Griechenland: Lässt Merkel Samaras fallen?

28. November 2014 / Aufrufe: 1.540

Weder den IWF noch Berlin scheinen die politischen Entwicklungen in Griechenland zu kümmern, die ihre harte Linie in den Verhandlungen mit der Troika auslösen könnte.

Nach der Sackgasse bei den Verhandlungen in Paris und der weiterhin beibehaltenen harten Haltung der Gläubiger hinsichtlich ihrer Forderungen an Griechenland versucht die griechische Regierung die Strategie für den „Tag danach“ festzulegen.

Nach auch der morgendlichen Konferenz Samaras – Venizelos am 27 November 2014 scheint, dass die Regierung Samaras sich auf zwei Verhandlungsachsen bewegen wird, wobei die Möglichkeit der (als „technisch“ getauften) Verlängerung des Memorandums um einige Wochen etwas ist, das im Megaro Maximou (Anmerkung: gemeint ist die Regierungszentrale) akzeptiert zu werden scheint.

Samaras bettelt erneut um politische Unterstützung

An erster Stelle steht die Sitzung der EuroWorking Group, bei der auch eine Bilanz der Verhandlung mit der Troika gezogen werden wird, und die (daran teilnehmenden) Herren Stavros Papastavrou (Wirtschaftsberater des Premierministers) und Dr. Anastasios Anastasatos (Generalsekretär im Finanzministerium) haben klare Anweisungen erhalten, wie sich zu bewegen haben. Wie Quellen des Finanzministeriums anführen, wird nach der Sitzung möglicherweise auch das Datum der Rückkehr der Troika nach Athen bekannt gegeben.

Die zweite Achse sind die allgemeinen Kontakte, welche die griechische Seite anstreben und dabei Kommunikationskanäle zu den politischen „Vorgesetzten“ der Troika und Personen öffnen wird, die hohe Ränge bei IWF, EZB und EU bekleiden. Ziel ist die Findung einer Lösung auf politischer Ebene, während es bereits in den vergangenen Tagen Informationen gab, dass Premierminister Antonis Samaras einen neuen Zyklus (hauptsächlich telefonischer) Kontakte zu europäischen Führern und primär Angela Merkel beginnen und dabei ein weiteres Mal politische Unterstützung verlangen wird, damit die Bewertung des griechischen Programms durch die Troika abgeschlossen wird.

Berlin und IWF sind die politischen Entwicklungen in Griechenland gleichgültig – Deutschland wird wütend

Das Problem jedoch sowohl für das Megaro Maximou als auch den Premierminister persönlich ist die Tatsache, dass Berlin seine Haltung gefährlich verhärtet hat und die Unnachgiebigkeit des IWF und der Troika zu unterstützen scheint, wobei es aktiv die Möglichkeit einer Verlängerung des Hilfsprogramms für Griechenland vorantreibt. Was die Funktionäre der Troika seit geraumer Zeit diskutieren (und die griechische Regierung klammheimlich eingesteht), also die Verlängerung des Memorandums, scheint auch das Lager der Angela Merkel – mit Wolfgang Schäuble als Vorkämpfer – zu verfolgen.

Wie der griechische TV-Sender Mega berichtet, betonen Quellen aus Berlin, die deutsche Regierung sei entschlossen, eine harte Haltung beizubehalten, und ihr … Motto laute „keine politische Kraft in Griechenland will, dass die Opfer des griechischen Volks umsonst waren„. Praktisch passt die von Berlin vorgezeichnete neue harte Linie sich (sei es auch inoffiziell) der unnachgiebigen Haltung des IWF an und berührt dabei auch die SYRIZA als mögliche nächste Regierung in Griechenland.

Die Gleichgültigkeit des Währungsfonds bezüglich der politischen Unsicherheit in Griechenland betonte am Donnerstag im Parlament auch Finanzminister Gikas Chardouvelis persönlich, aber auch die Informationen aus Berlin führen an, die deutsche Regierung „schere“ sich nicht um die Möglichkeit der Verursachung von Entwicklungen in Griechenland. Den … Reigen hat bereits vor etlichen Tagen Wolfgang Schäuble selbst eröffnet, der in den letzten Wochen eine Wartehaltung beibehielt, jedoch erneut die Kontrolle übernommen haben soll, indem er von den Griechen Disziplin forderte und dabei seinen Blick auf Italien, Frankreich und das gesamte übrige Europa richtete.

(Quelle: iefimerida.gr, Autor: Christos Kallimanis)

Relevante Beiträge:

  1. GR-Block
    28. November 2014, 13:59 | #1

    Samaras bettelt erneut um politische Unterstützung“ – Zu spät. Längst hat Tsipras signalisiert, dass er kooperativ sein wird. Bei aller Unterschiedlichkeit der Charaktere, hat auch er, wie einst Andreas Papandreou, zunächst den Widerspenstigen gespielt, um dann dem Westen schließlich die Hand zu reichen.
    Lässt Merkel Samaras fallen?“ Nein, sie lässt ihn hängen. Er ist verbraucht. Jetzt muss ein Junger her, dem das Volk folgt. Allerdings erhält dieser, wegen der inzwischen auslaufenden Memoranden, kaum politischen Spielraum zum Handeln. Die Opfer des griechischen Volkes WAREN umsonst. Es musste schlecht wirtschaftende europäische „Investoren“ und deren Konzerne über deren Banken rekapitalisieren. Der Schaden, den diese „Investoren“ durch Korruption in GR angerichtet haben, wurde nie gegengerechnet. Mal sehen, wie sich da Tsipras anstellen wird.

  2. BravoZulu
    28. November 2014, 22:33 | #2

    Wenn die deutsche Regierung meint: „Keine politische Kraft in Griechenland will, dass die Opfer des griechischen Volks umsonst waren.“ so bedeutet dies auch, dass die bisherigen Opfer als ausreichend zu erachten sind und künftige Regelungen für die griechische Bevölkerung masvoll und tragbar sein müssen. Wenn ich lese, dass die deutsche Regierung entschlossen ist, ihre harte Haltung beizubehalten, so kann ich nur lachen. Griechenland braucht Frau Merkel nicht, denn die ist mit ihren Ansichten auf dem Holzweg. Europa hat sie mit ihrer Ukraine Politik wieder in den kalten Krieg geführt.
    Herr Premierminister Samaras, bitte lassen Sie sich nicht von Frau Merkel einschüchtern. Sie brauchen Frau Merkel nicht. Die sitzt auf einem Sack voll Geld und hat für Griechenland nichts übrig. Im Übrigen muss sie noch die Bewirtungskosten für die deutschen Besatzer aus dem 2. Weltkrieg an Griechenland bezahlen um nicht als Zechprellerin dazustehen.

  3. Uli
    29. November 2014, 09:28 | #3

    So sehr ich dem Kommentar von GR-Block zustimme, so wenig gefällt mir die arrogante
    und weltfremde Meinung von BravoZulu.

  4. Ottfried Storz
    29. November 2014, 12:17 | #4

    Die deutsche Regierung (und Troika) will, das Griechenlands Regierung (von wem auch immer geleitet) endlich xx-Reformen umsetzt, energischer gegen Korruption, Bürokratie und Ständewirtschaft vorgehet sowie weitere Investitionshindernisse abbaut.
    Deshalb sind (Überschrift im Text) „Berlin und IWF … die politischen Entwicklungen in Griechenland gleichgültig“. Es für „Berlin und IWF“ egal, welcher Regierungschef endlich diese Reformen umsetzt – nur müssen sie endlich umgesetzt werden. Wenn das nicht geschieht, würden auch mehrere weitere Schuldenschnitte nicht helfen.

  5. Ronald
    29. November 2014, 12:19 | #5

    Lässt Merkel Samaras fallen?“ Hat Sie ihn den gestützt? Und wenn ja, wie passt das zu dem ständigen Genöle der griechischen Presse über die unnachgiebige Haltung der Deutschen?

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