Griechenland: Werden Mercedes, Opel und BMW Steuern zahlen?

8. September 2014 / Aktualisiert: 31. März 2018 / Aufrufe: 1.403

Aus vor über einem Jahr in Griechenland gegen deutsche Fahrzeughersteller verhängten Geldstrafen von 600 Millionen Euro wurde bisher kein einziger Euro beigetrieben.

Obwohl seit der Enthüllung des Themas der skandalösen Steuerhinterziehung deutscher Fahrzeughersteller (Daimler Benz – Mercedes, Opel und BMW) in Griechenland mehr als ein Jahr verstrichen ist und das Dezernat für Wirtschaftskriminalität (SDOE) Geldstrafen von 600.000.000 Euro verhängte, hat die zuständige Finanzbehörde bisher nicht einen einzigen Euro beigetrieben!

Die von dem SYRIZA-Vorsitzenden Alexis Tsipras bei seinem jüngst erfolgten Besuch bei dem SDOE auf politische „Zweckmäßigkeiten“ zurückgeführten Verzögerungen des Beitreibungsmechanismus sind inzwischen auch Gegenstand einer Anfrage des Europa-Abgeordneten der SYRIZA, Dimitris Papadimoulis, an die Europäische Kommission geworden.

Werkspreis von 6.200 €, bei einem Einzelhandelspreis von 27.000 €!

Der EU-Abgeordnete Dimitris Papadimoulis verlangt von der EU, Informationen zu bestätigen, laut denen Ermittlungen durch das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) aufgenommen worden sind, und ihn über das Stadium zu informieren, in dem sich die einschlägigen Ermittlungen befinden. Ebenfalls verlangt er zu erfahren, welche die Haltung der EU gegenüber den konzerninternen Geschäften der multinationalen Gesellschaften ist.

Die im vergangenen Jahr an das Licht gelangte Untersuchung zeigte, dass deutsche Fahrzeughersteller ihre Fahrzeuge nach Griechenland einführen und dabei Werkspreise adoptieren, die deutlich unter den realen und im Vergleich zu anderen Ländern ausgewiesenen Preisen liegen. So wurde beispielsweise ausfindig gemacht, dass ein Modell mit 1.600 cm³ Hubraum einen Werkspreis von gerade einmal 6.200 Euro hatte, und zwar trotz der Tatsache, dass sein Einzelhandelspreis 27.000 Euro betrug. Entsprechend hatte ein vergleichbares Modell eines anderen Fahrzeugherstellers mit einem Einzelhandelspreis von 23.200 Euro einen Werkspreis von 13.800 Euro, also fast nur den halben Einzelhandelspreis.

Finanzministerium studiert alternative Steuermodelle

Quellen des SDOE zufolge wiesen Fahrzeughersteller wie Daimler, Opel und BMW auf den Rechnungen unter dem realen Wert liegende fiktive Werkspreise aus, was zum Ergebnis hatte, dass bei der Verzollung der Fahrzeuge in Griechenland die insgesamt zu entrichtenden Steuern niedriger ausfielen. Je niedriger also die Preise lagen, um so niedriger waren auch die Einnahmen des griechischen Fiskus aus der MwSt. und der auf den (ausgewiesenen) Werkspreis der Fahrzeuge erhobenen Luxussteuer.

In dem einschlägigen Telegramm wird betont, die Händler seien mittels der niedrigeren Preise in der Lage, ihren Kunden höhere Nachlässe einzuräumen, und ebenso eingeschätzt, dass in Griechenland noch weniger Fahrzeuge verkauft werden würden, wenn die Preise höher wären.

Im griechischen Finanzministerium werden jedenfalls die alternativen Modelle studiert, die in diversen anderen Ländern zur Anwendung kommen, damit die mit dem geltenden System für die Steuerhinterziehung sperrangelweit geöffnet bleibende Hintertür geschlossen wird.

(Quelle: dimokratianews.gr)

Relevante Beiträge:

  1. GR-Block
    9. September 2014, 13:13 | #1

    Merkwürdige Versteuerung, wo ein vom ausländischen Hersteller fingierter „Werkspreis“ für die Versteuerung in GR herhalten soll. Das ist ein deutlicher Hinweis der übermäßigen Abhängigkeit griechischer Politikerkarrieren von EU-Konzernen, also von Korruption. Denn so ein Gesetz kann nur einem geschmierten Lobbyisten der EU-Automobilindustrie im Athener Parlament eingefallen sein und müsste eigentlich gegen alle Markt-Regeln der EU verstoßen. Natürlich muss der Endpreis versteuert werden. Nur dann werden ALLE Gewinne vom Hersteller über Zwischenhändler bis zum Endkunden steuerlich gerecht erfasst. Sonst co-finanziert ja der griechische Steuerzahler, ohne es zu bemerken, den Verkauf von MERCEDES-Fahrzeugen durch Markt verzerrende „Steuererleichterungen“.

    „Werkspreis von 6.200 €, bei einem Einzelhandelspreis von 27.000 €!“ In Wirklichkeit ist es Beihilfe zur Steuerhinterziehung nach dem Beispiel westlicher Industriestaaten, wo man sich eine gewaltige Schattenwirtschaft leistet.

    „Finanzministerium studiert alternative Steuermodelle“ Quatsch! Das wäre nämlich das Aus für die eigentlich (nicht nur) in GR unverkäuflichen deutschen Autos und der Exporteuropameister würde zurück auf seinen Platz verwiesen. Aber wer will das schon? Korrupte griechische Automobil-Lobbyisten jedenfalls nicht. Sie werden auch in Zukunft verhindern, dass Steuern hinterziehende – und DADURCH generöse – EU-Konzerne zur Rechenschaft gezogen werden. Schon seit vielen Jahrzehnten genießen deutsche Konzerne besonderen juristischen Schutz in GR, wie jüngst der Fall der DAIMLER AG noch einmal charakteristisch zeigte. 2010/2011 wurde DAIMLER u.a. in RUS und den USA wegen Korruption bei Staatsaufträgen verfolgt. Russische Behörden ermitteln gegen Daimler Dort erfuhr man nebenbei von DAIMLERs Machenschaften in GR. Jedoch, hat das jemanden interessiert? Nein! Das hätte ja bei einer rechtskräftigen Verurteilung zur Konsequenz den Ausschluss von weiteren Staatsaufträgen… nein nicht in GR, sondern in den USA. Also darf da in GR juristisch nichts passieren. Deshalb wird auch die deutsche Autoindustrie in GR nicht juristisch belangt werden (dürfen). Stattdessen wählt man den üblichen Weg des Vergleichs. Wetten wir? Der ist nämlich für alle beteiligten Parteien lukrativ … außer für die beteiligten Völker.

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