Fragen und Antworten zur Immobiliensteuer 2014 in Griechenland

11. August 2014 / Aufrufe: 5.634

Zur Klärung des Chaos um die Immobiliensteuer in Griechenland stehen grundlegende Beschlüsse aus, einige Fragen können jedoch schon jetzt beantwortet werden.

Fast zwei Wochen nach Beginn der Ausstellung der Bescheide zu der neuen „Einheitlichen Immobilienbesitz-Steuer“ (ENFIA) in Griechenland haben die Eigentümer – insgesamt 6,15 Millionen natürliche und über 40.000 juristische Personen – weiterhin unbeantwortete Fragen dazu, wie und wann sie die allgemeine Immobiliensteuer zu entrichten haben werden.

Nach dem verursachten Chaos sah die griechische Regierung sich gezwungen, die Beitreibung der ENFIA um einen Monat hinauszuschieben und Hals über Kopf Korrekturen anzukündigen. Mit den erforderlichen Beschlüssen und Erlassen (bei denen natürlich auch die Troika ein „gewichtiges Wörtchen mitreden“ wird) ist allerdings nicht vor Ende August 2014 bzw. erst gegen Mitte September 2014 zu rechnen. Einige Fragen lassen sich jedoch bereits auf Basis der bisher erfolgten Bekanntmachungen des Finanzministeriums beantworten.

Fragen und Antworten zur neuen Immobiliensteuer ENFIA in Griechenland

1. Wann wird die erste Rate der ENFIA fällig?
Die Regierung gab mittels ihres Sprechers bekannt, dass die erste Rate Ende September 2014 zu zahlen sein wird. Bisher nicht bekannt geworden ist, ob auch die Frist für die gesamte Begleichung der Steuer verlängert werden wird. Das Gesetz über die ENFIA sieht vor, dass die Begleichung bis Ende Dezember 2014 zu erfolgen hat. Wenn es also keine Gesetzesänderung gibt, wird die Begleichung in vier Raten erfolgen müssen, von denen eine „doppelt“ sein wird. Ein für die Steuerzahler günstigeres Szenarium sieht dagegen vor, dass das Gesetz geändert und die Möglichkeit geboten werden wird, die Steuer in (bis zu) sechs Raten zu begleichen, von denen dann die letzte im Februar 2015 fällig werden würde.

2. Wird der per Internet bereitgestellte Zahlungsbescheid gültig bleiben?
Logischerweise wird für die Gesamtheit der Steuerpflichtigen eine neue Bescheinigung (Zahlungsbescheid) auszustellen sein, da ab dem Augenblick, wo die Fälligkeit der ersten Rate verschoben wurde, die vorhandenen Bescheinigungen … nicht mehr stimmen.

3. Für welche Immobilien wird der Berechnungsmodus der Steuer korrigiert werden?
Laut den Bekanntmachungen des Finanzministers Gkikas Chardouvelis im Parlament wird der Berechnungsmodus der Steuer sich für in 4.000 Ansiedlungen des Landes liegende Immobilien ändern. Dabei geht es um Immobilien, die sich außerhalb des Einheitswertsystems, jedoch innerhalb des Bebauungsplans befinden.

4. Welche wird die Änderung bei dem Berechnungsmodus sein?
Es werden – immer laut den Bekanntmachungen des Finanzministers Chardouvelis – die Preise zur Anwendung kommen, die für die Berechnung der Immobiliensteuer (FAP) des Jahres 2013 herangezogen wurden. Was im vergangenen Jahr geschah? In 457 Gebieten des Landes kamen Zonenpreise zur Anwendung, die auf Beschluss des (damaligen) Staatsekretärs im Finanzministerium, Giannis Mavraganis festgesetzt wurden, während in anderen Gebieten die Vergleichswerte der lokalen Finanzämter (DOY) herangezogen werden.

5. Begünstigt diese Änderung die Eigentümer?
Ja, da auf Basis des ENFIA-Gesetzes die Steuern auf die innerhalb des Bebauungsplans, jedoch außerhalb des Einheitswert-Systems befindlichen Immobilien auf Basis des niedrigsten Preises innerhalb des Gebiets der Kommune oder des Bezirks festgesetzt wurden – also der niedrigste Preis des Einheitswert-Systems in der weitläufigeren Gegend veranschlagt wurde. Die auf diese Weise 2014 für die Berechnung der ENFIA herangezogenen Preise des Einheitswert-Systems lagen im Verhältnis zu den Werten, die für die FAP des Jahres 2013 angewendet wurden, sogar bis zum 10fachen höher.

6. Muss der bereits ausgestellte Bescheid zur ENFIA ausgedruckt werden oder wird er sich so wie so ändern?
Der ergangene Bescheid muss auf jeden Fall abgerufen / ausgedruckt werden, da nur so die Angaben überprüft werden können, auf deren Basis das Finanzministerium die Steuer berechnete. Tatsache ist, dass sich für gewisse Immobilien das Verfahren der Berechnung der Steuer ändern wird. Jedoch haben Sie eventuelle eigene Fehler ausfindig zu machen, wie beispielsweise die fehlende Angabe des Stockwerks, die Deklarierung des Grundstücks bei Wohnungen in Mehrparteienhäusern, die nicht erfolgte Angabe der Fronseiten eines Grundstücks usw. Ebenfalls haben Sie zu untersuchen, ob das Finanzamt irgendeine Immobilie als nicht deklariert behandelt hat, weil ihm nicht alle für die Berechnung der Steuer benötigten Angaben vorliegen.

7. Wie werden die in unserem Bescheid gefundenen Fehler korrigiert werden?
Für die Korrektur des / der Fehler(s) besteht ein zeitlicher Spielraum bis Ende November 2014. Im September 2014 wird die elektronische Anwendung freigeschaltet werden, mittels derer die erforderlichen Korrekturen (der Immobiliendeklaration E9) erfolgen können. Korrekturen werden auch nach dem 30 November 2014 möglich sein, wenn jedoch der konkrete Zeitraum (sprich die Frist bis Ende November 2014) verstreicht, wird das Finanzamt beginnen, Geldstrafen und Zuschläge zu berechnen. Nach der erfolgten Korrektur wird das Finanzamt einen neuen Bescheid (zur ENFIA) ausstellen.

8. Welche gesellschaftlichen Gruppen haben ein Recht auf Steuerermäßigung?
Die Gruppen werden im ENFIA-Gesetz beschrieben. Einen Anspruch auf eine Ermäßigung in Höhe von 50% des Steuerbetrags haben u. a. Steuerpflichtige mit einem (realen oder fiktiven) persönlichen Jahreseinkommen von unter 9.000 Euro, sofern die Fläche ihrer Gebäude 150 Quadratmeter nicht übersteigt. Speziell für Kinderreiche und Personen mit einem Behinderungsgrad von über 80% ist eine völlige Befreiung von der ENFIA möglich, sofern die entsprechenden Einkommens- und Vermögenskriterien erfüllt werden.

9. Wie wird die Steuerermäßigung oder Steuerbefreiung anerkannt werden?
Es wird ein – bis Ende August 2014 erwarteter – einschlägiger Beschluss der Generalsekretärin für öffentliche Einnahmen ergehen. Mit dem Beschluss wird bestimmt werden, ob man sich zum Finanzamt begeben muss oder nicht, um die Ermäßigung oder die Befreiung zu erhalten.

10. Die Unternehmen wurden ebenfalls besteuert. Gibt es auch für sie eine Regelung?
Das Gesetz sieht vor, dass die Unternehmen – sofern sie konkrete Voraussetzungen erfüllen – weiterhin berechtigt sind, für 3 Jahre innerhalb eines Jahrzehnts einen Aufschub bei der Zahlung der Steuer sicherzustellen.

Erst zahlen, dann fragen …

Wie eingangs erwähnt, ist mit den erforderlichen Beschlüssen und Erlassen nicht vor Ende August 2014 zu rechnen. Einschlägigen Informationen zufolge soll dem „Sommerparlament“ am 25 August eine Novelle vorgelegt werden, die jedoch selbst im Fall einer „reibungslosen“ Verabschiedung bestenfalls „klärungsbedürftig“ sein wird … . Im Rahmen der bisher erfolgten Ankündigungen und Bekanntmachungen wurde beispielsweise tunlichst vermieden, verbindlich auf das heiße Thema der Rückerstattung aus welchem Grund auch immer erfolgter bzw. mehr oder weniger erzwungener „Überzahlungen“ einzugehen.

Nach dem derzeitigen Stand der Dinge werden sogar die Steuerpflichtigen, denen auf Basis des bereits im vergangenen Jahr (2013) verabschiedeten Gesetzes N. 4223 / Artikel 7 global eine Ermäßigung oder Befreiung von der ENFIA eingeräumt wurde, erst einmal zumindest die 1. Rate – wenn nicht gar den gesamten Betrag – der (trotzdem) vollumfänglich festgestellten ENFIA fristgerecht entrichten und sich dann „durch die Instanzen kämpfen“ müssen, um ihre Ermäßigung / Befreiung einzufordern – was höchstwahrscheinlich (wie auch im Fall aller übrigen aus jedem beliebigen Grund erfolgten „Überzahlungen“) in einer Verrechnung mit zukünftigen Steuerschulden resultieren wird!

(Quelle: Naftemporiki)

Relevante Beiträge:

  1. Theo
    11. August 2014, 19:13 | #1

    Guten Tag,
    Ich bin 75 Jahre alt und lebe seit 50 Jahren in Deutschland. Habe in Deutschland mit meiner Frau zusammen eine geringe Rente von 1100 brutto. Nun habe ich vor einiger Zeit von meiner Mutter eine unbewohnbares Haus in Griechenland vererbt bekommen. Dieses Haus soll jetzt laut dem griechischen Finanzamt besteuert werden. Da ich in Griechenland keinerlei Einkommen habe, wollte ich fragen ob die Besteuerung rechtens ist?
    Mit freundlichen Grüßen,
    Theo

  2. Team
    11. August 2014, 22:37 | #2

    @Theo
    Ja, nach geltendem Gesetz ist die Besteuerung der Immobilie rechtens.

  3. Elisabeth
    20. August 2014, 12:18 | #3

    Guten Tag,

    nach vielem Suchen habe ich den Steuerbescheid ENFIA bei der griechischen Steuerbehörde gefunden. Der Bescheid ist mit einer Steuer von ca. 1200 Euro Gesamsteuer ausgewiesen, jedoch n i c h t in 5 Raten. Kann ich quasi selbst meine Raten bestimmen?? Oder muss eventuell die Summe in diesem Fall in einer einzigen Zahlung geleistet werden?

    Außerdem ist ein Grundstück von 160 qm ausgewiesen, welches aber vor 2 Jahren verkauft wurde, wogegen ein anderes von 73 qm genau gegenüber fehlt. (Die Steuersumme ist nicht hoch und deshalb nicht relevant). Bekomme ich Schwierigkeiten, wenn ich das so belasse bis zu meinem nächsten Griechenland-Aufenthalt im Mai/Juni 2015?? Ich wohne in Deutschland, die zu zahlenden Steuern sind aufgrund einer Erbschaft entstanden und ich fliege nur einmal im Jahr nach GR, hauptsächlich um mit meinem Steuerberater die Steuererklärung zu fertigen.

    Vielen Dank für einen kurzen Bescheid.

    Mit freundlichen Grüßen
    Elisabeth

  4. Team
    20. August 2014, 13:13 | #4

    @Elisabeth
    Es ist zwischen dem detaillierten Steuerbescheid („Steuerfestsetzungsakt nach Gesetz N. 4223/2013“) und dem zusammenfassenden Zahlungsbescheid zu unterscheiden. Der Steuerbescheid führt alle besteuerten Immobilien jeweils einzeln nebst den besteuerungsrelevanten Charakteristika auf und dient der Informierung des Steuerpflichtigen. Der Zahlungsbescheid weist dagegen in zusammenfassender Form nur den Gesamtbetrag der Steuerschuld, das Fälligkeitsdatum der entsprechenden Raten sowie die ID der Steuerschuld („Tavtotita Ofilis“) aus. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge sind jedoch alle bisher ergangenen Steuer- und Zahlungsbescheide zur ENFIA hinfällig, die neuen – korrigierten – Bescheide werden voraussichtlich ab Mitte September 2014 ergehen.

    Werden in dem Steuerbescheid unzutreffende Angaben festgestellt, beruhen diese mit großer Wahrscheinlichkeit auf einer inkorrekten Immobiliendeklaration E9. Abgesehen von einer daraus ggf. resultierenden Über- / Unterbesteuerung handelt es sich dabei auf jeden Fall um einen strafbewehrten Verstoß gegen die geltende Steuergesetzgebung. Speziell bezüglich der diesjährigen Immobiliendeklaration E9 soll den Steuerpflichtigen die Möglichkeit geboten werden, ab Mitte September bis Ende November 2014 „straffrei“ korrigierende Immobiliendeklarationen abgeben zu können, woraufhin verständlicherweise ein neuer Bescheid zur ENFIA ergehen wird. Korrigierende Erklärungen E9 werden auch nach Ablauf dieser Frist möglich sein, dann jedoch zu den vorgesehenen Sanktionen führen (Geldstrafen, Säumniszuschläge, Zinsen). Alles weitere sollte demnach möglichst zeitnah mit dem Steuerberater abgesprochen werden.

  5. Jorgo
    22. September 2014, 15:27 | #5

    Hallo Zusammen, gibt es eine Möglichkeit die Immobiliensteuer aus Deutschland zu überweisen?

  6. Peter Schaff
    1. Oktober 2014, 01:47 | #7

    Bitte nicht so ungeduldig — danke für den wohl noch-nochmaligen Verweis — gerade jetzt wo’s ums Bezahlen geht, habe ich danach gesucht, wie es mit Überweisung geht. Auf meinem Bescheid steht nämlich nix hins. IBAN oder BIC des Finanzamtes. Und hier auf der Insel in der Bank stehen 10 Leute vor mir und d.h. 90 Minuten warten.

  7. Bartholomae Juergen
    21. November 2014, 12:28 | #8

    Mein Hauptwohnsitz ist Deutschland. Habe den Immobilienbescheid erhalten. Wie und wo kann ich die Steuer bezahlen? Gibt es eine Bankverbindung? Da ich erst 2015 wieder nach Griechenland komme, muss es doch eine Möglichkeit geben die Steuer per Internet banking zu bezahlen?

  8. Team
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