Sturmwarnung fuer Beziehungen zwischen Griechenland und Troika

15. November 2014 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 1.330

Die Kollision zwischen Griechenland und der Troika spitzt sich kritisch zu und ruft Beunruhigung über die Reaktion der Börse, Anleihenmärkte und Anleger hervor.

Die Konfrontation zwischen der griechischen Regierung und der Troika spitzt sich extrem zu, da die Gläubiger alle sogenannten „roten Linien“, welche die Regierung zu verteidigen versucht, „mit Füßen treten“.

Die Wirtschaft wiederum befindet sich inzwischen vor einem Drama mit einer Dauer von bis zu drei Monaten, da von Seite der Regierung Samaras zum ersten Mal eingestanden wird, dass die Einigung mit den institutionellen Gläubigern sich bis zur Wahl des neuen Staatspräsidenten verzögern könnte!

Vorsorge für den Fall der Rückhaltung fälliger Tranchen

Die außerordentliche Ladung der Vertreter der vier systemischen Banken vorgestern in das Maximou (Anmerkung: gemeint ist die Regierungszentrale) bezeugt den Ernst der Umstände. Evangelos Venizelos erklärte nach der Sitzung, „unser Ziel ist, dass bis zum 08 Dezember 2014 alles zu Ende sein wird. Wir werden es schaffen.“ Er ließ jedoch durchklingen, dass die Möglichkeit einer Verzögerung bei der Vereinbarung mit der Troika offen steht: „Wir werden es auf jeden Fall schaffen, bevor Bedürfnisse auftreten, weil wir eine Planung haben, die uns gestattet, sicherlich vor dem Beginn des Verfahrens zur Wahl eines Staatspräsidenten zu einem vollständigen Plan, einer Vereinbarung zu gelangen.

Die griechische Regierung hat bereits Vorkehrungen getroffen um sich für den Fall zu wappnen, in dem sich die Auszahlung der Tranchen in Höhe von 7 Mrd. Euro durch Europäer und IWF verzögert. Informationen zufolge sind spezielle Bonds emittiert worden, die nicht unter den „Plafond“ der 15 Mrd. Euro für Finanzierungen mit kurzfristigen Titeln fallen. Mit diesen speziellen Bonds schöpfte sie mit Repos-Ausgaben Liquidität von 5 Mrd. Euro von Trägern des allgemeinen öffentlichen Sektors, damit dem Fiskus nicht die Liquidität ausgeht, solange sich die Freigaben der Tranchen verzögern.

Fünf „rote Linien“ der griechischen Regierung

Evangelos Venizelos informierte Spitzenfunktionäre der PASOK-Partei über die „roten Linien“, welche die Regierung gegenüber der Troika zu verteidigen versucht. Diese Linien sind fünf:

  1. Die Regierung erkennt nicht an, dass es eine volkswirtschaftliche (Finanzierungs-) Lücke gibt. Die Troika beharrt jedoch darauf, für 2015 gebe es eine Lücke von 2,6 Mrd. Euro, und verlangt (neue) Maßnahmen zu deren Deckung.
  2. Die Regierung beharrt trotz der Einwände der Troika darauf, das Gesetz über die Regulierung von Verbindlichkeiten (an den Fiskus) mit 100 Monatraten auch auf die „roten“ Unternehmenskredite anwenden zu werden.
  3. Beständige Position der Regierung bezüglich der Erst- / Hauptwohnung ist, dass die Wohnungen der armen und mittlere Einkommen habenden Haushalte vor (Zwangs-) Versteigerungen geschützt werden müssen. Die Troika fordert jedoch die völlige Aufhebung der Versteigerungsverbote.
  4. In Bezug auf Versicherungssystem und Massenentlassungen (auf dem privaten Sektor) beharrt die Regierung darauf, keine Eingriffe zu diskutieren, die Troika beharrt jedoch ihrerseits auf der Notwendigkeit parametrischer Änderungen (Kürzung der Renten, Anhebung der Altersgrenzen) und einer völligen Freigabe der Massenentlassungen.
  5. Der vergünstigte Mehrwertsteuer-Satz auf den Inseln und bei Grundnahrungsmitteln darf laut der Regierung nicht beeinträchtigt werden. Die Troika will jedoch die Abschaffung aller MwSt.-Sonderstatus und die Anwendung eines einheitlichen Satzes von 23%.

Angesichts der Tatsache, dass – wie auch aus dem an die Zeitung „Kathimerini“ durchgesickerten Verhandlungspapier der Troika hervorgeht – die Vertreter der Gläubiger bisher darin fortfahren, eine sehr harte Verhandlungslinie beizubehalten und dabei auf der Vorantreibung von Reformationen beharren, zu deren Durchsetzung die Regierung sich – aus offensichtlichen politischen Gründen – außer Stande erklärt, bleibt die Vorverhandlung in einer Sackgasse – mit dem Ergebnis, dass inzwischen angezweifelt wird, ob die Kontrolleure – sei es auch am kommenden Wochenende – nach Athen zurückkommen.

Beunruhigung über die Reaktion der Börse, des Marktes und der Anleger

Der einzige Faktor, der zugunsten Griechenlands vermitteln könnte um die Sackgasse zu durchbrechen, ist in dieser Phase der Präsident der Kommission, Jean Claude Juncker. Gut informierte Quellen berichten jedoch, Herr Juncker werde sehr schwerlich Initiativen ergreifen, da ihn der Ausbruch des Skandals um die „Steuervermeidungsindustrie“ großer Firmen in Luxemburg in eine leidige Lage gebracht hat und von vielen Seiten sogar auch sein Rücktritt gefordert wird.

Die deutsche Seite gibt der Troika kein Signal bezüglich einer Lockerung, dagegen stellte Wolfgang Schäuble klar, er will sehen, dass die Reformen, zu denen Griechenland sich verpflichtet hat, abgeschlossen werden. Der Internationale Währungsfonds wiederum hat jeden Grund, auf einer sehr strengen Position zu beharren, da ihm bekannt ist, dass er ab 2015 und nachfolgend nicht mehr die selbe Protagonisten-Rolle in der Beaufsichtigung Griechenlands haben wird.

Die sich gestaltenden Umstände stürzen die Hoffnungen der Regierung auf eine „lockere“ Bewertung vollständig um und zeichnen eine Thriller-Verhandlung vor, die (wenn überhaupt …) im kommenden Februar zum Abschluss kommen wird. Marktfaktoren fragen sich, wie in einer dermaßen ausgedehnten Periode der Ungewissheit nicht nur die Börse, der internationale Anleihenmarkt, sondern auch der griechische Anleger reagieren wird.

(Quelle: sofokleous10.gr)

Relevante Beiträge:

  1. pyramis
    15. November 2014, 22:17 | #1

    Wer beunruhigt den Markt nun, Griechenland oder Troika und Gespann?

  2. BravoZulu
    17. November 2014, 00:07 | #2

    Es wird langsam Zeit, dass die griechische Regierung sich nicht mehr von der Troika einschüchtern lässt. Sie sollte der Troika endlich klarmachen und sagen, wie sie sich die Abtragung der Schulden vorstellt, und wenn die Troika damit nicht einverstanden ist, dann sollte die Regierungs diesen Armleutern klarmachen, dass ein Schuldenschitt vom 100 % erfolgen wird und die Troika dann leer ausgeht. Mich würde dabei auch nicht der Ausspruch: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert.“ stören !!!

  3. Ronald
    17. November 2014, 00:37 | #3

    Da sich die griechische Regierung – bildlich gesprochen – in einem Tretboot bewegt und die Troika auf einem Schlachtschiff, bin ich sicher, dass eine der beiden Parteien rechtzeitig das Ruder herumreissen wird und eine Kollision daher nicht stattfindet.

  4. GR-Block
    17. November 2014, 01:57 | #4

    Der Schuldenschnitt ist jetzt unvermeidlich. Die Troika hat ihre Arbeit getan und Herr Samaras auch. Wer jetzt den Schnitt vor den Augen der Weltöffentlichkeit vertreten muss, ist nicht klar. Beide Seiten drücken sich davor. Derjenige, der ihn vollzieht, bekommt den Spott und die Schelte der EU-Bürger. Denn deren nationale Haushalte müssen ihn ja indirekt bezahlen. Sowohl das Schlachtschiff als auch das Tretboot versuchen das Problem auszusitzen. Vermutlich hoffen alle auf Tsipras. Leider bleibt nur der Ruf der Griechen ruiniert. Weil sobald die Vertreter der Troika abziehen und wieder ihrer Beratertätigkeit für europäische Konzerne nachkommen, kräht kein Hahn mehr nach ihnen. Denn sie sind nicht mit ihren Völkern zu identifizieren, ihre Nationalität ist virtuell. Bei Samaras und Tsipras sieht das ganz anders aus.

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