Eigenes Dach in Griechenland „schwerer“ als in ganz Europa!

29. Oktober 2014 / Aufrufe: 2.891

Die steuerliche Belastung des eigenen Dachs über dem Kopf ist in Griechenland heftiger als in allen übrigen Ländern Europas.

Einheitliche Immobilienbesitz-Steuer (ENFIA), Außerordentliche Immobilien-Sonderabgabe (EETIDE / EETA), Immobiliensteuer (FAP) … – die Besteuerung der Immobilien in Griechenland hat sich in den letzten Jahren für den griechischen Steuerzahler zu einer unerträglichen Abzocke entwickelt.

Viele argumentieren, entsprechende Steuern werden auch in anderen Ländern der Europäischen Union erhoben, und der durchschnittliche Anteil, den die Besteuerung des Immobilienvermögens am BIP der OECD-Mitglieder ausmacht, entspreche 3% des BIP. Die Griechen sind nicht die einzigen europäischen Steuerzahler, die zu entsprechenden Zahlungen gezwungen werden. Allerdings führt eine Reihe von Charakteristika zu einer besonders hohen Belastung der griechischen Steuerzahler, wie sich aus den Daten zeigt, die sie mit anderen europäischen Steuerzahlern vergleichen.

Deutschland hat die niedrigste Belastung immobilen Vermögens!

Berücksichtigt man somit beispielsweise die im Januar 2014 veröffentlichte Tabelle der OECD, entsprach 2012 – im letzten Jahr, für das Daten verfügbar sind – die Besteuerung des Immobilienvermögens in Griechenland einem Anteil von 2% des BIP. Dieser Anteil ist der selbe wie in Spanien, jedoch (wie man vertreten könnte) geringer als die 4,2% in England, 3,9% in Frankreich, 3,4% in Belgien und 2,7% in Italien. Einen Sonderfall stellt Deutschland dar, wo diese Steuer gerade einmal 0,9% des BIP erreichte, was zum Ergebnis hatte, dass die OECD Berlin vorschlug, sie zu verdreifachen!

Betrachtet man jedoch parallel für das selbe Jahr das – in Kaufkraft ausgedrückte – verfügbare Einkommen der Haushalte, befindet Griechenland sich mit 19.224 Dollar (etwa 15.200 Euro) auf dem letzten Platz der einschlägigen Tabelle, während es im selben Moment in Deutschland 33.406 Dollar, in Frankreich 30.811 Dollar, in England 27.517 Dollar, in Spanien 20.785 Dollar und in Portugal 20.369 Dollar beträgt. Anders gesagt, die Besitzsteuern belasten das verfügbare Einkommen der griechischen Haushalte überdimensional. Bezeichnend ist, dass ab 2008 und nachfolgend der einschlägige Index (also der verfügbaren Einkommen der griechischen Haushalte) sogar permanent sinkt: 2010 verzeichnete er einen Rückgang von 11,4%, im Jahr 2011 von 10,7%, im Jahr 2012 von 10,8% – was die größten Index-Rückgänge in ganz Europa sind!

Zu berücksichtigen ist auch die Verteilung des Immobilienvermögens unter der Gesamtbevölkerung. Die Immobiliensteuer ist keine Steuer für die wenigen Wohlhabenden. Gemäß den bis 2013 reichenden Daten der Eurostat sind einerseits die europäischen Länder mit dem – auf die Gesamtbevölkerung bezogen – höchsten Immobilienbesitz-Anteil Rumänien mit 96,5% und Litauen mit 92,2%, aber auch 85,7% der Bulgaren, 77,7% der Spanier und 75,8% der Griechen haben … ein eigenes Dach über dem Kopf. In Ländern mit einem höheren Wachstumsrhythmus und einer stärkeren Wirtschaft liegt dagegen der Anteil der Eigentümer niedriger. So sind nur 64,3% der Franzosen, 57,3% der Österreicher und gerade einmal 52,6% der Deutschen Eigentümer einer Immobilie.

Speziell im Fall Deutschlands herrscht die „Tradition“ der Miete (sprich Mietwohnung) seit Ende des 2. Weltkriegs, als wegen der ausgedehnten Zerstörungen bei den Infrastrukturen die schnelle und leichte Unterbringung der Bevölkerung priorisiert wurde, während der Immobilienmarkt über eine Reihe von Jahren zusammen mit der „Kaufpotenz“ der Deutschen schwach blieb.

Viele EU-Länder erheben relativ niedrige Immobiliensteuern

Einige weitere kritische Daten zu der europäischen Besteuerung von Immobilien: Der (griechischen) ENFIA entsprechende (Immobilien-) Steuern werden in Ländern wie Frankreich und England, jedoch nicht Luxemburg, Kroatien (ein Land mit minimaler Besteuerung des Immobilienvermögens) und der Schweiz erhoben.

In Frankreich sind die Steuersätze besonders hoch, wozu allerdings die Untersuchung des Programms Habitat der OECD „Vermögensbesteuerungssysteme in Europa“ („Property tax regimes in Europe“) aus dem Jahr 2013 unterstreicht, dass in Frankreich die Immobiliensteuer nicht auf die Summe des Einheitswertes, sondern für Gebäude auf 50% (und für Grundstücke 80%) erhoben wird. Griechenland hat eine besonders hohe Immobilientransaktionssteuer, die (wie die selbe Untersuchung betont) nur in Belgien noch höher liegt und dort 12,5% erreicht.

Die entsprechende deutsche ENFIA (Grundsteuer) wird auf Einheitswerte erhoben, die im ehemaligen Westdeutschland seit 1964 und in den Bundesländern, die dem ehemaligen Ostdeutschland angehörten, seit 1935 festgesetzt wurden und über Koeffizienten angeglichen werden, welche die Lokalverwaltung festsetzt. Und die Vermögenssteuer in Deutschland belief sich auf gerade einmal 0,26% für Vermögen im Wert von bis zu 38.347 Euro und auf 0,35% für Vermögen ab 38.348 Euro und mehr.

Allgemein weist die Besteuerung des Immobilienvermögens in vielen Ländern Europas relativ niedrigere Sätze auf. Beispielsweise bewegt sich in Österreich die Immobiliensteuer zwischen 0,1% und 0,2% des Wertes der Immobilien, bei Einheitswerten des Jahres 1973. Gemäß dem österreichischen und deutschen Modell wird jede Immobilie gesondert und nicht die Gesamtheit der Immobilien besteuert, während die einschlägige Besteuerung von der Lokalverwaltung eingenommen wird.

Von der Lokalverwaltung eingenommen wird die Immobiliensteuer auch in Spanien, wo sie von der Vermögenssteuer getrennt ist und auf Basis des nationalen Katasters berechnet wird, und zwar mit Preisen, die um ein Mehrfaches unter den heutigen Immobilienpreisen liegen. Was die Zugewinnsteuer betrifft, wird sie in vielen europäischen Ländern erhoben, sofern die Immobilie innerhalb eines kurzen Zeitraums gekauft und wieder verkauft wird – was als Anzeichen gilt, dass der Erwerb zum Zweck der Erzielung eines Wertzuwachses erfolgte.

Besteuerung von Immobilien ohne Einkommen ist verfassungswidrig!

Besonders signifikant – und für den mentalen Unterschied im Verhältnis zu Griechenland bezeichnend – ist, dass in Deutschland und Frankreich verfassungsgerichtliche Urteile befanden, dass die Erhebung einer Immobiliensteuer auf Vermögen, die kein Einkommen erbringen, verfassungswidrig ist!

Laut einem Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1995 darf die Erhebung einer Immobilienvermögenssteuer nicht den Kern des (grundgesetzlichen) Rechts auf Besitz beeinträchtigen. Das Gericht urteilte ebenfalls, dass sogar auch dann, wenn sich aus dem konkreten Vermögen ein Einkommen ergibt, ein Teil von diesem bei dem Eigentümer verbleiben muss – womit die gesamte steuerliche Belastung einer Immobilie 50% des aus dieser herrührenden Einkommens nicht übersteigen darf. Auch das französische Verfassungsgericht fällte am 29 Dezember 1998 ein Urteil, gemäß dem der Besitz einer Immobilie dem Eigentümer ein Einkommen erbringen muss, damit ihre Besteuerung grundgesetzlich akzeptabel ist.

Staaten ohne jegliche Abzocke

Schließlich gibt es auch die Fälle der Länder, in denen es keine systematisch entrichtete Immobilienvermögens-Steuer gibt! Charakteristisches Beispiel eines solchen Landes ist das benachbarte Kroatien, wo es keine jährliche Immobiliensteuer gibt, sondern nur eine einmalige prozentuale Steuer auf den Kauf der Immobilie erhoben wird. Das selbe System gilt ebenfalls auf Malta, in Liechtenstein und in Monaco, wobei allerdings in den beiden letzteren Kleinstaaten der Wert der Immobilien von sich allein außerordentlich hoch ist.

Außer einem Kaufsteuer-Systems analog zu dem Wert der Immobilie und der Besiedlungszone ist eine Immobilienvermögens-Steuer auch in Israel nicht vorgesehen. Entsprechende Beispiele im Mittleren Osten sind Dubai und Bahrain.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autorin: Myrto Mpoutsi)

Relevante Beiträge:

  1. Götterbote
    30. Oktober 2014, 12:07 | #1

    Die Erhebung von Steuern auf Immobilien (eventuell mit Ausnahme beim Kauf einer Immobilie) ist für mich die größte Abzocke der Staaten überhaupt. Steuern dieser Art gehören abgeschafft. Sie beschneiden in meinen Augen Grundrechte der Menschen. Den Leuten wird damit die Möglichkeit genommen, vollkommen autark zu leben. Leider geht es uns allen viel zu gut, um dagegen vorzugehen und die Politiker zum Teufel zu jagen, die so etwas einführen.

  2. GR-Block
    30. Oktober 2014, 21:16 | #2

    Eigenes Dach in Griechenland “schwerer” als in ganz Europa“ Kein Wunder! Wenn man aus den Menschen Geld pressen möchte, dann muss die Presse schwer sein. Bei nur 25% Mietezahlern kann kein ausländischer „Investor“ Geld verdienen. Dann muss eben der Immobilienbesitz eingeschränkt werden. Wenn man es schafft, weitere 25% der Bevölkerung von ihren Immobilien zu befreien, dann entsteht ein Markt von 3,5 Milliarden pro Jahr. Das lohnt sich für einen europäischen Immobilienhai. Hat der Mensch erstmal seine Wohnung verloren, muss er für 30 € Tagelohn jeden Job annehmen, um seine Miete zu bezahlen. Auch das lohnt für einen „Investor“.

Kommentare sind geschlossen