Griechenlands Regierung verliert Schlacht mit Troika

3. November 2014 / Aktualisiert: 13. März 2016 / Aufrufe: 1.280

Angesichts der Reaktion der Finanzmärkte wird der Regierung in Griechenland nichts übrig bleiben, als sich den Forderungen der Troika zu beugen.

Obwohl die Regierung Samaras in Griechenland der – anhängigen – fünften Bewertung durch die Troika bis neulich in etwa wie einem … Spaziergang im Park begegnete, ist sie dazu verurteilt, die Schlacht mit der Troika zu verlieren.

Die griechische Seite befindet sich unerwartet in einer Position der Schwäche, und zwar infolge eines ernsthaften Fehlers in ihren Berechnungen: letztendlich gesehen fokussierte sie ihre Aufmerksamkeit auf das politische Verhältnis zu den institutionellen Gläubigern und verkannte dabei die – wie sich erweist – katalytische Rolle des Anleihenmarkts.

Regierung hatte die Reaktion der Märkte unterschätzt

Die Beziehung der griechischen Regierung zu den Repräsentanten der institutionellen Gläubiger war bereits seit 2011 schwierig, als die starken Nebenwirkungen der extremen Austerität des ersten Memorandums spürbar zu werden begannen. Der damals neue Finanzminister Evangelos Venizelos kollidierte mit der Troika, die auf dramatische Weise aus Athen abreiste. Sein Versuch, auf einer höheren, politischen Ebene mit den Gläubigern zu verhandeln, endete schnell in einer Sackgasse, und er wurde gezwungen, harte Maßnahmen – darunter auch die bekannte „Abzocke“ auf die Immobilien – zu ergreifen, um die Troika davon zu überzeugen, zu der Verhandlung zurückzukehren.

In jener Periode stand bei der Kollision mit der Troika die Fortsetzung der Finanzierung durch Europa und IWF auf dem Spiel – einer Finanzierung, die angesichts der Tatsache, dass noch kein Primärüberschuss erzielt worden war, erforderlich war, damit der Fiskus weiterhin seinen inländischen Verpflichtungen nachkommt. In der gegenwärtigen Phase trat die Regierung theoretisch aus einer Machtposition in die Verhandlung mit der Troika über die letzte Bewertung der „memorandischen“ Periode ein: bereits seit 2013, also ein Jahr früher als die Prognosen des Programms, hatte sie einen Primärüberschuss erzielt, und die Tranchen der internationalen Kredite decken seitdem nur die Bedienung der Verschuldung.

Zusätzlich stellte die Regierung seit April 2014 – ebenfalls früher als die anfänglichen Prognosen vorsahen – ihre Beziehungen zu dem Anleihenmarkt wieder her und schöpfte mit der Emission neuer Titel erfolgreich Gelder. Die beiden starken Karten der volkswirtschaftlichen Verwaltungsüberschüsse und des Zugangs zu dem Anleihenmarkt habend, schätzte die Regierung ein, mit den institutionellen Gläubigern aus einer Machtposition verhandeln zu können, sowohl um die Maßnahmen zu „beschneiden“, die sie auf der Zielgraden des Programms umsetzen würde, als auch um die Loslösung von dem erniedrigenden Status der internationalen Beaufsichtigung bereits ab 2015 sicherzustellen.

Wie sich jedoch in den letzten Wochen erweist, hatte die Regierung in ihrer Planung nicht die Reaktionen des Anleihenmarkts berücksichtigt, die es in den vorherigen Stadien der Reibungen mit der Troika nicht einmal gab, da das Land völlig von dem Markt ausgeschlossen war und die Renditen der Anleihen im Sekundärhandel praktisch uninteressant waren. In der gegenwärtigen Phase haben die Reaktionen des Markts jedoch ein großes Gewicht, da der Plan der Regierung vorsieht, dass die Finanzierung des Landes ab 2015 hauptsächlich von den privaten Investoren kommen wird und genau wegen dieses Umstands die Regierung darauf hofft, von den Bedingungen und der Aufsicht der Troika befreit zu werden.

Gläubiger wollen ein neues Memorandum für Griechenland

Unmittelbar nachdem der Premierminister seinen Plan bezüglich einer „sauberen“ Loslösung von dem Memorandum, also einer Finanzierung des Landes ab 2015 ausschließlich über die Märkte bekannt gab, zeigte der Anleihenmarkt bereits … seine Zähne. Die Rendite der 10-jährigen Anleihe schoss auf über 9% hoch und es trat erst Ruhe ein, nachdem der Premierminister zu akzeptieren erklärte, dass Griechenland durch eine präventive Kreditlinie von Europa gestützt wird.

Das Problem mit dem Anleihenmarkt endete jedoch nicht dort. Gestern (30 Oktober 2014) reichten die Gerüchte auf dem Markt über eine „Blockade“ in der Verhandlung mit der Troika und die mögliche Aufschiebung ihrer Rückkehr nach Griechenland aus, um die Rendite der zehnjährigen Anleihe erneut auf über 8% hochzutreiben – und zwar bei einem Tagessprung um 50 Basispunkte, was auch der größte Anstieg seit dem 16 Oktober war.

Praktisch befindet sich Griechenland unter den derzeitigen Umständen, die sich für das Land auf dem internationalen Anleihenmarkt gestalten, in einem solchen Grad im Status eines Ausschlusses, dass es nicht vermag, zu akzeptablen Finanzierungskosten zur Emission von Titeln zu schreiten. Der Markt reagiert nicht nur auf die existenten Risiken politischer Instabilität oder – wie von Regierungsfunktionären behauptet – die mögliche Übernahme der Macht durch die SYRIZA, sondern auch auf jedes Anzeichen der Verschlechterung der Beziehungen zu den institutionellen Gläubigern negativ.

Dies ist auch das große Problem, dem derzeit die Regierung begegnet: gibt sie gegenüber der Troika nicht nach, indem sie sogar auch Maßnahmen ergreift, die ihre politischen Aussichten untergraben, wird der Markt Griechenland in einem Status des Ausschlusses halten. Wird es – auf die bekannte episodische Weise und in letzter Minute – eine Übereinkunft mit der Troika geben, wird der Anleihenmarkt sich beruhigen, jedoch darf nicht erwartet werden, dass im Dezember, wenn die ernsthaften politischen Verhandlungen auf Ebene der Finanzminister und politischen Führer beginnen werden, die Renditen der griechischen Anleihen auf „logische“ Niveaus bei 5% zurückgekehrt sein werden.

Somit haben Antonis Samaras und Gikas Chardouvelis eine sehr schwierige Mission: sie werden davon überzeugen müssen, dass ihr Plan zur Deckung der Finanzierungsbedürfnisse des Landes über den Anleihenmarkt zu einer Stunde umgesetzt werden kann, wo die Renditen der griechischen Titel sich auf für die Finanzierung unerschwinglichen Ebenen bewegen werden. Dies annulliert auf Basis der Tatsachen jeden Gedanken an eine Verhandlung aus einer Machtposition, und die Entwicklungen werden dahin gelenkt, wohin es die institutionellen Gläubiger anstreben: nämlich dass Griechenland 2015 in dem Status eines neuen Memorandums verbleibt, bei einer signifikanten präventiven Finanzierungsstützung von Seite des Europäischen Stabilitätsmechanismus, der EZB und des IWF.

(Quelle: sofokleous10.gr)

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  1. H.Bosse
    3. November 2014, 21:42 | #1

    Troika, EU und IWF befürchten, dass die Linken Samaras stürzen werden (keine Einigung bei der Wahl des Staatsoberhauptes). Eine solche Regierungsänderung wird auf Grund der Äußerungen der Linken was die notwendigen Reformen betrifft einen Erdrutsch an den Finanzmärkten verursachen. Samaras kämpft nicht gegen die Troika, sondern kämpft um Wählerstimmen und wird wohl verlieren. Ich befürchte, dass Griechenland um Jahre zurück geworfen wird. Ich glaube auch, dass Griechenland mit seinen ganz linken und ganz rechten Strömungen (sind ja keine Minderheiten was deren Stimmenanteil betrifft) eigentlich keine vernünftige Wirtschaftspolitik im europäischen Sinne umsetzen kann. Schade!

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