Über 1 Mio Bürger in Griechenland ließen Immobiliensteuer unbezahlt

8. Oktober 2014 / Aufrufe: 1.952

Über 1 Millionen Eigentümer von Immobilien in Griechenland haben die Ende September 2014 fällig geworden erste Rate zur Immobiliensteuer ENFIA nicht bezahlt.

Schätzungsweise über 1 Million von insgesamt ungefähr 6,2 Millionen Immobilieneigentümern haben sich nicht zu den Banken begeben, um die am 30 September 2014 fällig gewordene erste Rate der neuen Immobiliensteuer (ENFIA) zu bezahlen – und zwar zu einer Stunde, wo die Einsprüche zunehmen und sich die Schulden an die Finanzämter häufen.

Laut einem Artikel der Zeitung „Vima tis Kyriakis“ entschieden sich viele Steuerpflichtige, die ebenfalls Ende September 2014 fällig gewordene zweite Rate der Einkommensteuer 2014 zu begleichen und die Entrichtung der Raten zur ENFIA auf später zu verschieben.

1,2 Mio. Eigentümer haben Anspruch auf Ermäßigungen und Befreiungen

Ein vollständiges Bild darüber, von wem und wie viel gezahlt worden ist, wird es Mitte nächster Woche geben, wenn die Daten von den Banken über alle Zahlungen vorliegen werden, da es wegen des massenhaften Andrangs der Steuerpflichtigen unmöglich ist, dass dem Fiskus zu dem jetzigen Zeitpunkt die endgültigen Daten bekannt sind, welche jedoch die Troika fordert.

Schätzungen zufolge gestaltete sich nach den letzten (erst Anfang September 2014 …!) von dem Parlament ratifizierten Steuerermäßigungen die für die Gesamtheit der Steuerpflichtigen festgestellte Steuer auf 3,5 Mrd. Euro, ohne dass jedoch die Steuerbefreiungen eingerechnet worden sind, die jüngst beschlossen und gesetzlich festgelegt wurden. Weiter schätzen Funktionäre des Finanzministeriums ein, dass von der Gesamtheit der Immobilieneigentümer ungefähr 1,2 Millionen wegen geringer Einkommen usw. einen Anspruch auf eine teilweise oder völlige Befreiung von der Steuer haben.

„Kopfschmerzen“ bereitet dem Wirtschaftsstab der Regierung allerdings auch die von den Präsidenten der Rechtsanwaltskammern des Landes „gezündete“ massenhafte Welle der Einsprüche gegen die ENFIA. Bisher haben bei den Finanzämtern wenigstens 50.000 Bürger Widerspruch gegen die zu ihren Lasten festgestellte ENFIA eingelegt (siehe weiter unten).

Immer mehr Griechen verweigern sich der schweren Besteuerung

Die fälligen Verbindlichkeiten aus der ENFIA kommen zu dem „Schuldenberg“ hinzu, der sich bei den Finanzämtern gebildet hat, da allein in den beiden Jahren 2013 – 2014 zu dem langen Katalog der Schuldner 2,4 Steuerpflichtige hinzukamen. Wie der in Rede stehende Zeitungsartikel berichtet, belaufen sich deren in den letzten zwei Jahren kumulierten Schulden auf 15,8 Mrd. Euro.

Für die Regierung stellt es inzwischen eine Einbahnstraße dar, zu einem „Paket“ zur Regulierung für Schulden an das Finanzamt und die Versicherungskassen in bis zu 100 Raten für die Verbindlichkeiten von bis zu 15.000 Euro pro Person und bis zu 72 Raten für höhere Schulden sowie auch zu einem mutigen „Cut“ (von bis zu 90%) der Zuschläge auf fällige Verbindlichkeiten zu schreiten, sofern diese umgehend beglichen werden.

Ermäßigungen und Befreiungen bis 25/10/2014 im TAXISnet

Wie ein Funktionär des Finanzministeriums betonte, werden bis zum 25 Oktober 2014 die neuen Zahlungsbescheide zur ENFIA mit den Ermäßigungen und Befreiungen im TAXISnet eingestellt werden. Er fügte an, dass all jene, die innerhalb des Monats Korrekturerklärungen einreichen, die Erstattungen nach der Korrektur der Fehler im Dezember erhalten werden, während allen Steuerpflichtigen, die ein Anrecht auf eine bis zu 100%ige Befreiung von der Steuer haben und Raten bezahlt haben, die Beträge umgehend und ohne Prüfung zurückgezahlt werden.

Fristen für Widerspruch gegen die ENFIA-Bescheide

Allgemein können die zur ENFIA veranlagten Steuerpflichtigen bei den Finanzämtern bis zum 17 Oktober 2014 Widersprüche einreichen. Gemäß den am vergangenen Wochenende ergangenen Anweisungen des Generalsekretariats für öffentliche Einnahmen (GGDS) reichen die Fristen für das Widerspruchsverfahren jedoch fallweise bis Ende Januar 2015.

Die erste Welle der Widersprüche gegen die ENFIA kam bis zum 30 September 2014 zum Abschluss und bezog sich auf Steuerpflichtige, welche die am 31 Juli 2014 ergangenen Steuerbescheide zur ENFIA anfochten. Die zweite Welle der Widersprüche bezieht sich auf die Resultate der neuen Feststellung nach den letzten Änderungen bei der ENFIA. In diesem Fall können die Steuerpflichtigen den Widerspruch bis einschließlich zum 17 Oktober 2014 bei den Finanzämtern einreichen.

Zwischen 20 – 25 Oktober 2014 sollen die neuen Zahlungsbescheide für die Steuerpflichtigen ergehen, die einen Anspruch auf eine 50%ige Ermäßigung oder völlige Befreiung von der ENFIA haben, sowie auch für diejenigen, die leer stehende (sprich nicht genutzte bzw. vermietete) und (während des gesamten Jahres 2013) nicht elektrifizierte Immobilien besitzen. Diese Steuerpflichtigen haben die Möglichkeit, bis zum 30 November 2015 Wiedersprüche bei den Finanzämtern einzureichen.

Gegen Ende Oktober 2014 wird die elektronische Anwendung für die Modifizierung der Immobiliendeklarationen E9 freigeschaltet werden. Das GGDE wird diese Angaben auswerten und zu einer neuen Feststellung (der ENFIA) für alle Eigentümer schreiten, die unzutreffende oder unvollständige Angaben deklariert hatten. Für sie werden die neuen Zahlungsbescheide zur ENFIA gegen Ende Dezember 2014 ergehen. Diese Steuerpflichtigen werden die Möglichkeit haben, bis zum 30 Januar 2015 Widersprüche bei den Finanzämtern einzureichen.

(Quelle: dikaiologitika.gr, dikaiologitika.gr)

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  1. Athanasios Papapostolou
    9. Oktober 2014, 13:19 | #1

    Ich habe ein Haus in Griechenland und will auch meine Steuern bezahlen. Nur, wenn man in Deutschland wohnt und keine Zeit nach Griechenland zu reisen dann wird es einem unmöglich gemacht die Immobiliensteuer zu begleichen. Ich habe die DEI über deren Kontaktformular gebeten mir deren IBAN Nummer zu geben damit ich meine Schulden begleichen kann. Die Antwort kam 3 Tage später. Die DEI unterstützt keine IBAN und SWIFT Codes. Also das europaweite Versenden von Zahlungen innerhalb der EU wird nicht unterstützt. Wenn man die Schulden begleichen möchte, kein griechisches Bankkonto hat, muss man nach Griechenland reisen und sich 2 Stunden in einer Bank anstellen. Das zum Thema „Griechische Bürokratie“.

  2. Team
  3. Athanasios Papapostolou
    9. Oktober 2014, 21:58 | #3

    Oha, na dann nehme ich meine Kritik wieder zurück. Allerdings frage ich mich wieso die DEI davon nichts weiss. Vielen Dank!

  4. Team
    9. Oktober 2014, 22:15 | #4

    @Athanasios Papapostolou
    Der Hinweis bezieht sich nur auf (Steuer-) Zahlungen an den Fiskus. Eine Begleichung der Stromrechnungen der DEI per SEPA-Überweiung ist bisher tatsächlich nicht möglich (siehe DEI – How to pay).

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