Bescheide zur Immobiliensteuer 2014 in Griechenland

3. August 2014 / Aktualisiert: 07. August 2014 / Aufrufe: 2.646

Da Bescheide zur Immobiliensteuer in Griechenland nur noch elektronisch ergehen, müssen die Steuerpflichtigen selbst dafür sorgen, die Bescheide abzurufen.

Mit fast einmonatiger Verzögerung ergehen in Griechenland seit dem 01 August die diesjährigen Bescheide zur neuen „Einheitlichen Immobilienbesitzsteuer“ (ENFIA) und werden bis Ende des Monats nach und nach in den entsprechenden Anwendungsbereichen des Steuerportals unter www.gsis.gr eingestellt.

Da die Steuerbescheide nur noch in elektronischer Form bereitgestellt und nicht mehr per Post verschickt werden und parallel in vielen Fällen nicht einmal die vorgesehene Benachrichtigung per E-Mail erfolgt, sind die Steuerpflichtigen bzw. deren beauftragte / bevollmächtigte Steuerberater oder Vertreter aufgefordert, selbst dafür Sorge zu tragen, die Steuer- / Zahlungsbescheide rechtzeitig abzurufen um die Steuer fristgemäß entrichten zu können.

Entrichtung in bis zu 5 Monatsraten gleicher Höhe von minimal 10 Euro

Unabhängig von dem Datum der tatsächlichen Aus- bzw. Bereitstellung lautet das Ausstellungsdatum der Steuer- / Zahlungsbescheide auf den 31 Juli 2014. Um trotz der Verzögerungen bei der Feststellung die diesjährige Immobiliensteuer bis Ende 2014 beizutreiben, wurde die maximale Anzahl der Raten von anfänglich 6 auf nunmehr nur noch 5 monatliche Raten von gleicher Höhe und minimal 10 Euro reduziert, von denen die erste am 29 August 2014 und jede weitere jeweils am letzten Werktag des Folgemonats fällig ist. (Nachtrag: Am 07 August 2014 wurde die Verschiebung der Fälligkeitsfristen um jeweils einen Monat bekannt gegeben!) Ob bei Entrichtung des gesamten Betrags der festgestellten Steuerschuld bis zum Fälligkeitsdatum der ersten Rate der übliche „Rabatt“ in Höhe von 1,5% des Gesamtbetrags gewährt werden wird, ist derzeit unbekannt. Auf den bisher ergangenen Zahlungsbescheiden ist diese Option jedenfalls nicht vorgesehen.

Im Fall der Anzweiflung des (Steuer-) Feststellungsakts muss der Veranlagte innerhalb von dreißig (30) Tagen ab der Bekanntgabe des Akts / Bescheids (also bis Ende August 2014, da das Ausstellungsdatum der Bescheide ungeachtet der tatsächlichen Ausstellung pauschal auf den 31 Juli 2014 rückdatiert ist!) Widerspruch gemäß Artikel 63 der Steuerprozessordnung (KFD) mit dem Antrag auf eine erneute Untersuchung des Feststellungsakts durch die „Direktion für Schlichtungen von Differenzen“ des Generalsekretariats für öffentliche Einnahmen (GGDE) einlegen. Die Anfechtung des Akts / Bescheids direkt vor den Verwaltungsgerichten ist unzulässig (!).

Fallen & Fettnäpfchen …

Wie üblich haben die Knallköpfe (ganz bestimmt nicht nur) des Finanzministeriums wieder einmal – gleich ob vorsätzlich oder nicht – Fallen und Fettnäpfchen aufgestellt, die sich für zahlreiche Steuerpflichtige als fatal, wenn nicht sogar katastrophal erweisen können.

Damit die Steuerpflichtigen nicht alltäglich die entsprechenden Anwendungen des TAXISnet-Systems durchforsten müssen, ist grundsätzlich vorgesehen, sie parallel zu der Einstellung der Bescheide zur Immobiliensteuer / ENFIA im TAXISnet auch per Mitteilung an die im System hinterlegte E-Mail-Adresse zu benachrichtigen. Da Ehepaare in Griechenland hinsichtlich der Einkommensteuer grundsätzlich zur Angabe gemeinsamer Erklärungen verpflichtet sind, wurde (ursprünglich obligatorisch) und wird (mittlerweile optional) üblicherweise ein (gemeinsamer) TAXISnet-Account auf den Namen / die Steuer-ID des Ehemanns geführt, zumal im Regelfall der – wenn auch jeden Ehepartner eigenverantwortlich belastende – Einkommensteuerbescheid nach wie vor an den Ehemann ergeht. Deswegen ist in diesen Fällen auch nur eine E-Mail-Adresse des Ehemanns hinterlegt.

Die Veranlagung zur ENFIA erfolgt auf Basis der berüchtigten „Immobiliendeklaration“ (E9). Obwohl diese Erklärung im Regelfall obligatorisch „elektronisch“ (sprich per TAXISnet) abzugeben ist, wurde diesem Umstand jedoch insofern nicht gebührend Rechnung getragen, als die Bescheide zur ENFIA nicht dem gemeinsam geführten TAXISnet-Account zugeordnet werden, geschweige denn eine Benachrichtigung an die hinterlegte E-Mail-Adresse (des Account-Inhabers, sprich Ehemanns) erfolgt. Ebenfalls wird die aus der ENFIA resultierende Steuerschuld der Ehefrau nicht in dem von dem Ehemann geführten TAXISnet-Account ausgewiesen, womit die Beobachtung und eventuelle „Regulierung“ der konkreten Steuerschuld per TAXISnet unmöglich ist!

Um an den entsprechenden Steuer- / Zahlungsbescheid „heranzukommen“, bleibt den Betroffenen nichts anderes übrig, als sich in den kommenden Tagen regelmäßig unter der Steuer-ID der Ehefrau in die Anwendung „Immobiliendeklaration / E9“ einzuloggen und die – sofern ergangenen – Bescheide für das Jahr 2014 abzurufen.

Ein weiterer „Knackpunkt“ verbirgt sich in der Regelung in Artikel 7 des Gesetzes N. 4223, laut der unter bestimmten Voraussetzungen wirtschaftlich schwachen, kinderreichen und Haushalten mit Schwerbehinderten „auf Beschluss der Steuerverwaltung“ im ersten Fall eine 50%ige Ermäßigung auf die ENFIA oder in den beiden letzten Fällen die völlige Befreiung von der Steuer gewährt wird. Jeder logisch denkende Mensch würde davon ausgehen, dass die Gewährung der in Rede stehenden Ermäßigung oder Befreiung zumindest in all den Fällen „automatisch“ erfolgen würde, in denen die der Steuerverwaltung vorliegenden Daten dies ohne weitere Nachforschungen / Rückfragen gestatten. Wie inzwischen ergangene Zahlungsbescheide zeigen, ist dies jedoch definitiv nicht der Fall, stattdessen wurde angekündigt, Einzelheiten bezüglich des zu befolgenden Verfahren sollen in den kommen Tagen bekannt gegeben werden.

Angesichts einer Reihe weiterer Unklarheiten und Widersprüchlichkeiten, auf die hier nicht weiter eingegangen wird, weil sie sich überwiegend auf fallspezifische Konstellationen beziehen, ist mit ergänzenden Auslegungen und Runderlassen zu rechnen. Deswegen sollten auch die Steuerpflichtigen, die inzwischen ihre ENFIA-Bescheide abgerufen / erhalten haben, nichts überstürzen und erst einmal „abwarten und Tee trinken“, sofern sie auch nur die geringsten Zweifel hegen.

Abschließend sei angemerkt, dass gemäß einer jüngst erfolgten Bekanntmachung des Generalsekretariats für öffentliche Einnahmen (GGDE) den Steuerpflichtigen die Möglichkeit eingeräumt wird, ungeachtet der Mitte Juli 2014 verstrichenen Abgabefrist in einer Überbesteuerung resultierende unvollständige / inkorrekte „Immobiliendeklarationen“ (E9) bis zum 30 November 2014 „ungestraft“ (sprich ohne Verhängung von Säumnisgebühren, Strafsteuern usw.) korrigieren zu dürfen. Falls sich allerdings aus einer solchen Korrektur eine Minderung der anfänglich festgestellten ENFIA um über 300 Euro ergibt, wird zwangsläufig eine Steuerprüfung angeordnet werden.

(Quelle: diverse Medienberichte)

Relevante Beiträge:

  1. Catalina
    3. August 2014, 20:10 | #1

    Diese Bescheide werden die Regierung stürzen! Mit Absicht wurde der Beginn der Einstellung der Bescheide ins Steuerportal wohl auf ein Wochenende und in die absolute Urlaubszeit für Griechen, Anfang August, gelegt. Seit heute Morgen sind wir fast Millionäre ;-(
    Wir besitzen ein altes Familiengrundstück (5 Stremmata) am Rande eines Dorfes auf der Insel Kefalonia. Zwar am Rand, aber doch innerhalb des Bebauungsplans des Dorfes. Der „normale“ Verkaufspreis für Grundstücke in unserem Dorf liegt bei ca. 35.000 Euro pro Stremma (1.000 qm). Mehr ist nicht machbar bzw. wird von niemandem bezahlt.
    Wurde das brachliegende Grundstück im letzten Jahr steuerlich noch mit 32 Euro pro qm bewertet, so sind es jetzt gemäss der neuen Bewertung plötzlich 142 Euro pro qm!! Und so befindet sich nun plötzlich ein Immobilienvermögen im “objektiven” Wert von über 300.000 Euro in unseren Händen, dies ist die Klasse, welche am höchsten besteuert wird … . Das Grundstück wird von den Finanzbehörden auf sagenhafte 710.000 Euro geschätzt / bewertet! Und dementsprechend dürfen wir bzw. mein Mann nun 3.500 Euro Immobiliensteuer bezahlen. Er erhält übrigens, nach etlichen Kürzungen, noch 780 Euro Rente monatlich vom griechischen Versicherungsträger …

  2. Team
    4. August 2014, 23:25 | #2

    @Catalina
    Das Finanzministerium gestand die zum Teil enormen Fehler und Verzerrungen inzwischen öffentlich ein und stellt „Nachbesserungen“ in Aussicht, ein entsprechender Beitrag wird bald folgen.

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