Zweieinhalb Millionen Bürger in Griechenland ohne Krankenversicherung

11. Oktober 2014 / Aufrufe: 2.491

Die stetig zunehmende Anzahl der Bürger in Griechenland ohne Krankenversicherung wird mittlerweile auf 2,5 Millionen veranschlagt.

Die nicht versicherten Bürger, deren Anzahl kontinuierlich zunimmt und bereits auf 2,5 Mio. Euro veranschlagt wird, sind gezwungen, das Golgatha der Bürokratie zu erleiden. Auf der anderen Seite stellt ihre medizinische Versorgung ein „Zeitbombe“ dar, die den Etat der Krankenhäuser bedroht und gleichzeitig alle in den letzten Jahren erfolgten Bemühungen, die „schwarzen Löcher“ im Nationalen Gesundheitssystem (ESY) zu schließen, in die Luft sprengt.

Theoretisch haben auf Basis der aktuellen Gesetzgebung die nicht Versicherten inzwischen kostenlosen Zugang zur Gesundheitsversorgung. In der Praxis zeigen jedoch Aussagen von Patienten und die Reportage der Zeitung „Ta Nea“ in sieben großen Krankenhäusern, dass die 2,5 Mio. Bürger, die keinen Versicherungsschutz haben, Geiseln der Bürokratie, Unwissenheit und sogar auch Gleichgültigkeit der Verwaltungsbeamten im ESY bleiben. All dies hat zum Resultat, dass es den Unversicherten praktisch unmöglich ist, den für eine kostenlose medizinische Versorgung gesetzten Voraussetzungen zu entsprechen, und die Experten warnen, Griechenland sei mit eine humanitären Krise konfrontiert.

Ärzte lassen unversicherte Patienten durch die Hintertür ins Krankenhaus

Gemäß den offiziellen Angaben des griechischen Gesundheitsministeriums erreichten ab Januar bis einschließlich Juli 2014 die Behandlungskosten für Mittellose (und formlos für nicht Versicherte, da sie bis dahin keinen Anspruch auf kostenlose Behandlung hatten) in den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land 65,8 Mio. Euro. Angesichts ebenfalls der Tatsache, dass das ESY seine Türen auch nicht für nicht versicherte und mittellose Ausländer verschließt, schoss die Rechnung der Krankenhäuser für den selben Zeitraum auf den Betrag von 72,3 Mio. Euro empor. Die Spezialisten schätzen, dass die Aufwendungen für die Versorgung der nicht Versicherten sich während des zweiten Halbjahrs des Jahres verdoppeln werden.

2013 wurden allein im Krankenhaus „Evangelismos“ mehr als 1.600 Patienten versorgt, die keinen Versicherungsschutz hatten. Von diesen gestanden nur 57 ihre Mittellosigkeit ein. Dieses Eingeständnis stellte außerdem kein Hindernis dar, da es ein offenes Geheimnis ist, dass die Ärzte in den öffentlichen Krankenhäuser unter Berufung den Hippokrates-Eid die wirtschaftlich Schwachen regelwidrig sogar durch die Hintertür des Krankenhauses hereinließen. Aufzeigend für die Verzweiflung, die immer mehr Bürger durchleben, ist die Tatsache, dass die übrigen der über 1.000 nicht versicherten Patienten, die 2013 im „Evangelismos“ behandelt wurden, noch vor ihrer regulären Entlassung buchstäblich aus dem Krankenhaus flüchteten. Einige deklarierten wiederum falsche Personenangaben, damit die unbezahlte Rechnung nicht zur (Zwangs-) Beitreibung an das Finanzamt geschickt wird.

(Quelle: in.gr, Medienberichte)

Relevante Beiträge:

  1. Berni
    11. Oktober 2014, 12:24 | #1

    Jeder Sozialstaat kommt für die Krankenversicherung seiner mittellosen. bzw. arbeitslosen Bürger und deren Familie auf. Und das sollte auch die Pflicht jedes EU-Staates sein.

  2. Heinz Salomon
    11. Oktober 2014, 21:42 | #2

    Dort wird Ebola den Weg nach Europa finden. Illegale Immigranten und Menschen die aus Angst vor den Kosten nicht zum Arzt gehen können, die im wahrsten Sinne tödliche Mischung. Die wirtschaftsliberalen Spar- und Profitmeister werden die Zivilisation zerstören, sie sind bereits weit gekommen.

  3. GR-Block
    11. Oktober 2014, 23:28 | #3

    @Berni
    Die Abschaffung dieser für Mediziner selbstverständlichen Berufsethik – Pflicht mag es für andere EUler sein – hatte die Troika in einem ihrer Memoranden strikt verlangt – was damals flächendeckend den Ungehorsam der Krankenhausbelegschaften provozierte. Der Minister der Wanderer, Wegelagerer und Buchverkäufer musste sich die Blöße geben, die Zentralkrankenhäuser zu besuchen und den Ärzten Auge in Auge mit Entlassung zu drohen. Das ging aber später, wie wir alle wissen, nach hinten los. Die Begründung war damals die „Endlösung der Einwandererfrage“ durch gesundheitliche Schwächung und erhielt einen Hauch von „Menschlichkeit“ durch die Ausnahme ihrer Kinder. Wohl weißlich, dass kranke Eltern nicht gesunde Kinder ernähren können.
    Inzwischen mag niemand mehr jenen troikanischen Erlass ernst nehmen, sodass wieder jeder LEGAL medizinisch versorgt werden kann. Die Wirkung aber jener Maßnahme hat gestern der Premierminister stolz in seiner Parlamentsrede zur Vertrauensfrage verkündet. Dass nämlich seit einem Jahr die Einwandererzahlen zurück gehen würden. Volltreffer. Der wahre Übeltäter der Krise ist damit wieder in den Mittelpunkt gerückt. Jetzt kann’s wieder aufwärts gehen … mit der EU-Scheinwirtschaft in GR.
    Eine EU, die solche Auflagen einem finanziell in die Predulie geratenen Partnerstaat auferlegt, um sich selbst zu schützen, sollte schleunigst aufgelöst werden, bevor sie noch tatsächlich eine humanitäre Katastrophe anrichtet.

  4. Team
    12. Oktober 2014, 20:50 | #4

    An den „netten“ Oberschulmeister, der uns regelmäßig mit seinen stupiden „Belehrungen“ nervt:

    Der angebliche „Hauptforist“, der etwa „gefühlte“ 50% der Kommentare bestreitet, ist derzeit mit 103 veröffentlichten Kommentaren präsent, was etwa 1,2% der Summe aller publizierten Kommentare entspricht. Die scheinheilig hinterfragten „Belege“ finden sich außer in einschlägigen Beiträgen im Text des Memorandums, das ungekürzt im Internet kursiert. Und nein, es geht nicht um „ungeheuerliches Geschwätz„, selbst die mehr oder weniger unverblümt praktizierte Sozial-Euthanasie ist wissenschaftlich dokumentiert – auch wenn das nicht in das Weltbild bornierter Ignoranten passen mag.

  5. retsinaouzorakis
    12. Oktober 2014, 23:06 | #5

    Bravo Team, es wurde langsam Zeit, dies kundzutun.

  6. Moppel
    13. Oktober 2014, 01:47 | #6

    Wer die im Rahmen der humanitären Katastrophe in Griechenland forcierte Sozial-Euthanasie leugnet, begibt sich auf das selbe Niveau mit den Leugnern des Holocausts!

  7. Götterbote
    13. Oktober 2014, 13:28 | #7

    @Team
    Nicht zum Zwecke des „Beweises“, sondern für Interessierte wie mich, die diese Informationen nicht finden können, wären Links zu den angesprochenen Seiten (z.B. Memorandum) nicht nur hilfreich, sondern würden den ein oder anderen vielleicht endlich mundtot machen. Danke!

  8. Team
    13. Oktober 2014, 17:18 | #8

    @Götterbote
    Einfach mal googeln:
    Greece Memorandum of Economic
    Greece Memorandum of Understanding
    κείμενο μνημόνιο

  9. Götterbote
    14. Oktober 2014, 16:23 | #9

    @Team
    Danke!

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