Für Griechenland nähert sich die Stunde der Kollision

4. Juli 2014 / Aufrufe: 8.544

Griechenland steuert auf eine Kollision mit der Realität zu, die Überraschungen jeder Art verbergen könnte und zu einem erneuten Anstieg des Risikos für das Land führt.

Das zweite Halbjahr 2014 wird sich in Griechenland vielleicht als die kritische Periode der Enthüllung des Scheiterns erweisen, da sich die Anzeichen für den höchstwahrscheinlichen Zusammenbruchs der Einnahmen mehren.

Die Sozialversicherungsbeiträge sind bereits zusammengebrochen, und die Verantwortlichen, die keine Maßnahmen zur Bewältigung des Problems ergreifen, werden gut daran tun, sich zu überlegen, dass sie möglicherweise sehr bald für die Verbergung der Situation zur Verantwortung gezogen werden …

Geld ist (nicht) vorhanden …

Im Verlauf des zweiten Halbjahrs 2014 werden die Steuerzahler aufgefordert sein, rund 6 Mrd. Euro zu entrichten, die sich aus sechs verschiedenen Steuern summieren. Bisher haben wir über 2,6 Mio. Steuerpflichtige, die rund 65 Mrd. Euro schulden. Die Frage ist, inwieweit Ende des Jahres die Anzahl der 3 Mio. Steuerpflichtigen mit fälligen Verbindlichkeiten und die Summe von 70 Mrd. Euro unbeglichener Verbindlichkeiten überschritten werden wird. Es wird darin fortgefahren, mit mathematischer Genauigkeit zu versinken, ohne dem – trotz der erfolgten Senkung der Lohnkosten – Rückgang der Exporte Beachtung zu schenken.

Ende 2012 betrug die Anzahl der – natürlichen und juristischen – Personen, die dem Finanzamt fällige Verbindlichkeiten schuldeten, 1,274 Mio. Steuerpflichtige, und im Januar 2014 hatte sie 2,653 Mio. Steuerpflichtige erreicht. Die Überschreitung der Anzahl der 3 Mio. Steuerpflichtigen mit fälligen Verbindlichkeiten stellt eine symbolische Größe dar, da die Schuldner der auf 5,8 Mio. Euro veranschlagten fälligen Verbindlichkeiten erstmalig 50% der Gesamtheit der Steuerpflichtigen übersteigen werden.

Die Exporte gehen weiterhin den Bach hinunter, während – abgesehen von den Gläubigern – der einzige Sektor, der das Land aufrecht hält, das (dank internationaler begünstigender Umstände, sprich Unruhen im Nahen Osten, hohe Einnahmen aus Erdöl in Russland, internationale ‚Liquiditäts-Blase‘ …) unveränderte Aufkommen der Touristen ist.

Die Memoranden sind zusammen mit den Tranchen ausgelaufen und die Steuerzahler – wenn man aus der Art des Anstiegs der unbeglichenen Verbindlichkeiten an den Fiskus schließt – ausgepowert worden. Nea Dimokratia (ND), PASOK und SYRIZA weigern sich jedoch weiterhin, die Realität der sich in der Wirtschaft aus den hohen Kosten der Besteuerung und Sozialabgeben ergebende Sackgasse wahrzunehmen. Sie verpulvern ihre Zeit mit der Suche nach Politiken, wie sie – unter Androhung der Konfiszierung von Konten und Immobilien – beitreiben werden, was von den Rücklagen der Sparer übrig geblieben ist, da die Hauptkräfte des politischen Systems in der Auffassung gefangen sind, Geld sei vorhanden.

Ein Licht am Ende des Tunnels wird sich erst abzuzeichnen beginnen, wenn sie (endlich) begreifen, dass kein Geld vorhanden und das Thema ist, die Voraussetzungen für die Kumulierung der Guthaben zu schaffen.

Kollision mit der Realität

Nach seinem Bankrott entschied sich das politische System, Zeit zu gewinnen, indem es die erforderlichen Mittel auf zwei Weisen sicherstellt. Die eine ist die Sicherstellung der Tranchen der Troika unter der Vorspiegelung, Reformen zu tätigen. Und die andere (ist) der Aderlass der Sparguthaben mittels der Besteuerung und ihre unbesehene Umverteilung an das Günstlingssystem. Beide Methoden scheinen 2014 an ihr Ende zu geraten.

Anstatt dass die für den Bankrott verantwortlichen politischen Parteien sich für die Flucht nach vorne entscheiden, beschließen sie ein weiteres Mal die Abschöpfung der verbliebenen Ressourcen mittels der Stagnation. Die politische Sackgasse ist nun jedoch für die Gesamtheit der politischen Welt sichtbar, da auch der Mythos der in der SYRIZA bestehenden Alternative zusammenbricht. Das Unvermögen (der SYRIZA), bei den letzten Wahlen einen Anstieg ihrer Kräfte zu zeigen, hat den sie darstellenden Kräften die Botschaft der Sackgasse signalisiert, und die internen „Vibrationen“ sind bereits sehr stark.

Im Lager der Regierung wiederum scheint man sich für den „Suizid“ anstatt die Flucht nach vorn entschieden zu haben. Anstatt der Beschleunigung der Reformen beschlossen sie, den für die „Greek Statistics“ Verantwortlichen mit einer „Sinekure“ zu honorieren, und das Thema der trotz der Rezession nicht sinkenden Preise trugen sie dem neuen Entwicklungsminister Gerasimos Giakoumatos an, um dem Problem mittels der Methode des „bösen Blicks“ in den „Fenstern“ der TV-Sendungen zu begegnen …

Das Land steuert auf eine kritische Wende der Kollision mit der Realität zu und die wahrscheinlichen vorgezogenen Wahlen werden möglicherweise Überraschungen in alle Richtungen verbergen. In diesem Sinn wird sich in den kommenden Monaten für Griechenland das Risiko erneut übermäßig erhöhen.

Unter dem Prisma dieser Entwicklungen ist dem letzten Bericht der S&P über die griechischen Banken erhöhte Aufmerksamkeit zu zollen, in dem die Rating-Agentur im Rahmen der Bewertung bezüglich des Risikos des Banksystems (BICRA) die griechischen Banken in der höchsten Risiko-Kategorie ansiedelte. Die Agentur bedient sich eines Systems von 1 bis 10, wobei 1 für das geringste Risiko steht. Wie in der Analyse der S&P angemerkt wird, sind andere Länder in der Gruppe 10 Ägypten und Weißrussland.

(Quelle: Capital.gr, Capital.gr)

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  1. Anne
    4. Juli 2014, 02:05 | #1

    Teils ist der Artikel richtig, nämlich das Griechenland sich in einer Sackgasse befindet und die gegenwärtige Politik keinen Ausweg parat hat. Falsch ist jedoch die Behauptung, es sei kein Geld da. Der SPIEGEL hat beispielsweise erst kürzlich berechnet, dass alleine die Reeder dem Griechischen Staat Steuern in Höhe von 150 Mrd. Euro für den Zeitraum 2004-2014 schuldeten, wären sie denn – so wie jeder andere Bürger auch – steuerpflichtig. Genauso gibt es zahlreiche andere Großunternehmer, die in den letzten Jahren fette Gewinne gemacht haben, teils auch noch quer subventioniert durch die EU.
    Die SYRIZA bietet hier – anders als im Artikel bahauptet – sehr wohl Konzepte zur Besteuerung an, die in erster Linie die Reichen be- und die Armen entlasten würden. So stünde einerseits wieder mehr Geld für den täglichen Konsum zur Verfügung, andererseits würde Vertrauen in den Staat geschaffen, der eben auch die Besserverdiener zur Kasse bittet und damit ein gewisses Maß an Gerechtigkeit garantiert. Letzteres sollte absolute und oberste Priorität haben, denn die Griechen verlieren allmählich das letzte Fünkchen Vertrauen in den Staat und die Folgen können sehr extrem sein…

  2. CYR
    7. Juli 2014, 17:49 | #2

    Aus dem Text heraus lese ich nur das nur weitere Reformen helfen können („Beschleunigung der Reformen). Die nicht Beachtung der Realität war schon vorher nicht gegeben. Immerhin hat doch die griechische Regierung Reformen getätigt. Das jetzt zwar die Operation gelungen aber der Patient (=Wirtschaft) Tot ist, liegt garantiert nicht daran das keine Reformen getätigt wurden. Und hätte man die Reformen eins zu eins umgesetzt wäre GR noch schlimmer dran.

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