis)

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  1. greco
    26. Dezember 2014, 11:04 | #1

    Anderenfalls sind die Szenarien albtraumhaft.“ – Die Szenarien werden immer albtraumhaft bleiben. Wenn man so wirtschaftet, braucht man sich nicht zu wundern. Sich an Sanktionen gegen Russland beteiligen und gleichzeitig hoffen das noch mehr Russen ihren Urlaub in Griechenland verbringen sollen. Pustekuchen. Das war jetzt nur ein Beispiel von vielen.

  2. LiFe
    27. Dezember 2014, 01:40 | #2

    Anderenfalls sind die Szenarien albtraumhaft.“ Man erinnere sich an Kohls Worte: Der Euro schafft Wohlstand und Frieden. Hm, ich denke daran, hatten alle geglaubt … von Lissabon bis Athen!

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