Eldorado der Leihmutterschaft in Griechenland

12. Oktober 2014 / Aufrufe: 4.464

Griechenland gilt als Eldorado für Leihmutterschaften, da es der einzige EU-Mitgliedstaat ist, der die Leihmutterschaft ausdrücklich ermuntert.

Die französische Zeitung Figaro präsentiert in ihrer Sonntagsausgabe einen Bericht über eine Reise in Griechenland und dem „Eldorado der Leihmutterschaft“. Mit Ausgangspunkt eine hochmoderne Einrichtung für außerkörperliche Befruchtungen in Thessaloniki entdeckt die französische Journalistin Stefan Kovac die intensive Nachfrage aus ganz Europa, die speziell nach der Lockerung des einschlägigen Gesetzes im Sommer 2014 die ungefähr 60 Fortpflanzungshilfe-Kliniken des Landes verzeichnen und laut der Reportage „offensichtlich auf den Fortpflanzungs-Tourismus bauen„.

Der Artikel beginnt mit einer „wunderbaren Geschichte der Solidarität“, wie ein Märchen. „Es gab einmal zwei Freundinnen. Die eine von ihnen, die ältere, konnte keine Kinder bekommen. Die zweite – bereits Mutter dreier Kinder – beschloss, einen Samen in ihrer Gebärmutter wachsen zu lassen, um ihrer Freundin das schönste Geschenk zu machen, auf dass diese so lange wartete. Ungefähr so wurde Anastasia für deren Familie zur Heldin und der von ihr geborene – heute fünfjährige – kleine Junge ein Segen für seine Eltern.

In Griechenland betragen die Kosten ein Drittel der Kosten in den USA

Auf der Suche nach den Gründen, aus denen Griechenland die Bürokratie umgeht und einen fortschrittlichen und vollständigen gesetzlichen Rahmen rund um die Leihmutterschaft vorantreibt, fragt Frau Kovac den Juristen Takis Vidalis, der wissenschaftlicher Mitarbeiter des nationalen Ausschusses für Bio-Ethik ist, um seine Ansicht. „Ziel Griechenlands – wo es ungefähr 60 Kliniken für Befruchtungshilfe gibt, also eine recht hohe Anzahl für ein Land mit 11 Mio. Einwohnern – ist, den Leihmutterschafts-Tourismus zu ermuntern und den Vereinigten Staaten einen Marktanteil abzugewinnen„: während auf der anderen Seite des Atlantiks das gesamte Verfahren ungefähr 100.000 Euro kostet, bietet Griechenland dreimal niedrigere Preise. Offiziell darf eine Eizellen-Spenderin bis zu 1.000 Euro und eine Leihmutter 10.000 Euro erhalten.

Gemäß einem Bericht in Zusammenhang mit den unterschiedlichen Politiken der Mitgliedstaaten in dem konkreten Thema – den das EU-Parlament 2013 veröffentlicht hatte und der auch im Artikel der Figaro angeführt wird – „ist Griechenland das einzige Land in der Europäischen Union, welches das Verfahren der Leihmutterschaft ausdrücklich erleichtert„. Wie die Autoren des Berichts enden, „kann die griechische Gesetzgebung als stabile Basis für die Reform auch der anderen Gesetzgebungen in der EU genutzt werden“. „Wir sprechen von einem internationalen Markt. Immer mehr ausländische Staatsangehörige werden Griechenland wählen: es ist sehr signifikant, dass es von nun an eine realistische und nicht moralistische Revision für diesen Markt gibt„, betont Herr Vidalis von seiner Seite.

Leihmutter hat nach Geburt des Kindes nichts mehr mitzureden

Für die Bedürfnisse der Reportage folgt die Journalistin Kovac den zukünftigen Eltern bei dem schönen Abenteuer ihres Lebens. Sie begegnet einigen im Wartezimmer einer Einrichtung für außerkörperliche Befruchtungen in Thessaloniki (Anmerkung: gemeint ist das Zentrum für außerkörperliche Befruchtung „Agia Triada“ = „Heilige Dreifaltigkeit“). Sie sprechen zu ihr von der „Feen-Triade“, die sie „an die Hand nimmt um sie zum Glück zu führen„. Letztere erklärt der Journalistin das Verfahren und die medizinischen Untersuchungen in Thessaloniki, um festzustellen, dass keine Chance für eine Schwangerschaft besteht. Den rechtlichen Part übernimmt der Rechtsanwalt der Klinik, während die „Triada“ – sofern es gewünscht wird – auch Reisebüro-Aufgaben übernimmt und Unterkunft, Beförderung usw. organisiert.

Auf Basis des griechischen Gesetzes sind die Leihmütter verpflichtet, sich speziellen psychologischen Tests zu unterziehen. In der Klinik in Thessaloniki ist laut der Reportage der Schwierigkeitsgrad sehr hoch angesetzt. „Wir unterziehen sie der mehrphasigen Persönlichkeitsbeschreibung von Minnesota, wie die Piloten„, betont der wissenschaftliche Leiter Giannis Prapas.

Und natürlich geben sie den zukünftigen Eltern die erforderlichen Ratschläge: nicht den ganzen Betrag im Voraus zu zahlen, weil auch die Möglichkeit einer Fehlgeburt besteht, und der Leihmutter keine Geschenke zu machen, weil sie ständig mehr verlangen könnte. Ab dem Zeitpunkt der Geburt des Kindes hat die Leihmutter nichts mehr mitzureden. Die Eltern sind ihrerseits verpflichtet, das Kind anzunehmen, und zwar sogar auch, wenn es mit Behinderungen geboren wird.

(Quelle: in.gr)

Relevanter Beitrag:

  1. pyramis
    12. Oktober 2014, 22:39 | #1

    Endlich werden auch die dunklen Wahrheiten ins Massenmedium befördert. Wiedereinmal dank ausländischer Presse. Kann man sich die Dunkelziffer im Privaten vorstellen?

  2. Berni
    13. Oktober 2014, 12:24 | #2

    So sieht der moderne Menschenhandel aus, … das Baby als Ware, zum Sonderpreis in Griechenland!

  3. Wunder
    29. Juni 2015, 21:57 | #3

    Ich las dies das erste Mal, dass es in Griechenladn erlaubt ist. Nie echt gehört. Ich habe nur über die Ukraine aus dem europäischen Raum gehört, und zwar Biotexcom. Aber auch Agia Triada werde ich zur Kenntnis nehmen.

Kommentare sind geschlossen