Coca-Cola in Griechenland verlangt 1 Mio Euro Schmerzensgeld

21. September 2014 / Aufrufe: 1.808

In dem Bestreben, den jüngst gerichtlich für legitim befundenen Boykott in Griechenland niederzuschlagen, klagt Coca-Cola nun auf 1 Mio. Euro Schmerzensgeld.

Die Coca-Cola 3E kehrt mit einer neuen Klage gegen 28 Beschäftigte und Gewerkschaftler zurück, die mit dem auf die Wiederinbetriebnahme ihrer Fabrik in Thessaloniki abzielenden Boykott ihrer Produkte Zusammenhang stehen, und fordert von Arbeitslosen und Entlassenen eine Million Euro (!) als „finanzielle Befriedung wegen immateriellen Schadens„.

Und dies sogar nur kurz nach dem Urteil der Einzelrichterkammer des Landgerichts Athen, das gegen Ende August den Boykott als legales Druckmittel befand. Die Arbeitnehmer sprechen von einer Provokationsklage und betonen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen und ihren Kampf fortsetzen werden.

Die Klage der Coca-Cola bezeugt den großen Erfolg des Boykotts

Informationen zufolge ähnelt der Inhalt der bei der mehrsitzigen Kammer des Landgerichts Athen eingereichten Klage der Gesellschaft der vorherigen Klage, die verlangte, den Boykott als illegal zu erklären, und die Verfassungskonformität des Boykotts als gewerkschaftliches Mittel in Frage stellte. Die Verhandlung der gegen alle Mitglieder des Vorstands des Panhellenischen Verbands der Arbeitnehmer der Getränkeabfüller (POEEP), die Mitglieder des Vorstands des Verbands der Arbeitnehmer der Coca-Cola 3E in der Fabrik in Thermi bei Thessaloniki und die übrigen zu einem Boykott aufrufenden streikenden und entlassenen Arbeitnehmer der Gesellschaft gerichtete Klage wurde für Februar 2017 anberaumt.

Die Klage hat terroristischen Charakter. Alle Vorstandsmitglieder des POEEP, der Vorstand des Arbeitnehmerverbands in Thessaloniki und sonstige Arbeitnehmer werden als Anstifter des Boykotts beklagt. In Europa gibt es jedoch entsprechende Fälle, in denen die Beschäftigten Recht erhielten. Wir werden unseren zusammen mit den Entlassenen und Streikenden der Coca-Cola geführten Kampf nicht beenden, wenn die Fabrik in Thessaloniki nicht wieder in Betrieb genommen wird„, äußert gegenüber der „Zeitung der Redakteure“ der Vorsitzende des POEEP, Vasilis Artemiou, und meint, derartige Züge der Coca-Cola bezeugen den großen Erfolg, mit dem der Boykott gekrönt worden ist, für den – wie er mitteilt – inzwischen sogar auch landesweites Interesse gezeigt wird.

Im Gespräch mit dem Radiosender „Sto Kokkino 93,4“ in Thessaloniki betonte der Vorsitzende des Verbands der Beschäftigten der Coca-Cola, Grigoris Papadopoulos, die entlassenen und streikenden Beschäftigten der multinationalen Gesellschaft werden ihren Kampf unerschrocken fortsetzen und schicken sich an, bei der nächsten Versammlung des Stadtrats mit dem Ziel zu intervenieren, dass eine Protestnote ergeht.

„Der Multi provoziert“

Die neue provokante Klage des Multis zielt einerseits auf die Terrorisierung der Beschäftigten ab, damit sie ihren gerechten Kampf aufgeben, und andererseits stellt sie das Urteil des Landgerichts Athen in Frage, dass die Bemühung um die Verhängung von Sicherungsmaßnahmen mit Hauptantrag das Verbot des Boykotts abweist.

Laut der Version der Coca-Cola: „könne keine Ansicht akzeptiert werden, der ‚Boykott‘ unserer Produkte stelle ein geeignetes Druckmittel für das Gedeihen der Forderungen unserer ehemaligen Beschäftigten dar, also damit unsere Produktionsanlage in Thessaloniki ‚wieder in Betrieb genommen wird‘, und dies, weil bereits der Wille unserer Gesellschaft geäußert ist, dass die Fabrik in Thessaloniki nicht wieder in Betrieb genommen werden soll …„, lautet es unter anderem in der anlässlich der neuen Klage des Multis ergangenen Pressemitteilung des POEEP.

(Quelle: Zeitung der Redakteure, Autor: Michael-Angelos Konstantopoulos)

Relevante Beiträge:

  1. Jürgen Benthien
    21. September 2014, 13:51 | #1

    Wir wünschen im Kampf gegen die Cola- Multis viel Erfolg. Bravo und Respekt für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Weiter so und zeigt ihnen die Zähne.

  2. Michael W.
    21. September 2014, 21:16 | #2

    Bei TTIP hätte wohl Coca-Cola recht bekommen und das ohne Öffentlichkeit! Auch ich wünsche Mitarbeiter/innen die Geduld und weiterhin viel Erfolg!

  3. Ronald
    23. September 2014, 21:46 | #3

    Der Vollständigkeit sei angemerkt, dass das Erheben einer Klage vor Gericht – sei sie nun berechtigt oder nicht – niemals einen terroristischen Charakter hat, sondern ein legitimes Grundrecht eines jeden ist. Wer das Anrufen eines Gerichtes als Akt des „terroristischen Charakters“ bezeichnet, hat wohl die Grundzüge des Rechtsstaates nicht erkannt.

    • Team
      24. September 2014, 01:47 | #4

      Ronald :

      … hat wohl die Grundzüge des Rechtsstaates nicht erkannt.

      Wer solchen Stuss ejakuliert, ist offensichtlich mit sehr viel schwerwiegenderen Defiziten geschlagen …

  4. Ehrengard Becken-Landwehrs
    26. September 2014, 13:59 | #5

    Ein Vorgeschmack auf die Freischwindelabkommen! Wären sie aktiv, hätte Coca Cola gewonnen, weil das nicht vor einem ordentlichen Gericht, sondern vor einem für die Konzerne arbeitenden dreiköpfigen Konsortium abgelaufen. Einspruch nicht möglich. Rechtsstaatliche Einrichtungen werden so ad absurdum geführt! Vielleicht wachen jetzt doch noch die ignoranten und verschlafenen Bürger Europas auf?! Respekt, liebe Griechen, die Ihr diesen geldgierigen Heuschrecken die Zähne zeigt und viel Erfolg im Kampf!

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